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41 Zahry

Samstay, den 29. September 1928

Nummer 77

Politische Tagesschau

Die deutsche Delegation zur 9. Völkerbundsversammlung ist am Donnerstag abend unter Führung des Staatssekretärs von Schubert von Genf nach Berlin abgereist.

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Die vor einigen Tagen wieder aufgenommenen deutsch­rumänischen Wirtschaftverhandlungen sind auf erhebliche Schwie­rigkeiten gestoßen, da Rumänien neue Forderungen stellt, mit denen man deutscherseits nicht gerechnet hat.

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Das Redeverbot gegen Hitler in Preußen ist soeben aufge­hoben worden.

Der zur Zeit in Deutschland weilende russische Außenminister Tschitscherin soll, wie verlautet, ernstlich erkrankt sein.

Die englische liberale Presse verlangt Veröffentlichung aller vertraglichen Abmachungen zwischen England und Frank­reich.

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Das amerikanische Staatsdepartement hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten die neue Nankingregierung offi­ziell und de jure anerkannt haben.

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Der griechische Ministerpräsident Venizelos ist am Donners­tag nachmittag von dem französischen Ministerpräsidenten Poin- care empfangen worden.

Vierter Ausstieg desGraf Zeppetin".

Friedrichshafen. DerErms Zeppelin" ist Freitag morgen 7 Uhr zu seiner 4. Fahrt aufgestiegen. Es herrschte leichter Nordwind und Regen. Dr. Eckener erklärte bei Besteigung des Schiffes, daß der Besuch von Wien wegen der Witterungsver­hältnisfe heute ausgeschlossen sei. Das Luftschiff überflog Mün­chen und weiter Salzburg. Wien wurde nicht angeflogen. Auch dauerte die Fahrt nicht so lange, wie ursprünglich geplant war. Um 16,20 Uhr setzteGraf Zeppelin" zur Landung an. Um 16,25 Uhr war die Landung glatt vollzogen.

Zum ersten Male mit Blaugas.

Friedrichshafen. Die letzte Fahrt desGraf Zeppelin" hat zwei wichtige Ergebnisse gezeitigt. Zum ersten Male hat das Schiff beweisen können, daß es kein Schönwetter-Schiff ist. Es hatte mit starken Winden und Regen zu kämpfen und sich dabei auch so glänzend bewährt, daß die Gäste kaum -etwas von dem Unwetter merkten. Als zweites, besonders wichtiges Ergebnis betrachtet die Führung das ausgezeichnete Funktionieren des Blaugases, das heute zum ersten Male ausprobiert worden ist. Diese Prüfung ist sehr gründlich vorgenommen worden. Das Luftschiff ist etwa zwei bis drei Stunden nur mit Blaugas ge­fahren, und zwar in allen fünf Maschinen, dazu in den meisten Kombinationen, die bei den verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten und Manövern Vorkommen. Von führender Seite wird ver­sichert, daß diese Prüfungen allen Erwartungen entsprachen und sie teilweise sogar übertroffen haben. Im ganzen hat ,,©raf Zeppelin" heute etwa 950 Kilometer zurückgelegt. Die größte Höhe betrug 1450 Meter. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ent­sprach der der bisherigen Fahrten und war eher noch etwas besser.

Bolköpartei und Stahlhelm.

Berlin. Zwischen den Mitgliedern der D. V. P., die dem Stahlhelm angehötten, haben bisher keine Besprechungen in Gegenwart des Franktionsvorsitzenden Dr. Scholz stattgefunden. Man nimmt an, daß in Kreisen der dem Stahlhelm ange­hörenden Deutschen Volksparteiler erst in nächster Zeit Erörte­rungen über die vom Stahlhelm gegenwärtige verfolgte Poli­tik stattfinden werden.

Unglück über Spanien.

Wenige Tage nach dem katastrophalen Theaterbrand in Madrid wurde Spanien von einem neuen Unglück heimgesucht, das in seiner Art wieder zu den schwersten gehört. Wir geben folgende Meldungen wieder:

Melilla (Marokko). EiNe furchtbare Explostonskatastrophe, die zahlreiche Todesopfer fr. ,rte und riesigen Schaden anrcchtete, hat sich Mittwoch abend in dem alten, die Stadt überragenden Fort ereignet und die ganze Stadt in Mitleidenschaft gezogen. Wie sich herausstellte, war das Pulvermagazin cm ^ort in bie Luft geflogen. Das Fort selbst ist vollkommen zerstört. Viele Häuser in der Nachbarschaft sind bis auf die Grundmauern nce- "dergerissen, und ein großer Teil der Stadt hat schwer gelitten.

Amtlich wird gemeldet: Die Zahl der identifizierten To­desopfer der Explosionskatastrophe beträgt 42. Die Personalien von drei weiteren Leichen konnten noch nicht ermittelt werden. Außerdem liegen noch menschliche Ueberreste haufenweise her­um, deren Identifizierung unmöglich ist. Die Zahl der Verletzten beträgt 342.

Es sind über 800 kleine und 640 mehrstöckige Häuser zerstört worden, die im Jahre 1921 gebaut wurden, um den nach Marokko gekommenen Soldaten Unterkunft zu geben.

Explosionen in Amren. Bei Piacenza.

Mailand. In der staatlichen Munitionsfabrik des Forts Pertite, zwei Kilometer von Piacenza, hat sich Donnerscag nach­mittag eine gewaltige Explosion ereignet. Ein Kessel, in dein eine Sprengmasse geschmolzen wurde, explodierte plötzlich und brachte die Eisenhütte zum Einsturz. Die Trümmer wurden weit fortgeschleudert. Aus den Trümmern wurden 11 Tote und 7 Ver­letzte geborgen. Eine Untersuchung wurde sofort eingeleitet, doch konnte 'die Ursache noch nich.c festgestellt werden.

Zn Orbetello.

Rom. Kurz nach der Katastrophe von Piacenza, die bereits 13 Todesopfer gefordert hat, hat Italien ein zweites Explosions­unglück zu beklagen, das gestern in der Dynamitfabrik von Orbe­tello erfolgte. Fünf Arbeiter wurden getötet, fünf weitere ver­letzt.

Amundsen tot.

Paris. Der Untergang Amundsens und des französischen Ma­rinefliegers Guilbaud nebst ihren drei Begleitern an Bord des französischen FlugzeugesLatham" steht außer allem Zweifel. Mittwoch sind die im Eismeer aufgefundenen Ueberreste des Latham" in Paris eingetroffen. Die Kiste enthält den von einem Fischerboot am 1. September in dem nördlichsten Eismeer aufgefundenen Schwimmer. Der Schwimmer ist im Laufe des Tages untersucht und bestimmt als ein Rest des Wasserflug­zeugesLatham" festgestellt worben. Der Schwimmer weist ein großes Loch auf und ist vollkommen aufgerissen worden. Hier­aus schließen Sachverständige, daß das Flugzeug aus ziemlich großer Höhe mit einem gewaltigen Stoß auf das offene Meer aufgestoßen sein muß und sofort versunken ist.

Die Not der hessischen Landeskirche.

Darmstadt. Im Laufe seiner Beratungen nahm der Hessische Landeskirchentag einstimmig den Vorschlag Dr. Bernbeck an, eine Deputation zum hessischen Staatspräsidenten zu senden, um ihm erneut die katastrophale Finanzlage der Landeskirche vor- zustell^rn und ihn zu bitten, sich mit aller ihm zu Gebote stehen­den Macht für die alsbaldige Vorlage im Hessischen Landtag ein­zusetzen, damit der unhaltbare Zustand beseitigt werde.

Angriff auf die hessische SiMUtianschule

Aus Offenbach wird uns geschrieben:

In Offenbach sind zur Zeit zwei Rektorstellen zu besetzen. Der eine der beiden seitherigen Inhaber war evangelisch, der andere katholisch. So entsprach es auch der konfessionellen Zusam­mensetzung der Einwohnerschaft. Nun hat allgemeiner Vorschrift entsprechend der Lehrerausschuß Vorschläge zur Wiederbesetzung gemacht und er hat dabei den Standpunkt eingenommen, daß bei der Besetzung von Rektorstellen künftig keine Rücksicht auf die Konfession zu nehmen sei, da unter den sechs vorgeschlagenen Kandidaten 3 katholisch, 2 evangelische und 1 freireligiöser sind, so ist klar ersichtlich, daß die Durchführung dieses neuen Grund­satzes zunächst unter Schonung der katholischen Konfession auf Kosten des hier überwiegenden evangelischen Volksteiles ge­schehen soll. Hinter dem freireligiösen Bewerber steht die partei­liche Hilfe der Sozialdemokratie.

Dieser Vorgang rüttelt an den Grundlagen der hessischen Si­multanschule, für die man nur dann fürder eintreten kann, wenn die konfessionelle Parität sowohl bezüglich der Lehrer als auch bezüglich der Rektoren streng gewahrt wird.

Neichsbahntarif und Schwerkriegsbeschädigte.

Die von der Reichsbahnverwaltung beabsichtigte Erhöhung des Personentarifs unter gleichzeitiger Schaffung eines Zwei­klassensystems hat unter den Schwerkriegsbeschädigten eine er­hebliche Beunruhigung hervorgerufen. Seit Jahren genießen die Kriegsbeschädigten, die nach Art ihrer Verletzung oder Ge­sundheitsschädigung während der Reise sitzen müssen, insofern eine Vergünstigung, als sie auf Grund eines besonderen Aus­weises in der 3. Klasse zum Fahrpreis der 4. Klasse in Schnell­zügen außerdem gegen den tarifmäßigen Zuschlag befördert wur­den. Aus Grund des künftigen Fortfalls der 4. Klasse befürch­ten die Schwerkriegsbeschädigten auch einen Fortsall dieser Ver­günstigung, bei der in erster Linie die Fahrpreisermäßigung bisher dankbar empfunden wurde. Die Spitzenverbände der Kriegsbeschädigten haben deshalb, wie der Verband der Kriegs­beschädigten und Kriegshinterbliebenen des Deutschen Reichs­kriegerbundesKyffhäuser" mitteilt, angeregt, daß die mit einem entsprechenden Ausweis versehenen Schwerkriegsbeschä­digten in Zukunft auf Milttärfahrkarte befördert werden, und zwar im allgemeinen in einem besonderen Kriegsbeschadcgten- abteil der Holzklasse und bei besonders schwerer Beschädigung in der Polsterklasse.

Wenn man bedentt, daß die Schwerkriegsbeschädigten als Soldaten in Erfüllung ihrer Wehrpflicht und bei der Vertei­digung des Vaterlandes in den jetzt noch bestehenden Körper- zustand versetzt sind und ein verbrieftes Anrecht auf den Dank des ganzen deutschen Volkes haben, so kann man ihre Wunsche nur als durchaus berechtigt bezeichnen.

Hindenburg zum Geburtstag.

Zum dritten Mal feiern wir den Geburtstag Hindenburgs, nachdem er, zum Reichspräsidenten erwählt, dieses Amt an­genommen hat. Die Hälfte der Wahlperiode ist schon vorüber. Gegen seine Wahl zum Reichspräsidenten wurde cingewendet, daß er zu alt sei. Je länger er Reichspräsident, desto mehr ver­schwindet diese Einwendung. Rund er die Achtzig überschritten und das 81. Lebensjahr vollendet hat, steht er in aller Frische und unverwüstlich vor uns. Immer noch kein alter gebückter Greis, immer noch hochaufgerichtet ging er in diesem Sommer wieder ins Hochgebirge nach Bayern zur beschwerlichen Gems- j^gb. Keiner wagt mehr zu sagen, daß diese Kraftnatur zu alt sei. Die große Gestalt schreitet immer noch mit sicheren und wuchtigen Schritten daher. Eine trotz aller Leistungen heute noch unverbrauchte Natur! Ein Mann, der das Wott Nerven nicht kennt! Der richtige Germanenwuchs, die Kraft des Gei­stes und des Körpers ist in ihm vereinigt. Mit sicherer Ruhe, mit sicherem Erfassen, verantwortungsbewußt und mit Ent­schlossenheit trifft er seine Entscheidungen.

Ueber den deutschen Militarismus hat man losgezogen, hat ihn verdammt. Aber die Republik konnte froh sein, den Ersten des Militärs als ihre unparteiische Spitze zu empfangen. Die Mär vom deutschen Militarismus ist mit dem Walten Hinden­burgs an oberster nichtmilitärischer Stelle zu Grabe getragen. Rach Abschaffung der alten Armee hat sie in ihrer Nachwir­kung noch den besten deutschen Mann für die erste Stelle zur Verfügung stellen können. Der von Moltke durch den großen Eeneralstab erzogene und gezüchtete deutsche Offiziertyp hat in Hindenburg seinen hohen Wert und seine große Bedeutung auch nach dem Kriege noch einmal gezeigt. Die besten Eigen­schaften desselben treten in Hindenburg hervor: Pflichtbewußt­sein und Pflichterfüllung, unermüdliche Arbeits- und Tatkraft. Es ist das Bewußtsein der verdammten Pflicht und Schuldig­keit. Es ist die hohe Anschauung, daß der deutsche Offizier nicht nach seinen Rechten frägt, sondern in erster Linie nach seinen Pflichten frägt und von ihnen beseelt ist. So stebt er an der Spitze des deutschen Volkes auch als leuchtendes Beispiel, als Vorbild zum Nachstreben. Seine eigene Kennzeichnung hat der ernste und schlichte Mann im Reichstag bei der Eidesleistung durch die mit Spannung erwarteten Worte getroffen:Die An­schauung, wie ich sie in der großen Schule der Pflichterfüllung, dem deutschen Heere gewonnen habe, sollen auch für meine Friedensarbeit von Nutzen sein. Sie gipfeln in dem Satze, daß Pflicht vor Recht geht, daß jederzeit, besonders aber in den Tagen der Not, Einer für Alle und Alle für Einen stehen."

Damit hat er gezeigt, daß er seine Herkunft und die Ver­gangenheit nicht verleugnet, daß er sie hochhält, daß er ihre Be­deutung immer wieder hervortreten läßt.

Die Festigkeit seiner Persönlichkeit hat sich immer als klarer erwiesen. Er ist nicht der Spielball von anderen, nicht von Parteien. Nicht beirren läßt er sich in dem, was er für recht hält. Der frühere Reichskanzler Dr. Luther hat einmal von ihm gesagt, daß er sehr wohl weiß, was er will. In ern­sten Augenblicken, wenn er es für notwendig hielt, ist er mit seinen klaren Worten hervorgetreten. Auf seine gewichtigen Worte hat das deutsche Volk gelauscht und hat sie zu Herzen genommen. Den nötigen Takt hat er immer bewahrt, aber nie hat er sich einschüchtern lassen. Immer ist er in entscheidenden Augenblicken hervorgetreten und hat nötigenfalls mahnende Worte an das deutsche Volk gerichtet.

Sein tatkäftiges Wirken, das nicht immer offenbar wer­den kann, ist doch mehrfach hervorgetreten. Seinem Kampf und Widerstand gegen alle Versuche ist es zu verdanken, daß die Reichswehr nicht der Parteipolitik und dem Bolschewismus ausgeliefert wurde. Mit welch mutigen Worten ist er bei der Tannenbergfeier gegen die Kriegsschuldlüge aufgetreten. Sein tatkräftiges Wirken in der Stille wird erst später die volle An­erkennung finden. Er war ein Heros für das nationale Deutsch­land, das ihn an der obersten Spitze sehen wollte. Immer wei­tere Volkskreise hat er, der nie nach Popularität gegeizt hat für sich gewonnen. Als Autorität hat er sich durchgesetzt. Sem Reichspräsidentenposten hat er zu einer größeren Bedeutung verhalfen.

So steht er immer noch und wieder in hoher Unparteilich­keit über allen Parteien, über allen Kreisen des Volkes. Aber nicht in ängstlicher Zurückhaltung weicht er Entscheidungen aus, sondern er wendet seine Macht, die nicht in der Bedeutung seines Amtes sondern in seiner ganzen Persönlichkeit liegt, mit Maß und Ziel an. Wovon er überzeugt ist, daran hält er fest. Geaen seinen klaren Willen läßt er nichts geschehen. Ohne An­sehen der Partei, der Person, der Herkunft und des Beruses hat er, wie es vor der Wahl zum Reichspräsidenten in seiner Osterbotschaft verkündet wurde, seines Amtes gewaltet. Des Einfachsten im Volke, der sich an ihn wendet, nimmt er sich an. Ein besonderes Herz hat er für seine alten Krieger. Die Ka­meradschaft hält er hoch. Wo er kann, sorgt er für die Kriegs­beschädigten.

Immer noch ist er der einfache, schlichte Mann geblieben. Damit ist er dem Herzen des Volkes immer näher getreten. In­nerlich steht er ihm nahe. Das Volk weiß, daß er mit ihm fühlt. Ihn, der immer höher stieg, hat nie Ehrgeiz beseelt. Nie hat er sich zu einer Stellung gedrängt. Immer mußte er geholt wer­den. Strebertum hat er nie gekannt. Aber den Ehrgeiz hoher Pflichterfüllung, sein Amt auszufüllen, den hat er immer ge­habt. Wie er sich entschlossen hatte, sich zum Reichspräsidenten- amt zur Verfügung zu stellen, war es auch klar, daß er wirk­lich dazu berufen war.