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I w*^ite Nachrichten) (Gresiener Tageblatt)

Erscheint Mittwochs und Samstags.

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41. Fahrs

Mittwoch, den 28. November 1928

Nummer 94

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Politische Zagesschau.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hält an seinem Ent­schlusse fest, sich an der Dezembertagung des Völkerbundsrates per­sönlich zu beteiligen.

Nachdem das Agreement für die Uebernahme des deutschen Botschafterpostens in Moskau für den Ministerialdirektor Dr. von Dirksen durch die Sowjetregierung erteilt worden ist, steht nunmehr die endgültige Ernennung zum Botschafter auf Deutsch­lands wichtigstem Auslandsposten bevor.

Mit der Revisionsverhandlung in der Angelegenheit des Schiedsspruches im Eisenkonflikt vor dem Reichsarbeitsgericht ist nicht vor dem 15. bis 20. Dezember zu rechnen.

Der amerikanische Botschafter Schurmann ist in Plymonth eingetroffen und befindet sich auf der Rückfahrt nach Berlin.

Mkteiirigungs- otbnungen über

Textausgabe. 9 zu: Stümper st"- Geh. Mk. - Texte der neu? März herausge-

Am 28. November trifft Sir Eric Drummond, der General­sekretär des Völkerbundes, zu einem kurzen Aufenthalt in der Reichshauptstadt ein.

Am Montag fand die erste Begegnung zwischen den Führern der deutschen Handelsdelegation und dem Führer der russischen Delegation statt. Die erste Vollsitzung war aus gestern anberaumt worden.

n in Eichen.

Zwischen Ungarn und Polen wurde ein Schieds- und Ver­gleichsvertrag abgeschlossen.

*

Zwischen Griechenland und der Türkei sind Uneinigkeiten über den Bevölkerungsaustausch eingetreten.

Weit Aussperrungen.

Arnsberg. Nach Mitteilung der Regierung in Arnsberg nehmen die Auswirkungen der Aussperrung im Regierungsbe­zirk Arnsberg von Tag zu Tag zu. Die Zahl der mittelbar oder unmittelbar durch die Aussperrung voll -erwerbslos gewordenen Arbeiter innerhalb des Regierungsbezirkes beträgt 100 000. Die Zahl der Stillegungsanträge ist in stetem Steigen begriffen. Bisher sind innerhalb des Regierungsbezirkes unter Berufung «auf den Konflikt bei Nordwest 83 Stillegungsanträge gestellt worden. Infolge dieser Stillegungen werden 15 000 Arbeitetr zur Entlassung kommen, soweit sie nicht schon entlassen sind. Im Siegerländer Wirtschaftsgebiet sind Stillegungsanträge einge­reicht, durch die etwa 10 000 Arbeiter betroffen werden dürften.

Bauernaufstand in Rußland.

Wie der WarschauerKurjer Poranny" meldet, sind in Wilna Nachrichten 'über einen Bauernaufstand in dem sowjet- russischen Bezirk Witebsk verbreitet. Die Bauern ermordeten in dieser Gegend Sowfetsunktionäre und die Redakteure der kommunistischen Zeitungen. Ueberdies wurden in mehreren Dörfern die Gebäude der Sowjeteinrichtungen demoliert und die Leninbilder vernichtet. Rote Truppen sollen den Aufstand nie­dergeworfen haben. Auf Seiten der Aufständischen werden oiele Tote und Verwundete gezählt.

Dezembertagung des Hessischen Landtages.

Das Plenum des Hessischen Landtags ist für Montag, den 3. Dezember, vormittags 10 Uhr, einberUfen. Die Tagesord­nung umfaßt 87 Punkte. Die Tagesordnung sieht die Beratung des Stellenplanes zur Besoldungsorduung, die Beratung der m den Ausschüssen vorbereitenden Steuergesetzentwürfe sowie son­stige Regierungsvorlagen und Anträge vor. Die Plenarsitzun­gen werden wohl zwei Wochen in Anspruch nehmen. ^n der ersten Woche wird mit Rücksicht auf den Reichsparteitag des Zentrums nur bis einschließlich Mittwoch getagt.

Aömlkal Echm i

Admiral Scheer. Ler Sieger Ler Schlacht am Skagerrak, ist m der Nacht vom Sonntag zn-m Montag nm Herzschlag plötzlich gestorben. ..... ,

Das Beileid des Reichspräsidenten.

Berlin. Der Reichspräsident hat an 'die Tochter des verstor­benen Admirals Scheer folgendes BeileiLstelegramm S«i^tet. Sie Nachricht von dem so unerwarteten Tode ^hres Baiers. Ikes Admirals Scheer. L-N ich erst vor wenigen Tagen 'N voller Gesundheit hei mir gesehen habe, hat mich wer el*11^ bitte Sie und die Ihren. Len Ausdruck meiner herzlichen Anteil- »«Hine an ihrem großen Schmerz entgegenzunehmen und ver­sichert zu fein, Latz ich dem ruhmreichen Führer der deutsch i Flotte, dessen Name Mik der Seeschlacht km Skagerrak rn er - schichte Deutschlands wetterleben wird, stets ein ohrenres meradschaftliches Gedächtnis bewahren werde. gez. v. Hindenburg, Reichsprosident.

Berlin. Weid-, Stander Müller hat antätzlich Les Ablebens »cs Admirals Scheer Ler Tochter Les Berstorbenen. zugl-ich Namen der Reichsregierung. seine auisrichtige Teilnahme tcie- IMphisch -ausgesprochen. w

London. Die britische Admlralilät hat an d're putsche - - »rmeleitung zum Tode des Admirals Scheer eine I hmbgeb'Ung gerichtet.

Das Befinden des Königs Georgs.

London, 27. 11. Nach dem letzten Bulletin über das Be­finden des Königs ist das Fieber des Kranken, zu dessen Lun­genentzündung eine Entzündung des Rippenfells hinzugetreten

ist,

-etwas gesunken.

Stürme und Schiffsverlufte.

Der nun fast acht Tage ununterbrochen anhaltende Sturm hat während des Wochenendes der Schiffahrt ungeheuren Scha­den zugefügt. Nicht weniger als 21 Schiffe sind verloren ge­gangen. Die Besatzungen wurden zum größten Teil gerettet. Die Meteorologen haben für den ungeheuren Sturm keine ein­wandfreie Erklärung und führen ihn auf eine mögliche Ver­bindung mit unterirdischen vulkanischen Ausbrüchen zurück.

Aus der Fülle der Schreitensmeldungen.

Berlin. Das deutsche SchulschiffPommern" ist 25 See­meilen westlich von Guernsey gesunken. Der deutsche Dampfer Heros" hat die ganze Besatzung von 84 Köpfen einschließ­lich des Kapitäns gerettet.

Lübeck. Nach Funksprüchen der englischen Reederei, deren Dampfer sich an der Rettungsatbeit des untergegangenen deut­schen DampfersHerrenwyk" beteiligt hatte, ist die weitere Bergungsarbeit erfolglos geblieben. Es muß also damit gerech­net werden, daß von der 27 Mann starken Besatzung des Dam­pfersHerrenwyk" 14 Mann in den Wellen umgekommen sind.

Kiel. In dem Sturm am Montag ist der Kieler Dampfer Käthe Grammerstorf" auf der Reise von England nach Stet­tin in der Nordsee gesunken. Der italienische DampferSa- lento" ist ungefähr vier Kilometer südlich von Pmuiden ge­strandet. Die gesamte 25 Mann starke Besatzung dürfte umgekom­men sein.

Der griechische DampferEugenia" strandete auf dem Wege von Rotterdam nach Amsterdam bei Helder. Das Schiff ist 4660 Brutto-Tonnen groß.

Wie aus Dem Heler gemeldet wird, konnte das dort statio­nierte Rettungsboot von dem hilflos im Sturm treibenden deutschen LeichterschiffPeter Shoop" die auf ihm noch ver­bliebenen drei Mitglieder der Bemannung, die in völlig er­schöpftem Zustande waren, retten und nach Dem Helder brin­gen. Das Rettungsboot ist inzwischen wieder ausgefahren, um dem deutschen DampferRudelshetm/", der SOS-Rufe aus- fandte, zu Hilfe zu eilen.

Samstag abend ist der deutsche SchlepperFair Play" mit fünf Verletzten an Bord im Hafen von Helder angekommen. Das Schiff war mit einem Salzschiff im Schlepptau auf dem Wege von Cuxhaven nach Zaandam und ist am Freitag an der holländischen Küste in das Unwetter geraten. Die Schlepptaue rissen.

Ein holländifcher Dampfer, der aus der Reise von New­castle nach Bremen war; verlor in dem schweren Wetter in der Wesermündung die Decklast. Ein anderer Dampfer ist von drei Lotsen, die sich noch an Bord befanden, verlassen worden, da keine Bergungs-Möglichkeit mehr besteht. Der lettische Dampfer Kati" aus Riga meldet funkentelegraphisch, datz er fünf See­meilen vor Borkum in Seenot geraten ist. Der DampferSul­tan" meldet, datz er bei Norddeich ein in Seenot befindliches Fahrzeug gesehen habe, dem Mast und Ruder gebrochen seien. Der HeringsloggerElla" mutzte mit Schlepperhilfe flottgemacht werden.

Nach einer Meldung aus Kopenhagen ist der dänische Fisch­dampferSyrene" mit der Besatzung im Sturm untergegangen.

Volksbegehrens

Von der mannigfachen Kritrk an dem Plane des Stahl- helm-Volksbegehrens ist für uns nur die von nationalistischer Seite vorgebrachte von Interesse; denn mit allen denen, die einen Angriff' gegen das korrupte parlamentarische System überhaupt ablehnen (einschließlich der Deutschen Volkspartei) verbindet uns nichts Gemeinsames mehr, worüber zu disku­tieren sich lohnte.

Die Kritik einzelner nationalistischer Kreise enthält rich­tige und falsche Ueberlegungen.

Unzulänglich ist jedenfalls das Argument, daß ein von der Weimarer Verfassung gegebenes politisches Mittel eben des­halb von vornherein abzulehnen sei. Wir haben immer betont, daß die nationalrevolutionäre Idee Sache des Ziels und nicht der Mittel ist.

Die richtigen kritischen Gedanken finden sich in unserer folgenden grundsätzlichen Stellungnahme wieder:

Volksbegehren nennt zu unrecht die Weimarer Verfas­sung'dieses staatsrechtliche Institut, das man bester alsMas­senbegehren" bezeichnen sollte. Denn die Weimarer Demokratie (was auch zu deutsch eigentlichVolksstaat" heitzt) kennt nur zwei Faktoren als politische Rechtsträger: den Einzelnen und die Masse, bezw. Mehrheit. (Datz hinter beiden als tat­sächliche Machthaber und Drahtzieher die Parteien und das Geld stehen, davon sagt die Verfassung nichts!)

Masse aber ist nicht Volk. Volk ist der in Lebens- und Funktionskreise gegliederte Gesamtorganismus gleichen Blutes und gleicher Art. Seine politischen Erscheinungsformen sind Gemeinschaften, in denen die Menschen entweder nach iyrem Berufe oder nach geistigen Gemeinsamkeiten gebunden sind; für unsere Tage können wir rundheraus nennen: die

Stände und die Bünde. Da die Gemeinschaften ein eigener überindividueller Geist belebt, sind sie fähig zur Bildung eines eigenen autonomen Willens.

Masse ist Vielheit schlechthin, ist willenlose Herde, blöde Materie, Gebilde von Sanddünen, deren Gestalt der be­stimmt, der sich die Maschinen zu ihrer Bearbeitung leisten kann! Auf diesem Sand ist der Staat von Weimar aufgebaut, und damit denen ausgeliefert, die das erforderliche Geld zur Bearbeitung der Masse auswerfen können.

Das Volk in seinen organischen Gemeinschaften kann das Mittel desMassenbegehrens" anwenden, um seinen Willen gegen die entwurzelte Masse und ihre volksfeindlichen Treiber durchzusetzen, wenndiese Gemeinschaften das verfassungsmäßige Mittel aufbringen: die Stimmenmehrheit-. Und an diesem Punkte erhebt die nationalistische Kritik mit Recht ihre war­nende Stimme. Denn an der Frage, w i e diese Stimmenzahl zu erreichen ist, entscheidet sich, ob die Träger des Volksbe­gehrens mit überlegener Sicherheit den Weg des deutschen Na­tionalismus Weiterschreiten oder ob sie in übereiltem, instinkt­losem Eifer sich auf den Boden der Gegner locken lassen, um dort mit verfehlten Experimenten zu scheitern.

Man kann das Massenbegehren so durchzuführen versuchen, daß man an den Einzelnen bezw. an die Vielheit der Einzel­nen, an die Masse appelliert. Dann steht das Ergebnis in un­mittelbar proportionalem Verhältnis zu den Mitteln, die von den Konkurrenten zur Bearbeitung des einzelnen Spieß- Verzeihung: Staatsbürgers und der Masse derselben aufge­wendet werden können. Allenfalls spielt noch die Windrichtung einer vorhandenen allgemeinen Massenstimmung für die Bil­dung der Sanddünen des Abstimmungsergebnisses eine Rolle. Welchen Erfolg ein von unserer Seite an die Massen gerich­teter Appell haben könnte, lätzt sich durch Vergleich der finan­ziellen Mittel unter Berücksichtigung der herrschenden Massen­

strömungen mit ziemlicher Genauigkeit berechnen.

Und

selbst wenn durch besonders glückliche Umstände dieser Weg zum Ziele führte, bleibt ein weiteres Argument der Kritik beacht­lich: daß dann nach der Verfassungsänderung die Reichsleitung mit jeder Präsidentenwahl dem gleichen Zufallsspiel der Mas­senabstimmung ausgeliefert ist. Glaubt man ernsthaft, in der Werbung um die Gunst der Massen immer die Oberhand be­halten zu können? Wir bezweifeln das und sehen in dieser Ein­sicht kein Bekenntnis der Schwäche: es gibt Angelegenheiten, in denen man stolz darauf sein kann, in dieser Hinsicht dem Gegner nicht gewachsen zu sein!

Es gibt aber auch einen andern Weg, die verfassungs­mäßige Stimmenzahl des Massenbegehrens zu erreichen: Die organischen Gemeinschaften des Volkes können die Kolonnen ihrer Angehörigen aufmarschieren lassen, um mit dem demo­kratischen Mittel der Abstimmung die entwurzelte Masse nie­derzuringen. Zwar die Bünde sind nur Stoßtrupps, imb hier entscheidet nicht die Qualität, sondern die Zahl. Aber noch lebt der größere Teil unseres Volkes in wenn auch stark er­schütterten ständischen Zusammenhängen; es kommt dar­auf an, jeden Einzelnen von dieser Seite her zu erfassen und ihn wieder so eng mit seiner ständischen Gemeinschaft zu ver­knüpfen, datz er marschiert, wenn seine Führer ihn rufen. Und es gilt, die ständischen Gruppen selbst zu mobilisieren, ihnen die Erkenntnis ihrer Gefahr und ihrer politischen Verantwor­tung einzuhämmern, bis sie geschlossen einrücken in die an­griffsbereite Front des Nationalismus. Ist das erreicht, so lätzt sich unser Matsch auf die Macht mathematisch genau vorausberech- nen, mit oder ohne Volksbegehren; und nur unter dieser Vor­aussetzung hat die Verfassungsänderung einen Sinn, denn nur so wird sie uns und nicht dem Zufall oder den Gegnern die Staatsmacht bleibend in die Hände geben. .

Das äußere Zeichen des Volksentscheides mit diesen u n - seren Mitteln wäre, daß er von' unserer Seite ohne jede Agitation im herkömmlichen Sinne durchgeführt würde. Keine Wahlversammlung, kein Geschrei, aber jeder Deutsche, der zu uns gehört, würde von seiner geistigen oder ständischen Ge­meinschaft aufgerufen und in Front gestellt. Das Experimen­tieren mit den Mitteln der Gegner, die untauglichen Ver­suche in nationalem Massenzauber müssen endgültig zu Ende sein.

Wir sind uns darüber klar, daß die Voraussetzungen für dieses Vorgehen noch lange nicht gegeben sind. Noch schlafen die Stände und erschauern leise, wenn man ihnen von politischen Aufgaben spricht. Wo wir lebendige, kampffähige Gemeinschaf­ten erwarten, sehen wir Sekretäre, Steuerberatungsstellen und einen Haufen nörgelnder, aber feiger Spießer. Ob die steigende Not hier läuternd wirkt, wir wissen es noch nicht. Daß aber trotzdem unser Weg der richtige ist, beweist uns die Jugend. Iungbauern- und Artamanenbünde zeigen uns deutsches Landvolk, das seiner selbst bewußt ist, im Werden. Iunghandwerkerkreise beweisen, daß noch ein gesunder bürger­licher Mittelstand aus den Trümmern städtischen Niedergangs emporstrebt. Junge Arbeiter und Angestellte reihen sich ge­schlossen ein in die Front des Nationalismus. Was hier im Werden ist, bleibt gefeit gegen den Geld- und Massenzauber des herrschenden Systems. Deshalb können wir wenn auch jede Faser nach dem Vorstoß bebt auf den Augenblick des Angriffs warten. Und deshalb warnen auch wir vor Experi­menten mit Mitteln, die dem Wesen der Gegner entsprechen, nicht dem unseren. Ein Volksentscheid der Bünde und Stände wird uns in vorderster Front finden.