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«Äs Bl Fahrs Donnerstag, den 20. Dezember 1928
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Erscheint Mittwochs und Samstags. Bezugspreis 2,40 Jt vierteljährlich frei ins Haus.
^^ Zu Ehren des Reichspräsidenten von Hindenburg gab die bei 22ß ßeichskanzler Müller ein Essen, an dem die Reichsminister, der ^aphische ^, > Präsident der Reichsbank, der Generaldirektor der Deutschen deutschen Ha^ ^ichsbahngesellschaft, die stimmführenden Bevollmächtigten der
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Lander zum Reichsrat, die Chefs der Heeres- und der Marine- kitung und die Staatssekretäre des Reichs mit ihren Damen Inlnahmeu.
Man rechnet damit, daß heute und zwar gleichzeitig in Berlin und Paris, ein zwischen der Reichsregierung und den En- Untemächten vereinbartes (Kommunique veröffentlich werden wird, in dem die Grundsätze sestgslegt werden, die für die Er- lennung der Sachverständigen und die Einberufung des zweiten Dawes-Komitees maßgebend sein sollen.
Km Dienstag früh ist die deutsche Delegation aus Lugano vieder in Berlin eingetroffen. Nur Außenminister Dr. Strefe- vanu ist zurückgeblieben. Er wird erst am Donnerstag in Verlin eintreffen.
Am 18. Dezember ist der deutsche Gesandte in Helsingfors, Hauschild, im Alter von 48 Jahren gestorben. Aus dem sächsischen Verwaltungsdienst hervorgegangen, war er fett 1925 Gesandter in Helsingfors. Dor verstorbene Gesandte war ein aus- zezeichneter Kenner der Ostfragen.
Anläßlich seiner Anwesenheit in Heidelberg besuchte der amerikanische Botschafter Shurmann das Grab Friedrich Eberts ans dem Heidelberger Friedhof, sowie das Ebert-Geburtshaus, do er sich in das Besuchsbuch eintrug.
Wie von unterrichteter Seite zur Frage der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen mitgeteilt wird, ist die Lage nunmehr so, daß die Grundlagen für einen Handelsvertrag gegeben sind. Wie sich Polen im einzelnen zu den deutschen Forderungen stellt, wird erst nach Rückkehr des deutschen Delegationsführers Dr. Hermes zu überblicken ssiu.
Der letzte Bericht über den Krankheitszustand des Königs ton England wird in medizinischen Kreisen mit einiger Sorge illsgenommen.
Am 10. Januar werden in Frankfurt a. M. Hwei deutsch- wsjische Eisenbahnkonferenzen eröffnet. Die eine wird sich mit kt Frage des Konventionaltarifes, die andere mit waggontech- lischen Fragen befassen. Auch Lettland, Estland und Litauen »erden an den Konferenzen teilnehmen.
Am Mittwochvormittag haben die angekündigten Verhand- hngen, die der Beilegung des Streikes in der Werftindustrie Minen sollen, im Reichsarbeitsministerium unter dem Vorsitz I ks als Sonderschlichter bestellten Ministerialrates Dr. Grabein tegonnen.
Branbkatastrophe in Berlin
Berlin. Gegen 11 Uhr Mittwoch morgens ereignete sich in
-t vier Zelluloidfabrik in der Schönleinstraße im Osten Berlins
ane schwere Explosion. Bevor die Feuerwehr anrückte, verachten die in den dortigen Räumen beschäftigten Arbeiter und -Arbeiterinnen, da immer wieder Explosionen auftraten und ifnen der Weg ins Freie durch die verqualmten Treppen abgeschnitten war, durch die Fenster auf den Hof zu gelangen. Als die Feuerwehr eintraf, bot sich ihr ein erschütterndes Bild; denn die meisten betroffenen waren am Ende ihrer Kräfte. Sie hingen verzweifelt an den Fenstern. Die Feuerwehr brei- tüc sofort Sprungtücher aus. Jedoch waren schon vorzeitig Nischiedene Personen, deren Kleider Feuer gefangen hatten, Ägesprungen. Die Zahl der Toten beträgt bis jetzt 2 und die bei Schwerverletzten 15.
Berlin. Die Brandkatastrophe, die in Berlin in der Schön- Kinstraße stattfand, wird noch ein Nachspiel haben. Es fand am anderen Tage ein Lokaltermin statt, der zur völligen Klärung der Ursache der Brandkatastrophe geführt hat. Es hat fä bei der Untersuchung ergeben, daß eine junge Arbeiterin, lie erst seit fünf Tagen im Betrieb angestellt ist, die Kata- -wphe durch ihren Leichtsinn verursacht hat. Leider ist die beissende Arbeiterin bei dem Unglück selbst so schwer verletzt Garden, daß auch an ihrem Aufkommen gezweifelt werden muß. $5 hat sich aber weiter gezeigt, daß der Inhaber der Fabrik fa Radiozubehörteile, Trotzki, die notwendigsten Maßnahmen unterlassen hat, um einer Brandgefahr vorzubeugen, ^ufolge- Nen wird gegen Trotzki ein Strafverfahren wegen fahrlässi- & Brandstiftung anhängig gemacht werden.
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Die Franzosen vrrhaMn weiter.
Köln. In Koblenz sind kürzlich zwei Beamte der Reichs- ^ernnögensverwaltung durch französische Geheimpolizisten festge- ^iwt und in das dortige Militärgefängnis gebracht worden. ^ handelt sich um mittlere Beamte. Ein dritter Beamter war Är Vernehmung geladen, ist aber wieder freigelasien worden. ^ Gründe, die die Franzosen zu der Verhaftung veranlaßt ^, sind unbekannt.
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Ser südamerikanische Konflikt.
Es hat den Anschein, als ob der Kriegszustand zwischen Bolivien und Paraguay durch Vermittlung der panamerikanischen Konferenz ein schnelleres Ende finden soll, als man nach der Entwicklung der Dinge erwarten durfte. Beide Länder haben j ebenfalls plötzlich erklärt, von weiteren Feindseligkeiten ab- sehen zu wollen und darüber hinaus sich sogar bereit gefunden, ihren Streit vor eine panamerikanische Schlichtungskommission zu bringen. Von Paraguay konnte man eine solche Dereit- willigkeit erwarten, bei Bolivien aber kommt diese plötzliche Wandlung doch überraschend, und es wird deshalb wohl richtig sein, daß wie aus Montevideo berichtet wird, der panamerikanische Schlichtungsausschuß der bolivianischen Regierung goldene Brücken gebaut hat.
New Port. Nach einigen Tagen schwerer Befürchtungen um den Ausgang des Grenzstreites zwischen Bolivien und Paraguay sollen nach Meldungen aus Washington die Aussichten für eine friedliche Beilegung des Streitfalles wieder gestiegen sein. Die Regierung von Paraguay hat Staatssekrtär Kellogg mitteilen lassen, daß sie bereit sei, die Schlichtung des Streitfalles der zur Zeit in Washington tagenden panamerikanischen Konferenz zu überlasten. — Nach weiteren Mitteilungen aus Washington hat auch Bolivien das Vermittlungsangebot der panamerikanischen Konferenz angenommen.
Annahme des Kellogg-Paktes im amerikanischen Senat.
Washington. Die außenpolitische Senatskommission nahm
mit 15 gegen 1 Stimme eine Entschließung an, durch die Kommissionspräsident Borah ermächtigt wird, dem Senat Annahme des Kollegg-Paktes zu empfehlen.
Eenatorenwahlen in Sanztg.
Danzig, 18. Dez. Der Danziger Volkstag nahm heute
der die
die
Wahl der Hauptamtlichen 'Senatoren vor, die nach den Vestim- mungen der Verfassung ein Jahr nach den Volkstag-Neuwahlen erfolgen muß. Zum Präsidenten des Senats wurde Dr. Heinrich Sahm wiedergewählt. Die Einführung der neugewählten Senatoren findet in der Volkstagssitzung am 16. Januar nächsten Jahres statt.
EtaatsvrMent Adelung über die Relchsreform.
Staatspräsident Dr. Adelung machte Dienstag vor den Parlamentsjournalisten des hessischen Landtags Ausführungen über „Hessen und die Einheitsstaatsfrage". Vorweg wollte er bemerken, daß er Anhänger des Einheitsstaatsgedankens sei. Aber man müsse aus dem Stadium schlagwortähnlicher Formulierungen heraus, die keineswegs immer klare und noch weniger einheitliche Begriffe decken. Deshalb habe er es auch nicht für seine Aufgabe gehalten, in dem Referat, das er auf der Oktobertagung des Verfasiungsausschusies der Länderkonferenz erstattete, theorethische Bekenntnisse abzulegen, sondern versucht, in sachlichen Erörterungen darzutun, wie wir unter den gegebenen Verhältnissen einem einheitlichen, zweckmäßiger gegliederten Deutschland näher kommen können.
Staatspräsident Adelung wies dann darauf hin, daß die Aufgabe des 1. Unterausschusses, dem er angehöre, und der Vorschläge über die territoriale Umgliederung des Reiches zu machen habe, eine sehr schwierige sei. Es sei zu wünschen, daß sich auf diese Weise auch im Rhein-Mainischen Gebiet, wo die Verhältnisse besonders kompliziert lägen, eine Regelung finden lasse, die sowohl dem gesamtdeutschen Interesse, wie uuch dem der beteiligten Bevölkerung gerecht werde.
Ein Vorschlag allerdings, wie ihn z. V. der Luthersche „Bund zur Erneuerung des Reiches" mache, der einfach Preußen, einige norddeutsche Länder und Hessen zu Reichsland erklären wolle und damit etwa 7 Millionen deutscher Staatsbürger, die bisher ihre Angelegenheiten selbst verwaltet haben, in einem zentralistisch organisierten Gebilde zusammenfasse, sei sowohl vom hessischen wie vom gesamtdeutschen Standpunkte abzulehnen. In der Frage der Verreichlichung der Justiz stehe er persönlich auf dem Standpunkt, daß die Uebertragung auf das Reich zweckmäßig sei. Die hessische Regierung habe den festen Willen, sich bei der Lösung des Problems der Reichsreform nicht von partikularistischer Engherzigkeit leiten zu lassen, sondern als Leitmotiv die Interessen Gesamtdeutschlands in den Vordergrund zu stellen. Dabei werde aber die Sorge nicht zurücktreten dürfen, die ihr anvertrauten kulturellen und
wirtschaftlichen Interessen der Bevölkerung so sorgsam möglich in den Rahmen des Ganzen einzubetten.
wie
Relchstagsabgeorbmter Alngelkey
hat sein Mandat als hesiischer Landtagsabgeordneter niedergelegt. Abg. Dingeldey scheidet mit dieser Mandatsniederlegung keinesfalls aus der hessischen Politik aus, da er nach wie vor Landesvorsitzender der Hessischen Deutschen Volkspartei bleibt. Für Abg. Dingeldey wird im hessischen Landtag Bäckerober- meister Kunkel aus Worms nachrücken.
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Frankreichs ..Politigue d Expansion" aus dem Rhein.
Deutsche Arbeiter in französischen Diensten.
Der französische Minister der öffentlichen Arbeiten hat unlängst an die französische Reederei-Vereinigung in Straßburg eine Zuschrift folgenden Inhalts gerichtet: „Der jüngste Streik, der vom 1. Mai bis 19. Juni 1928 die gesamte deutsche Rhein- fchiffahrtsflotte stillgelegt hat, hat den Beweis erbracht für die Kraft und die Lebensfähigkeit der Organisation, welche unser Land auf dem Rhein sich z-u schaffen verstanden hat. — Dieses hervorragende Resultat, das den schlagenden Beweis erbringt, für den Wert der von Frankreich auf d. Rhein verfolgten „Politique d' Expansion, ist der Lohn für die Bemühungen der französischen Rheinschiffahrt, und macht ihrem Unternehmungsgeiste alle Ehre. Im Namen der französtschen Regierung bitte ich Sie, den französischen Reedereien meine herzlichsten Glückwünsche für bas Gelingen des großen Werkes auszusprechen."
Dazu bemerkt „Der Deutsche Oekonomist", Wochenschrift für Wirtschafts- und Finanzfragen, in Nr. 47 vom 22. 11: Das erwähnte glänzende Ergebnis für die französischen Reedereien ist weniger durch ihre eigene Leistungsfähigkeit unb Tüchtigkeit, als dadurch herbeigefühtt worden, daß die deutschen Löhne in der Rheinschiffahrt schließlich bis zu 40 Prozent über denen der ansländischen Wettbewerbenden Schiffahrtsunter nehm ungen lagen and es ist fast tragisch anzusehen, daß die unter französischer Flagge fahrenden Fohrzeuge zu einem großen Prozentsatz mit deutschem Personal besetzt sind, das sich mit dem niedrigeren französischen Lohnsatz zufrieden erklärt und nun unter den verschlechterten sozialen Arbeitsbedingungen Arbeit sucht und findet, wirklich ein Warnungszeichen, wie es deutlicher kaum aufgerichtet werden kann, dafür, daß es Grenzen gibt, über die die Gewerkschaften ihren Lohnbogen nicht spannen dürfen, ohne ihre eigenen Leute schwerstens zu schädigen.
Und ein weiteres Zeichen: Die Erklärung des preußischen Handelsministers über den dentschen Bergbau, wenn er ausführte, daß der englische Bergbau seit dem bortigen Streike die Arbeitszeit verlängert und bie Löhne um 13,5 Prozent verkürzt hat, so daß bei uns die Arbeitszeit jetzt eine halbe Stunde kürzer ist als in England, während der Lohn um 16 bis 18 Prozent gestiegen sei; eine Lohnherabsetzung wie in England, so führte der Minister aus, würde sich aber die deutsche Verg- arbeiterschaft nicht gefallen lassen, deshalb bleibe nur die Stillegung übrig. Und bei alledem spricht der Vorwärts immer nur vom Klassenkampfgeist in der Arbeitgeberschaft, vom Scharfmachertum der Unternehmer, von einem Kampf der Arbeitgeber gegen die Arbeiter, gegen den Staat, gegen das Schlichtungswesen, nur um die Gewinnrate nicht kürzen zu lassen.
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Esten. Vor dem Essener Schöffengericht ist in (bem Verfahren gegen einen Spielhöllenbetrieb nach den Presseberichten (Essener Allgemeine Zeitung) von zahlreichen als Zeugen vernommenen Frauen „bitterliche Klage" darüber geführt worden, daß ihre Ehemänner das Geld zum großen Teil in Glücksspielen verlören. Am Donnerstag würde der Spielhöllenbetrieb mit Vorliebe eröffnet, weil das der Tag ist, an dem die Erwerbslofen- gelder ausbezahlt werden. Dann werde so lange weitergespielt, bis das Geld alle sei. In dem Gerichtsbericht hat der Verfasser auf Grund der Zeugenaussagen noch angemerkt: „Mit Vorliebe betätigen sich in der Spielhölle die Erwerbslosen; eine Erscheinung, die man in ähnlichen Fällen schon so oft erlebt hat. Wie ein Zeuge bekundete, ist die Spielwut so groß, daß sich die Glücksspieler durch nichts abschrecken lasten. Kaum war die Spielhölle ausgehoben, da fanden sich auch schon wieder in demselben Raume Spieler ein." Das Gericht nahm den Spielhöllenbesitzer in die empfindliche Strafe von drei Monaten Gefängnis. Der Vorfall wirft ein bezeichnendes Licht auf Zeiterscheinungen, denn so verwerflich der auf den Fang von Erwerbslosen eingestellte „Glücksbetrieb" ist, so unverständlich ist das unverantwortliche Einsetzen von Erwerbslosengeldern am Spieltisch, die dem Haushalt entzogen werden.
Verbot der Weihnachtsfeier in Rußland.
Kowno. Wie aus Moskau gemeldet wird, haben gestern die kommunistischen Organisationen in ganz Rußland Kundgebungen gegen die Feier des bevorstehenden Weihnachtssestes veranstaltet. Es wurde verlangt, daß am Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen sämtliche Fabriken und Industrien arbeiten sollen. Die Regierung wurde aufgefordert, sofort Maßnahmen gegen das Fällen von Weihnachtsbäumen zu ergreifen und ein entsprechendes Verbot zu erlassen. Man rechnet damit, daß die Regierung bereits in den nächsten Tagen eine beiartige Verfügung erlassen wird und das Schneiden von Weihnachtsbäumen verbietet, weil dies die Wälder zu schädigen geeignet sei. Sämtliche Theater werden auf Befehl der kommunistischen Partei an den Weihnachtstagen und am Heiligabend genau so spielen, wie an den übrigen Tagen.
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