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41. Aahey.Samstag, den 18 August 1928 Nummer 65
Politische Tagesschau.
Es ist nun sicher, daß Stresemann nach Paris fährt.
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Hindenburg ist nach Ditramszell zum Antritt seines Urlaubs gereift.
Der Oberkommandierende der französischen Besatzung besichtigt zur Zeit die Truppen in der Pfalz.
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Die Veröffentlichung des französisch-englischen Flotteir- abkommens wird einen Aufschub erfahren, damit den ausländischen Regierungen Zeit zu Meinungsäußerungen gegeben werde.
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Infolge der Vergiftung des Abgeordneten Galmot sind in Französisch-Guyana blutige Unruhen ausgebrochen.
Litauen lehnt die Genfer Verhandlungen mit Polen ab.
Die äußere (Sowjet-) Mongolei hat dem Staate Varga den Krieg erklärt.
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Die Typhusfälle in Potsdam und Umgebung haben an Ausdehnung angenommen.
Der Reichsaußenminisler fährt nach Paris.
Nachdem die deutschen Forderungen in der Austieferun zs- irage von Paris zugestanden worden sind, ist die Reise des Außenministers Dr. Stresemann nach Paris sicher geworden. Ob Staatssekretär Schubert und Ministerialdirektor Gauß den Minister begleiten werden, ist wahrscheinlich.
Französische Spionage über Deutschland.
Drei deutsche Verräter verhaftet.
Ludwigshafen, 16. August. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft sind -kürzlich drei Angestellte der französischen Ge- deimpotizei, der sogenannten „Suretè", im besetzten Gebiet verhaftet worden.
Die Verhafteten sind drei Angestellte der I.-G. Farben- irdustrie in Ludwigshafen und zwar Laborant Fritz Hellmann, der Laborant Richard Müller, beide aus Ludwigshafen, und der Techniker Franz Schwarzwälder aus Mannheim. Sie wurden nacheinander am 27. Juli, am 31. Juli und am 4. August fest- genommen. Bei der gleichzeitig in den Wohnungen der Verhafteten vorgenommenen Haussuchung fiel ein erdrückendes Bc- rveismaterial in die Hände der deutschen Polizei, aus dem einwandfrei hervorgeht, daß die drei Angestellten im Dienste der ffairzöfischen „Suretè" standen und zu der von ihnen betriebenen Werkspionage in der deutschen Chemischen Industrie benutzt wurden. Die französische Werkspionage erstreckte sich in der Hauptsache auf das Werk Ludwigshafen und Oppau der I.-E. Farben, aber auch auf Da^s Leunawerk in Merseburg. Die Beziehungen der Verhafteten zu dem französischen Spionagedienst reichten bis zum Dezember 1927 zurück. Das Ziel der französi- fchcn amtlichen Werkspionage war darauf gerichtet, neue, wichtige und erfolgversprechende Betriebsgeheimnisse auf Gebieten, die für die deutsche Wirtschaft weittragende Bedeutung haben, unk geeignet sind, die deutsche Volkswirtschaft vom Auslande unabhängig zu machen, auszukundschaften und der französischen Industrie auszuliefern. Obwohl es im letzten Augenblick gelang, die Machenschaften der „Suretè" aufzudecken, konnte leider nicht mehr verhindert werden, daß bereits einige Betriebsgeheimnisse in die Hände der Gegenseite geraten sind.
Durch die Aufdeckung der Spionage in den Werken Ludwigshafen unb Oppau in der J.-G. Farbenindustrie ist einwandfrei festgestellt, daß das französische amtliche Spionagenetz über ganz Deutschland ausgebreitet ist.
Der Kommunisten-Terror.
Berlin, 16. August. Wie wir erst jetzt erfahren, wurde am vergangenen Sonntag das Stahlhelm-Mitglied Heinz Malchert in der Nähe von Mustermark bei Berlin von vier Mitgliedern des Rotfrontkämpferbundes überfallen und durch mehrere Mef- sferstiche derartig verletzt, daß es bereits am Montag im Nauener Kreiskrankenhaus verstarb.
Der KommunisteuMob gegen Hindenburg.
Halle, 16. August. In diesem Zusammenhang ist es inter- «ssanr, was Herrn Severings politische Kinder sich auch weiterhin alles leisten dürfen. Dieser Tage beging ein Trupp Kom- nvunisten, der aus Notbhausen gezogen kam, im Städtchen Heringen große Ausschreitungen. Ein Redner hielt eine Ansprache, in der er Staat und Gesellschaft in unerhörter Weise beschimpfte und u. a. sagte, Hindenburg gehöre an den Laternenpfahl. Als die Bevölkerung darüber erregt wurde, entwickelte sich eine Schlägerei, die nur mit Mühe von der Polizei beendet wurde. Die Polizeibeamten hatten große Mühe, die Nordhäuser Kommunisten zum Abzug zu bewegen. Es ist gegen die Ruhestörer, insonderheit gegen ihren Führer, Anzeige wegen 'Landfriedensbruch, Beleidigung des Reichspräsidenten und Be- 'schimpsung der Republik erstattet worden.
Die deutsche Handelsmarine.
London. Der Stapellauf der beiden 46 000 Tonncn-Damp- fer des Norddeutschen Lloyd findet in England große Beachtung. Der „Evening Standard" sagt u. a.: Dadurch, daß man Deutschland seine Handelsflotte weggenommen habe, habe man es gezwungen, eine neue zu bauen. Die heutige deutsche Handelsmarine, obwohl dem Umfang nach noch weit hinter dem der Vorkriegszeit zurückstehend, sei die jüngste und modernste der Welt und sicherlich nicht die am wenigsten erfolgreiche.
Hindenburg tauft die .Bremen.
Bremen, 16. August. Reichspräsident von Hindenburg ist in Begleitung Staatssekretärs Dr. Meißner und Majors von Hindenburg gegen 14 Uhr in Bremen eingetroffen. Zur Begrüßung waren der Präsident des Senats, Bürgermeister Dr. Donandt, sowie vom NorddeutschenLloyd Präsident Heineken, Generaldirektor Geheimrat Stimming und Direktor Glässel, ferner der Wehrkreiskommandant zugegen. Nach Abschreiten der Ehrenkompagnie fuhr der Reichspräsident, von der Bevölkerung begrüßt, zur Wohnung des Präsidenten Heineken.
Beim Stapellaus des Lloyddampfers hielt Reichspräsident von Hindenburg u. a. folgende Tausrede:
„Als die harten Bestimmungen des Vertrages von Ver- | sailles Deutschland seiner gesamten Ueberseeflotte beraubten, ging die deutsche Schiffahrt, vom Reiche opferwillig unterstützt, mit ungebrochenem Mut und festem Glauben an die Zuluft, an den Wiederaufbau dessen, was hier zerstört und genommen war. Trotz schwersten Druckes von außen, trotz wirtschaftlicher Nöte und Schwierigkeit im Innern, ist es dieser gläubigen Zu- vrsicht und diesem ungebrochenen Arbeitswillen gelungen, in wenigen Jahren eine neue Handelsflotte erstehen zu lassen, die aus leistungsfähigen, mustergültigen Fahrzeugen wieder die deutsche Flagge auf den Meeren zeigt. Der heutige Tag ist für den deutschen Schiffsbau wie für die deutsche Seeschiffahrt von besonderer Bedeutung. Wir wollen heute als neuestes und größtes Fahrzeug der wiedererstandenen deutschen Handelsflotte Dieses stolze Schiff feinem Element übergeben. Erbau: nach den neuesten Erfahrungen deutscher Schiffsbau- und Maschinentechnik, ausgestaltet durch Geist und Hand erster deutscher Künstler, soll dieses neue Schiff zusammen mit einem Schwesterschift dem schnellen transatlantischen Verkehr dienen und ein neues Bindeglied zwischen Europa und Amerika, zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten darstellen. Es ist mir in dieser Stunde ein aufrichtiges Bedürfnis, allen denen, die mit Kopf und Hand an diesem Werke mitgewirkt haben und noch weiter arbeiten werden, aber darüber hinaus zugleich auch allen, die seit dem Kriege wieder eine deutsche Handelsflotte geschaffen haben, namens des Reiches wie eigenen Namens warme Anerkennung und herzlichen Dank zu sagen. Sie alle haben zur Wiederaufrichtung der deutschen Wirtschaft, zur Wiedererlangung deutscher Geltung im Auslande ein wertvolles Stück beigetragen. Dir aber, du stolzes Schiff, geben wir den Namen, den vor 70 Jahren der erste transatlantische Lloyddampfer erhielt, den Namen „Bremen", und mit ihm das Wappen, das die Hoffnung und die Treue wie den Willen, die Wege zwischen den Völkern zu erschließen, verkörpert. Möge dies Schiff, in stets glüdliefen Fahrten die See durcheilend, den deutschen Willen zur friedlichen Mitarbeit unter den Völkern über die Meere bringen, möge es ein Glied mehr sein, das uns mit den Ländern jenseits des Ozeans verbindet, und es möge uns mahnen, daß nur zusammengefaßte Kraft und eigenes Wollen uns den Wiederaufstieg und die Selbstbehauptung in der Welt verbürgen ! Mit Diesem Wunsche taufe ich dich: „Bremen!".
Mi: den Klängen des Deutschlandliedes, in das die rissige Menschenmenge begeistert einstimmte, fand die Tauffeier ihr Ende. Unter Hochrufen löste sich das gewaltige Schiff von seinen Dertauuungen und glitt ins Waffer.
eburmann tauft die „Europa.
Hamburg, 15. 8. Als erster der beiden für den Norddeutschen Lloyd erbauten etwa 46 000 Tonnen großen Dierschraubenschnelldampfer ist heute 17.20 Uhr die „Europa" auf der festlich geschmückten Werft von Blohm u. Voß glücklich vom Stapel gelaufen.
Auf «den großen Tribünen zu beiden Seiten an der Holling hatte sich zahlreiches geladenes Publikum eingesunken. Die Uferböschungen, Pontons sowie die Hafendampfer und Barkassen waren von Tausenden besetzt, die Zeugen des interessanten Schauspiels sein wollten. Auf der Taufkanzel selbst hatten sich mit dem amerikanischen Botschafter Dr. Shurmann die Herren vom Vorstand und Aufsichtsrat des Norddeutschen Lloyds, sowie die Chefs der Firma Blohm & Voß mit ihren Damen einge- funken. Ferner waren neben den leitenden Angestellten des Lloyd und der Werft u. a. anwesend der amerikanische Marine- Attache Baum, der Chef der Marineleitung, Admiral Zenker, sowie andere hohe Marineoffiziere und Offiziere der Reichswehr, Vertreter des Hamburgischen, Bremischen und Lübeckischen Senats, hervorragende Vertreter der Hamburger und Bremer Schiffahrtskreife, des deutschen und amerikanischen Handels, weiter Hauptmann Köhl und eine große Reihe in- und ausländischer Journalisten. Um 17.10 Uhr ergriff der amerikanische Botschafter Dr. Shurmann das Wort zur Taufrede, in der er u. a. ausführte:
Der Stapellauf von zwei großen Dampfschiffen innerhalb 24 Stunden wird wahrscheinlich von künftigen Geschichtschreibern als ein Kennzeichen angesehen werden für die Wiedererlangung des hohen Ranges unter den nordatlantischen Reedereien, den diese Gesellschaft in der Vorkriegszeit jahrelang inne hatte. Der Norddeutscher Lloyd konnte schon damals auf die Geschichte eines halben Jahrhunderts erfolgreicher Leistungen zurückblicken. Dabei führte er seine Geschäfte in fortschrittlichem Sinne und erhob den Dienst am Publikum zum vornehmsten Grundsatz. Heute steht der Norddeutsche Lloyd auf der Swelle einer neuen Epoche. Dieses Schiff ist, wie wir in Amerika sagen, „das letzte Wort" im Schiffbau. Es ist eines der grüßten Schiffe und ist mit einem Tonnengehalt von 46 000 Tonnen fast 50 Prozent größer als der Columbus, der heute das grüßte deutsche Fahrzeug ist. Es besitzt eine erstaunliche Geschwindigkeit : sechs Tage nach New Park von Bremen und fünf von den Häfen am Kanal. Ich erfahre mit besonderer Freude, daß die Vorkehrungen für die Sicherheit der Fahrgäste so vollständig sind, wie es die neuesten technischen Errungenschaften gestatten.
Kraft der mir vom Norddeutschen Lloyd übertragenen Machtvollkommenheit gebe ich diesem Schiff den Namen „Europa". Ich füge den warmen Wunsch hinzu, daß cs stets von Glück begleitet fein werde und auf lange Jahre hinaus beitragen möge, unsere beiden Völker enger zu vereinen durch für beide Teile vorteilhaften Handel, durch gegenseitiges Verständnis und Brüderschaft."
Nachdem sodann Fräulein Ines Glaessel die Taufe mit den besten Wünschen für alle Zeit und glückliche Fahrt vollzogen und nach altem Brauch eine alte Flasche Sekt am Bug des Schiffes hatte zerschellen lassen, begann der Stapellauf. Die Hallevorrichtung und die Sperrpflöcke wurden gelüst, und das von Fesseln befreite Schiff glitt ruhig und sicher um 17.20 Uhr in sein Element. Brausende Hochrufe, Tücherschwenken und Heulen der Sirenen der zahlreichen Dampfer und Fahrzeuge begleiteten es auf seinem Wege.
Asenbahnkatastrophen in Eüdjlawien.
Belgrad, 16. August. Auf der Strecke N'sch—Skolpie entgleiste am Don nerstagnachmittag infolge Gleisbruchcs ein Per- fcnenzug, der über die Böschung hinabstürzte. Dabei wurden 13 Wagen zertrümmert. Nach den ersten Meldungen über das Unglück sind über 100 Personen teils tot, teils schwerverletzt, unter den Trümmern begraben worden. Nach den letzten Berichten sind bereits 20 Tote und 30 Schwerverletzte geborgen.
Tagung der deutschen Landkreise.
Vom 6. bis 8. September ds. Is. tritt der deutsche Landkreistag zu seiner diesjährigen Tagung in Rostock zusammen. Er beschäftigt sich in der Hauptsache mit Verkehrsfragen, besonders soweit die großen Verkehrsstratzen in Betracht kommen. Wegen der Wichtigkeit des zur Erörterung stehenden Gegenstandes werden der Herr Reichsminister von Guerard sowie andere leitend^ Beamte des Reichsverkehrsminfft'eriums an der Tagung teilnehmen. Als Referenten sind gewonnen Professor Knipping von der Technischen Hochschule in Darmstadt und Ministerialrat Speck, Dresden. Ueber die Stellung der Landkreise zu den Straßenfragen wird Herr Präsident von Stempel sprechen.
Weiterhin stehen zur Debatte die Frage der Reichskreis- ordnung sowie die Schaffung einer Kommunalabteilung im Re ichs Ministerium des Innern.
Die besten Antriebe
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