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41. Fahey.

Samstag, den 15. September 192S

Nummer 73

PslltisAe Tagesschau.

Der Reichskanzler ist von seiner Reise aus Westpreußen heute nach Berlin zurückgekehrt.

Der Vorsitzende der deutschnationalen Fraktion hat an den Borsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Herrn Scheidemann das Ersuchen zur Einberufung des Auswärtigen Ausschusses auf den Beginn der nächsten Woche gerichtet.

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Zu den von der Görlitzer Kriminalpolizei bei Mitgliedern der KPD. vorgenommenen Hausdurchsuchungen wird mitgeteilt, daß nur bei einem Mitgliede der Partei Sprengstoffe gefunden wurden. Insgesamt wurden beschlagnahmt: 28 Doppelladungen in Dynamit, vier Giftgasbomben (sog. flüssiges Gas in Fla­schen), 12 Sprengkapseln mit dazugehörigen Zündschnüren und ferner eine große Menge Infanteriemunition.

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Der, Botschafter der Union der Sozialistischen Sowjetrepu­bliken Dr. Krestinski, der sich auf der Durchreise in Baden- Baden befindet, hat dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann einen privaten Besuch gemacht.

Der Vorsitzende des russischen Hilfskomitees für die ver­unglückteJtalia"-Desatzung hat den russischen EisbrecherKras­sin" angewiesen, die Nachforschungen nach Amundsen und die sog. Alessandrigruppe am 1. Oktober einzustellen. Diese In­struktionen des Vorsitzenden sind durch ähnliche Maßnahmen Italiens Italiens und Norwegens bedingt.

Im Dezember wird der Posten des Danziger Völkerbunds­kommissars neu besetzt.

Vom französischen Ministerrat ist soviel bekannt geworden, daß sich der Ministerrat einstimmig mit der Haltung Briands und den von ihm zu den kommenden Rheinlandbesprechungen entworfenen Richtlinien einverstanden erklärt hat.

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Die britische Regierung ist benachrichtigt worden, daß Ja­pan den englisch-französischen Vorschlägen zum Flottenabkom­men grundsätzlich zustimmt. Die japanische Antwort ist in To­kio ausgehändigt worden; ste befindet sich zurzeit auf dem Wege »ach London.

Die amerikanische Regierung hat Albanien anerkannt.

Rheinlanöbesprechunyen in Genf.

Trotz des bisherigen negativen Ergebnisses aller Einzel- und Gesamtbesprechungen um die Rheinlandenssetzung, nimmt diese Frage in Europa das größte Interesse für sich in Anspruch.

Der Standpunkt Deutschlands zu diesem Problem steht bis­her eindeutig fest, wenn auch von verschiedenen Seiten versucht wird, den Reichskanzler zum Umfall zu bringen damit man auf alle Fälle mitErfolgen" heimkommt.

Frankreich versucht noch immer ein Geschäft aus der An­gelegenheit zu machen und sinket in Lord Cushendun einen hilfsbereiten Sekundanten.

Als kleinen Hoffnungsschimmer darf man die Vertagung der Besprechungen auf den morgigen Sonntag betrachten. Sämt­liche Delegationsführer werden bis dahin aus der Heimat neue Anweisungen erhalten haben.

Kabinettsrat in Berlin.

Für heute ist eine Sitzung des Reichskabinetts anberaumt worden, die sich mit dem gegenwärtigen Stand der Genfer Räu- mungsverhandlungen beschäftigen wird. Diese Sitzung wird in Abwesenheit des Reichskanzlers voraussichtlich unter dem Vorsitz des Ministers Groener stattfinden. Nach den bisherigen Dis­positionen ist nicht geplant, ein Mitglied 'der deutschen Dele­gation in Genf zur Berichterstattung für diese Kabinettssitzung nach Berlin zu entsenden.

Diese Kabinettssitzung steht nicht unter einem günstigen Zeichen. Die Berliner amtlichen Stellen bemühen sich freilich seit Tagen, dem Ansturm der an sie gerichteten Anfragen da­durch zu begegnen, daß sie immer wieder versichern, an der Auf­fassung der Reichsregierung habe sich bis jetzt nichts geändert. Man vertrete nach wie vor den Standpunkt, daß Deutschland auf die Rheinlandräumung einen juristischen und politischen Anspruch habe. Weitere finanzielle und politische Leistungen Deutschlands könnten für die Rheinlandräumung nicht in ^rage kommen. Diesen amtlichen Erklärungen gegenüber klingen die aus Genf kommenden Nachrichten jedoch weniger beruhigend. Man spricht hier ganz offen davon, daß der Sozialdemokrat Breitscheid und der neugebackene demokratische Neichstagsabge- ordnete Bernhard in Genf alles daran setzen, um den Reichs­kanzler dazu zu bewegen, den Franzosen mindestens auf halbem Wege entgegenzukommen. In Berliner politischen Kreisen hört man recht ernste Besorgnisse über die Weiterentwicklung ^der Dinge, denn man gewinnt'dèn Eindruck, daß von Tag zu Tag die deutsche Delegation ihrè ursprünglichen festen Positionen abbaut. Die von den Deutschnationalen beantragte Einbe­rufung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstages ist damit

in der Tat eine Notwendigkeit geworden und Herr Scheide- mann wird nicht drumherum kommen, spätestens zu Beginn dec nächsten Woche dem Ersuchen der Deutschnationalen zu ^= sprechen. Der Wunsch einzelner Kreise, sofort den Reichstag zu einer Aussprache zusammentreten zu lassen, erscheint unberech­tigt. Die ganze Lage ist noch zu ungeklärt, so daß eine Debatte jetzt im Plenum des Reichstags zwecklos oder sogar schädlich erscheint.

Stresemann greift ein.

In den letzten Tagen fand ein umfangreicher Depeschen­wechsel und Telephonuerkehr zwischen Baden-Baden und Genf, bezw. Berlin statt. In der Umgebung des Außenministers herrscht keine Freude über das Auftreten Müller-Frankens. Stresemann soll der Auffassung sein, daß Müller-Franken sich unnötig scharf hervorgewagt habe und in diesem Sinne seine Ansicht nach Genf übermittelt haben.

Sas hessische Wirtschastsmimsterium über die Lüge im besetzten Gebiet.

Darmstadt. Unter dem Vorsitz des Ministers für Arbeit und Wirtschaft, Korell, fand am Mittwoch überkie wirtschaft­liche Lage im besetzten Gebiet" eine Sitzung statt, an der außer den Referenten des Ministerums die Vertreter der Landwirt- schastskammer, der Handwerkskammer, der Landw. Zentral- Genossen schäft, sowie der Handels- und Industriekammer in Darmstadt, Mainz, Worms, Bingen-Alzey, Groß-Gerau und Offenbach teilnahmen.

Mernahme der thür. Rechnungskammer durch das Reich.

Die zwischen dem Reiche und Thüringen schwebenden Ver­handlungen wegen Uebernahme der thüringischen Rechnungs­kammer auf den deutschen Rechnungshof sind zu einem gewis­sen Abschluß gekommen. Es besteht Aussicht, daß die Ueber­nahme bereits am 1. April nächsten Jahres erfolgt. Thürin­gen hofft, mit der Angliederung eine jährige Ersparnis von etwa 200 000 Jt zu erzielen.

Startbereit.

Friedrichshafen. Direktor Eckener berief Freitag vormittag die hier anwesenden Pressevertreter in sein Bureau und gab folgende offizielle Erklärung ab:

Das Schiff ist am Sonnabend fahrklar, und ich hofte sehr, daß es möglich sein wird, die erste Probefahrt am Sonnabend vorzunehmen, zumal gegenwärtig eine ganz ausgezeichnete Wetterlage für Probefahrten herrscht. Die Ausführbarkeit dieser Fahrr hängt aber lediglich ab von der Möglichkeit, das Schift aus der Halle zu bringen. Wir arbeiten hier unter ganz unge­wöhnlich schwierigen Verhältnissen. Die Halle ist so eng für das große Schiff, daß wir über dem Schift nur einen Spielraum von 65 Zentimeter haben und an den Seiten nicht viel mehr. So können wir nur mit größter Vorsicht bei Windstille oder bei ganz leichtem Winde aus südwestlicher Richtung die Halle ver- lasien.

Die hessische Landesgewerbeausftellung in Mainz?

Darmstadt. Die Streitfrage über die Abhaltung der Hessi­schen Landesgewerbe-Ausstellung 1930 scheint jetzt zu Gunsten von Mainz entschieden. Bekanntlich hat sich Darmstadt mit großem Eifer um die Ausstellung beworben. Der zuständige Ausschuß des Hess. Handwerks- und Gewerbe-Verbandes hat in seiner letzten Sitzung in Darmstadt den schon im Vorjahre ge­faßten Beschluß bestätigt, die Ausstellung in Mainz abzuhal­ten. Die letzte Entscheidung: ob Darmstadt oder Mainz be­vorzugt werden soll, hat man dem Gewerbe-Landesausschuß Überlasten.

Kausspareinrichtungen.

Das Reichswirtschaftministerium hat sich im Einvernehmen mit den anderen beteiligten Ressorts mit der von der Rudolf Karstadt A.-G. und anderen Firmen eingeführten Kausspar- einrichtung eingehend beschäftigt. Ein Urteil der ordentlichen Gerichte, die nach Paragraph 8 des Gesetzes über Depot- und Depositengeschäfte vom 26. Juni 1925 über Verstöße gegen dieses Gesetz zu entscheiden haben, liegt noch nicht vor. Das Reichs­wirtschaftsministerium hat seinerseits die Rechtslage geprüft und ist zu der Auftastung gelangt, daß die Kaufspareinrichtung als Depositengeschäft im Sinne des Paragraph 2 Abs. 1 des Ge­setzes über Depot- und Depositengeschäfte anzusehen ist. Um eine möglichst gleichmäßige Anwendung dieses Gesetzes zu erzie­len, sind die Länderregierungen ersucht worden, in eine Er­örterung der Angelegenheit einzutreten und dem Reichswirt- schaftsministerium Material über die in ihrem Zuständigkeits­bereich eingeführten Kaufspareinrichtungen zu übermitteln. Es ist in Aussicht genommen, in der nächsten Zeit eine Besprechung mit den Vertretern der Länderregierungen in Berlin statftinden zu lassen.

Gebietsaustausch um Frankfurt.

Das Vorgehen der kleinen hessischen Exklave Steinbach im Taunus, welche unter Aufhebung der gegenwärtigen unhalt­baren Verhältnisse ein Zusammengehen mit Frankfurt erstrebt, bildet einen neuen Anstoß, dieh e s s i s ch c F r a g e" wenigstens in bezug auf die Flurbereinigung um Groß-Frankfurt praktisch einer Lösung entgegeirzuführen. Kommunalwirtschaftlich und marktgeographisch stehen nun die Randgebiete, trotz ihrer staat­lichen Zugehörigkeit zu Hessen, mit Groß-Frankfurt schon seit langem in einem sehr engen Verhältnis.

Offenbach mit seinen 80000 Einwohnern bildet mit Franfturt eine Posteinheitsgemeinde, untersteht allerdings trotz­dem noch der Oberpostdirektion Darmstadt; die Vorzüge einer gemeinsamen Gas- und Elektrizitätsversorgung sind durch ver­tragliche Abmachungen gesichert; neben einer Lokalbahn be­steht der Straßenbahn-Durchgangsverkehr über dieLandes­grenze" hinweg und die Offenbacher Straßenbahnlinien mit den Nrn. 26, 27 und 28 sind bereits dem Frankfurter Nummern­plan angepaßt. Die Lage Offenbachs a. M. unmittelbar ober­halb Frankfurt hat zu Abmachungen geführt, die es Offenbach ermöglichen, seine Abwässer mainabwärts durch Frankfurter Gebiet in die Frankfurter Kläranlagen einzuführen; Ansätze zu einer gemeinsamen Hafen- und Lagerhausverwaltung dürften auch hier zu einer fruchtbringenden Zusammenarbeit im Inter­esse beider Teile führen. Hierzu gehören auch die Bestrebungen zur gemeinsamen Errichtung einer neuen Mainbrücke im Zuge der Riederhoferstraße, welche Offenbach, insbesondere den dor­tigen Gärtnereien, zugleich direkten Anschluß an die Großmarkt­halle gibt; schließlich ist noch der gemeinsam in Angriff genom­mene Bau der Mainuferstraße zur Entlastung der Offenbacher Landstraße anzuführen, der Offenbach auch gleichzeitig bessere Zufahrt zu dem Zentralviehmarkt und dem Schlacht- und Vieh­hof Frankfurt gewährt.

Neu-Isenburg (13 000 Einwohner) ist wirtschaftlich und verkehrstechnisch in gleicher Weise vollkommen nach Frank­furt hin orientiert, wie dies ja aus der Notwendigkeit der Elektrifizierung der Isenburger Waldbahn deutlich hervorgeht; seine Abwässer führt Isenburg über die Gehspitze gleichfalls der Frankfurter Kläranlage zu und die Aufnahme der Kranken­hausbedürftigen erfolgt ebenfalls durch das Frankfurter Städti­sche Krankenhaus. Dagegen hat sich das Isenburger Stadion eines starken Frankfurter Besuchs zu erfreuen und sich so zu einem beliebten zweiten Frankfurter Stadion entwickelt. Heb' rigens liegen Offenbach und Isenburg beide näher an Frank­furt, als die meisten seiner Vororte, wie z. B. Eschersheim, Seckbach, von Höchst ganz abgesehen.

Buchschlag (800 Einwohner) ist als reine Frankfurter Villenkolonie auf hessischem Boden entstanden und hat diesen Charakter bis heute beibehalten.

Der Industrieort Kelsterbach (5000 Einwohner), ist viel enger mit der Frankfurter Wirtschaft verflochten als mit seinem Kreisort Groß-Gerau, und seinem Amtsgerichtsort Langen. Schon seit 1908 wird übrigens Kelsterbach durch die Frankfurter Wasserleitung mitversorgt.

Haar heim (1300 Einwohner), steht in Frankfurt in Un­terhandlung zwecks gemeinsamer Errichtung einer Niddabrücke in Verbindung mit Frankfurt-Berkersheim. Sein Absatz-, Wirt- schafts- und Beschäftigungsgebiet ist ausschließlich Frankfurt.

Vilbel (6000 Einwohner), ist nahezu ausschließlich nach Frankfurt orientiert. Außer dem gemeinsamen Betrieb einer Omnibuslinie mit Franfturt, ist es noch in gleicher Weise wie Bergen-Enkheim an das städtische Gaswerk II Heddernheim an- geschlofsen.

Diese mit dem Vorgehen Steinbachs nunmehr erneut auf­gerollte Frage der Verbindung dieser hessischen Nachbarorte (mit etwa zusammen 110 000 Einwohner) mit Frankfurt, könnte unter Umständen auf dem Wege eines preußisch-hessischen Ge­biet saustausches gefördert werden. Eine Frage, die übrigens im Zusammenhang mit dem Problem der Verwaltungsreform bereits verschiedentlich erörtert wurde. In Betracht kämen hier­für, außer der kleinen unbewohnten preußischen Exklave bei Altenstadt in Oberhessen, eine Vereinigung der Gebiete um Wetzlar mit Gießen, von Hochheim mit Mainz, sowie der ein- springenden preußischen Gebietswinkel im Süden Oberhessens bei Windeck und Bierstein. Alles Gebiete und Orte, die schon seit langem in engster gegenseitiger wirtschaftlicher und sied- kungspolitischer Veftlechtung stehen. Eine im Uebergangs- stadium nicht zu umgehende preussisch-hessische Verwaltungsge­meinschaft würde den Boden für diese großzügige Flurbereini­gung siedlungspolitischen Einschlags bilden.Binnendentsche Grenzgemeittden als Wegebereiter des Einheitsstaates", betitelt Dr. Dietrich Mende einen aufschlußreichen Aussatz auf diesem Gebiete in derHilfe" vom 1. September, Hier hätten wir ein praktisches Beispiel einer sich anbahnenden Auswirkung deut­scher Einheit auf kommunalpolitischem Gebiete, wozu dem klei­nen aber rührigen Steinbach für die Aufrollung dieses sicher­lich nicht einfachen Fragenkomplexes alle Anerkennung zu zol­len ist.

Kurt Sorge gestorben.

Dr. ing. e. h. Kurt Sorge, Mitglied der Direktion der Fried­rich Krupp A.-E., bis zum 31. Dezember 1933 Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände, und Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, ist in Berlin an den Folgen einer Operation gestorben.