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41. Fahrg. Samstag, -en 14. April 1928 Nummer 31
Die .Bremen" in
Der Start.
Das deutsche Ozeanflugzeug „Bremen" ist Donnerstag früh 5,38 Uhr vom Flugplatz Daldonnel zum Amerikaslug gestartet, mit Hauptmann Köhl, Freiherr von Hünefeld und Major Fitzmaurice an Bord. Beim Start waren anwesend der Präsident Irlands, der deutsche Konsul und die Spitzen der Behörden. Die Maschine hatte die deutsche und die irische Flagge gehißt. Das Wetter war schön, der Himmel wolkenlos und die Bedingungen für den Abflug ideal. Nach einem letzten Abschiednehmen bestieg Köhl den Führersitz und auch seine Begleiter nahmen ihre Plätze ein. Die Flugzeuge des irischen Freistaates, die die Eskorte bildeten, stiegen zuerst auf und ihnen folgte die „Bremen".
Nachlese.
London, 13. April. Die Zeitungen veröffentlichen heute morgen lange Berichte ihrer Dubliner Korrespondenten über die Szenen bei dem Abflug, in welchen besonders die Ruche und die Entschlossenheit hervorgehoben wird, welche die deutschen Herren an den Tag legten. Einige Blätter können sich nicht versagen, zu sagen, daß die Anwesenheit des irischen Kommandanten auf dem Flugzeug eine große Hilfe für die Deutschen sei, wegen der großen Erfahrungen, die dieser Mann besitze, so daß man sich darauf gefaßt machen kann, daß, wenn der Flug gelingt, die Engländer plötzlich entdecken werden, daß die Iren auch Engländer sind, um einen großen Teil des Ruhimes für sich in Anspruch zu nehmen.
Amüsant ist die folgende Beschreibung des Korrespondenten des „Daily Eronicle". Dieser sagt: Baron von Hünefeld, tadellos angezogen, mit dem Monokel, dankt mit einer Handbewegung für den Beifall, welcher den Fliegern von den Anwesenden gezollt wurde. Die Haltung dieses seltsam höflichen und feinen Herrn war wie eines englischen Offiziers in Zivil, welcher in Picadilli eine Droschke mietet, um eine Fahrt durch den Park zu unternehmen. Hauptmann Köhl war zu sehr mit seiner Maschine beschäftigt, um irgendwelche Notiz von den Zu- schauern zu nehmen. Nur der Kommandant Fitzmaurice schien erregt zu sein. Er winkte mit einem Taschentuch aus dem Fenster der Kabine, als das Flugzeug abfuhr.
Ein Drittel der Strecke zurückgelegt.
Dublin. Die „Bremen" wurde wie Donnerstagabend mitgeteilt wird, zuletzt etwa 880 Meilen, d. h. etwa 1500 Kilometer westlich von Irland, gesichtet. Das Flugzeugzeug verfolgte einen gradlinigen Kurs.
Zwischen Neuschottland und dem Kontinent.
Montreal, 13. April. Die Eanadian Pacific erhielt die Nachricht, daß ein Flugzeug, vermutlich die „Bremen", um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Stadt Yarmouth an der Südspitze Neuschottlands überflogen hat.
Geleitworte Botschafter Sharmans.
Berlin. Der Botschafter der Vereinigten Staaten Jacob Gould Shurman gibt den Transozeanfliegern folgenden Ge- leitfpm^ mit auf den Weg: „Von ganzem Herzen hoffe ich, daß das Unternehmen der tapferen und wagemutigen Flieger Hauptmann Köhl und seiner Begleiter auf der „Bremen" durch die Gunst der Elemente und des Geschickes gefördert werden möge, und daß sie glücklich in Amerika eint reffen, wo meine Landsleute bereits sich rüsten, ihnen ei -^^Ihrer würdigen, herzlichen Empfang zu bereiten."
Frau Köhl zuversichtlich.
Berlin. Die Gattin des deutschen Ozeanfliegers Kohl äußert sich auf die Nachrichten über den Flug der „Bremen" gegenüber Freunden, sie zweifele keinen Augenblick daran, daß ihrem Mann der Flug gelingen werde. Er fei ein Bayer, ein Dickkopf, und was er sich einmal mitgenommen habe, das führe er auch durch. Die Ruhe habe sie auch nicht verlassen, als am Freitag vormittag eine gewisse Nervosität in der Oeffentlichkeit wegen des Schicksals der Flieger sich zeigte, und sie würde erst dann in Sorge geraten, wenn am Samstag früh noch keine Nachrichten vorlägen.
Bürgermeister Walker wünscht Glück.
Der Bürgermeister von Newyork, Walker, hat telegraphisch folgende Botschaft an das deutsche Volk gesandt.
„Viel Glück den Fliegern; Millionen von Menschen erwarten sie ungeduldig, um ihnen zuzujubeln, wie sie es verdienen."
Vertagung des Prozesses gegen die deutschen Ingenieure.
Aus Moskau liegt die amtliche Nachttcht vor, daß der Prozeß gegen die verhafteten deutschen Ingenieure zunächst vertagt worden ist. Der Grund ist darin zu sehen, daß der Prozeß allem Anschein nach nicht getrennt von dem Prozeß gegen die russischen Ingenieure geführt werden soll. Da das Material gegen die russischen Ingenieure, das recht umfangreich ist, erst noch ge-
Amerit« gelandet.
Die letzten Meldungen, die heute morgen um XHUHr durch Radio verbreitet wurden, besagen, daß die „Bremen" auf einer kleinen Insel bei Neu-Schottland notgelandet sei.
Ein fürchterlicher Schneesturm machte den Fliegern jede Orientierung unmöglich und zwang sie nach vierstündigem, verzweifelten Kampf gegen die Elemente, niederzugehen. Beim Niedergehen brach ihnen das Fahrgestell, so daß sie den Flug nicht gleich weiter fortsetzen konnten.
*
Auf die Nachricht von der Notlandung der „Bremen" hin sind von Newyott aus eine Reihe Flugzeuge aufgestiegen um derselben entgegenzufahren. Unter diesen auch das Iunkers- flugzeug „C 38", das gestern abend bei seiner Ankunft auf dem Flugplatz Mitchellfield Veranlassung für die übereilten und nicht den Tatsachen entsprechenden Meldungen von der Ankunft der „Bremen" gegeben hat.
Wenn man nach den vielen sich fast stets widersprechenden Meldungen, die sogar von amtlicher Seite Verbreitung fanden, auch mit einigem Skeptizismus abwarten muß, bis von drüben die oben angeführte Meldung amtlicherseits ausdrücklich bestätigt ist, so kann man aber doch wohl .annehmen, daß diese Nachricht, abgesehen vielleicht von Einzelheiten, den Tatsachen entsprechen wird.
Das zugegeben, können wir mit Stolz feststellen, daß es deutschem Unternehmungsgeist und deutscher Tatkraft, unterstützt von deutscher Qualitätsarbeit, erstmalig gelungen ist, den Ozean im ununterbrochenen Fluge von Osten nach Westen, von Europa nach Amerika zu überfliegen.
Mit Interesse darf man die Meldungen der nächsten Tage aus Amerika erwarten, die uns von dem leicht begeisterten Amerikaner allerhand erwarten lassen dürfen.
Newyork in höchster Erwartung.
Newyork, 13. April. Vom Flugplatz Mitchellfield wurden in der ganzen vergangenen Nacht Lichtsignale ausgesandt. Bei Tagesanbruch füllte sich der Flugplatz allmählich. Bald setzte ein ungeheurer Autoverkehr auf den Zugangsstraßen zum Mitchellfield ein. Der Landungsplatz ist schon seit drei Uhr von Polizei umstellt. Das innere Flugfeld können nur Besucher mit besonderen Ausweisen betreten. Viele Deutsche und Irländer sind unter den Besuchern. Das Gelände rings um den Flugplatz Mitchellfield gleicht einem Heerlager. Tausende und aber Tausende umlagern das Flugfeld. Im Laufe des Nachmittags trafen 50 Polizisten mit Motorrädern ein, die sofort losfahren sollen, falls das Flugzeug an einer anderen Stelle landen sollte. Die Truppen, die den Ordnungsdienst auf dem Flugplatz verrichten, find bedeutend verstärkt. 20 Photographen und Kino-Operateure Harren mit Ungeduld auf den großen Augenblick. Die Zahl der Presseberichterstatter, die sich auf dem Flugplatz versammelt haben, ist sehr groß. Sieben Flugzeuge liegen startbereit, um der „Bremen" entgegenzufliegen. Der Boden des Flugfeldes ist naß, doch hofft man, daß er bis zur Landung der „Bremen" noch abtrocknen wird.
Kurz nach 8 Uhr traf unter Führung des Vorsitzenden des städtischen Empfangskomitees ein großer offizieller Empfangsausschuß auf dem Flugplatz ein. Die deutsche Botschaft war durch Botschaftsrat Dr. Kiep vertreten, dem Konsul Heuser, den stellvertretenden Kommandanten des Flugfeldes, Kapitän Bender, vorstellte. Vom benachbarten Flugplatz Curtrißfield traf das Schwesterflugzeug der „Bremen", „Junkers C 38', ein, das nach Ausführung mehrerer kunstvoller Schleifen unter dem Beifall der Menge landete. Viele dachten zuerst, -es sei die „Bremen". In dem Flugzeug befanden sich Hertha und Ehrhardt Junkers als Passagiere. Später trafen zwei Klemm- Flugzeuge ein, die die Aufschrift trugen: „Willkommen, Bremen!" Der Sicherheitsdienst wird von 500 Soldaten, Polizisten und 24 Motorradfahrern verrichtet. Unter den Anwesenden befinden sich drei Verwandte Köhls, nämlich sein Onkel, Professor Köhl, und zwei Kinder. In Newyork wie auch an der gesamten Ostküste der Vereinigten Staaten herrscht schönes Wetter.
Die Nachricht von dem glücklichen Herüberkommen der „Bremen" über den Ozean löste hier wie im ganzen Lande ungeheuren Jubel aus. In fieberhafter Hast werden die letzten Vorbereitungen für einen der großen Leistung entsprechenden Empfang getroffen.' Da die Flieger nach voraussichtlich mehr als 40stündigen Strapazen dringend der Ruhe bedürfen, ist der heutige Empfang in Mitchellfield nur provisorischer Natur, während die amtlichen Feierlichkeiten für morgen abend in Newyork geplant sind.
sichtet werden muß, wird voraussichtlich noch geraume Zeit vergehen, bevor der Prozeß eröffnet werden wird. In Berlin wird diese Tatsache außerordentlich bedauert.
Einberufung des Landtags.
Der Hessische Landtag ist zur 11. Sitzung auf Dienstag, den 17 April, 10 Uhr, einberufen. Die Tagesordnung lautet: Regierungsvorlage, den Staatsvoranfchlag der Einnahmen und Ausgaben im Rechnungsjahre 1928 betreffend.
Zu den kommenden Wahlen.
Hessische Wahlleiter.
Zur Reichstagswahl gibt das Hessische Gesamtministerium bekannt, das Ministerialrat Bornemann zum Wahlleiter und Legationsrat ^r. Heinemann zu seinem Stellvertreter bestimmt ist.
Die Reichsliste des Zentrums.
Am Donnerstag setzte das Zentrum die Kandidaten für seine Reichsliste fest. Geführt wird dieselbe von Reichskanzler Dr. Marx, an zweiter Stelle folgt Dr. Wirth, der damit wieder zur Partei zurückgewonnen ist. Ihm folgt der Arbeiterführer Stegerwald, weiterhin u. a. der Großindustrielle Klöckner und der Führer der WindthorstbüUde Dr. Krone.
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Die evangelische
stellt zu der Reichstagswahl in den meisten Wahlkreisen eigene Listen auf. Spitzenkandidat in den Wahlkreisen Hessen und Hessen-Nassau ist Pfarrer Weidner- Ober-Lais.
WD.-Kandi-aten.
Die Kommunistische Partei des Bezitts Hessen-Frankfurt hat ihre Kandidaten für die Reichtstags- und Landtagswahlen aufgestellt. Für die Reichstagswahl im Wahlkreise Hessen- Darmstadt ist als Spitzenkandidat Hermann Remmele in Berlin ausgestellt. Ein Erfolg dieser Kandidatur ist angesichts der bisher erzielten Stimmenzahl kaum in Betracht zu ziehen. Für den Wahlkreis Hessen-Nassau ist als Spitzenkandidat auf- gestellt Wilhelm Münzenbero in Berlin. An zweiter Stelle steht -ein noch näher zu bezeichnender Vertreter des Bezirks Kassel. Nach den seitherigen Wahlergebnissen kommt neben dem Spitzenkandidaten ein zweiter Anwärter nicht in Betracht. Für die Landtagswahl ist der seitherige Abgeordnete Karl Rehbein in Hanau als Spitzenkandidat aufgestellt, als zweiter Anwärter Oskar Müller in Frankfurt a. M.
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Graf Westarp Spitzenkandidat in Potsdam IL
Der Landesverband Potsdam II der Deutfchnationalen Volkspart ei hat als Spitzenkandidaten für den Reichstag den Parteivorsitzenden Grafen Westarp uns gestellt.
Neichsautzenminister Dr. Stresemann
wird am Samstag, den 28. April aus Anlaß einer Wählerver- sammlung der Deutschen Volkspartei in der Städtischen Fest- halle in Darmstadt sprechen.
Bomben-Attentat auf den König von Aalien.
Donnerstag vormittag 10 Uhr, unmittelbar vor der Eröffnung der Internationalen Mesfeausstellung von Mailand, ist vor ihrem Eingang auf dem Piazzale Giulio Cesare eine Höllenmaschine explodiert, die in dem Sockel einer Straßenlaterne versteckt worden war. Die Splitter haben 26 Personen getötet und etwa 40 mehr oder weniger schwer verletzt. Der Wagen des Königs kam 7 Minuter später an der Unglücksstelle vorbei. Trotz diesem bedauerlichen Vorfall hat der König die offizielle Eröffnung der Messeausstellung vorgenommen.
Auch auf Mussolini war ein Anschlag geplant und zwar auf der Bahn von Mailand nach Rom. In einem Bericht aus Como heißt es, daß ein in einem Versteck liegender Mann die Bombe durch einen Draht habe zur Explosion bringen wollen. Es soll gelungen sein, don Mann zu verhaften.
200 Verhaftungen vorgenommen.
Die Nachforschungen der Polizeibehörden nach den Urhebern des Attentats auf den König dauern fieberhaft fort. Man hat bisher etwa 200 verdächtige Elemente, größtenteils bekannte Anarchisten, ferner auch eine Anzahl von Arbeitern der Mustermesse verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich ein Anarchist, der bereits als Mitschuldiger des furchtbaren Bombenanschlags im Jahre 1922 im Diana-Theater von Mailand eine fünfjährige Kerkerhaft verbüßte.
Bor einer Mieterhöhung.
Erörterungen im Neichsarbeitsministerium.
In der letzten Zeit wurde in der Oeffentlichkeit berichtet, das Reichsarbeitsministerium habe die Absicht, schon in absehbarer Zeit eine weitere Mieterhöhung vorzuschlagen. Richtig ist, daß das Reichsarbeitsministerium den Neferenten-Entwurf einer Denkschrift über die Wohnungsnot und ihre Bekämpfung ausgearbeitet und diesen an die Mitglieder des Wohnungsausschusses des Reichstages sowie an die Länder geschickt hat mit der Aufforderung um Rückäußerung. In der Denkschrift wird darauf hingewiesen, daß die Anpassung der gesetzlichen Miete an die allgemeine Preislage und an die Neubaumieten eine unerläßliche Voraussetzung der Aufhebung der Zwangswirtschaft sei, da sonst beim Uebergang in die 'freie Wirtschaft schwere wirtschaftliche Erschütterungen eintreten müßten. Aus lohn- und gehaltspolitischen Gründen seien zweierlei Mieten auf die