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41. Fahrs. Samstag, den 13. Oktober 1928

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Politische TagessKau.

Das Nerchskabinett setzte am Donnerstag seine Beratungen über die Handelsvertragsverhandlungen mit Polen fort. Außer­dem hat sich das Kabinett mit dem Entwurf eines Gesetzes über ; die Ausführung der Empfehlungen der Weltwirtschaftskonferenz i beschäftigt.

Reichsfinanzminister Dr. Hilferding kündigte Freitag bei ' einer Kundgebung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzel­handels die Einführung neuer Steuern an. Denn soweit sich nicht aus den laufenden Einnahmen Ueberschüsse erzielen ließen, müsse der Fehlbetrag von 600 Millionen durch neue steuerliche Belastungen ausgebracht werden.

Das Reichsministerium des Innern hat sich im Einverneh­men mit der Mehrzahl aller Frontkämpferverbände für die Er­richtung des Ehrenmals in Berka entschlossen. Eine entsprechende Borlage wird in absehbarer Zeit das Reichskabinett beschäftigen.

Die deutschen Gesellschaften in Amerika forderten die New- Horker Bevölkerung auf, bei der Ankunft des Zeppelins die amerikanische und die deutsche Flagge zu zeigen.

Ungarn hat zur Bedingung zum Beitritt zum Kellogpakt gemacht, daß in eine Erörterung der Revision der Friedens- oerträge eingetreten wird.

Vom südslawischen Außenminister Schumenlovitsch und Ve­nizelos wurden Donnerstag die Aktenstücke unterzeichnet, die vorläufig an Stelle des griechisch-südslawischen Freundschafts- vertrages Geltung haben.

LufWiff »Graf Zermlm auf km Amerikafatzrt.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist Donnerstag früh 7,50 Uhr bei wolkigem, aber windstillem Wetter zur Fahrt nach Amerika aufgestiegen. Das Luftschiff nahm seinen Kurs auf Basel und wurde 8,10 Uhr über Konstanz, 8,50 Uhr über Schasf- hausen und 9,07 Uhr über Waldshut gesichtet. Ueberall läuteten ihm die Glocken.

Ueber Frankreich und Spanien fliegend, passierte das Luft­schiff Gibraltar und gestern abend um 10 Uhr die Azoren bei regnerischem aber ruhigem Wetter. Westlich der Azoren wird Graf Zeppelin" gutes Flugwetter finden.

Der Umweg nach Süden, mit dem die Fahrtleitung schon bei Antritt der Reise gerechnet hatte, bringt eine nennenswerte Verlängerung des Reiseweges mit sich. Der Weg, den das Luftschiff auf dieser stark südlichen Route zurücklegen muß, wird 1011 000 Kilometer betragen. Bei normalen Wetterverhält- nissen hätte der Reifeweg FriedrichshafenLakehurst auf der südlichen Dampferlinie nur etwa 70007500 Kilometer betra­gen. Auch dann, wetrnGraf Zeppelin" westlich der Azoren auf sehr gutes Wetter und guten Rückenwind trifft, ist mit einer Landung in Lakehurst vor Sonntagabend nicht zu rechnen.

Wie »Graf Swlin sAyfangsa wrrbtn soll.

Newyork, 11. Oktober. Das LuftschiffLos Angeles" ist in Lakehurst gelandet. SobaldGraf Zeppelin" die neueng- irdische Küste erreicht, wird dieLos Angeles" zusammen mit Mzwei halbstarren Marineluftschiffen aufsteigen, um dem deutschen ' Luftschiff bis nach Lakehurst das Geleit zu geben.

Das ganze Flugfeld wird polizeilich abgesperrt werden, da man mit mehr als 100 000 Zuschauern rechnet. Ueberall herrscht sieberhafte Spannung. Große Empfänge für die Teilnehmer am Fluge sind vorgesehen. Vertreter der Stadt Newyork wer­den die Zeppelinmannschaft von Lakehurst nach Newyork be­gleiten. Von Battery aus wird ein großer Festzug den unteren Broadway bis zur Eity-Hall marschieren, wo ein festlicher Emp- srng durch Oberbürgermeister Walker stattfindet. Weitere Fest­lichkeiten werden sich anschließen, an denen neben Oberbürger­meister Walker u. a. Senator Wagner, General Allen, Pros. Hoetzsch und General Haskell als Vertreter des Gouverneurs Smiths, der zurzeit in anderen Teilen Amerikas Wahlreden hält, teilnehmen.

Die Meldung vom erfolgten Start desGras Zeppettn mib pon allen großen Newyorker Zeitungen in Extraausgaben euf den Straßen verbreitet. Den Zeitungsverkäufern werden ine Extrablätter buchstäblich aus der Hand gerissen.

DMWngsmWO ösr Wer KM 21 Rtâk.

Am 22. Oktober wkd in Berlin der Verfassungsausschuß derr Länderkonferenz zusammentrelen, um die Referate ent- ge-Mzunehmen, die die von ihm bestimmten Sachverständigen über die Schwierigkeiten im Verfassungsleben ausgearbeitet halben. Es werden sich drei Referenten über das erwähnte Schema äußern, und zwar Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preu- ßein), Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter (Sachsen) und der bayerische Ministerpräsident Dr. Held.

tim das Konkordat.

Die Frage eines Reichskonkordals, die vor zwei Jahren die Gemüter auf das lebhafteste bewegt hatte, war, wie es schien, durch den energischen Widerstand weiter evangelischer und auch bedeutender katholischer Kreise zur Ruhe gekommen. Nunmehr taucht plötzlich durch die Veröffentlichung desVorwärts" die Nachricht auf, daß der Entwurf für ein preußisches Konkordat in Verhandlungen zwischen dem Nuntius und dem preußischen Kultusminister fest gestellt worden sei und demnächst der Regie­rung vorliegt. Die qreußisiche Regierungserlärung läßt einen Zweifel darüber, daß auch die Schulfrage berührt werden wird. Auch scheint in Bezug auf die Ernennung der Bischöfe die Aufgabe eines Teiles der staatlichen Hoheitsrechte vorgesehen zu sein. Es erscheint nach wie vor untragbar, daß die Schul­frage Gegenstand außenpolitischer Verhandlungen wird. Auch sei darauf hingewiesen, daß in der Vergangenheit noch niemals ein preußisches Konkordat bestanden hat. Die Grundlage des seitherigen Zustandes waren die Verhandlungen von 1923, bei denen ausdrücklich vermieden wurde, ein Konkordat abzuschlie- ßen, weil man durch die Erfahrungen anderer Länder miß­trauisch geworden war. Auch jetzt dürfte es durchaus genügen, wenn die notwendige Regelung zwischen Staat und Kirche auf dem Vertragswege erfolgt.

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Zweibrücken. In der Nacht zum Freitag wurde die Tri­kolore des französischen Offizierstasinos herabgerissen. Der Fah­nenschaft, der auf einem Balkon befestigt war, wurde zur Hälfte abgebrochen und mit der Fahne verschleppt. Seit den frühesten Morgenstunden ist die Staatsanwaltschaft mit der Aufklärung des Tatbestandes beschäftigt. Die Fahne ist noch nicht aufge­funden worden.

Die Prager WWe.

Prag. Die Zahl der Toten des Bauunglücks hat sich auf 40 erhöht. Es wurden grauenhaft verstümmelte Leichen gebor­gen. Im Krankenhause sind ihren Verletzungen im Laufe des heutigen Tages zwei Schwerverletzte erlegen. Die Zahl der Opfer, die noch unter den Betontrümmern begraben sind, ist im­mer noch unbestimmt. Mit der Abtragung des Schuttes ist man nunmehr dem Erdboden gleichgekommen. Es gilt nur noch, die zwei Stock tiefen Keller auszugraben. Lebenszeichen werden zur Zeit keine mehr vernommen.

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M DuMM öès tinW.

Prag. Am Donnerstag, einige Minuten vor Mitternacht, kam es zu einem neuen Hauseinsturz in Prag, und zwar in Alt-Lieben. Es handelt sich um ein großes Eckhaus, das aus Ziegeln ausgeführt war und bereits im Rohbau fertig stand. Ein großer Teil dieses Hauses, in der Länge von etwa 60 Me­ter und in der ganzen Höhe von vier Stockwerken stürzte um Mitternacht plötzlich zusammen. Auf dem Bau war um diese Zeit niemand beschäftigt' da auch die Straße vollkommen men­schenleer war, scheint niemand zu Schaden gekommen zu sein, während der Einsturz bei Tage zweifellos Opfer gefordert hätte. Die Ursache des Unglücks wird auf schlechtes Ziegelmaterial zurückgeführt.

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Nummer 81

Ausstellungen und Selmatgettung.

Unsere Stellungnahme zu einer bedeutsamen Entschließung des Hessischen Industrie- und Handelstages. Man muß Heimat­ausstellungen gelten lassen.

Der Hess. Industrie- und Handelskammertag hat in seiner letzten Vertreterbesprechung zur Frage der Abhaltung von Aus­stellungen durch die Städte folgende Entschließung gefaßt:

Der Hessische Industtie- und Handelskammertag ist der Auffassung, daß aus Gründen der wirtschaftlichen Sparsam­keit die Art der Werbung, wie sie durch Ausstellungen und Messen betrieben wird, auf das Aeußerste emgeschränkt und von einer sachverständigen Stelle, dem Deutschen Ausstel- lungs- und Messeamt, aus rationalisiert werden muß.

Er mißbilligt das Bestreben der Städte, durch das Mittel von Messen und Ausstellungen, lokaler, wirtschaftlich nicht gerechtfertigter Art Masienbesuch in ihre Mauern zu ziehen. Solche Veranstaltungen nutzen der allgemeinen Volkswirt­schaft nichts, schaden ihr vielmehr nur, indem sie zu unnützen Ausgaben verleiten und der so notwendigen Kapitalneu­bildung unheilvoll entgegenwirken."

Man kann nicht umhin, in einer derartigen Auffassung den starken Willen nach Zentralisation zugunsten großer Organi­sationen zu erkennen. Eine strikte Befolgung des Wunsches der Industrie- und Handelskammer würde ohne weiteres der zen­tralen Organisation auch die Bestimmung, wo Ausstellungen stattfinden sollen, in die Hand geben. Selbstverständlich wird eben der Zentralisation wegen immer die Großstadt den Vor­zug vor der kleineren erhalten. Dabei wird aber jedenfalls ver­kannt, daß die Veranstaltung von Ausstellungen gerade für die Provinzstädte von Nutzen sind, wenn sie vor allem der Zurschau­stellung der eigenen Erzeugnisse des Landes dienen. Welch be­lebende Wirkung für das deutsche Wirtschaftsleben einer kleinen Stadt eine Ausstellung haben kann, wird offenbar an maßgeben­den Stellen nicht genügend beachtet. Es wird daher gewiß von den kleineren Städten begrüßt, daß die Entschließung des Hessi­schen Industrie- und Handelskammertages nicht mehr als eben eine Auffassung darstellt, neben der man die gegenteilige gelten lassen muß, denn diese hat ihre Hintergründe, die nicht nur darin beruhen, was eine Ausstellung für einen kaufmännischen Nutzen bringt, sondern darin, daß sich in einer guten Ausstellung ein Stück Volkstum offenbart. Man kann sich außerdem darüber streiken, ob der durch eine Ausstellung veranlaßte lebhaftere Geldumsatz wirklich ein volkswirtschaftlicher Nachteil ist. Irgend­wo setzt sich das Geld doch fest.

Die schon lange angekündigte Hessische Landes- und Ge­werbeausstellung, um deren Lokalisierung bekanntlich heftig und lange gekämpft wurde, dürfte erstmalig wieder das Er­werbsleben unserer Heimat darstellen. Dabei könnte aber ge­rade durch die Selbstdarstellung des Erwerbslebens einem so prekär gelagerten Gebiet, wie es z. B. Hessen in wirtschaftlicher Beziehung ohne Zweifel ist, geholfen werden. Selbst wenn man nicht einmal eine unmittelbare Wirkung einer Ausstellung feststellen könnte, wäre der moralische Erfolg als Nutzen zu buchen.

Wtbtfmmnm des ünlernehmMum!

Eine Entschließung des Hansa-Vund-Präsidiums gegen die Wirtschaftsdemokratie.

Das Präsidium des H a n s a b u n d e s für Gewerbe, Han­del und Industrie hat einstimmig auf seiner am Sonnabend, den 6. Oktober, in Berlin stattgefundenen Sitzung die folgende Entschließung angenommen:

Das Präsidium des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie ist überzeugt, daß der Kampf um die Ar­beitszeit und Arbeitslohn, nur bei weitestgehendem wirt­schaftlichen und sozialen Verständnis aller Beteiligten ohne Schaden für Staat und Volkswirtschaft ertragen werden kann. Die unmittelbaren und mittelbaren Kriegsfolgen, insbesondere aber die überhöhe Belastung des Arbeits­produktes durch öffentliche Abgaben aller Art haben eine Enge aller wirtschaftlichen Möglichkeiten herbeigeführt, der sich kein Erwerbsstand entziehen kann. Das Präsidium des Hansabundes fühlt sich verpflichtet, vor aller Oeffent- lichkeit dringend davor zu warnen, die sozialen Auseinan­dersetzungen durch das Hineintrugen einer nur in der poli­tischen Gedankenwelt wurzelnden, auf die Beseitigung der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung hinzielenden Schlag- worrpropaganda unnötig zu verschärfen. Der auf dem Hamburger Gewerkschaftskongreß vettretene Gedanke der Wirtschuftsdemokratie stellt sich als das Verlangen nach einem mit keinerlei Risikobeteiligung verbundenen Mil­bestimmungsrecht der staatlichen und Verbandsbürokratie dar, das für alle produktiv tätigen Wirtschaftskreise nicht nur wertlos, sondern gefährlich ist. Das Präsidium des Hunsabundes bedauert besonders, daß diese, der wirlschafts- und sozialpolitischen Sachlichkeit schädliche Propaganda sich auf Aeußerungen führender Mitglieder der gegenwärtigen Reichsregierung stützen kann, die keine positive Zielsetzung enthalten und gerade geeignet erscheinen, die Lösung der unsere Zeit erfüllenden ernsten sozialen Probleme zu ver­wirren."