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Reichswehrminister Groener teilt mit, daß die leitenden Stellen der Reichswehr von der staatlichen Subventionierung der Phoebus-A-G. nichts wußten. Kapitän z. S. Lohmann hat diese Gelder seinen Borgesetzten verschwiegen.
Auch die sächsische Regierung bittet durch ihren Berliner Gesandten Dr. Gradnauer das Reich um Hilfe für die Landwirtschaft Sachsens.
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Das badische Staatsministerium hat dem Badischen Landtag einen Gesetzentwurf unterbreitet, der die Abänderung des badischen Landtagswahlgesetzes enthält.
Gestern nachmittag fand die Eröffnung des direkten Telephonverkehrs Berli n—N e w y o r k mit Ansprachen des Reichskanzlers Dr. Marx und des amerikanischen stellvertretenden Staatssekretärs Olds statt.
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Die norwegische Regierung hat ihr Rücktritts- gesuch eingereicht. Der Führer der Linken, M o w i n k e l, hat die Aufforderung des König? zur Bildung des neuen Kabinetts angenommen.
Krise im NM?
Berlin. Die im Reichstag umlaufenden, einer allgemeinen Nervosität entsprungenen Gerüchte über einen Bruch der Koalition und eine Auflösung des Reichstags sind auch gestern wieder ausgetreten. Im allgemeinen aber neigt man jetzt mehr dazu, die Gesamtlage etwas ruhiger anzusehen. Weiter hält man es für ziemlich wahrscheinlich, daß der Vildungsausschuß in eine zweite Lesung des Schulgesetzes eintreten wird und daß bei dieser Lesung die unüberbrückbaren Gegensätze zu dem jetzt schon angekündigten Bruch führen werden. Irgendwelche Klarheit über die weitere Entwickelung der: Dinge zu gewinnen ist natürlich erst dann möglich, wenn die Fraktion des Zentrums ihre Beschlüsse gefaßt hat.
Sinbenbürg mA el«.
Berlin Der Reichspräsident hat an den Reichskanzler, Dr. Marx, am gestrigen Tage folgendes Schreiben gerichtet:
Sehr geehrter Herr Reichskanzler!
Die Nachrichten über die tiefgehende Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierungsparteien wegen des Schulgesetzes, die zu einem Auseinanderbrechen der gegenwärtigen Reichsregierung führen können, geben mir Veranlassung, Sie, Herr Reichskanzler, zu bitten, nichts unversucht zu lassen, um im gegenwärtigen Zeitpunkte eine Regierungskrise und ihre politischen Folgen zu vermeiden.
Der Reichstag hat z. Zt. dringende und bedeutsame Aufgaben zu lösen. Abgesehen von dem Haushaltsplan und dem Liquidationsschädengesetz find die für die Landwirtschaft lebenswichtige Hilfsmaßnahmen zu beschließen, und es harrt auch die Strafrechtsreform ihrer Verabschiedung. Es würde meiner Meinung nach eine schwere Schädigung vaterländischer Interesien und des ganzen deutschen Volkes bedeuten, wenn jetzt wegen der Schulgesetzfrage eine unlösbare Regierungskrisis und eine Auflösung des Reichstages notwendig würde. Ich bitte Sie, bei den bevorstehenden Besprechungen mit den Führern der Regierungsparteien, diesen meine Besorgnis mitzuteilen, und appelliere an alle beteiligten Herren und Fraktionen, dahin zu wirken, daß eine arbeitsfähige Regierung erhalten bleibt, die wichtigen parlamentarischen Ausgaben gelöst und etwaige unlösbare Differenzen in der Schulfrage bis nach Erledigung dieser Arbeiten vertagt werden.
Mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Wertschätzung bin ich Ihr sehr ergebener (gez.) von Hindenburg.
Der Brief hat vorerst zur Folge gehabt, daß der interfrak- npnelle Ausschuß gestern zusammengetreten ist. Das Ergebnis der Beratung, in der der Innenminister seine neuen Vorschläge unterbreitet hat, war ein sehr dürftiges. Zunächst lassen sich die ziemlich umfangreichen Vorschläge des Herrn v. Keudell lischt so schnell überprüfen. Daneben beweist die Vertagung der Verhandlungen auf Montag, daß man zum mindesten in Zentrumskreifen das Ergebnis der Schultagung der Deutschen Bskkspartei abwarten will.
Die Einberufung des Landtags.
Für die am kommenden Dienstag, dem 14. Februar, vorm. 16 Uhr stattfindende Tagung des Landtags steht folgende Tagesordnung fest: Wahl des Staatsprästdenten, Bestimmung der Zechl der Mitglieder des Gesamtministeriums und Bestätigung der von dem neuen Staatspräsidenten berufenen Mitglieder ^des Gesamtministeriums (Art. 37, Art. 2 der Verfassung.),
Das geänderte Mietgesetz in zweiter und dritter Lesung angenommen.
Berlin. Auf der Tagesordnung der gestrigen Reichstagssitzung stand zunächst die zweite Lesung der Novelle zum Reichs- mietengesetz. Nach den Ausschußbeschlüssen soll das Gesetz künf- I tig nicht gelten für neue Mietverträge über Geschäftsräume und Wohnungen mit mindestens 6 Zimmern. Die Novelle soll am 16. Februar in Kraft treten und das Gesetz selbst in der geän- i berten Form bis zum 31. März 1930 gelten.
Die Sozialdemokratie kündigte an, daß sie im Steuerausschuß die Senkung der Mieten auf 100 Prozent und die Verwendung der Hauszinssteuer ausschließlich für den Wohnungsbau beontrogen würden.
Abg. Winnefeld (DVP) begründete den Antrag, das Wohnungsmangelgesetz mit dem 1. April 1928 aufzuheben und die Wohnungsämter und Mieteinigungsämter spätestens mit dem 1. Juli 1928 aufzulösen.
Abg. Lucke (WVgg.) beantragte, das Reichsmietengesetz nur noch für die laufenden Mietverträge weiter gelten zu lassen. - .
Darauf werden sämtliche Änderungsanträge abgelehnt, das Gesetz selbst in zweiter und dritter Lesung nach den Ausschußbeschlüssen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Demokraten, Kommunisten, Völkischen und Nationasozialisten angenommen.
Annahme findet auch eine Entschließung der Demokraten, auf die Länder einzuwirken, damit größere Teile der Hauszinssteuer für die Erhaltung des Altraumhausbesitzes zu möglichst günstigen Bedingungen an Besitzer dieser Häuser abgegeben werden.
Die gestern zurückgestellte Schlußabstimmung über die Novelle zum Mieterschutzgesetz ergibt deren Annahme mit derselben Mehrheit wie beim Reichsmietengesetz.
Ein MI Wer die Gozialdemstmlie.
Der frühere Chefredakteur der „Königsberger Volkszeitung", Adolf Bartel, ist aus der Sozialdemokratischen Partei ausgetreten und hat sich der Alten Sozialdemokratischen Partei angeschloßen.
Dazu entnehmen wir aus der „Hessischen Landeszeitung" folgende weiteren Ausführungen:
Adolf Bartel war ein bekannter sozialdemokratischer Führer, so daß sein Austritt nicht mir in Königsberg, sondern auch in weitesten politischen Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt hat, zumal er von der Sozialdemokratischen Partei selbst auf seinen Posten berufen worden war. Infolgedessen gehört Bartel zu denen, die ganz besonders gut über die Mentalität der Sozialdemokratischen Partei unterrichtet sind. Umso interessanter ist es, was er jetzt in einem Brief an den Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins in Königsberg zur Begründung seines Austrittes schreibt. Der Brief lautet:
„Hierdurch erkläre ich meinen Austritt aus dem Sozialdemokratischen Verein Königsberg i. Pr. und damit zugleich aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Zu diesem Entschluß zwangen mich in der Hauptsache folgende Erwägungen:
Dem furchtbaren Schicksal des deutschen Volkes und damit auch dem der deutschen Arbeiterschaft seit Versailles steht die Sozialdemokratische Partei mit einer Verständnislosigkeit gegenüber, die geradezu erschreckend wirkt, gleichviel auf welchen Gründen sie beruhen mag. Doch ist die Partei in jeder Weise bestrebt, die Arbeiterschaft in der Erkenntnis, daß sie nur das Ausbeutungsobjekt des ausländischen Großkapitals ist, zu hindern und durch diese Täuschung die nationale und soziale Befreiung der deutschen Arbeiter unmöglich zu machen.
Die Partei verhindert, daß die Wahrheit über die Ausbeutung Deutschlands und damit in erster Linie der deutschen Arbeiterschaft in ihrer ganzen Grausamkeit bekannt wird.
In gleicher Richtung tritt sie allgemein in ihrer Politik den Interesien der Hochfinanz zur Seite und ist bestrebt, den Unmut über den ausgeübten Druck innerpolitisch gegen die anderen politischen Parteien Deutschlands auszunutzen.
Dagegen wendet sie sich gegen den vom Volk gewählten Reichspräsidenten v. Hindenburg schon deshalb, weil er in Tannenberg gegen die frivole Kriegsschuld lüge die Wahrheit festgestellt hat, daß das deutsche Heer das Schwert mit reinen Händen nur zur Verteidigung des Vaterlandes geführt hat.
Der den besten Ueberzeugungen non Friedrich Engels und August Bebel schroff aufgezwungene Kamps der Partei gegen die Wahrhaftigkeit und Widerstandskraft des deutschen Volkes muß zu unserer auch zeitlich unbegrenzten Versklavung unter fremden Despotismus führen.
Es war schon unverständlich, daß die Sozialdemokratische Partei, seit sie Einfluß auf die politische Neugestaltung erhielt, die freie Selbstbestimmung der Wähler aufhob und sie der Diktatur weniger Parteiführer unterwarf. Sie hat jedoch auch noch darüber hinaus selbst die Ausübung des Wahlrechts zur Helotengeste herabgewürdigt, indem sie ständig die Abstimmung nach den politischen Wünschen unserer fremden Bödrücker und Ausbeuter fordert.
Außerdem kommt noch hinzu, daß die Königsberger und damit die ganze ostpreußische Partei ganz besonders — unter
völliger Beherrschung durch einen Klassenfremden - eine Richtung vertritt, die ebensosehr die Interessen der Arbeiter wie die der Gesamtheit unserer, Nation, mit der das Schicksal der Arbeiter untrennbar verbunden ist, aufs schwerste benachteiligt. Diese offenkundig staatsfeindliche Richtung ist - im offenen Bunde mit den Kommunisten — bemüht, deren demagogische Unvcrantwortlichkcit noch zu übertreffen.
Vornehmlich aus diesen Gründen trete ich zu der „Alten Sozialdemokratischen Partei Deutschland" über. Dort werde ich mit Gleichgesinnten auf den Wegen von Karl Legien und Friedrich Ebert so für meine deutschen Volksgenossen wirken, wie es 35 Jahre lang die Sozialdemokratische Partei erstrebt, jedoch zu meiner größten Enttäuschung seit der Schwenkung der Partei zum unfruchtbarsten und unduldsamsten Radikalismus nicht mehr zu tun vermochte. Adolf Bartel."
Es würde die Wirkung dieses Briefes, der weiteste Verbreitung verdient, nur abschwächen, wollte man ihm ein Wort hinzufügen.
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Eine notwendige Richtigstellung. 360 Millionen Mark könnten jährlich an Betriebskosten gespart werden, wenn die Straßen gut wären.
Es bedarf keiner besonderen Begründung, daß der Strassenbau (Neuanlagen und vor allem Ausbesserung des vorhandenen Straßennetzes in Stadt und Land) heute zu den dringlichsten öffentlichen Aufgaben gehört. Ebensowenig bedarf es besonderer Beweisführung, daß diese Aufgabe nur zu einem geringen Teil erfüllt werden kann, weil die notwendigen Mittel nicht vorhanden sind. Versuche, diese Mittel durch eine Ausländsanleihe für Straßenbau hereinzuholen, blieben bisher erfolglos, weil sich die Reichsberatungsstelle für Auslands- tredite auf den Standpunkt stellt, daß Straßenbauarbeiten nicht unter die produktiven Anlagen zu rechnen seien, und nur für solche könnten Ausländsanleihen gestattet werden. Der Verband der preußischen Provinzen, der deutsche Landkreistag, der Städtetag, andere öffentlich-rechtliche Körperschaften und nicht zuletzt die in Frage kommenden Industrieverbände haben wiederholt in Denkschriften überzeugend nachgewiesen, daß dieser Standpunkt der Beratungsstelle abwegig sei. Diese Ansicht muß jeder teilen, der die neuesten mit wissenschaftlicher Gründlichkeit angestellten Untersuchungen zu diesem Fragenkomplex verfolgt hat. Es ergab sich, daß auf ebenen fugenlosen Strassendecken im Autoverkehr 20 Prozent an Brennstoff gespart werden können, der Reifenverbrauch ermäßigt sich um 40 Proz. Auch die Ausbesserungskosten der Wagen werden bedeutend herabgemindert, die Fahrzeuge haben eine längere Lebensdauer, die Abschreibungsquote kann also bei Herrichtung der Fahrwege auf 10—15 Prozent herabgesetzt werden. Die Wagen können stärker beladen, ihre Geschwindigkeit kann erhöht werden, was nach verschiedenen Seiten auch Ersparnisse auf dem Personalkonto ermöglicht. Zuverlässigen Statistiken zufolge würden die Gesamtersparnisse an Betriebskosten im Autoverkehr sofern das deutsche Straßennetz in einem automobilfähigen Zustand versetzt wird
jährlich 360 Millionen Mark betragen. Das allein sollte genügen, um die Produktivitär des Straßenbaues zu beweisen.
Nicht einbegriffen in diese Summe ist die Befruchtung der Eesamtwirtschaft Deutschlands durch Straßenbauten. Was zunächst die Automobil-Industrie angeht, so müssen wegen der schlechten Wege die deutschen Kraftwagen um 30 Prozent zu schwer gebaut werden, was unmittelbar zur Folge hat, daß sie auch um einen hohen Prozentsatz teurer verkauft werden müssen als bei leichterem Gewicht. Sinkt der Preis für ein gleichwertiges Auto, so steigt der Umsatz, und zwar erst recht, wenn gleichzeitig auch die Betriebskosten, wie oben dargelegt, bedeutend vermindert werden. Also die Automobil-Industrie bekäme mehr zu tun und damit naturgemäß auch alle anderen Gewerbezweige, die mit ihr Zusammenhängen, und das ist eine große Zahl. Ferner ist der Fremdenverkehr in Betracht zu ziehen. Er würde einen mächtigen Aufschwung erleben durch neue und besiere Straßen. Das bedarf für jeden Einsichtigen keines Kommentars. Außer durch die Automobilindustrie mit ihrem großen Anhang und dem Fremdenverkehr würde die allgemeine Volkswirtschaft eine große Förderung erfahren durch die Belebung der Straßenbau-Industrie. Handwerker, (Pflasterer), Arbeiter, Unternehmer, alle Straßenbauftoffe und -Maschinen herstellende Betriebe, das gesamte Transportgewerbe von der Pferdekarre bis zur Eisenbahn und zum Lastkraftwagen und alles, was mit diesen Wirtschaftszweigen nur irgendwie zusammenhängt, würde Arbeit und Aufträge erhalten, und damit würde die auf Gemeinde, Staat und Reich so schwer drückende soziale Last erleichtert durch starke Verminderung der Erwerbslosenzahl.
Bei den kommenden Reichstags- und Landtagsverhandlungen wird die Frage einer Anleihe für den Straßenbau zur Sprache kommen. Es sollte angesichts der vorstehend skizzierten Tatsachen nicht schwer fallen, die maßgebenden Reichsstellen von der Unhaltbarkeit des Standpunktes der Reichsberatungs- ftelle für Auslandskredite zu überzeugen.