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Erscheint Mittwochs und Samstags.

Bezugspreis 2,40 Jt vierteljährlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh'8 Uhr Für Aufbewahrung oder Rück­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Samstag- Ken 5. Mai 1928

Nummer 37

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Reichsminister Dr. Stresemann ist nach Heidelberg gefahren, um in einer Festsitzung der Heidelberger Universität gleichzeitig mit dem amerikanischen Botschafter Shurmann zum Ehrendoktor der philosophischen Falultät ernannt zu werden.

Der Völkerbund wird bei den Eröffnungsfeierlichkeiten der Pressa in Köln durch den Generalsekretär Sir Eric Drummond vertreten sein.

Der Abschluß eines türtisch-italienischen Sicherheits- und Nichtangriffspaktes wird als unmittelbar bevorstehend erachtet.

Im japanisch-chinesischen Konflikt ist es in Tsinanfu zu schweren Gefechten gekommen. Mehrere hundert Tote sind fest­gestellt.

Zu Km kommenden Wahlen.

Jie WWWMen der WWWei in Seifen.

1. Dr. Werner Rhode, Rechtsanwalt und Notar, Fran- furt a. M.,

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der llniverfiü Genossenschaft- r anderen beul ;aftswesens al- ch bei der Ai ewählt werden gen am 1. Mc Htswesen Hall! in Führer dun g von 1 R.-MI für das Ton fassungsbedinx

Adolf Schmidt, Kaufmann, Gießen, Joh. Friedrich Nagel, Bauunternehmer Offenbach, J. D. Mertes, Architekt, Weisenau-Mainz, Chr. Steuernagel, Maurermeister, Bad Nauheim,

6. Oswald Meißner, Buchdruckereibesitzer, Neu-Isenburg,

7. Karl Gehres, Schuhmachermeister, Mainz,

8. Willy Ulrich, Kaufmann, Friedberg,

9. Heinz Quill ing, Steuerberater und Buchsachverständi­ger, Bieber, Kreis Offenbach,

10. Karl Schäfer, Bildhauer, Langen, Hessen.

n in Gießen.

NeichMe der VolkseM-Partet.

Auf dem Reichswahlvorschlag der Volksrechl-Partei (Reichs­partei für Volksrecht und Aufwertung) stehen u. a.: Oberland- gerichtspräsident Dr. Best-Darmstadt, M. d. R.; Graf von Posadowski, Staatssekretär a. D. in Naumburg; die bis­herigen Neichslagsabgeordneten Seiffert und Dr. Roß; der Rentnerführer von Colomb in Kassel; Kinzebach- Frankfurt a. M., Vertreter der Reichsbankgläubiger; Senats­präsident am Reichsgericht Dr. Lobe in Leipzig; Amtsrichter Schneider, Vorsitzender des Rcntnerbundes in Nürnberg; Oberbürgermeister a. D. Siegrist in Karlsruhe; Landgerichts­cat Dr. Schmidt als Vertreter der inflationsgeschädigten Hausbesitzer.

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Mutiger Wahlkampf in Mainz.

Kommunisten gegen Nationalsozialisten.

Mainz. Die Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpar­teien aus Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden, die mit Last­autos hier eintrafen, versuchten gestern abend in der Aula der Höheren Mädchenschule eine Wahlversammlung abzuhalten. Gleich bei Beginn der Versammlung kam es zwischen einigen Kommunisten und Nationalsozialisten zu Tätlichkeiten. Im nächsten Augenblick setzte eine blutige Wahlschlacht ein. Mit Stühlen, Gummiknüppeln und Messern wurde gearbeitet. Die anwesenden Kriminalbeamten, von denen einer einen erheblichen Messerstich in den Kopf erhielt, mußten die Polizei alarmieren. Erst als ungefähr 80 Polizisten erschienen, konnte unter Anwen­dung von Gummiknüppeln der Wahlschlacht ein Ende bereitet werden. Die Visitation der ungefähr 70 Mann zählenden Natio­nalsozialisten und der Kommunisten ergab ein Arsenal von Schlagringen, Gummiknüppeln, Messern u. a. m. Ein Russe, fünf Nationalsozialisten und der Kriminalbeamte mußten durch die Sanitätswache ins städtische Krankenhaus verbracht werden. Eine große Anzahl Verletzter, darunter zwei Mainzer Stadtver­ordnete, erhielten Notverbände. Das Innere der Aula ist schwer beschädigt und die Stühle bilden einen Trümmerhaufen. Das sich rasch ansammelnde Publikum, das auf die Nationalsozialisten eindringen wollte, konnte nur mit Gewalt durch' weitere Poli­zeiaufgebote in die benachbarten Straßen abgedrängt werden. ^Wir fragen an: Wer hat den Schulsaal für diese Wahlver­sammlung freigegeben? Die Red.)

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§. P. s.-Seife mit Versen.

Beim Wahlkampf kommen die Parteien anscheinend auf die seltsamsten Propagandamethoden. So hat die Sozialdemokra- tiische Partei folgenden Gedanken ausgeheckt: Sie läßt durch die Konsumgenossenschaften Seifenstückchen verbreiten, in die aller­hand Wahlsprüche eingeprägt sind. Auf einer Seife befindet siich z. V. folgender Vers:Im wunderschönen Monat Mai Ho sang schon Heinrich Heine wählt nur die SPD.-Partei, wie hilft euch auf die Beine".

Im Bezirk Berlin sind von diesen Propagandastückchen -"7)0 000 Stück bestellt, die den die Märkte besuchenden Frauen Wgestellt werden sollen. Man hofft auf diese Weise weibliche Mähler zu gewinnen Ob die Sozialdemokraten damit ihre übrige Mahlpropaganda reinwaschen will?

Druck und Verlag von Albin Klein in Gießen Geschäfts stelle: Gießen, Südanlage 21.

Fernsprecher Nr. 2525 und 2526

Postscheckkonto Nr. 69 530 Amt Frankfurt a. M

Kein Verbot der Nstsrontkâmyter.

Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat in Sachen des Roten-Frontkämpferbundes folgenden Beschluß gefaßt: 1. Die Weigerung der Landeszentralbehörden, dem Ersuchen des Reichs­innenministers auf Verbot und Auflösung des Roten-Front­kämpferbundes, der Roten-Marine und der Roten-Iungfront nebst sämtlichen Ortsgruppen nachzukommen, ist begründet. 2. Die Kosten des Verfahrens werden dem Deutschen Reiche auf­erlegt.

Der Senat hält die Voraussetzungen des § 129 StGB, für den gesamten Roten-Arontkämpferbund und sämtliche Roten Ortsgruppen nicht für erwiesen.

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Außer Deutschland hat noch keine andere dazu aufgeforderte Macht zur amerikanischen Antikriegsnote Stellung genommen. England, das nicht weiß, wem es zustimmen soll, Amerika oder Frankreich, dem überhaupt dieser ganze Pakt unbequem erscheint, tut das Gescheiteste, was es gibt, um den Ausgang der ameri­kanischen Bemühungen illusorisch zu machen. Wie die letzten Meldungen besagen, schlägt es vor, zunächst einmal ein Juri­stisches Komitee die Sache bereden zu lassen, und dann ... ja dann, wird es wohl, wie immer, nie zum Abschluß eines um­fassenden Antikriegspaktes kommen.

Bon den Szeanfliegem.

Newyort. Am Mittwochabend gab die Stadt Newyork ein großes Festessen, an dem 3600 Personen teilnahmen. Dar­auf traten in der Nacht die Flieger die Reise nach Washington an. Dort begrüßte dieVremen"-Flieger Staatssekretär Kellogg auf dem Flugplatz Bollingfield. Auch Oberst Lindbergh, der zur Begrüßung erschienen war, richtete herzliche Willkommensworte an die Flieger. Die Begrüßung in Bollingfield vollzog sich "bei strahlendem Sonnenschein unter dem Jubel einer großen.Men­schenmenge. Die Flieger erwiderten alle Zurufe und Hochs durch freundliches Winken.

In einem kurzen Presseempfang erklärte Baron v. Hünefeld namens derVremen"-Vesatzung, der wunderbare Empfang in Washington habe sie tief ergriffen. Auch heute würden sie wie­der Bennets Grab besuchen und dann demUnbekannten Sol­ten" ihre Ehrerbietung' erweisen.

*

Die Auszeichnung derVremen"-Flieger mit dem Fliegerkreuz.

Washington. Die Rasenflächen des Gartens des Weißen Hauses waren schwarz von wild gestikulierenden, laut jubeln­den Amerikanern, als die deutschen Flieger und ihr irischer Kamerad, geschmückt mit dem blauen Ehrenfliegerkreuz, das Präsident Coolidge ihnen an die Brust geheftet hatte, aus dem Tor des Präsidentenpalais traten. Die Schutzleute hatten größte Mühe, den Weg für die Autos zu bahnen. Ihr Ziel war der Nationale Presse-Club, wo ihnen ein feierlicher Emp­fang durch führende amerikanische Journalisten bereitet wurde. Sodann kehrten sie zum Weißen Hause zurück, wo der Präsident ihnen ein Ehrenfrühstück gab. Danach fuhren sie mit der mili­tärischen Eskorte zum Grabe desUnbekannten Soldaten".

In Begleitung des deutschen Botschafters und des irischen Gesandten wurden sie dann in den Senat geführt. Hier stellte Vizepräsident Davis sie den Senatoren vor, die einzeln in den Fliegern vorbeidefiliertcn und ihnen die Hand schüttelten. Dar­auf begaben sich die Flieger in das Repräsentantenhaus, wo der Sprecher Longworth sofort die Sitzung aufhob und die Flieger vorstellte, sie in kurzer, sehr herzlicher Ansprache willkommen hieß und ihnen zu ihrer mutigen Fahrt unter dem gewaltigen Beifall des Hauses und den dicht besetzten Tribünen gratulierte. Darauf traten die Abgeordneten einzeln vor, schüttelten allen drei Fliegern die Hand, was bei der großen Zahl der Kongreß­mitglieder geraume Zeit dauerte. Unter Hochrufen und Bei­fallsklatschen verließen die Flieger sodann das Unterhaus und begaben sich zur Stadt zurück, wo abenbs das Festbankett für Köhl und Freiherr v. Hünefeld auf der deutsck>en Botschaft statt­fand.

Am nächsten Morgen wieder in Newyork, nahmen sie an einem Bankett der Newyorker Kaufmannschask teil. Wie aus der Umgebung der Bremenflieger mitgeteilt wird, sind diese nicht imstande, alle amerikanischen Einladungen anzunchmen, da sie den Wunsch hätten, möglichst bald nach Europa zurück­zukehren, um von ihren deutschen und irischen Landsleuten emp­fangen zu werden. Wie schon gemeldet, werden die Flieger Philadelphia, Chicago, Milwaukee, St. Louis, Detroit und Boston besuchen. In diesen Städten werden große Empfangs­feierlichkeiten stattfinden.

Nobikes Norbvolslug.

Am Donnerstag ist dieItalia" in Stolp gestartet. Bei gutem Wetter kam sie über die Ostsee nach Stockholm, fuhr dann weiter, die schwedische Küste entlang bis nach Finnland, über­flog dasselbe in nördlicher Richtung und landete nicht ganz ohne Schaden zu nehmen, gestern morgen um %10 Uhr in Vadsoe am Varanger Fjord, der letzten Etappe vor Spitzbergen. Aus Spitzbergen laufen z. Z. recht ungünstige Wettermeldungen ein.

Anzeigenpreise: die 30mm breite Petitzeile auswärts 24 Pfg. lokal 12 Pfg., die 90 mm breite Reklame-Petitzeile 96 Pfg Platz­vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholung Rabatt, für VoUklischee-Anzelgen außerdem besondere Ermäßigung.

Kredite für bie GeMdigten an der Bergjiraße.

Vertreter des hessischen Landwirtschaftsamtcs in Mainz und des Finanzamtes in Oppenheim, sowie der Weinbaulehr­schule in Oppenheim haben jetzt den Unwetterschaden im Wein- baugebiet Oppenheim, Bodenheim und Nackenheim festgestellt. Er beträgt in dem rund 1400 Morgen großen Weinbaugebiet bei Bodenheim bei 400 Morgen bis zu 30 Prozent, bei 300 Mor­gen bis zu 60 Prozent und bei 700 Morgen mindestens 60 bis 100 Prozent. Unter den zerstörten Lagen befinden sich auch die bekanntesten Qualitätslagen.

In der letzten Landtagssitzung nahmen Landtagspräsident Delp und auch Staatspräsident Adelung im Namen der Re­gierung und des Landes Veranlassung, dem Mitgefühl und dem Bedauern der Regierung wie des ganzen Landes über das her- eingebrochene Unglück, das eine Anzahl Orte der Bergstraße und des Odenwaldes betroffen hat, Ausdruck zu geben. Zur Mil­derung der Schäden wird zunächst ein Kredit von 100 000 Mark

in

einer Regierungsvorlage bewilligt.

Die wirtschaftliche Lage des deutschen Handwerks im Wianat April 1928.

Gegenüber dem Vormonat lauten die Berichte für den Monat April überwiegend günstiger. Die übliche Belebung im Frühjahr ist für die in Frage kommenden Handwerkszweige ein­getreten. Besonders scheint das Osterfest für das Bekleidungs­und Nahrungsmittelhandwerk einen erhöhten Auftragsbe­stand gebracht zu haben. Allerdings erscheint zum mindesten bezirksweise das Ausmaß der Belebung hinter den Erwartungen zurückgeblieben zu sein. Besonders beherrscht wird die Wirt­schaftslage von der Wiederbelebung des Baumarktes. Es ist festzustellen, daß zum mindesten in den Städten schon wieder eine lebhaftere Betätigung auf dem Vaumarkte Platz gegriffen hat. Die Art der Beschäftigung ist allerdings hier bezirklich sehr verschieden, z. T. handelt es sich aber auch noch um die Fer­tigstellung von im vorigen Jahr in Angriff genommenen Bauten.

Unterschieden werden muß wieder stark zwischen ländlichem und städtischem Handwerk. Auf dem Lande macht sich nach wie vor die schlechte wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft be­merkbar. Alle nicht unbedingt notwendigen Aufträge werden zurückgehalten. Hinzukommt, daß noch teilweise durch weit über das Ziel hinausschießende Agitation die Landwirtschaft zum Käuferstreik aufgefordert wird. Auch die an und für sich ver­ständlichen Bestrebungen, das Schlachtvieh durch Eigenschlach­tung möglichst hochwertig zu verwenden, fügen dem ortsansäs­sigen Fleischerhandwerk großen Schaden zu.

Auch in der Berichtszeit sind Lohnerhöhungen in den ein­zelnen Bezirken eingetreten. Es ist bezeichnend, daß diese zu­meist nicht zu einer Preiserhöhung für das Publikum, wohl aber zu harten Einbußen für die Arbeitgeber geführt haben. Der scharfe Wettbewerb um die Erlangung von Aufträgen führt allein zu einer fast unerträglichen Kürzung des Unternehmer­gewinns. In der gleichen Richtung wie die Löhne bewegte sich auch eine Reihe von Rohstoffpreisen, so besonders diejenigen für Textilien, Metalle und Mehl. Im Zusammenwirken dieser Un­kostenerhöhungen mit dem immer noch nicht beseitigten Borg­unwesen, macht sich auch in diesem Berichtsmonat der Geld- und Kreditmangel sehr bedrückend bemerkbar.

Wenn auch die Belebung in den einzelnen Saisongewerben zu Einstellung von Arbeitskräften geführt hat, so ist doch über­

all noch genügend Angebot vorhanden.

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