Hießener IerLung
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41. Fahrs.
Die hessischen Wahlen gültig!
Darmstadt, 31. Januar. In einer sechsstündigen Sitzung verhandelte heute der hessische Staatsgerichtshof über Einsprüche, die von der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, der Wirtschaftspariei und der Evangelischen Volksgemeinschaft gegen die Gültigkeit der letzten Landtagswahl erhoben worden waren. Die Nationalsozialistische Partei war vertreten durch Rechtsanwalt F ran k - München und R i n g s huuf e n - Offenbach, 'die Wirtschaftspartei durch Rechtsanwalt Rohde-Frankfurt und weitere fünf Vertreter, die Evangelische Volksgemeinschaft durch ihre Vorsitzenden Pfarrer Weidner und Lehrer Greb. Als Vertreter der hessischen Regierung waren Ministevtaldirek- tor Schwarz und Ministerialrat B o vn e 'ma n n erschienen. Zu Beginn der Verhandlung protestierten die Einspruch erhebenden Parteien gegen die Zusammensetzung des Staatsgerichtshofes mit der Begründung, daß die ihm ange'hörenden acht Parlamentarier nicht Richter in eigener Sache sein könnten. Nach kurzer Beratung erkannte das Gericht sich für zuständig, zumal eine andere Instanz zur Entscheidung gar nicht vorhanden ist.
Als Berichterstatter fungierte Oberlandesgerichtsrat A l - tendorf, der die Einsprüche der einzelnen Parteien rein sachlich erörterte und die Möglichkeit ihrer Abgeordnetenman- date einer kritischen, mit statistischem Material belegten Untersuchung unterzog. Er wies darauf hin, daß keine der Einspruch erhebenden Parteien überhaupt einen Wahlvorschlag eingereicht hatte.
Ministerialdirektor Schwarz vertrat den Standpunkt der Regierung und stellte die politisch praktische Erwägung in den Vordergrund. Er betonte, daß auch einige Mandate dieser Splitterparteien die politische Konstellation im Landtag nicht im geringsten beeinflussen würden.
Danach kamen die Vertreter der Splitterparteien zu Wort, die nun mit ihren bekannten Argumenten ihre Bedeutung und ihren angeblichen Umfang darftellten.
Nach 2^stündiger Beratung verkündete der Gerichtshof, daß die Anfechtung der Landtagswahl als ungültig zurückzuweisen seien. Damit ist die Nechtsgültigkeit der hessischen Landtags- «ahl festgelegt.
Der Hessische Staatsgerichtshof.
Der Landtag trat Samstag-Nachmittag nach Vorbesprechung der Fraktionen und des Aeltestenrats zusammen. Präsident Adelung gedachte in kurzen, herzlichen Worten des Geburtstags des Staatspräsidenten, die dieser von seinem reich mit Blumen geschmückten Platz aus dankbar erwiderte. Nach kurzem Referat des Abg. Dingeldey über die Beschlüsse des Aeltestenrats, die zur Ungültigkeit der Wahl der acht Parlamentarier als Beisitzer des Staatsgerichtshofs geführt haben, fand die Neuwahl statt. Es lagen drei Wahllisten für die Verhältniswahl vor, eine der Kommunisten, eine der Sozialdemokraten und eine' der anderen Parteien, ohne die Volksrechts-Partei, die sich der Wahl von vornherein der Wahl enthielt. Abgegeben wurden 66 Stimmen von 70 Stimmberechtigten. Das Resultat war dasselbe wie am 8. Dezember: Gewählt wurden die Abgeordneten: Schüll, Wesp, (Zentr.); Dr. Müller (Ldb.); Scholz (DVp.); Schreiber (D.) als Mitglieder, und Lang, Nutz (Zentr.); Glaser (Ldb.); Dr. Keller (DVp.); Reiber (D.) als Stellvertreter. Von Liste 2 die Sozialdemokraten Kaul, Sturmfels, Ritzel als1 Mitglieder, und Lückel, Rechthien und Weber als Stellvertreter. Vom Wahrvorschlag 3 wurde kein Kandidat gewählt.
Gruner Rasen / Blaue Vellen.
Roman von Otto von Eottberg.
26. Fortsetzung.
Auch Gerda war ausgefallen, daß ein neuer Werner aus seinen Briefen sprach. Sie freute sich seiner Ausführlichkeit und dankte ihm, daß er sie jetzt auch in seine Empfindungen blicken ließ. Oft freilich betrübte sein Plaudern, weil er zum Grübeln und Zweifeln neigte. Kopfschüttelnd las sie namentlich den letzten Brief, in dem er wieder von seiner Trauer über den Tod eines lieben Freundes und Kameraden sprach:
„Ich hänge an diesem Stück Feindeserde, weil es sein Grab birgt. Nachts frage ich die Sterne, ob von droben auch seine Augen mich suchen. Dann kommen Zweifel. Der Krieg weckt ste, Gerda. Gewiß lehrt er beten, aber oft auch am Walten einer gerechten Allmacht zweifeln. Lohnt und schont er die Guten und Edlen? Nein, den Bösesten gönnt er nicht selten Ehren, Freuden und Leben. Die Besten sterben, aber keine Kugel scheint für die Sünde die Beladenen gegossen."
Aehnlich hatte er häufig geschrieben, als zeihe er sich einer Schuld oder lebe unter dem Druck einer Last. Eine Selbst- aizklage waren auch die nächsten Sätze:
„Im glorreichen August machte uns der Krieg großherzig und verschwenderisch. Der Tod auf dem Schlachtfeld schien schön wie der Sieg. Jetzt sind wir Geizhälse und knausern mit dem Leben, obwohl wir den Tod so nahe sahen, daß wir ihn als gute Bekannten nicht mehr scheuen sollten. Ich fürchte ihn auch nicht und wünsche ihn mir mehr als das Leben in einem Deutschland, das nicht siegreich wäre. Als neulich die Engländer uns abgeriegelt hatten, packte mich sogar der Rausch der ersten frohen Kriegslage wieder. Ich nahm mir vor, lieber eine Kugel zu suchen, als den Kerlen in die Hände zu fallen. Zwar denke ich noch immer, daß nicht minder schön wie ein voller Sieg ein Untergehen in Ehren, ein deutsches Sterben mit Männern, Frauen und Kindern so groß und stolz wie das des düsteren Königs Teja und der Seinen wäre, aber immer wieder höhnt des Geizes Stimme in der Brust: Du willst leben? Der alternde Krieg hat dich zum Knicker gemacht?"
Bedauerte er, daß Gott ihm gnädig gewesen war? Er wußte gewiß, daß Elisabeth ihn vergessen hatte, und wünschte sich
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Mittwoch, den 1. Februar 1928
Zum Wischen Staatsvoranschlng für 1928.
Der Voranschlagsentwurf für 1928 ist dieser Tage dem hessischen Landtag zugegangen. Er schließt, um dies oorauszu- schicken, mit einem Gesamtbedarf für Verwaltungsausgaben — einschließlich 8% Millionen für in Aussicht genommene Besoldungserhöhung — von 139 163 688 RM. ab, dem an laufenden Einnahmen die Summe von 127 951625 RM. gegenüb ersteht. Hiernach bleibt ein zunächst ungedeckter Fehlbetrag von 11 212 063 RM. Diese Ziffern ergeben jedoch kein deutliches Bild über die Entwicklung der hessischen Finanzen seit den letzten Jahren.
Der Voranschlag für 1926 schloß mit einem Fehlbetrag von rund 7,8 Millionen RM. ab. Für 1927 schließt der Staatsvoranschlag mit einem Fehlbetrag von 7,32 Millionen RM. ab. Ueber das rechnungsmäßige Ergebnis des Jahres 1927 läßt sich naturgemäß jetzt etwas Bestimmtes noch nicht sagen. Der Voranschlag für 1928 schließt — wie bereits bemerkt — mit einem Fehlbetrag von 11,2 Millionen Reichsmark ab, der sich auf 2,7 Millionen vermindern würde, wenn eine Besoldung ser- höhung nicht in Betracht käme. Zur Deckung dieses Fehlbetrages sind zunächst keine besonderen Mittel vorgesehen. Ueber die im Gange befindlichen Verhandlungen wegen einer Reichshilfe wird demnächst nach Abschluß der Prüfuntgsarbeiten des Sparkammissars zu erwarten sein.
Aus der Zusammenstellung ergibt sich: Der Anteil des Landes an den Reichssteuern steigt seit dem Jahre 1926 trotz unveränderter TeilungsAffer Die .'eigentlichen Realsteuern (Grundsteuer und Gewerbesteuer) sind seit Jahren unverändert geblieben. Die Erhöhung der Sondergebäudesteuer beruht auf reichsgesetzlichen Entschließungen. Darüber hinaus ist ein Anwachsen der ziffermäßigen Einstellungen im Staatsvoranschlag darauf zurückzuführen,- daß der Staat seit 1926 den gesamten, auf den Wohnungsbau entfallenden Teil der Steuer (also auch den Gemeindeanteil) erhebt.
Läßt man die in Aussicht stehende Erhöhung der Beamte n- besoldung außer Betracht, so bleibt immer noch ein ungedeckter Fehlbetrag im Staatshaushalt bestehen. Neben den Vorschlä- den des Fianzministers sind noch die Anregungen zu erwarten, die sich aus der im Auftrage der hessischen Regierung zurzeit stattfindenden Prüfung der Staatsverwaltung durch den Reichssparkommissar ergeben. Regierung und Landtag werden sich in der neuen Land tags Periode vor ernste und weittragende Beschlüsse gestellt sehen.
Auflösung der SberpostdirekNon Darmstadt.
Die Meldung, daß bei der bevorstehenden Verwaltungsreform der Reichspost auch die Oberpostdirektion Darmstadt aufgelöst werden soll, bestätigt sich. Der Arbeitsausschuß des Verwaltungsrates der Reichspost hat folgende Oberpostdirektionen für die Auflösung vorgeschlagen: Darmstadt, Aachen, Trier, Bamberg, Nürnberg, Würzburg, Kiel, Münster, Gumbinnen, ferner zwei schlesische und einige andere Direktionen im Reich. Wie es scheint, beabsichtigt man im Verwaltungsrat der Reichspost vorzuschlagen, daß das Darmstädter Arbeitsgebiet von der Oberpostdirektion Frankfurt übernommen werden soll. Mitte des Monats wird der Arbeitsausschuß erneut zusammentreten und dann die Vorschläge über die Auflösung der Oberpostdirektionen bekanntmachen.
■——B
den Tod, gegen den seine gesunde Jugend sich doch wehrte. Darum glaubte er sich geizig. Schmerzliches Mitleid spürte sie. Hätte er doch sie und nicht Elisabeth geliebt? Dann könnte sie ihn trösten und bald ihm die Zweifel von der Stirne streicheln. Jetzt durfte sie, wie er, nur leiden ohne zu klagen, denn niemand sollte vom Kummer verschmähter Liebe in zwer Herzen ahnen. Er war zu stolz, um von seinem Schmerz, wie sie von ihren durchweinten Nächten und vergrämten Tagen zu sprechen. Sie allein wußte, daß er litt wie sie. Nur sie konnte als V^ütterchen und Freundin ihm zureden.
In einem langen Brief mahnte sie ihn, vom Grübeln zu lassen. Sie zweifele nicht, daß er als Soldat seine Schuldigkeit tue. Doch auch als Mensch habe er Pflichten und müsse froh und zuversichtlich der eigenen, wie der deutschen Zukunft ins Auge sehen. Auf viel dürfe er noch bokien. denn jung wie er sei das Reich.
Im April kam als Antwort der erste Brief an sie allein:
„Geliebte Gerda? Das waren frohe deutsche Worte eines wahren deutschen Mädchens. Du hast mich erquickt und gelabt. Ich trauere nicht mehr um den Freund und bin jetzt wirklick geizig, denn ich will und muß leben, um Dich wiederzusehen!' Dann jauchzte neu erwachte Daseinsfreude: „Auch an der Front ists Frühling, obwohl Eisenklirren das Vogelzwitschern überschreit und der Tod durch die lichten Silberschäschen unter blauem Himmel schwirrt. Das Blut fließt schnell und warm im Körper, der mit Behagen die Starrheit des kalten Winters und stumpfen Grabenkrieges abschüttelt. Wie schön ist die Erde, an deren Brust wir liegen, während sie sich mit erstem grünen Schimmer schmückt. Alle Granattrichter sind Blumenkörbe im sonnigen Meer von Freude, Licht und Wärme! Herrlich ist das wilde, freie Leben! Ja, Gerda, hier ist bei Mann noch was wert, obwohl keiner auf sich allein steht und jeder für die Brüder und Kameraden e nti’it B^l vier habe ich Dir in kommenden schönen Tugen davon zu erzählen. Jeder Lenz soll mich mahnen, Gott zu danken, weil er mich vom tiefen, großen Glück eines Frontfrühlings kosten ließ!"
Also war er geheilt. Ihr Herz schlug in stotzer Freude. Wieder hatte sie ihm Gesundheit und Lebensmut gebracht. Doch keines Verwandten Auge durfte den Brief sehen. Nicht nur die Ueberschrift galt ihr allein. Er hatte ihr seine Seele geöffnet und einer Freundin Vertrauen geschenkt. Er war ihr gut,
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Nummer 10
■■MHQHennmnHMSHMvwBaBeaeBBBeeHMaaB Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Strelitz.
Geringe Mandatsverschiebungen.
Das Ergebnis der am Sonntag stattgefundenen Wahlen ist:
1. Sozialdemokraten
19264 (15137)
13 Sitze (12)
2a Haus- u. Grundbesitzer
1553 ( 1556)
1 Sitze ( 1)
3. Kommunisten
3564 ( 4121)
3 Sitze ( 3)
4. Handwerk- u. Gewerbe
5172 ( 4603)
4 Sitze ( 4)
5. Deutschnationale
10825 (10309)
8 Sitze (10)
6. Aufw.- u. Volkspartei
1886 ( 0)
1 Sitze ( 0)
7. D. Volkspartei
1606 ( 2922)
1 Sitze ( 1)
8. Erbpächter, Bündner und Häusler
1414 ( 0)
1 Sitze ( 0)
9. Deutschvölkische
1960 ( 2266)
1 Sitze ( 1)
11. Dorfbund
559 ( 0)
0 Sitze ( 0)
12. Demokraten
2362 ( 3041)
2 Sitze ( 2)
10. Kleinlandwirte
665 ( 1739)
0 Sitze ( 1)
13. Deutsch. Reformpartei
128 ( 0)
0 Sitze ( 0)
Die Wahlbeteiligung war
erfreulich stark; sie
betrug 82%.
Ueber 51 000 Wahlberechtigte haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht.
Gemeindewahlen in Lippe-Detmold.
In Lippe-Detmold fanden am Sonntag die Wahlen für die Gemeinde- und Stadtvertretungen statt. Die Wahlbeteiligung war überall sehr stark. In verschiedenen Städten erreichte sie 90 — 95 Prozent der Wahlberechtigten. o
50 Prozent des Reichstags sind Beamte.
Nach einer letzthin veröffentlichten Statistik zählt der Reichstag 173 Staats- und Reichsbeamte. Zu dieser Zahl treten noch die sonstigen Abgeordneten mit Beamteneigenschaft (Kommunalbeamte, Eewerkschafts- und Parteisekretäre usw.) so ergibt sich, daß der Reichstag nicht weniger als 250 Abgeordnete mit Beamtencharakter hat. Da der Reichstag 497 Abgeordnete zählt, so haben die Abgeordneten mit Beamtencharakter fast 50 Prozent der gesamten Sitze des Reichstages inne. Demgegenüber sind die Kreise des Mittelstandes in beschämend ge- ingem Umfange vertreten, aber auch die Arbeiter haben bei weitem nicht die Vertretung, wenn man berücksichtigt, daß allein die Sozialdemokratie über 110 Sitze verfügt. Denn die Statistik weist im ganzen Reichstag nur 17 tatsächliche Arbeiter auf.
Eine Stadt ohne Wohnungsnot.
Die für den Grenzverkehr mit Nordholland wichtige Stadt Leer in Ostfriesland geht jetzt als erste deutsche Stadtgemeinde zur freien Wohnungswirtschaft über. Der städtische Wohnungs^ ausschuß weist in seinem abschließenden Bericht darauf hin, daß durch die Fertigstellung der letzten Serie von 100 Wohnungen der Wo Huangsma n g el auf absehbare Zeit behoben ist. Leer hat etwa 17 000 Einwohner. — Wie verlautet, werden mehrere andere Kleinstädte in nächster Zeit ebenfalls zur freiem Wirtschaft übergehen.
Lichtbildervorträge Lettow-Vorbeck verboten. Der Vorsitzende der Interalliierten Rheinlandkommission hat der Regierung in Speyer mitgeteilt, daß er alle Vorträge des Generals von Lettow-Vorbeck, die mit Lichtbildern angekündigt waren, für das besetzte Gebiet verboten habe.
auch wenn er sie nickt lieben konnte. Sein Herz gehörte noch immer Elisatbeth. An sie war kein Brief gekommen. Also grollte er der Treulosen, oie ihn vergessen hatte.
Dann blieb auch Gerda ohne Nachricht. Premierleutnants wunderten sich bald, daß er nicht mehr schrieb. Onkel Karl sprach ärgerlich von Undankbarkeit und beschwichtigte die Sorgen der Tante: „Von Erkrankung und Verwundung hätten wir gehört. Seine Truppe weiß, daß wir seine nächste Verwandten sind."
Tante Bärbchen nahm die Nichten ins Gebet. Ihr Fragen erinnerte Gerda an den letzten Brief, der mit Freude doch auch Schmerzen gebracht hatte. Die alte Dame schien zu befürchten, eine der Schwestern habe den Vetter gekränkt, ihn vielleicht abgewiesen. Gewiß konnte die Ueberschrift: „Geliebte Gerda" als Liebesversicherung gelten. Doch daran hatte Werner nicht gedacht. Er liebte Elisabeth. Darum schämte er sich jetzt der Anrede und schwieg. Wieder mußte sie ihm aus der Verlegenheit helfen und schrieb, obwohl er ihr noch nicht geantwortet hatte. Da kam ein Brief, in dem er auch sein Kommen für Juni ankündigte.
Sie las den Satz am Frühstückstisch auf der Veranda vor.
Onkel Karl war gleich bereit, des Neffen langes Schweigen zu entschuldigen: „Er wird zu tun gehabt haben?"
Tante Bärbchen schien noch verstimmt: „Ausreden habt ihr immer, und sogar einer für den anderen?"
Elisabeth aber atmete tief auf. Ihre Augen tanzten, und sie jubelte: „Endlich, endlich, endlich? Das Warten war nicht mehr zu ertragen!"
Gerda glaubte, ihr Blut erstarre zu Eis. Dachte die Schamlose ihr Spiel zu erneuern und jetzt Kurt zu verraten? Mit Empörung und Verachtung fühlte sie wieder Haß gegen die Jüngere und ging ihr mehr als je aus dem Wege. Doch an dem Abend, als Werner aus Köln drahtete, er sei am nächsten Vormittag in Trebbin, trat Elisabeth zu ihr ins Schlafzimmer. Sie hatte geweint und hob flehend die Hände: .,Gerdchen, liebstes Gerdchen! Sei wieder gut. Ich brauche dich?"
Gerda kehrte ihr den Rücken, sah in den Spiegel und lachte bitter: „Du mich?"
„Ja, du gehst doch auf den Bahnhof, um Werner abzuho- len!"
Fortsetzung folgt.