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40. Fahryang

Sonnabend, den 30. Auli 1927

Nummer 31

S5 Nitin i:

In einer von der Reichsregierung veranlaßten Zufannnen- stellung her Sachlieferungen auf Grund der Dawes-Gesetz« sink seit dem 1. September 1924 11 2^0 Sachl ieserungsverträg« über Lieferungen im Wert« von 892 Millionen Mark abgeschlossen worden. Neben diesen Verträgen liefen dann noch die soge­nannten Freiverlräge. die sich auf über 100 Millionen Mark de Ziffern.

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Hilfe für die rheinhessischen Unwettergeschädigten.

Der befitfdx Minister für Arbeit und Wirtschaft harte am Montag die Vertreter zahlreicher Behörden, landwirtschoftlicher Organisationen, den Präsidenten des Landtags und Abgeordnete stier Parieren zu einer Besprechung eingeladen, die den Zweck holre. die ins Leben gerufenen Hilfsorganisationen für die Un- wetlergeschädigten in Rheinhessen und Starkenburg zusammen .afaifrn. um eine Zersplitterung der Hilfe zu oermeiden. Die Aussprache ergab, daß alle von der Regierung bisher untern om^ menen Schritte gebilligt und eine Kommission unter dem Vor- sitz der Ministerialabttilung für Ernährung und Landwirtschaft gebildet wurde, die über die Verwendung der Mittel zu befinden hat.

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Brentanos Nachfolger im hessischen Landtag.

Als Nachfolger für den verstorbenen Abgeordneten v. Bren­tano wirb Rektor Winter- Mainz in den Landtag cintrcten.

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H.2,hanvovn Postfach 403.

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Die deutschen Besatzungszifsern.

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fad > m vor kurzem im englischen Unterhaus die Besatzungs- i'sern mitgetcilt worden sind, sind nunmehr auch von deutscher Seite ikjaßungZiffern veröffentlich worden, die auf deutschen Schatzungen beruhen. Danach standen im Frühjahr am Rhein »Kl673 Franzosen. 6716 Belgien, 80bs Engländer, insgesamt 75 477 Mann. Die Gesamtstärke der früheren deutschen Garni­sonen betrug in dem Gebiet der zweiten und dritten Zone zu­sammen 50 907, davon entfielen auf das Gebiet her Meilen Zone 13 387 (jetzt 19 779) fremde Truppen, auf das Gebiet her litten Zone 37 570 (jetzt 55 698) fremde Truppen.

In der zweiten und dritten Zone verteilen sich diese Trup- n auf 115 alliierte Garnisonen gegenüber 26 deutschen Frie- densgarnisonen in demselben Gebiet Unter den alliierten Trup­pen befinden sich 8646 Bcsatzungssamilien. Die Zahl der bc Mlagnabmtcn Wohnungen betrug zuletzt 9246, darunter finb 1492 Burger Wohnungen. Hinzu kommen noch 2434 Einzelzim­mer. Außer diesen zu Wohnzwecken beschlagnahmten Räumen nd noch für Dierrstränme. Verwallungsgebäude und ähnliche Zwecke beschlagnahmt: 288 rdcbv und landeseigene Baulich teilen gan». sowie IG Baulichkeiten teilweise. Dazu kommt noch ie völlige Beschlagnahme von 11 Baulichkeiten her Kommunal* verbände und Gomeinden und von 35 Baulichkeiten, die teil­weise beschlagnahmt sind. 17 prioateigene Gebäude sind ganz ind 42 teilweise beschlagnahmt. 17 Schulen sind ganz und 15 cil weise beschlagnahmt. Außerdem mußten für die Unter»

'lingung her Truppen natürlich eine aroge Anzahl von Lrncn zur Verfügung gestellt und errichtet werden.

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Weiterer Rückgang der Erwerbslosenzahl.

Die Zahl her Hauptuntcrftützungscmpfängcr in der Gr* ocrbslofcnfürsorge ist in der Zeit vom 1. bis zum 15. Juli 1927 »m rund 48 000, gleich 8,8 Prozent, zurückgegangen. Die Gc mmtzahl der unterstützten Arbeitslosen hat sich in der Zeit oem ' . Juni bis zum 15. Juli 1927 von 806 000 auf 674 000, also um rund 132 000, gleich 14,4 Prozent, verringert.

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Der Landesausschuß des hessischen Landbundes tagte am Donnerstag in Franksuri. In der Sitzung wurde Zunächst bie Neuwahl vorgenommen. Der seitherige Landesvor fitzende, Dr. v. Helmolt, wurde einstimmig wiedergewählt. An kie Stelle bes seitherigen Stellvertreters. Dr. Dehlingcr. der zur Teutschen Vollspartei übergetreten ist. tritt Landwirt Gottfried 11 Ndschuh Lengseld. Nach Erledigung einer umfangreichen Tagesordnung wurde eine Entschließung angenommen, di« sich egen hie Erhöhung der Beiträge zur sozialen Versicherung wendet.

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Parteifähigkeit der Zwangsinnungen vor den Arbeitsgerichten.

In einem besonderen Bescheid vom 1. Juni 1927 (HI A Nr. 2180) hat der Rcichsardeitsministcr die Parteifähigkeit der Jwangsinnungcn im arbeitsgerichtlichen Verfahren betont und ausgeführt, daß Zwangsinnungpn nach § 106c in Verbindung mit $§ 100 und 86 der Gewerbeordnung in jedem Falle parteifähig Hnb, ohne daß es auf die Entscheidung der Frage anlommt, ob üc wirtschaftliche Vereinigungen im Sinne des Arbeitsgerichts- Gesetzes sind. Der Minister fügt dem Erlaß weiter hinzu, daß ach feiner Auffassung und nach Aufsasiung des Reichsministers der Justiz eine die Ardeitsgerichtsbehördcn in der Auslegung des Gesetzes bindende Ausführungsverordnung nach § 108 des Ar- dcitsgerichtsgcfetzes nicht erlaßen werden kann.

Wochenrückblick.

In Wien, der österreichischen Hauptstadt» ist nun wiedcrRuhc cingckehrt.Das kurze Zwischcnjpic! hak mehr als hundert Menschenleben gekostet. Gewissenlose Hetzer tragen die Schuld; eine große Zahl in Pflicht ersüllung ausharrcndc Polizeimannschaften mußten daran glauben. Das Nachspiel sammt nun im Paria ment. Hoffentlich haben sich die erregten Gemüter so weit abgekühlt, daß nicht neue Gefahren hcraufbeschwo ren werden. Die Marineabrüstungskonferenz in Genf kommt immer noch nicht weiter. Die englischen Vertreter waren in der Zwischenzeit einmal zu Hause, wo ihr Verhalten seitens der englischen Regierung ge billigt wurde. Amerikanische Blätter, die über die resultatlosen Bemühungen der amerikanischen Vertreter zu einer Einigung zu kommen, sehr erbost sind, fordern die Zurückziehung von der Konferenz. In Rumänien starb der König Ferdinand, der, ursprünglich deutsch- ' freundlich, durch die Familie bearbeitet, sich schliesslich 1 auf die Seite der Entente im Weltkrieg stellte. Sein Sohn Carol, Anwärter auf den Thron, hatte nach Ein I gang einer morganatischen Ehe seine erste Ehe mit der Prinzessin von Griechenland scheiden lassen. Er wurde ! seines Thrones daher für verlustig erklärt, hat aber seine Ansprüche noch nicht aufgegeben. Seit seiner neuen Verheiratung lebt er in Paris, da er sein Heimatland nicht betreten darf. Der legitimen Ehe ist ein Sohn, Michael, entsprossen, der bei erlangter Volljährigkeit den Thron besteigen soll. An Stelle des vierjährigen Thronfolgers wird vorläufig ein Regentschaftsrat die Geschäfte führen. Run drohen aber Verwicklungen, da Carol anscheinend nicht gewillt ist, so leicht zu verzich- icn. Dazu kommt, dag er in Rumänien die Bauern­partei auf seiner Seite hat. Zensurierte Meldungen sprechen jetzt schon von blutigen Zusammenstößen. In Frankreich feierte man das einjährige Jubiläum des Kabinetts Poincare in sonst nicht gewohnter einfachster Weise. Es must ein nicht geradeeiniges" Festessen ge wesen sein, daß die Ministervereinigte", da es meh­rere Male offen zu Tage getreten ist, dast vier Minister des Pabinetts Poincare in Opposition stehen. Poin- caré versteht es aber, mit halb diktatorischer Gewalt sein Amt zu behaupten und droht mit Frankensturz usw., falls man sich an seine Person heranwagen würde. In Orchies hat er wieder eine seiner sonntäglichen Hetzreden gehalten, in welcher Deutschland Grausam­keiten u. s. f. vorgeworfen werden. Der belgische Kriegsminister hat im belgischen Parlament Angriffe gegen Deutschland wegen seiner Reichswehr geschleu­dert, die zu einem Notenwechsel führten. Energisch hat sich die deutsche Regierung zur Wehr gesetzt mit dem Erfolg, dast die Antwortnoten zu den offensichtlichsten Unrichtigkeiten kein Wort sagen, dagegen immer wie der Behauptungen ohne Beweis aufftellen. Belgien macht es gerade wie ein störrisches Kind, dem man sein Unrecht vorhült und das mit seinem Dickkopf behauptet; uUnb es war doch so!" Deutschland hat auch seine Sensation. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, Hörsing, der gleichzeitig auch oberster Führer des Reichs­banners ist, hat anläßlich der österreichischen Unruhen dem auf beinahe gleicher Grundlage stehenden dortigen Republikanischen Schutzbund, der Gegner der Regierung Seipel ist, ein Ermunterungstelegramm im Namen des Reichsbanners zugesandt und die Regierung Seipel an­gegriffen. Die Reichsregierung war durch diesen Schritt eines ihrer hohen Beamten gezwungen, sich bei der österreichischen Regierung zu entschuldigen. Die Folge war, dast Hörsinggegangen" ist, da er sich, wie er sagt,den Mund nicht zubinden lassen wolle". Die Reichsbannerleitung hat getagt, hat cs begrüßt, dast ihr Führer nun Ellenbogenfreiheit hat. Das dicke Ende kam nach; der Reichskanzler Dr. Marr trat aus dem Reichsbanner aus. Welche Folgen das hat. läßt sich im Augenblick nicht übersehen. Es ist aber doch wertvoll, daran zu erinnern, dast gerade das Reichsbanner bei der Präsidentenwahl ganz entschieden für den katholi­schen Marr eintrat und gegen den evangelischen Hin­denburg agitierte. Run verlästt Marr seine Schild- heber und mit ihm wohl viele Zentrumsleute. Das Reichsbanner dürfte damit langsam zu einer sozial­demokratischen Slosttruppe werden, denn die wenigen Demokraten, die ihm angehören, sind ziemlich einslust­los. Nach einem Beschlust des Verwaltungsrates der Reichspoit werden die Postgebühren trotz Opposition aller Schichten erhöht. Nun hat auch eine Unwetter­katastrophe unser Hessenland heimgesucht. Die Gemar^ Zungen Stadecken, Udenheim, Nieder und Obersaulheim wurden durch Hagelschlag in ein verwüstetes Gebiet ver­wandelt. Der Schaden ist ungeheuer groß. Hoffentlich ergreift die Regierung auch tatträftigte Maßnahmen, die sich nicht nur auf Steuerstundung, sondern auf Erlaß und Hilfsaktionen jeder Art erstrecken müssen.

Wie schütze ich mich gegen die Portoerhöbung ?

Dazu veröffentlichen dieFrankfurter 9MndjtcnH folgen des:

^roti des einmütigen Protestes der gesamten deutschen Wirtschaft treten am 1 August die neuen Portosatze in Kraft, die eine starke Belastung -er Geschäftswelt darftellen. Nur in den seltensten Fällen wird es gelingen. die entstehenden Mehr« kosten auf den Kunden abzuwälzen. sodaß diejenigen Geschäfte, die mit einer großen Post ständig zu rechnen haben, eine merk« liche Verteuerung ihrer Spesen erwarten müssen. Da die Post ein Monopolbeiried ist und es andererseits nicht gelingt die erhöhten Gebührensätze abzuwälzen, -. H. sie in den Preis der Waren cinzurcchnen, so muß die Wirtschaft zur Selbsthilfe schrei» ten. Sie muß eine Rationalisierung des Konto»Portospesen- vornehmen und der Reichspost durch die Tat beweisen, daß sie sich auf einem falschen Wege befinde. Sie muß ihr beweisen, daß in einer Zeit, da der Satz, daß niedrigere Preise größeren Umsatz und damit größeren Gewinn bringen, gilt oder gelten sollte, ein Betrieb von dem Umfange der Post nicht den ent­gegengesetzten Weg einschlagen darf.

Es gilt also, das Problem zu lösen, den Postetat zu ver­kleinern, olmc das Geschäft darunter leiden zu lassen. Denn selbstverständlich dürfen die Sparmaßnahmen nicht so weit gehen, daß durch sie vitale Interessen des Geschäftsbetriebs zu kurz kommen. Wie muß also der Kaufmann sich zukünftig verhalten, um ohne Schädigung der Geschäftsinteressen am wenigsten unter der Porloerhöhung zu leiben? Vor allem muß das Prinzip der Drucksachensendung zukünftig weit mehr in den Vordergrund gestellt werden. Dies ist eine Sache der Propaganda, und cs ist außerordentlich zu begrüßen, daß der Rcichsvcrband des deutschen Groß und Ueberseehandels vor- angegangen ist und allgemeine Richtlinien ausgestellt hat, die die Geschäftswelt über die möglichen Selbsthilfemaßnahmen gegenüber den Mehrbelastungen, die sich aus den Gebühren crhöhungen ergeben, aufklären sollen.

Die Drucksache muß ganz anders als bisher die Form der allgemeinen Mitteilung werden. Die Kunden müssen sich daran gewöhnen, daß auch wichtigere Mitteilungen, für die bis« her die Briefform üblich war, als Drucksache versandt werden. Es darf künftig nicht mehr die Einstellung herrschen, daß in Drucksachensendungen doch nichts Wichtiges stehe, daß man sie also ungelesen dem Papierkorb anvertrauen kann. Die Porto, erhöhung zwingt die Geschäftsleute, die Form des Briefes mög­lichst zu vermeiden und Dinge, die nicht besonders vertraulichen Charakters find, als Drucksache weiterzugeben Eine besondere Handhabe gibt hierzu der neue Posttarif, der den Unterschied zwischen Teil. und BoUdrucksalt>e nicht mehr kennt. Bei allen Drucksachen ist erlaubt, handschriftlich, mit der Schreibmaschine, mit Stempel, in Druck oder Pausversahren folgende Werthe rungen vorzu nehmen:

1. Eine innere mit der äußeren übereinstimmende Auf­schrift abzugeben, sowie in gleicher Weise Absendungstag. Firma. Warnen, Stand und Wohnung, nebst Wohnung des Ab­senders, seine Fcrnsprechnummcr, die Telegrammanschrift und den Telegrammschlüstes, sowie sein Postscheck und Bankkonto und sonstige geschäftliche Merk- und Kennworte nachzutragen oder zu ändern.

2. Offensichtliche Druckfehler zu berichiigen.

3. Stellen des Druckes zu streichen, Worte oder Teile des Druckes durch Anstriche hervorzuheben und zu unterstreichen.

4. Ziffern an ofsengeloffenen Stellen des gedruckten Wort­lautes nachzutragen.

5. Ziffern zu ändern.

6. Sonstige Aenderungen im Wortlaut, sowie Nachtragun­gen an beliebiger Stelle vorzunehmen. Diese Aenderungen und Nachtragungen dürfen jedoch zusammenge.zählt nicht mehr als fünf Worte umfassen und müssen in sachlichem Zusammen­hang mit der gedruckten Mitteilung stehen. Auch dürfen durch die Aenderungen und Zusätze keine Mitteilungen in verabrede­ter Sprache entstehen.

Es kann also künftig in ganz anderer Weise wie bisher mit oorgebrudten Formularen gearbeitet werden. Für die Pro­paganda. für die in letzter Zeit in vielen Fällen die Briefform gewählt wurde, kommen zukünftig sicher nur mehr Drucksachen in Frage.

Auch sonst gibt cs noch zahlreiche Mittel, um der Post Ver­teuerung durch Selbsthilfe zu begegnen. Zum Beispiel kann man allen Kisten, Paketen und sonstigen Warensendungen so­gleich die Rechnung beilegen; das Einlegen der Rechnung in einem offenen Briefumschlag ist durchaus gestattet. Durch eine oorgebrudte Karte kann man dem Empfänger der Ware von der der Sendung beigelegten Rechnung Mitteilung gemacht werden. Lieferscheine können künftig in Wegfall kommen, wenn an deren Stelle gleich Rechnung erteilt wird. Es wird überhaupt Auf­gabe der wirtschaftlichen Verbände sein, durch gemeinsames Vor­gehen aller angeschlossenen Mitglieder nicht unbedingt notwen­dige Postsendungen, wie z. B. Bestätigung von Zahlungsein­gängen usw. zu unterlassen. Jedenfalls ist es jetzt Aufgabe auch jeden einzelnen Kausmanns, dem Postetat seines Geschäftes er­höhte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen; es wird dann sicher-