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Der Kampf um Bolksbestan- und Volksbewußtfem.

Von Staatssekretär a. T. von Hintze.

1. Vorsitzender des Vereins für

ist f/WgeinVert

Daß der uns unter Bruch feierlicher Versprechungen I aufgezwungencFriede" in Wirklichkeit eine Weiter I Ehrung des Kriegszustandes mit veränderten Mitteln ist, haben die Ereignisse der letzten Jahre deutlich be wiesen äsensinhalt des seit Kriegsende einsetzenden politischen Ringens ist der Kamps Frankreichs für die Sicherung und Vollendung seines Friedens, d. h. der Versuch, die Tatsache des Bestehens eines geschlossen siedelnden deutschen Volkes von 78 Millionen Men schen politisch nicht zur Entfaltung kommen zu lassen.

Ter Friede, wie wir ihn erleben, hat sich nicht nur gegen den deutschen Staat oder gar gegen die Staats- reform, sondern gegen das deutsche Volk in seiner Cc samtheit gerichtet. Letzterer Sinn des gegenwärtigen ; Kampfes ist daher auch nicht das Gegeneinanderwirken , der Staaten, wie cs sich in der Geschichte der Vergan­genheit ausprägte, sondern der Versuch fremder Mächte- | gruppen, sich von dem Alpdruck für alle Zeiten zu be- freien, den ihrem Empfinden nach das Dasein des zah­lenmäßig und an geistiger wie wirtschaftlicher Lei stung stärksten Volkes in Mitteleuropa auf sie ausübt. In diesem Kampfe stehen wir, darüber müssen wir uns klar werden, aus absehbare Zeit hinaus allein.

England hat zwar kein Interesse an einer unbe­dingten Festlandshegemonie Frankreichs, es wünscht aber noch weniger den Wiederaufbau der deutschen Machtstellung und seiner wirtschaftlichen, durch den Krieg abgedrossclten Auswirkungen auf den Welt­markt. Das deutsche Volk soll im Rahmen der neuen Grenzfestsetzungen Lebensmöglichkeiten behalten: es soll aber nicht daran denken, die Großmacht zu werden, auf die es einen natürlichen Lebensanspruch hat. Die Bestrebungen Frankreichs, die staatliche Zusammenfas­sung des geschlossenen deutschen Voltsbodens zu ver­hindern und das abgesprengte Deutschtum durch die Staatsvölker aussaugen zu lassen, werden sich also stets eines gewissen Wohlwollens auch von englischer Seite erfreuen.

Man hat in den Fricdensvcrträgcn aus dem Selbst- bestimmungsrecht der Völker ein Selbstbestimmungs- recht aller nichtdeutschen Völker und Volkssplitter ge­macht. ein Unterdrückungsrecht der Sieger gegenüber den Besiegten. Selbst der Preis einer Atomisierung und Lähmung Europas wurde für die Ohnmacht des mächtigsten Volkes in Europa gezahlt. Statt 26 Staa­ten weist die Karte Europas jetzt deren .36 auf. Die Hälfte aller europäischen Staaten ist kleiner als die Republik Honduras, zwei Drittel zählen weniger Ein­wohner als Newyort.

Rach der Auffassung vom Nationalstaat verdienen nur die allerwenigsten der neugebildeten Staaten diese Bezeichnung. Von 27,1 Millionen Einwohnern Polens sind nur wenig mehr als die Hälfte Polen, 5 Millionen Ukrainer und 2 Millionen Deutsche. Der tschccho-slowa- kische Staar zählt unter seinen 14 Millionen Einwoh nern nur 6.6 Millionen Tschechen. In Südslawien bildet das führende Staatsvolk der Serben nur 50 Pro teilt der Bevölkerung. Großrumänien zählt nur 71,5 Prozent Rumänen.

Alle dieseSieger" Staaten sind durch den Frie­densvertrag außenpolitisch mit der Stoßrichtung gegen Deutschland infolge des erworbenen unrechten Volks­gutes aneinder gekettet: im Innern verfolgen sie eine Politik, die auf Abdrosselung mit brutalster Gewalt, wie in Südtirol, oder vorsichtiger, aber nicht minder wirksam in den Methoden, wie in der Tschechoslowakei, auf Ausrottung des deutschen Volkstums innerhalb der neuen Grenzen hinzielt.

Wie können wir uns nun gegen diesen Ansturm auf allen Fronten wehren? Daß wir zunächst einmal wieder mit den uns verbliebenen Möglichkeiten auf die Verwirklichung eines deutschen Staates hinstreben müssen, dessen Dasein Anklammerungspunkt und Kräfte- ; speiche r für das gesamte Volkstum in der Welt werden i muß. ist eine Selbstverständlichkeit. Im einzelnen über die Wege zu diesem Ziele zu sprechen, ist hier nicht der Ort. Solange wir keinen Staat haben, dessen Wille draußen etwas bedeutet, ist dem einheitlich geführten Ansturm gegenüber ein Zusammenschluß des gesamten Deutschtums auf der Grundlage gegenseitiger materiel­ler und moralischer Hilfeleistung nötig, wie es der Ver­ein für das Deutschtum im Ausland verkörpert.

Es ist im Anschluß an die Völkerbundspolitik der Reichsregierung viel von den Möglichkeiten des Min­derheitenschutzes gesprochen worden. Gewiß sollen und müßen wir auch über Genf versuchen, die Lage unserer bedrückten Volksgenossen zu erleichtern. Aber auch hier ist vor einem allzu großen Optimismus zu warnen. Der

Sawstua, Den 30 Vp i 1027

das Deutschtum im Ausland.

Völkerbund hat bisher in allen Fragen der Minder beiicnbebrüdung eine mehr als vorsichtige und aus weichende Haltung gezeigt

Gegenwärtig können wir zur Unterstützung unserer im Kampf stehenden Volksgenossen nur einen Weg be schreiten: Wir müssen den Verein für das Deutschtum im Ausland unterstützen und zur Arbeit großen Stils fähig machen. Hier wird praktische und erfolgreiche Arbeit geleistet, die nicht einem Sonderziel dient, son dern die mitten in den Wesenskern des deutschen Be hauptungskampses hinein führt.

In diesem Sinne hat das bekannte Tschechenblatt der ,,28. Rijen" nicht ganz unrecht, wenn es schreibt' Der Verein für das Deutschtum im Ausland gleicht einem Baum, dessen Wurzel in Berlin ist und dessen Zweige in alle Länder reichen, wo nur einige deutsche Familien siedeln. Unser Staat, Frankreich, Südsla Wien, Rumänien, Boten, Italien und viele andere Staaten sind von den Fangarmen dieses Polypen be­drängt, der keineswegs lokale Bedeutung hat, sondern an sein größtes Ziel denkt, die Einheit der Sieger im Weltkriege zu zertrümmern und alle Deutschen in der Welt aus nationaler Grundlage zu vereinigen."

Hier hat eine gegnerische Zeitung den Gefahren- punkt desSieges" empfunden. Wenn es erreicht wird, daß die hundert Millionen Deutschen auf der Welt in enger Gemeinschaft verbunden sind, wenn das Mutter­land dem V. D. A. nicht, wie im vergangenen Jahre

Theater

Aufführung

zu Gunsten der

Werbewoche des

LOTHAR

ein deutsches Drama von

Walter Flex, aufgeführt von der Theatergruppe der Oberrealschule

Gießen unter Mitwirkung

desSchülerorchester.

ORT:

Katholisches Vereinshaus

ZEIT:

Montag, den 2.Mai, abends 8 Uhr. (Die Karten mit Stempel vom 3. und 6. V.

gelten ausschließlich für den 2. V. wegen Ausfalls der zweiten Vorstellung.)

EINTRITTSPREIS

1,50 Mark

Vorverkauf in der Buchhandlung

W. MEYER im Selters weg, bei Theaterfriseur KLENKER, Selters­weg, bei den Mitgliedern der Schul­gruppe sowie an der Abendkasse

N>. IS

11 Millionen Mark für seine Zrulturarven zur Ver fügung stellt, sondern 10 Millionen, 20 Millionen, dann wird, wie das Tschechenblatt schreibt,der Sieg des geschlagenen Volkes- vollendet sein. Taun wird es möglich jein, die Bolkstumserhaltung draußen allen Angriffen zum Trotz sicher zu stellen und das gesamte deutsche Voll drinnen und draußen mit einem einheit liehen Bewußtsein dessen» was es ist und was ihm vom Schicksal bestimmt ist, zu erfüllen. Alle "Paragraphen der Welt werden dann den Wiederaufstieg unseres Volkes nicht verhindern können. Hier liegt ein Gegen wartsziel von Zukunftsgehalt.

Hindenburg spricht . . .

Die Pflege des Volkstums und der kulturellen Zusammengehörigkeit mit den Volksgenossen im Aus land ist ein unveräußerliches Recht und hohe Pflicht ' jeder Ration. Ich freue mich, feststellen zu können, daß das überparteiliche Kulurwerk desVereins für ba* Deutschtum im Ausland" bei unseren Volksgenossen immer mehr Anklang und Unterstützung findet, und hoffe, daß der Verein noch weiter wachsen und gestärkt werden wird. An der schönen Ausgabe des Schutzes der Deutschen im Auslande und der Pflege deutscher Kultur mitzuhelsen, ist Pflicht aller Deutschen!"

Reichskanzler Dr. Marx an den B. D. A.:

In richtiger Erkenntnis von der Bedeutung der Aufgabe, das deutsche Volkstum in allen Teilen der Welt zu erhalten und seine kulturelle Zusammengehö rigteit mit dem Mutterlande zu pflegen, halber Verein für das Deutschtum im Ausland seit langem Vorbild­liches geleistet. Möge dieser Arbeit auch weiter Erfolg und Segen und immer weiteres Verständnis in allen Teilen des deutschen Volkes beschieden sein."

Reichominster Dr. Stresemann über den Verein für das Deutschtum im Ausland:

Das deutsche Mutterland und das Auslands deutschtum sind kulturell untrennbar miteinander ver bunden und aufeinander angewiesen: das Schicksal des ' einen ist das Schicksal des anderen. Daher verdienen ; alle Bestrebungen, die darauf Hinzielen, das beide ver einigende kulturelle Band fester zu knüpfen, die För derung aller Teile des deutschen Volkes. In diesem Sinne begrüße ich aufs wärmste die Arbeit des Ver­eins für das Deutuschtum im Ausland, insbesondere auf dem Gebiete der Schule, umsomehr, als ihm satzungsgemäß politische und konfessionelle Zwecke fern liegen."

3m Kampf um das Deutschtum.

Ein Mahnwort von Arthur Korn.

Von dem bekannten Deuischtumskämpfer, der als einer der ersten für die Wiedererweckung des Banater Scknvabentums eingetreten ist und des­halb seinerzeit von den Ungarn wegen Landes» Verrats zu einer mehrjährigen Ecsängnisstrafe verurteilt wurde, aber glücklich nach Deutschland entkam, erhalten wir folgenden beherzigenswerten Beitrag:

Ringendes deutsches Volkstum hat es auch schon vor dem Kriege außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches gegeben. Diese bedrückten Deutschen im Aus­lande in dem schweren Kampfe um ihre Existenz mo­ralisch zu unterstützen, ihnen Hilfe zu leisten bei der Er- ziehung ihrer Jugend, das war der Gedanke, der her­vorragende deutsche Männer leitete, als sie von 45 Jah­ren die Vereinigung gründeten, die heute den Ramen Verein für das Deutschtum im Auslande (V. D. A.)" ! trägt.

Was es für die in der Fremde lebenden Deutschen i bedeutet, zu wissen, daß die Volksgenossen im Reich j Heil nehmen an ihrem Schicksal, an ihren Kämpfen für die Erhaltung ihrer deutschen Schulen und ihrer deutschen Sprache, das kann niemand besser bezeugen, als ich der es selbst mit durchgemacht hat. Man emp­findet sozusagen körperliche und seelische Stärkung aus der Luft, die von Deutschland Grüße herüberweht, wenn r^n weiß, daß sie uns tausend Grüße und Wünsche üc urverwandter Volksgenossen zu trägt. In der Zeit, wo dop den Ungarn die ärgste Hetze gegen mich getrie- wurde, weil triebet ihnen als der geistige Führer volksbewußten Schwaben des Banats galt, als sie ich wegen Vaterlandsverrats" anklagten, weil ich di< 'chwäbiichen Bauern darüber aufklärte, daß sie ein Rech auf ihre Muttersprache besäßen, als ich täglich durch die Post Zuschriften mit unflätigen Beschimpfung gen und zur Einschüchterung bestimmten Drohungen