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Erscheint: Samstags.
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40. Fahri
Einberufung des Hessischen Landtags.
Da das Haushaltsjahr am 31. Mär; ds. Is. abläuft und die Bewilligung des neuen Voranschlages noch einige Zeit dauern dürfte, ist bL Einberufung des hessischen Landtags zum 29. März vorgesehen. In dieser Tagung, die nur kurze Zeit dauern wird, soll das geltende Finan^csetz um ein Vierteljahr verlängert werden. Auch rechnet man damit, bag die Steuervorauszahlungs- vorlage sowie die einstweilige Bewilligung der Baukredile beraten werden. Die Beratung des neuen Voranschlages durch das Plenum dürfte erst Ende April oder Anfang Mai erfolgen.
Die Deutsche Volkspartei hat im Landtag drei wichtige An trage eingkdracht. Zunächst ersucht sie die Regierung um eine Vorlage, durch die die Altpcnfionärc den Neupensionären in ihren Rechten gleichgestellt werden. Weiter verlangt sie. daß mit dem 31 März 1927 die Ausrückungssperre für die Staats- dienstanwarter fällt Schließlich wünscht sic einen Beschluß des Landtags, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß allen Winzern Hesiens, die nach amtlichen Feststellungen eine völlige Mißernte zu verzeichnen Haden, für die Jahre 1926 und 1927 die Zinsleistung für erhaltenen Winzerkrcdit erlasien wird.
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Hessen Reichshilsc.
Bei der Mittwoch Beratung des Voranschlages für das Jahr 1927/28 im Finanzausschuß des Hessischen Landtages machte Fi- nanzminister Henrich längere Ausführungen über die Reichshilfe für Hellen. Bachdem er über die Fehlbeträge und deren Dek- kung sich eingehend geäußert Katte, erklärte er in Berichtigung -ahlreichcr nicht authentischer Verlautbarungen, daß Hessen irgendwelche Sondcrsordcrungen beim Finanzausgleich nicht gestellt habe Der Antrag, das Reich möge zur Schaffung von Arbeitsgelegenheit und Verbesserung der Verkchrsverhältniße im behüten Gebiet, für den Bau von Brücken und Straßen Mittel zur Verfügung stellen, gehe nicht von der Regierung, sondern Dorn Staatspräsidenten Ulrich in seiner Eigenschaft als Rcichstagsadgeodneter aus. Gleichzeitig erkenne die hessische Regierung die Berechtigung dieses Antrages durchaus an, insbesondere, da das Reich Zuschüße für die Grenzbezirke im Westen und Osten beeits bewilligt habe. Die einzige Forderung, die Hessen seit Jahren stelle, sei der Ersatz des Steuerausfalles im besetzten hessischen Gebiet. Die Verluste hierin, insbesondere durch die wirtschaftliche Auswirkung des Ruhrkampfes, seien so groß, daß eine geordnete Finanzwirtschaft ohne Reichshilfc trotz weitgehender Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen auf die Dauer nicht möglich sei. Uedrigens stütze sich diese Forderung Hesiens auf einen Beschluß des Reichsrates vom August 1925.
Der hessische Gesandte in Berlin.
Das hessische Gcsamtministerium hat beschlosicn. den Berliner Gesandtenposten bis zur Reubildung der hessischen Regierung nach den Wahlen im Herbst unbesetzt zu lassen. Freiherr v. Biegelebcn ging am 15. März in Urlaub, von dem er nicht mehr zurückkehren wird. Während der Zeit wird er durch Le- gationsral Meyer-Edward vertreten.
(5'in Steuervorauszahlungsgesetz für Hesien.
Dem hessischen Landtag ist eine umfangreiche Regierungsvorlage zugegangen über den Entwurf eines Steuervoraus- zahlllngogesetzev für das Rechnungsjahr 1927. Sie ist nötig ge worden, weil die Erhebung der direkten Landessteuern für das Rechnungsjahr 1927 auf Grund der zurzeit dem Landtag vorliegenden Gesetzentwürfe über die Grundsteuer. Gewerbesteuer, Sondergedäudesteucr nicht rechtzeitig erfolgen kann, da diese Entwürfe noch nicht verabschiedet sind und weil auch die Durchführung der neuen Vorschriften mehr Zeit beanspruchen würde, als bis zum Anfang des nächsten Steuerjahres noch zur Verfügung steht.
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Sommerpause des Reichstags.
Der Reichstag beabsichtigt, am 8. April in die Osterferien zu gehen und am 2. oder 3. Mai die Beratungen wieder auf- zunchmen. Meldungen, daß der Reichstag dann bis zum November in die Sommerferien geht, sind nach Auskunft parlamentarischer Kreise verfrüht, da wegen der noch schwebenden Verhandlungen über verschiedene komplizierte Gesetzesmaterien nicht adzusehen ist. welche Gesetze noch vor den Sommcrfcrien erledigt werden müssen. Wenn auch eine längere Sommerpause für nicht unwahrscheinlich gehalten wird, so wird doch in maßgebenden Kreisen mit einer Iunitagung von ungefähr drei Wochen gerechnet.
Der neue Regierungspräsident von Kaffel.
Regierungspräsident Dr. Friedensburg hatte sich am Montag von feinen Mitarbeitern und Beamten im Berliner Polizeipräsidium verabschiedet und hat am Dienstag mittag sich den Beamten der Regierung in Kasiel vorgcftellt. Am Mittwoch vormittag hat Oderpräsident Dr. S ch w a n d e r im Auftrage des preußischen Staatsministeriums den Regierungspräsidenten in sein Amt feierlich eingeführt.
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Sawstaa, den 19. März 1927
Verrat militärischer Gcheimniffc.
Der Strafsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart hat den 53) abrigen Kaufmann Iulius Severin aus Mainz wegen versuchten Verrats militärischer Gehcimnisic zu einem Jahr acht Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.
Im besetzten Gebiet verboten wurde von der Interalliierten Rheinlandkommission die in Ber lin erscheinende politische Wochenschrift „Rheinischer Beobachter" vom 13. März auf die Dauer eines Monats.
Freigabe des Lberschlcsicn Films.
Der von der Film-Prüfstelle kürzlich verbotene Oderschlcsien Film „Land unterm Kreuz- wurde von der Film-Obcrprüfstelle ohne Ausschnitte zur Verfügung freigegeben.
Der Staatspräsident von Lettland ^.
Der Staatspräsident der Lettischen Republik. T s ch a k st c, ist nach langem schwerem Leiden gestorben.
Wochenrückblikt.
Das Ringen in China geht unvermindert weiter. Immer neue Truppenkörper werden in den Kampf ge worfen. Die Kanlonesen hatten in der letzten Woche eine große Reihe von Erfolgen zu verzeichnen, sind aber anscheinend jetzt wieder in eine vollkommen neue Schlacht verwickelt. Bedauerlich, daß bei diesen fortdauernden Wirren das Missionswerk unendlich leiden muß. — In Japan, dem Land, in dem eine Unzahl Vulkane tätig ist, vernichtete ein Erdbeben wieder ganze Distrikte. 25(0 Menschen mußten ihr Leben lassen; es gab 4000 Verletzte und beinahe 8000 Häuser wurden zerstört. Wie hilflos steht der Mensch diesen übergeordneten Gewalten gegenüber. Da sind die modernsten Errungenschaften der Wisienschafr machtlos. — Im Mittelmeer hält Englaild große Flottenmanöver ab, um zu demonstrieren, daß es den Schwerpunkt seiner Seemacht dorthin verlegt hat, sehr zum Aerger Italiens, Frankreichs und Spaniens. — Italien unterzeichnete nach Jahren endlich das Abkommen, nach dem die An nexion des früher russischen Bessarabiens durch Rumänien anerkannt wird. Dieser anscheinend englands- freundliche und russenseindliche Schritt wurde in den Pressen aller Länder lebhaft kommentiert. Man spricht von einem Druck Englands aus Italien. Andererseits hat Italien erklärt, daß es nicht beabsichtigt, eine russenfeindliche Stellung einzunehmen, die Tatsache der Unterzeichnung darf aber doch als ein Erfolg der geschickt arbeitenden englischen Diplomatie ausgewertet werden, die Rußland auf Umwegen ihre Macht fühlen läßt. — Die Genfer Ratssitzung ist beendet. Deutsch land kann von dem Ergebnis nicht ganz befriedigt sein, denn in der oberschlesifchen Schulfrage wurde nur eine Zwischenlösung gefunden und in der Saarfrage scheint das Ergebnis noch ungünstiger. Stresemann und Briand schloßen ein Kompromiß. Vom streng nationalen Standpunkt des Deutschen aus nicht erfreulich, vom diplomatischen Standpunkt aus etwas günstiger. Frankreich muß endlich binnen dreier Monate seine Truppen zurückziehen. 800 Mann Bahnschutz sind zllgestanden, der aber nur in ganz außergewöhnlichen Fällen eingreifen darf. Dazu muß der internationale Charakter dieses Schutzes gewahrt werden. Was bedeutet dies? Hätte Stresemann an der unbedingten Räumung und Nichtanerkennung des Bahnschutzes fest- gehalten, so wäre Deutschlands Ansicht überstimmt worden und Aussichten auf weitere Verhandlungen hätten nicht bestanden. Durch das Kompromiß aber ist der Weg für Verhandlungen über die Rheinlandräumung weiter offen. Die Frage dürfte im Sommer angeschnit ten werden. Fällt aber einmal die Rheinlandbesatzung, dann ist auch der Bahnschutz, der ja die rückwärtigen Verbindungen der französischen Rheinarmee decken soll, überflüssig geworden. Warum sich also halsstarrig die Sutunftsau^^iten verbauen. Wir können daher, obwohl doch sonst sehr vaterländisch denkend, uns der Presse nicht anschließen, die Stresemann bei seiner Rückkunft heftig angreift. — In Deutschland wurde wieder einmal am Auswertungsproblem gerührt. Die Reichs- regierung ließ demgegenüber erklären, daß an den Grundzügen des Aufwertungsgesetzes nicht gerüttelt werden dürfe. — Lebhafte Erregung rief auch die geplante Erhöhung der Mieten hervor. — Am 13. März, dem Sonntag Reminiscere, wurde auf Veranlassung des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge in weiten Teilen des Deutschen Reiches der Gefallenentrauertag feierlich begangen. — Der Reichsfinanzminister weilte auf der Durchreise einige Stunden in Darmstadt, um mit dem Landesfinanzami über schwebende Fragen zu verhandeln.
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Nr. 12.
Der Boranschtag des befftfcben Staaics iür 1927.
(Schluß.)
Weit sprunghafter noch ist die Entwicklung der Einnahmen seit 1921. Die Rechnung dieses Jahres weist 109 Millionen Ge samteinnahmen (darunter 35,17 Millionen Reichssteueranteile und 33,70 Millionen Landessteuern) auf. Für die Rechnung 1925 stellen sich die Ziffern auf 117,28 Millionen Gesamtem nähme (34,57 Millionen Reichssteueranteile und 10,67 Millionen Landessteuern). Der Voranschlag für 1927 sieht vor 117,3 Milli onen Gesamteinnahme (30 Millionen Reichssteueranleile. 11,7 Landessteuern darunter 10 Millionen Mehrerhebung für den Wohnungsbau ). Von besonderer Bedeutung sind hier die Ziffern aus Reichssteucrantcilcn. Die wiederholten Senkungen der Einkommen und Umsatzsteuer, die Ermäßigung des Länder an teils an der Einkommensteuer von 90 auf 75 Prozent und vor allem der Rückgang des hessischen Anteils an der Ein kommcnsteucr durch Hcrabgchcn des Vcrteilungsjchlüsiels von 2,28 auf 1,86 Prozent bringen allein gegen die Rechnungsziffern des Jahres 1924 einen Ausfall von 5,19 Millionen, wobei zu beachten ist, daß die höheren Gesamteinnahmcziffern der späteren Jahre dem Lande auch einen entsprechend höheren Gesamtanteil gebracht haben würden, und daß ferner der Staat aus der Er Höhung seines Anteils an der Einkommensteuer von 60 auf 65 Prozent etwa IS Millionen Mark gewonnen hat. In Wirk lichkeit beträgt der Ausfall, den das Land durch die erwähnten Maßnahmen des Reichs erlitten hat, weit mehr als das Doppelte des Betrags von 5,19 Millionen. Ueber diesen starken Rück gang des Landesanteils an der Rcichscinkommcnsteuer und ihre Ursache (Besetzung) sowie über die daraus hergeleitete Ersatz forderung an das Reich ist bereits soviel gesprochen und ge schrieben worden, daß man jetzt eine allgemeine Kenntnis dieses Zusammenhangs voraussetzen darf.
Welches ist nun der tatsächliche Zustand der Finanzen des Landes, gemessen an dem Voranschlag des Jahres 1927? Der Umstand, daß es bisher möglich war, den kleinen Fehlbetrag des Jahres 1925 aus anderen Quellen zu decken und daß es voraussichtlich auch in den Jahren 1926 und 1927 gelingen wird (allerdings mit Hilfe des Reichs), die Fehlbeträge dieser Jahre zu decken, darf nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß seit dem Jahre 1926 die laufenden (verwaltungsmäßigen) Ein nahmen um mehr als 7 Millionen Mark hinter dem laufenden Gesamtbedarf zurückbleiben. Und man muß weiter damit rech nen, daß sich in absehbarer Zeit der Gesamtbedarf um eine nicht unbeträchtliche Summe aus einer zu erwartenden Besoldungs» reform erhöhen wird. Für einen nicht unerheblichen Bruchteil dieser fehlenden Summe hat das Land aus den bekannten Grün den Ersatzansprüche an das Reich, die in diesem Augenblick gegenstandslos werden, in dem die wirtschaftliche Entwicklung des Landes desien Reichssteueranteile wieder auf die Höhe bringt, wie sie vor der Besetzung, vor allem vor dem Rhein und Ruhrkricg bestanden hat. Eine weitere Besserung wird aus der Gestaltung des endgültigen Finanzausgleichs erwartet wer den müßen, auf den die Mehrzahl der übrigen Länder und die Gemeinden ihre letzte Hoffnung fetzen, wenn sie anders Hoffnung haben sollen, zu einer erträglichen Ordnung ihrer Fi nanzen zu gelangen. Daß dazwischen noch die Notwendigkeit weiter besteht, strengste Sparsamkeit zu üben, sei es durch Zurückhalten der Ausgaben, sei es durch eine geeignete Reform der Staatsverwaltung wie der Staatsaufgaben, bedarf keines besonderen Nachweises.
Einzelheiten über die Gestaltung des Staatsvoranschlags für 1927 können an dieser Stelle nicht besprochen werden; es wird dieserhalb auf die dem Voranschlag vorgehestete ausführliche Denkschrift verwiesen. Nur eine Frage sei noch besonders hcr- ausgehoben: wie wird es mit der Steuerbelastung in 1927? Die Belastung der Steuerzahler mit Reichssteuern ist von der Landespolitik unabhängig. Die wenn auch langsame Besserung der wirtschaftlichen Verhältniße läßt gegen den vor jährigen Voranschlag eine Mehreinnahme aus Reichssteuern in Höhe von rund 2 Millionen erwarten. Die Grundsteuer und b*e Gewerbsteuer soll in ihrem bisherigen Ertrag unverändert bleiben. Wie sich die in Aussicht stehende Umschichtung der Steuerwerte auf Grund des Reichsbewertungsgesetzes auf den einzelnen Steuerzahler auswirken wird, ist heute noch nicht zu erkennen. Der Umstand, daß die neuen Steuerwerte auch nicht in ihrer Zusammenfassung bekannt sind, macht es unmögliche heute schon die Steuersätze zu nennen, die angwendet werden müßen, um das bisherige Gesamtsteuersoll zu erzielen. Man wird ohnehin für den Anfang des Steuerjahres 1927 noch mit Vorauszahlungen aufgrund der bisherigen Sätze und Bestimmungen rechnen müßen, die dann erst im Laufe des Jahres nach vollzogener Neuveranlagung den endgültigen Steuerbeträgen Platz zu machen hätten. Bei der Sondergebäudesteuer soll im Ganzen eine Herabsetzung der Steuer eintreten. Die Grundlagen hierfür sind in der Zusatzverordnung vom 1. Oktober 1926 sowie in dem dem Landtag vorliegenden Gesetzentwurf über die Sondergebäudesteuer, der weitere Ermäßigungen bringen wird, gegeben. Die ziffernmäßige Auswirkung dieser Aenderung geht aus nachfolgender Zusammenstellung hervor:
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1926 1927 weniger
Aufkommen 30 600 000 J< 24 500 000 Ji 6 100 000 Ji