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49 Jahrg

Samstag, Den 19 Februar 1927

Nr. 8

Kiekener Peilung

^^^^^/ I ^tz (Jleuehe Nachrichten) ^m^^ (Gießener Tageblatt)

Erscheint: Samstags.

Bezigspreis 40 Psg «onarlich frei ins Haus Stbahiensl*lub friiS 8 Uhr. - 88: «efbt®a»rung ober Süd. lctibung »14t verlangtet Äoeeftripte wird ni*t garantiert.

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nger Herr im Aber von 17 Jahren, im sitze der Retchverbandsprüfung sucht per 15 2

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einem Manufaktur- und Konfektionäre schäft der Stadt Glesien.

serten unt. 6.13?8 an die Geschästchelle dieser Zeitung.___

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Ser Finanzausschuß des htfiiWn Landtags trat am Donnerstag in Die Beratung der Stcueroor lagen ein Sbg 2 ui erstattete als Referent einen ausführlichen Bericht über die einzelnen Vorlagen, der von den Vertretern der Re­gierung in einzelnen Punkten noch ergänzt wurde. Die an- schtletzende Debatte drehte sich zunächst um die Frage, ob es jwcckmamg sei. die Gcfetzesoorlagen beschleunigt zu verabschic den Verjchiedenc Redner standen auf dem Standpunkt, bag die Einführung der EinheitsbeweNung. wie sie das Reichsbewer tungsgesetz oorschrcidl. eine derartige Verschiebung in den zu- gtunbe zu legenden Vermögenswerten schaffe, da« sich die Wir­kung der Gesetze in gar keiner Weife oorausschcn liehe Man dürfe deshalb nur mit geätzter Vorsicht an die Verabschiedung der Gesetze herangehen und müsse vorher Erhebungen und Prü jungen ocranstalten Zuletzt wurde auch die Frage erörtert, in­wieweit c-.ne solche Verschiebung um die Dauer einer gründ lichen Durchberatung möglich ist.

Die Pfälzer fordern Freiheit.

Speyer. 17. 2. Der Pfälzische Kreistag hat als die berufene Vertretung der pfälzischen Bevölkerung einstimmig folgende Lnlschlletzuiig angenommen:

..Mit dem Eintritt unseres Vaterlandes in den Völker­bund ist mit Recht vom deutschen Volk, aber auch von ein­sichtsvollen Kreisen des Auslandes das Verlangen erhoben worden, die Besetzung des Landes auszuheben. Hinter diese Forderung stellen wir uns im Kreistag mit allen Fasern unseres Denkens und Fühlens, stellt sich die pfälzische Bevöl­kerung, die mit Ausnahme von wenigen verwerflichen Ele­menten, Die Besatzung vom ersten Tage ihres Erscheinens ab­gelehnt hat und ewig ablehnen wird. Wem es ernst ist mit Völkerversöhnung und wirklichem Frieden, der kann nimmer­mehr einen Zustand billigen, der jeden Tag den Abgrund zwischen zwei Völkern tiefer aufreitzt, und er mutz das Ende von Berhältnstfen wünschen, die die Zwietracht zwischen Döl- fern verewigt DiePfälzer waren ein freies Volk im freien Lande. Die Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag wur­den, soweit notwendig, erfüllt, und deshalb wollen wir wieder sein, was wir waren, und wir fordern zurück von den Alliier­ten unsere Freiheit und frei von jeder Besetzung unsere Pfalz.-

Das deutsch-französische Handelsprovisorium verlängert.

Am Mittwoch ist namens der deutschen Regierung durch Gc- sandtschaftsral Döhle und namens der sranzöftsckzen Regie­rung durch Ministerialdirektor Serruys ein Protokoll para­phiert worden, durch das das vorläusige Handelsabkommen zwischen Deittschland und Frankreich vom 5. August 1926 und die beiden Saarabkommen vom 5. August und 6. November 1926 bis 31. Mai verlängert werden. Die bisher in diesen Abkom­men vorgesehenen Kontingente werden, um dem Verlängerungs­abschnitt Rechnung zu tragen, um 50 Prozent erhöht.

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Die Abberufung des Regierungspräsidenten in Kassel.

Der Regierungspräsident Stötzel in Kassel ist ohne vor­herige Benachrichtigung plötzlich abberufen worden Von der sozialdcmokrattfchcn Presse in Kassel wurde erklärt, der Regie­rungspräsident Stötzel habe für den Ausbau und die Ausgestal­tung seiner Wohnung unrechtmäßigerweise hohe Dienstaufwen- dungen verbraucht. Dem tritt die preußische Staatsregierung entgegen und erklärt, die Abberufung des Regierungspräsidenten fei lediglich aus politischen Gründen erfolgt. Die Ausgestal­tung der Dienstwohnung sei von der Hochbauverwaltung des Finanzministeriums bestimmt worden.

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Die Reparationslasten.

Die Belastung durch die Kriegssolgen und die Reparations­zahlungen betragen im neuen Etat 3,3 Milliarden. Das Ab- tornmen über die Ablösung des kleinen Befscrungsschcines fei zu begrüßen, trotzdem müssen wir mit Sorge in die Zukunft sehen. Nach dem Dawes-Abkommen werden unsere Leistungen nächstes Fahr um weitere 432 Millionen und 1929 darüber hinaus um noch weitere 290 Millionen steigen. Gegenwärtig ist noch keine Möglichkeit, wie wir trotz allen guten Willens diese Beträge ausdringen können.

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Die Reichseinnahmen im Januar.

Nach der vom Rcichsfinanzministcrium veröffentlichten Uebersicht betrugen die Einnahmen des Reichs aus den fort­dauernden Steuern am Fanuar 528 595 776Rm5. Die Einnah­men aus verpfändeten Zöllen und Verbrauchsabgaben betrugen 234 961 231 Rmk. Der Mehrertrag aus Steuern, Zöllen und Abgaben für Januar beläuft sich auf 7 63 548 168 Rmk.

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Schanghai bedroht.

Nach einer Meldung aus Peking steht die 800 000 Einwoh­ner zählende Stadt Hangtfchau in Flammen. Ningpo soll be­reits in die Hände der Kantonesen gefallen sein. Der britische Unterhändler O'Malley hat das englische Konsulat in Hankau verlassen und sein Quartier an Bord des englischen Kanonen­bootesBee" aufgeschlagen.

Die Einwanderung in Amerika.

Die bisherigen Bestimmungen über die Einwanderungs- quoten sind nach einem Beschluß des Einwanderungsausschusies des Senats um ein Jahr verlängert worden.

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Reichswohnungszählung 1927.

Dem Reichstag ist kürzlich der von der Reichsregierung be» jchlosiene Entwurf eines Gesetzes über die Reichswohnungszäh- lung im Jahre 1927 und die Feststellung der Zahl der Wohnungs. suchenden zur Beschlußfassung zugegangen. Der Entwurf sieht vor, daß im Jahre 1927 im ganzen Deutschen Reiche mit Aus nähme des caargebicts, in allen Gemeinden, deren Wohndevölkc rung bei der Volkszählung vom 16. Juni 1925 2000 und mehr Einwohner betrug, eine Wohnungszählung vorgenommen wird. Die Landesregierungen können die Zählung beim Vorliegen be­sonderer Verhältnisse auch auf Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern erstrecken, bezw. sie in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern unterlassen, falls sie nicht für erforderlich er achtet wird. Die unmittelbare Ausführung der Zählung obliegt den Gemeindebehörden. Die Kosten gehen zu Lasten der Länder, wozu das Reich einen Zuschuß von 600 000 R. Mk. nach der Vor läge der Reichsregierung bezw. von 1 200 000 R. Mk nach dem Beschluß des Rcichsrates leisten soll. Ausdrücklich wird bestimmt, baß jedes Eindringen in die Vermögens- und Einkommensver- Hältnisie ausgeschlossen ist. Ueber die bei der Zählung gewonne­nen Angaben über die einzelnen Grundstücke und die einzelnen Wohnungen ist das Amtsgeheimnis zu wahren; sie dürfen nur zu statistischen Arbeiten, nicht zu anderen Zwecken benutzt werden.

In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß die Er Hebung notwendig sei, da die gegenwärtig über die Wohnungs- vcrhältnissc im Reich vorliegenden Unterlagen aus dem Jahre 1918 für die Zwecke der Wohnungspolitik nicht mehr ausreichend sind. Der Ausschuß für Siedlungs- und Wohnungswesen des vor­läufigen Reichswirtschaftsrates hat zu der Vorlage bereits im September des vorigen Jahres Stellung genommen. Es darf damit gerechnet werden, daß der Entwurf mit Rücksicht auf seine Dringlichkeit baldige Verabschiedung im Reichstag findet.

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Gewerkschaft und Selbsthilfe.

Das Jahr 1926 war für die Gewerkschaften kein Jahr großer Erfolge. Besonders auf dem Gebiet der Lohnpolitik gab es für sie bei der großen Arbeitslosig­keit und der schlechten Wirtschaftslage kaum irgendwo die Diöglichkeit, es zu Erhöhungen auf ihre realen Lohn­einkommen zu bringen. Es zeigt sich bei feststehenden oder gar vereinzelt zurückgegangenen Tariflöhnen eine, wenn auch nur geringfügige Steigerung der Lebenshal- tungsindexziffer. Der Reallohn hat sich insofern un­günstiger gestaltet, als die Beiträge zu den sozialen Ver­sicherungen und die sonstigen Lohnabzüge sich im ganzen gesehen wesentlich gesteigert haben. Es zeugt von wirtschaftlicher Einsicht, wenn das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften nun nicht in den Ton der Anklage gegen den Staat einstimmt, sondern zur Selbst­hilfe aufruft:Es bedingt die notwendige Lohnentwick­lung die Abkehr vom alleinigen Glauben an die soziale Gerechtigkeit des Staates. Rur dort, wo freie Kräfte sich regen, wo ein ernster Wille zur Tat führt, wo Opfer gebracht werden für ein erreichbares Ziel, da winkt der Erfolg."

Das Jahr 1926 war ein Jahr der Hoffnungen auf die Staatshilfe. Manche Hoffnung hat sich erfüllt. Die Hilfe wird den Bedürftigsten. Das Jahr 1927 muß ein Jahr der Selbsthilfe fein. Der Erfolg muß denen wer­den, die in selbstloser Hingabe der ärmsten ihrer Ar- beiisbrüder gedachten und dabei selbst nicht weiter kamen. Die sozialen Verhältnisse aber gestatten nicht die Arbeitsunfähigen, sondern die Schaffenden. Daran zu denken, gebietet die gewerkschaftliche Bilanz des ab­lausenden Jahres. ______

Der Rhein, sein Werden und Wirken.

Die Stadt Koblenz veranstaltet im Iuli/August dieses Jahres eine Ausstellung, die unter dem NamenDer Rhein, sein Werden und Wirken veranschaulichen will, wie der Rheinstrom die ausschlaggebende Triebkraft bildet für die natürliche, kultu­relle und wirtschaftliche Entwicklung aller seiner Uferländer von der Quelle bis zur Mündung.

Unter Mitarbeit von 'ühlreichen Behörden, wisienschaftlichen Instituten und wirtschaftlichen Verbänden aller Uferstaaten wird dort ein Bild geschaffen werden vom Rheine als dem Gestalter der Landschaft und Bildner der Wirtschaft an seinem Lause. Die geographischen und geologischen, klimatologischen und hydro­graphischen, botanischen und zoologischen Besonderheiten des Stromgebietes werden anschaulich gezeigt. Weiter gelangen die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen diesen natürlichen Ge­gebenheiten der Stromlandschaft und dem Strombau, der Forst­wirtschaft sowie der Chemie zur Darstellung. Vor allem aber stehen die Zusammenhänge zwischen Rhein und Wirtschaftsleben in Theorie und Praxis im Vordergrund. Auch wird eine zu- jammenfafienbe Uebersicht über die Rheinlandschaft in der j Kunst aller Zeiten zu sehen sein. ,

Die Vorbereitungen zur Verwirklichung dieser großen Idee, für das gesamte Rheinstromgebiet die bestimmende Gestaltungs- kraft des einen, großen EntwicklungsfaktorsRhein" in einer anschaulichen Uebersicht darzustellen, find bereits in vollem Gange. So wird im Sommer 1927 aller Welt ein einzigartiges Gesamtbild davon geboten werden, was der Rhein in seinem Werden und Wirken für alle seinen Lauf umrahmenden Land­schaften bedeutet.

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Wochtmmkblick.

Im englislchen Unterhaus gab es eine große China Debatte, bei der die Arbeiterpartei die Zurückziehung der englischen Truppen forderte. Die Regierung hatte es leicht, sich aus der Affaire zu ziehem es zu einem ernstlichen Eingreifen der dortigen Streitkräfte noch nicht gekommen ist. Nichtsdestoweniger ging schon wie der eine neue Torpedobootszerstörerflottille von Eng land nach China ab. China, innerlich uneinig, ist sich aber gegen die Fremden einig. Die Gesandten an den europäischen Höfen und Ministerien sind nach einer ; offiziellen Erklärung Bevollmächtigte aller verschiede nen Regierungen. Ein deutliches Zeichen des Erwachens Chinas. Der amerikanische Präsident Coolidge ver öffentlichte einen neuen Flottenabrüstungsvorschlag, dem wir als entwaffnetes Deutschland nur zu stimmen können. Unsere Abrüstung sollte ja nach dem berührn - ten Versailler Friedensvertrag der erste Schritt einer allgemeinen Abrüstung sein. Wo ist die aber? In ! Paris ist man von dem amerikanischen Schrittpein 1 lich" berührt. Auch Jalien sieht sich veranlaßt, abzu ! lehnen, während in Großbritannien Geneigtheit und in - Japan Zustimmung besteht. Schon aus diesen wenigen Aeußerungen sieht man die Mächtegruppierung nach dem Weltkrieg, sowie die Sonderinteressen der einzel nen Staaten. Portugal erlebte wieder einmal eines : seiner Revolutiönchen, das um ein Haar geglückt wäre. ' Der Diktator scheint nicht mehr die ganze Masse des : Volkes hinter sich zu haben. Bedauerlich nur, daß die - Kämpfe viele Menschenleben gekostet haben, ganz abge j sehen von den äußeren Schäden, die durch die verschie I denen Beschießungen entstanden sind. Der Botschafter i D. Koesch sprach wieder einmal bei dem französischen Außenminister Briand vor. Anscheinend wurde auch i über die Räumungsfrage des Rheinlandes verhandelt, j Wolle doch die deutsche Regierung dies als ihr nächstes ; und höchstes Ziel in Angriff nehmen. Der Dank der be - setzten Gebiete wäre ihr gewiß? Mit Polen kam es . zu einem Bruch. Aeußerlich zeigte er sich im Abbruch i der Handelsvertragsverhandlungen. Polen wird gegen die Deutschen immer frecher und anmaßender. Was in I dem Ländchen geschieht, verträgt die deutsche Staats I autoritär nicht mehr. Die Ausweisungen Deutscher aus : Westpolen häufen sich. Bei den Vertragsverhandlungen machten die Deutschen entgegenkommende Vorschläge, während die Polen nicht die geringsten Konzessionen machen wollen. Daß es da keinen Wert hat, zu ver handeln, ist klar. Man darf auf die Weiterentwicklung des Konfliktes gespannt sein. Im Deutschen Reiche ' spukt noch iiTMncr die Keudell-Angelegenheit. Menn auch der Reichskanzler Marx dem angegriffenen Mini ster in Schutz nehmen konnte, so ist doch von dem Feuer noch glimmende Asche zurückgeblieben, die jederzeit den ; Strohhaufen neu entzünden kann. Gewisse Tatsachen, die eine Belastung des Kabinetts bedeuten, konnte auch i Herr Marx nicht wegräumen. Der Außenminister ! Stresemann hat seinen Erholungsurlaub nach Ober Italien angetreten. Man schließt natürlich sofort dar aus, daß er mit Mussolini zusammentreffen werde. Bis jetzt ist aber von irgend einer politischen Tätigkeit

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