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40. Fahrg.

Samstag, den 16. April 1927.

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am Ernste der Wahrheit.

Reichspräsident. Reichskanzler und Reichsaußenminister zur Kriegsschuldfrage.

An einer Schrift im Dienste der Wahrheit, die der Arbeitsausschuß deutscher Verbände zum Abschluß der Aktenpublikation des Auswärtigen Amtes demnächst herausgibt, befinden sich folgende Aeusserungen der Reichsleitung über die Bedeutung des abgeschlossenen Werkes.

Reichspräsident v. Hindenburg.

Wir haben die politischen Geheimakten unserer Vergangenheit enthüllt, um der Wahrheit über die Entstehung des Weltkrieges zum Liege zu verhelfen Unsere Aktenpublikation ist ein offenes Bekenntnis an die Welt. Wir erwarten heute eine ebenso offene Ant­wort der Vielt auf dieses Bekenntnis.

Reichskanzler Dr. Marr:

Der hohe Gedanke der Völkerversöhnung kann auf geistigem Gebiete durch nichts so stark und nachhaltig gefördert werden, als durch unbedingte Aufrichtiat- it über jene Vergangenheit, die Europa in zwei feindliche Vager zerrissen hat. Wir sind durch unsere Akten Publikation auf dem Wege zur geistigen Annäherung der Rationen vorangegangen.

Reicktsaußenminister Dr. Stresemann:

Wie ich schon erklärt habe. sind wir Deutschen bc reit, uns jedem unparteiischen Gerichtshof zu stellen, der die Ursachen des Weltkrieges untersucht. Die Akten Publikation des Auswärtigen Amtes enthält das deut sche Material für einen solchen Gerichtshof. Jeder. der sich in ihren Inhalt vertieft, wird die Uebeneununfl gewinnen, bah Deutschland keineswegs den Krieg bös­willig betrieben oder absichtlich entfesselt hat.

Schloß Wilhelmshöhe

soN für den Reichspräsidenten reserviert werden.

Der Kasseler Bürgerdund hat. im Einvernehmen mit den im Bürgcrausschuß zusammenqefahlcn Vertretern von neun Kasseler Bürgerbczirksvercinen dem Magistrat der Stadt Kassel einen Antrag unterbreitet, bei der zuständigen Regierungsstelle zu beantragen, Schloß Wilhclmshühe als ständigen Sommer aufenthalt für den Reichspräsidenten der deutschen Republik zur Verfügung zu stellen.

In der Begründung heißt es: Das im ganzen Reich und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannte und be­wunderte Schloß Wilhelmshöhe mit seinen großen geschicht­lichen Erinnerungen und seiner in Deutschland günstigen, zen­tralen Lag«, wird als zweiter Amtssitz des Reichspräsidenten zweifellos mehr al» jeder andere Ort würdig und geeignet sein. Die hervorragend schöne, natürliche Lage, der einzigartige Park, der zu den schönsten Europa» gehört, die gesunde Bergluft und die Nähe des hesiischen Debirgslandes werden den sommerlichen Amtssitz gleichzeitig zu einem wirklichen Erholungsaufenthalt gestalten. Die Gelegenheit, Schloß Wilhelmshöhe dem gedach­ten Zwecke zuzuführen, scheint außerdem besonders günstig, da Schloß und Park vor kurzer Zeit aus den Händen der Krongul­verwaltung in die des preußischen Staates über gegangen ist.

Reichspräsident Hindenburg hat bereits mehrere Monate, als er die Demobilisierung und Auflösung des deutschen Heeres nach der Revolution durchgeführt hat, in Wilhelmshöhe geweilt.

RSME 5 erhält Dir nWäscheschciTii

Rückgang der Arbeitslosigkeit in der zweiten Märzhälfte um 300 000.

Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbs- iojenfürforge verzeichnet in der zweiten Märzhälfte einen weite­ren Rückgang und zwar um 305 000 gleich 21.2 Prozent. Die Zahl der männlichen Hau ^Unterstützungsempfänger ist in der Zeit vom 15. Marz dis 1. April 1927 von 1 222 000 auf 940 000 zurückgegangen, die Zahl der weiblichen von 214 000 auf 1H5000, die Gesamtzahl von 1 436 000 auf 1 131 000.

mit ihnen den drängenden Gläubiger jenseits des Oze ans zu befriedigen. Auch das heiße Bemühen, die Noh stoffmonopole zu durchbrechen, gehört in dieses Kapitel der bisher größtenteils erfolglosen Auflehnung gegen die Wirlschajtsautokratie der Vereinigten Staaten. Eine wesentliche Steigerung der Warenausfuhr nach Amc rika ist dank dein bortigen Schutzzollsystem so gut wie ausgeschlosien. Man versucht daher in verschiedenen Ländern an Stelle dessen, Menschen zu exportieren, um den viel zu engen Lebensraum der heimischen Bevölle lung wenigstens etwas zu entlasten. Namentlich Ata lien wendet an diese Bestrebung ein verzweifeltes Be mühen . . . Die Folgen aller dieser Spannungen ist ein fast schon verewigter Unruhezustand in Europa, reich an Konflikten und Konf Unmöglichkeiten. Die gesamte euro päische Diplomatie gibt sich redlich Mühe, sie wegzuräu men. Aber der Erfolg hat alle diese Bemühungen bis­her schlecht gelohnt.

14000 Neubau-Wohnungen zu Friedenspreisen.

Wie die Tagespreise meldet, ist ein amerikanisches Konsor­tium vor kurzem an den Berliner Magistrat mit dem Vorschlag herangctrelcn, aus dem bisher unbebauten Schöneberger Süd- gelände 14 000 Neubauwohnungen zu errichten und zwar ohne Inanspruchnahme der sonst für diese Zwecke ausgeworsenen öffentlichen Mittel, wie Hauszinssteuer, Hypotheken usw. Vom Magistrat wird an und für sich der Vorschlag des amerikanischen Konsortiums, das über ein bares Kapital von 150 Millionen verfügt, und bisher in erheblichem Maße an dem Wiederaufbau Nordfrankreichs beteiligt war, sich aber jetzt nach Beendigung dieser Tätigkeit der Beseitigung der Wohnungsnot in Deutsch­land zuwenden will, durchaus begrüßt. Die bisherigen Ver Handlungen, die mit dem Konsortium geführt worden sind, sind aber noch zu keinem abschließenden Ergebnis gekommen, denn es scheint, als ob das bisherige Angebot des Konsortiums, das von der Stadt verlangte, sie solle aus 28 Jahre die neuen Woh­nungen mieten, die dann allerdings in schuldenfreies Eigentum tum der Stadt übergehen würden, kaum annehmbar sein wird

Die Haltung des Magistrats, der übrigens zur Prüfung des Angebotes einen besonderen Ausschuß eingesetzt hat, ist daraus zurückzuführen, daß bei der Berechnung der Mietanschläge, die sich auf Friedensbasis halten sollen, gewisse Fehlkalkulationen von dem Konsortium gemacht worden sind, anscheinend daher, daß die Amerikaner mit den Verhältnissen des Berliner Woh­nungsmarktes vor dem Kriege nicht vertraut genug sind. Das Angebot der Amerikaner, besten finanzielle Auswirkungen für die Stadt gegenwärtig noch Gegenstand eingehender Berech­nungen sind, scheint nach der bisherigen Prüfung auch deshalb kaum annehmbar, weil die Stadt sicherlich eine langfristige An- leihe zu billigeren Sätzen erhalten würde, als bei der Aus bringung der Mieten für die Dauer von 28 Jahren herauskäme

Geplant ist von dem amerikanischen Konsortium die Er­richtung von Zwei, bis Bierzimmerwohnungen mit Zentral­heizung und Warmwasserversorgung zum Einheitspreis von 25 Ji je Kubikmeter umbauten Raums, sodaß die Mieten ver­hältnismäßig niedrig gehalten werden können. Auch Baukosten­zuschüsse würden nicht mehr in Frage kommen.

Gegenwärtig belaufen sich die Baukosten für Wohnungs bauten auf 29 bis 32 JI je Kubikmeter. Aus dem Südgelände sollen ausreichende Grünflächen und Spielplätze zur Erholung der Bevölkerung vorgesehen werben.

Das Schöneberger Südgelände, das von dem Konsortium als Baugelände ausersehen ist, ist die größte, in unmittelbarer Stadtnahe noch vorhandene Siedlungssläche und aus dem Besitz der ehemaligen Stadt Schöneberg zu Groß-Berlin gekommen. Es übertrifft in seiner Ausdehnung vom Sachsendamm bis Steglitz-Südende. von Friedenau bis zur Anhalter Dahn noch das westliche Tempelhofer Feld.

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Europas Staubiger.

Durch den Krieg hat sich das kapitalistische Schwer gewicht von Europa noch den Vereinigten Staaten verschoben. Vor dem Kriege waren die Vereinigten ; Staaten an Europa mit etwa 16 Milliarden Mark verschuldet, heute beträgt die finanzielle Verpflichtung ' Europas an die Vereinigten Staaten rund 60 Milliar den Goldmark! London hat seine Stellung als Geld markt der Welt an Rennork abgetreten, und hier laufen im Großen gesehen, die Fäden zusammen, die die Bör­sen und, mit einiger Einschränkung natürlich, auch die einzelnen 'Jiationalwirtkfmucn der Welt leiten. Die Gläubigerschaft Nordamerikas ist heute der beitimmenbe Faktor der Weltwirtschaft. UebcraU in der Welt sehen wir aber auch das Bestreben sich dieser Schuldkuecku- schaft zu entziehen. Man braucht nur an die jahre­langen. zum Teil noch ungelösten Schuldenverhand­lungen der Enrenteländer mit Amerika zu denken. Auch der überall zu beobachtende Kampf um aktive Handels­bilanzen, zu deren Herbeiführung man eine strenge Hochschutzpolitik treibt, dient letzten Endes dem Zweck. Ueberschüsse der Nationalwirtschaften zu erzielen, um

Beamtengesetz und Doppelverdiener.

Wie wir erfahren, kann in absehbarer Zeit mit der Vor» läge eines Reichsbeamtengesetzes gerechnet werden. An ihm joll auch die Frage der Doppelverdiener eine Regelung sinken Die gleiche Frage spielte auch bei den Verhandlungen der Re­gierungsparteien über das Arbeitszeitnotgesetz eine Rolle. Aus bas Verlangen nach einem strasrechtlichen Verbot der Schwarz­arbeit wird von den Vertretern der Arbeiter und Angestellten mit einem Hinweis auf das große Ausmaß des Doppelverdic- nens der Beamten und Pensionäre geantwortet. Die Regie­rungsparteien beabsichtigen, im Anschluß an die Verabschie­dung des Arbeilszeitnotgesetzes eine Entschließung vorzulegen, bic aus ein Verbot der Schwarzarbeit und des Doppelverdienens hinzielt.

Die oberen Zehntausend in Amerika.

Die ctcueritatütil der Vereinigten Staaten für 1926, die jdu veröffentlicht worden ist, weist 207 Steuerzahler mit über 1 Million Dollar jährlichem Einkommen aus, davon 104 bis 17 Dollar. 43 bis 2 Millionen Dollar, 29 bis 3 Millionen Dollar 15 bis 4 Millionen Dollar, 9 bis 5 Millionen Dollar und 7 über '* Millionen Dollar. Diese Zahlen sind bisher in der Geschichte bei Vereinigten Staaten nie erreicht worden, selbst im Kriege nicht.

Wolbenrülkblitk.

C'5 wird immer offenkundiger, daß der Kampf del Generale in ^hiua garnicht einen innerpolirischen Krieg im gewöhnlichen Sinne es Bürgerkrieges dar stellt, sondern der Riesenkampf zwischen Rußland und England. Ammer unverhüllter werden die Taten der beiden Großstaaien. Vielleicht ist England dann noch das etwas geschicktere Land, oejsen Diplomatie nicht so stark mit der Farbe herausrückt. Warum soll man die einzelnen chinesischen Generäle auch nicht unterstützen^ Es wird ja kein russisches und kein englisches Blut ver­gossen. sondern nur chinesisches. Dabei ist nur das Hackklotz China zu bedauern, das die Hiebe auszubaltett hat. Der chinesische Krieg ist eines der größten Gauner stückchen der Weltgeschichte. Der nationalistische Tschang foUn schert sich nichts um allgemeine Völkergesetze (ma nun. ist einfach beantworten: weil er westeuropäische Diplomatie hinter sich hat) und dringt in die Gebäude der russischen Botschaft in Peking ein. Proteste hin. Proteste her! Ein Schlag Englands gegen Rußland ist wieder einmal gelungen! Zwischen Italien und Jugoslawien hat man es jetzt so weit gebracht, daß die beiden Staaten direkt miteinander verhandeln werden. An einer dreiköpfigen neutralen SchlichlungskomMission soll auf Wunsch der drei beteiligten Staaten Atalien. Albanien und Jugoslawien auch Deutschland beteiligt sein. Ein gutes Zeichen für die wieder erwachsende Großmachtstellung unseres Vaterlandes! Zwischen Ungarn und Italien wurde ein Freundschaftsbündnis abgeschlossen. Ungarn bekommt einige Konzessionen, darf Fiume als Freihafen benutzen, muß aber dafür Italiens Politik unterstützen. Wieder ein glänzendes Rechenkunststiickchen Mussolinis. Die kleine Entente ist aber stutzig geworden! Ungarn erstarkt, das ist be deutlich. Besonders, wenn es mit italienischer Unter stützung geschieht Rumänien wirft eifersüchtige Blicke, hat aber im eigenen Lande viel zu tun. Der König liegt im Sterben und um die Nachfolgerschaft stehen sich im Lande zwei Parteien scharf gegenüber. Die Königin Maria möchte die Zügel der Negierung gern selbst in die Hand nehmen, während auf der anderen Seite vom größten Teil des Militärs und des Volkes die Rückkehr des durch feine Liebesgeschichten besannt gewordenen Erbprinzen Carol gewünscht wird. Hie Maria, hie Carol, ist die Losung, die beim Tode des Königs einen Bürgerkrieg heraufzu beschwören droht. Polen be­nimmt sich weiter wie ein ungezogener Junge5 beküm­mert Rdi ebenfalls nicht um Völkerrecht, um Völker bundsbeschlüsse und ist nur vom unbändigsten Ha sie gegen alles Deutsche erfüllt. 8000 deutsche Arbeiter wurden wieder unberechtigterweise auf die Straße ge morsen? Die Wirtschastsführer prebiaen derweilen von Verständigung. Selbstredend, denn das Kapital ist international und jede politische Verwicklung er schwört die Vermehrung des Kapitals. Die deutsche Bantgröße von Mendelssohn sprach in London, Loucheur in Berlin. Natürlich unter Beifall! Kapital versteht sich. Da darf selbst der französische Stinnes kommen, der uns unendlich viel auch schon zu schaffen machte. Die Zeitungen machen dazu ihre Verbeugungen! Es lebe das Kapital! Alle die anderen Worte, die sich sonst um diesen Kernpunkt scharen, sind Schall und Rauch! Ter deutsche Reichstag erlebt vor Schluß noch eine ganze Reihe von Sensationen. In der letzten Nummer be­grüßten wir die Auslassungen der deutschen Volkspartci auf ihrer Kulturtagung, bei der auch Stresemann sprach. Ihr Führer mußte auch ihre Kulturpolitik vertreten. Doch was war das? Das Zentrum winkte entrüstet! Dann winkte es befehlend und Herr Stresemann sanl in die Kniee! Es war ja alles nicht so gemeint! Atan hatte alles verkehrt verstanden. Die Demokraten sahen sich durch die Erklärungen ihres Führers Koch blamiert und brachten eine Reichstagsentschließung gegen das Reichskonkordat ein. Die Folge?

Dazwischen wurde der Etat für 1927 genehmigt, die Reichstagsabgeordneten bestätigen dankend den Emp­fang von monatlich 619 Mark, genehmigten sich gene­rös eine Reihe weiterer Vorteile, dann gab's noch einen Zusammenstoß zwischen Stegerwald und den Sozial­demokraten oder besser gesagt zwischen den christlichen und den freien Gewerkschaften, wobei die letzteren den kürzeren zogen. Dazwischen kam das deutsch-französische Handelsprovisorium auf den Plan. Namens der Re­gierungsparteien erklärte der Abg. v. Guerard (Zen­trum), daß das Abkommen die größten Bedenken her- Dorgerufen habe, daß die Regierungsparteien sich aber doch entschlossen hätten, zuzustimmen in Erwartung ia kam der treffende Zwischenruf'des Konkordats", der schallende Heiterkeit hervorrief. Herr Guerard meinte natürlich in Erwartung einer Besserung des Abkommens in Zukunft. Durch alle diese Zwischenfälle ging man etwas aufgeregt in die Ferien. Die Verschmelzungs­verhandlungen zwischen Zentrum und Bayrischer Volks- Partei gehen bedenklich langsam. Man ist über das