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Erscheint: Samstags.
Bezugspreis 40 Pfg monatlich frei ins Haus.
Redaktionsschluß früh 8 Uhr — Für Aufbewahrung oder Ruck- fendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
40. Aahrgano
Politische Tagesschau.
Das Reichsschulgesetz ist soeben vom Reichsrat mit 37 gegen 31 Stimmen abgelehnt.
Die Hamburger Sozialdemokraten lehnen ein Zusammengehen mit den Kommunisten ab.
Der frühere Reichsschatzsekretär und Oberbürgermeister von Berlin, Dr. Adolf Wermuth, ist am Mittwoch Abend im Alter von 72 Jahren gestorben.
Üb 1. Oktober darf in Italienisch-Tirol nur noch italienisch unterrichtet werden. Bis zum 30. November ist jede deutschsprachige Aufschrift an Gebäuden, Fenstern, Schildern, Tischtüchern der Gaststätten usw. zu entfernen.
Da- Verhältnis zwischen Deutschland und Litauen ist noch immer ungeklärt Troy der Versprechungen des Herrn Woldemaras gehen im Memelland die unhaltbaren Zustände weiter.
Wie der Oberbefehlshaber der Besatzungstruppen mitgeteilt haben soll, werden von der französischen Truppenverminderung die Städte Germersheim, Landau, Neustadt (Pfalz), Düren, Euskirchen, Kreuznach und Koblenz betroffen.
D. 1230. ist gestern um 17,10 Uhr sicher in Horta auf den Azoren gelandet.
Die Preußenanleihe wurde in New Park sofort schnell überzeichnet.
Auf den albanischen Gesandten in Prag wurde gestern Nacht ein Nevolverattenlat verübt. Der Gesandte ist seinen Verletzungen erlegen.
Die Stellung des Präsidenten Calles in Mexiko ist durch die Revolution nur gestärkt worden.
In Verfolg seiner germanisch-völkischen Einstellung ist General Ludendorff aus der evangelischen Kirche ausgetreten
Um den Besatzungsabbau.
Nur noch 6000 Mann Besatzung-verminderung?
Koblenz. Dem Vernehmen nach ist der Bericht über die Form und das Ausmaß der Besatzungsverminderung vom französischen Armee-Oberkommando der deutschen Regierung zuge- fteUt worden und liegt an amtlicher Stelle vor. Man hört, daß vom 25. Oktober ab in ungefähr einer Woche die Aktion gänzlich zur Durchführung gelangt sein soll. Es soll sich hierbei lediglich um eine Zurückführung von etwa 6000 Mann handeln. 6a 4000 früher bereits Zurückgezogene auf die zugesagten 10 000 verrechnet" werden sollen.
Zu den hessischen Lanötagswablen.
Der Gesetzenwurf zur Verfassungsänderung, den der hessische Landtag am 27. September ds. Is. mit Zweidrittelmehrheit beschloß, soll nunmehr angefochten werden. da er gegen Art. 125 der Verfassung verstößt, der jedem Bürger das freie geheime Wahlrecht sichert, während die Der- iassungsänderung für jede neu auftretenbe Partei für die Kan« bibatenlifte u a. auch siebentausend Unterschriften fordert. Durch diese auf der Bürgermeisterei abzugebenden Unterschriften wird unzweifelhaft das geheime Wahlrecht durchbrochen, da der Wähler gezwungen ist, öffentlich Stellung über seine Partei- richtung zu nehmen. Voraussichtlich bürste der Staatsgerichts- bof über diese Frage angerufen werden.
(Endlich! Es wird doch Zeit, daß den Herren da oben klargemacht wird, daß sie nicht allmächtig sind. D. Schriftltg.)
Am 15. und 16. Oktober findet in Darmstadt der Landes.
Parteitag der Deutschen Bolkspartei statt. Die Veranstaltungen £ beginnen am Samstag, den 15., nachmittags 3H Uhr, mit J Sitzungen der Ausschüsse. Abends findet in der Turnhalle, Woogsplatz, ein großer Begrüßungsabend statt, zu dem auch ^ichlmitgliedcr Zutritt haben. Die Hauptverhandlungen bc« ginnen am Sonntag, den 16. Oktober, vormittags 10 Uhr, in der Turnhalle. Hierbei wird Reichstagsabgeordneter Geh. Rat Runkel über die Reichspolitik, Herr Landtagsabgeordneter ^ingeldcy über die Landespolilik sprechen. Der Nachmittag ist wieder den Ausschüssen gewidmet. Es sprechen dort die
Abgg. Morath, Adam, Thiel, Pfarrer Luther, Haury, Dr. Dehlinger und Scholz.
Schot!,
Der hessische Landesparteitag der Deutsch-Demokratischen Partei
M findet am 15. und 16. Oktober im Städtischen Saalbau in Darmstadt statt. Die Festrede hält Reichstagsabgeordneter Ludwig Haas- Karlsruhe. Reichstagsabgeordneter Korell wird über „Reichspolitik" und Landtagsabgeordneter Reiber I über „Landespolitik" sprechen. Auf dieser Tagung werden auck I die Kandidaten für die hessische Landtagswahl endgültig no; I miniert.
Druck, Verlag und Expedition:
Tietze», Suda »läge 21 Fernsprecher Nr. 1562 Postscheckkonto Nr. 6*17 Amt Frankfurt a. M
Samstag, den 15. Oktober 1927
Deutschnationaler Parteitag
des Landesverbandes Hessen-Darmstadt in Worms.
Letzten Samstag begann in Worms der Parteitag der D. N. D. P., Landesverband Hessen-Darmstadt. Nach einer Sitzung des engeren und weiteren Vorstandes am Vormittag gab Exzellenz von Hahn als Vorsitzender nachmittags einen Bericht über die Tätigkeit des Landcsverbandsvorstandes. Bei den Wahlen zum Landesverdandsvorstand wurden die bisherigen Vorsitzenden wiedergewählt. Prof. Dr. Werner wies in seinem Referat die Behauptung zurück, daß die Deutschnationalen Ostelbier feien Die Deutschnationalen hätten die konservative Linie der vormaligen Christlich-Dcutschsozialen. Bei den kam- menden Wahlen werde dem stetigen Aufstieg der Partei entsprechend ein weiterer Zuwachs zu verzeichnen sein.
Am Sonntag Vormittag fanden Sitzungen der Ausschüsse für Landwirtschaft, Angestellte. Arbeiter und des Frauenausschusses statt, die gut besucht waren. In der Nachmittagssitzung sprach zunächst Frau Landtagsabgcordnete Deutsch aus Königsberg über Kleinrentner- und Aufwertungsfragen. Sic dezeich netc an Stelle der Fürsorge ein Reichsrentnerentschädigungs- gesetz als das Ziel der Partei. Ädg. Kindt hielt daraus die mit großem Beifall aufgenommene Festrede über deutschnationale Politik, die in einer Forderung zur Beseitigung der Kriegs- schuldlüge im Sinne der Tannenbergrede des Reichspräsidenten von Hindenburg ausklang. Als letzterer referierte der Landes- gcschäftsführer Dr. Brehms über die besonderen Belange Rbcin Hessens, vor allem des rheinischen Winzer- und Bauerntums, worauf Exzellenz von Hahn den nichtöffentlichen Teil des Parteitages mit Dankesworten schloß.
Staatsminister a. D. Exzellenz Wallraf hielt als offizieller Schlußrcdncr am Abend einen ausführlichen Dortrag über die Gesamtpolitik der Deutschnationalen Vollspartei.
Die kommenden Vahlen im Reich.
Die beiden größten deutschen Parlamente, das Preußens und der Reichstag, haben sich jetzt so langsam auf ihr Ende vorzu- bereiten, denn, wenn nichts dazwischen kommt, finden im Herbst nächsten Jahres die Neuwahlen statt. Wie gesagt, wenn nichts dazwischen kommt!
Vom Standpunkt der Vernunft gesehen, wäre gebenc, in Ruhe seine Arbeit zu erledigen und sich 3u verabschieden und zwar die beiden, Reichstag ßen-Landtag, zusammen, um dann die Massen, die
es das Geim Sommer und Preu- Unberechen-
baren, an einem Tage für beide Körperschaften zur Wahl an die Urne zu rufen. Abgesehen davon ist dieses auch das billigste nicht nur für das Reich und für Preußen, sondern auch für die verchrlichen Parteien.
Nun ist aber Vernunft im parteipolitischen Wörterbuch ein Fremdwort und gilt dort nur so lange, als es etwas zu verdienen gibt — sei es nun Stimmen, Mandate oder Macht und Einfluß. Und sonst läßt man von der Vernunft fein die Finger weg. Und Geld des weiteren spielt gar keine Rolle, es ist ja nicht selbst erarbeitet.
Also, es ist tatsächlich zu befürchten, daß etwas dazwischen kommt! Die Wahlen im Freistaat Hamburg, der in der Bevöl- kerungszahl gleich nach Hessen kommt, sind vorbei. Wie alte Hexenmeister stürzte alles herbei, um ähnlich diesen, aus dem Kaffeesatz die Wahrheit, die Zukunft zu lesen. Und als ähnliche Wahlergebnisse aus Königsberg kamen, kannte der Jubel, kannte die Freude der Sozialdemokraten und Kommunisten keine Grenzen.
Die goldenen Zeiten, die Hamburg jetzt beschieden werden, können auch die Eueren sein, rufen sie ins Preußenland hinein und brüten und planen große Dinge.
Taktisch ausgeschlossen ist es für sie, den Reichstag zu stürzey. Leichter geht das schon mit dem preußischen Landtag, den könnte der sozialdemokratische Ministerpräsident und sein Coulcurbruder, der Landtagspräsident, von sich aus schon ins Wanken bringen. Wenns ginge, würden dieselben sofort wählen lassen. Ein Hauptbeweggrund ist dabei die Doppelrolle des Zentrums hn Reich und in Preußen. Fallen beide Wahlen zusammen, ist zu befürchten, daß die jetzigen Koalitionsfreunde abspringen und die „alte Freundschaft" in die Brüche geht. Dem ist nur aus dem Wege zu gehen, wenn möglichst viel früher als zum Reiws- tag in Preußen zum Landtag gewählt wird.
Gegen diesen Plan wenden sich natürlich alle anderen Parteien: sie verlangen, daß in Ruhe unter Ausschaltung aller Sondcrintercssen und aller ParteiNüngeleien die Sitzungsdauer beider Parlamente zu Ende geführt wird.
Inzwischen geht denn nun alles auf den Stimmenfang. Amüsant ist es, dabei die Linke zu beobachten. Den Herren sitzt das Geld am lockersten in der Tasche, wenn es an*s Ausgeben geht: heranfchaffcn, es mit bitterem Herzen bewilligen, das dürfen die anderen. So ist auch der dieser Tage im Reichstag ein« gelaufene Gesetzentwurf der Sozialdemokraten, auf Lichnsteuer- ermäßigung, als Stimmungsmache zu bewerten.
Wer auf der einen Seite Beamtenzulagcn, Daweslasten, Ausbau der sozialen Einrichtungen befürwortet, kann doch die Hauptcinnahmcouelle des Reiches, die Einkommensteuer, nicht schmälern wollen! Es ist wirklich leicht, ohne Verantwortung zu tragen, solche Unmöglichkeiten in Form von Anträgen dem Reichstag vorzulegen.
Bon besonderer Wichtigkeit werden darum die Landtags- wählen in Hessen sein. Die Ergebnisse in Hamburg und Königsberg könnten trügen, die Herren von links werden daher gespannt auf das Ergebnis in Hessen warten! Darum heraus, Bürger, schlafe nicht, zeigt auch Ihr, daß Ihr noch da seid!
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-lummer 42
Landtagswahl Wahlvorschläge.
Tas Presseamt des hesiischen Staalsminlsterium schreibt uns dazu:
Am 11 November 1927 finden die Landtag-wahlen für den 4 Hessischen Landtag statt. Tie Auslegung der Wählerliste» und Wahlkarteien hat spätestens vom 23. Oktober 1927 ab bis einschließlich 30. Oktober 1927 zu erfolgen.
Eine besondere amtliche Aufforderung zur Einreichung von Wahlvorschlägen für die Landtagswahl erfolgt nach der Landes Wahlordnung nicht. Die Wahlvorschläge müssen spätestens am 27. Oktober 1927, abends 7 Uhr, beim Landeswahlleiter (Dienst, anschrist: Staatsministerium, Darmstadt, Neckarstraße 7) ein. gereicht fein.
In den Wahlvorschlägen sollen die Bewerber mit Zu. und Vornamen aufgeführt und ihr Stand ober ihr Beruf sowie ihr Wohnort und ihre Wohnung so deutlich angegeben werden, daß über ihre Persönlichkeit kein Zweifel besteht. Sie sind in erkennbarer, ununterbrochener Reihenfolge aufzuführen. Die Wahlvorschläge sollen mit einem auf die Parteistellung der Bewerber hinweisenden Kennwort versehen fein; fehlt das Kennwort, so gilt der Name des ersten Bewerbers als Kennwort. In jedem Wahlvorschlage muß ein Vertrauensmann und ein Stellvertreter bezeichnet werden, die zur Abgabe von Erklärungen gegenüber dem Landeswahlleiter bevollmächtigt sind. Fehlt diese Bezeichnung, so gilt der erste Unterzeichner als Vertrauensmann, der zweite als sein Stellvertreter. Die W<ahl- Vorschläge müssen von mindestens 7 000 Wählern unterzeichnet sein. Handelt es sich um Wahlvorschläge von Parteien, die im letzten Landtag während der gesamten Dauer der Wahlperiode vertreten gewesen sind, jo genügt die Unterzeichnung von min*
bestens 50 Wählern.
Die Unterzeichner schriften die Angabe Wohnortes und ihrer
der Wahlvorschläge ihres Berufes oder Wohnung beifügen.
Vorschlag Untcrschriftsbogen beizugeben, so am Kopfe den Abdruck des Wahlvorschlags
sollen ihren Unter« Standes und ihres Sind einem Wahl» müssen diese Bogen tragen. Die Unter»
schriften sind innerhalb eines Bogens mit fortlaufenden Zahlen zu versehen: auf einer Seite sollen nicht mehr als 20 Unterschriften stehen. Einlagebogen sind nicht zugelasien.
Die Unterschriften unter den Wahlvorschlägen und Unter» schriftsbogcn sind auf der Bürgermeisterei zu vollziehen. Die Unterschrift ist eigenhändig zu vollziehen. Vorher ist von dem die Unterzeichnung überwachenden Beamten der Bürgermeisterei zu prüfen, ob der Betreffende unterzeichnungsberechtigt ist, d. h. ob er in der Wählerliste steht und nicht in der Ausübung feines Wahlrechtes behindert ist, oder einen Wahlschein erhalten hat.
Die Bürgermeistereien sind verpflichtet, die ihnen vom Ver» traucnsmann oder besten Stellvertreter oder deren Beauftragten zur Sammlung der erforderlichen Unterschriften .zugehenden Wahlvorschläge und dazu gehörige Unterschriftsbogen entgegen- zunehmen und zur Unterzeichnung durch die Wahlberechtigten auszulegen. Die Bekanntmachung von Auslegungsort und -zeit bleibt den Beauftragten überlasten. Bei der Vereinbarung über die Auslegungsstunden sollen die Bürgermeistereien weiteste» Entgegenkommen zeigen, damit den Bedürfnissen der örtlichen Bevölkerung ausreichend Rechnung getragen wird. Spätesten» am 27. Oktober 1927 sind die Wahlvorschläge und Unterzeich» nungsbogen durch die Bürgermeistereien mit Bescheinigung, die unentgeltlich zu erteilen ist, abzuschließen. Die Abholung der Wahlvorfchläge und Unterschriftsbogen ich Sache des Vertrauensmanns oder besten Beauftragten.
Für jeden Wahlvorschlag sind mit der Einreichung bei dem Landeswahlleiter einzuzahlen:
1- 200 Reichsmark als Beitrag zu den Kosten der Herstellung und Versendung der Stimmzettel:
2. 5 000 Reichsmark. Handelt es sich um Wahlvorschläge von Parteien, die in dem letzten Landtag während der gesamten Dauer der Wahlperiode vertreten gewesen sind, so bedarf es der Einzahlung der 5 000 Reichsmark nicht. Die Einzahlung dieses Betrages kann erfolgen: durch bare Aushändigung an den Landeswahlleiter in kursfähigem deutschen Gelde oder durch Bank- oder Poftschecküberweisung an die Hauptstaatskoste.
Erst mit der Einzahlung der vorgenannten Beträge gilt der Wahlvorschlag als tingereicht.
Mit dem Wahlvorschlag sind weiter einzureichen:
1. die Erklärung der Bewerber, daß sie der Aufnahme ihrer Namen in den Wahlvorschlag zustimmen:
2. die Bescheinigung der Bürgermeisterei, daß die Bewerber am Wahltage das 25. Lebensjahr vollendet haben und vom Wahlrecht nicht ausgeschlossen sind:
3. die Bescheinigung der Bürgermeisterei, daß die Unterzeichner des Wahlvorschlags in die Wählerliste oder Wahlkartei eingetragen oder'mit einem Wahlschein versehen worden sind:
4. eine Uebersicht über das Gesamtergebnis der Unterschriften auf den Unterschriftsbogen:
5. die Erklärung des Vertrauensmannes, ob der Wahlvorschlag von einer Partei ausgeht, die im letzten Landtag während der gesamten Wahlperiode vertreten gewesen ist. Die Partei und die Namen ihrer Vertreter im letzten Landtag sind dabei anzugeben. Dieser Erklärung ist eine Beglaubigung des Präsidenten des Landtags beizufügen: