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Erscheint: Samstag».

Bezugspreis 40 Psg monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr Für Aufbewahrung ober Rück» feubung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert

40. Jahrgang

Politische Tagesschau.

Gestern nachmittag trat da» Reichskabinett einer Sitzung zusammen, um sich mit dem Reich»hau»halt

Die Memelländer, die bisher noch keinen Präsidenten ihres Direktoriums erhalten haben, da derselbe den Mehrheit». Verhältnissen im Lande nach, kein Litauer sein dürfte, wollen sich beschwerdesuhrend an den Völkerbund wenden.

Dav Zentrum vertagt feine Stellungnahme zu dem Problem: Reich und Länder und Einheitsstaat.

1828 und ben damit zusammenhängenden Fragen zu befassen.

Im Kasseler Bezirk ist heute mit der Aussperrung von 20 00 Tabakarbeitern zu rechnen.

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Die Oppositionsführer sind aus der Kommunistischen Par­tei in Rußland ausgewiesen. Darunter Trotzki, Sinowjew, Kamonew und wahrscheinlich auch Radek.

Mussolini für Italien. Das schaltet.

schafft ein Wirtschaftsparlament allgemeine Wahlrecht wird dabei ausge.

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'Waren!

Die Verlobung

des italienischen Kronprinzen mit der

gischen Prinzessin Maria Jose steht unmittelbar bevor.

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Der reparationspolilische Busschuh.

Mit der Einsetzung des reparationspolitischen Ausschusses, die das Kabinett beschlossen hat. ist nunmehr ein Plan verwirk­licht worden, der bereits angekündigt war. In dem Ausschuß werden das Finanzministerium, das Auswärtige Amt, das Wirtschaftsministerium und das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft vertreten sein. Mit der Bildung des Aus­schusses ist der Plan der Berufung eines Reparationskommissars erledigt.

81 Millionen Mark Hindenburgspende.

Das offizielle Schlußergebnis der Hindenburg-Spende wird etwa 8,5 Millionen Mark erbringen und zwar liegen die Bar­erträge zwischen 6,3 und 6,5 Millionen und der Erlös aus Hindenburgmarken bei 2 bis 2,5 Millionen. Am schlechtesten hat Berlin abgeschnitten. Die Kosten für die Hindenburgspende betragen etwa 1 Prozent der Gesamteinnahme und zwar genau 63 671 Mark.

Aussperrung von 55 000 rheinischen Textilarbeitern.

Am Dienstag sanden Verhandlungen im Lohnstreik des rrchtsrheinischen Textilbezirk» vor dem Vorsitzenden des Schlich- tungsausschusses für das bergische Land statt. Es wurde keine Einigung erzielt Es tritt nunmehr die von den Arbeitgebern beschlossene Aussperrung in Kraft. Don Donnerstag an ist mit der Gesamlaussperrung von 55 000 Textilarbeitern begonnen worden.

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Zum Fall Fuchs.

Tarm stabt. Die eingehende Vernehmung von Fuchs durch einen vorgesetzten Ministerialrat hat stattgefunden. Das Er­gebnis ist selbstverständlich streng geheim. Inzwischen melden sich zahlreiche Gläubiger, die alle von Fuchs Gelder aus Dar­lehen, Wechseln, manche in dreistelligen Zahlen, zu erhalten haben. Wir hören weiter, daß Fuchs auf Grund der Vorkomm nisse aus der Sozialdemakratischen Partei ausgestoßen wurde.

Unglaubliche Methoden in Süd-Tirol.

Wie aus Bozen gemeldet wird, haben die amtlichen Bür­germeister von Südtirol zweifellos auf höheren Befehl den Er laß Herausgegeden, wonach Inschriften auf Grabsteinen nur in italienischer Sprache hergestellt sein dürfen. Bis zum 30. No vcmbcr sollen alle deutschen Grabinschriften durch italienische ersetzt werden und, falls dies nicht geschieht, sollen Strafen verhängt werden.

DerManchester Guardian" schreibt dazu, daß eine solche Entscheidung so absurd wäre, daß man kaum an sie glauben könne. Wenn sich die Nachricht bewahrheiten sollte, so würde das faszistische Regime durch die Oefsentlichkeil zum Verzicht auf eine solche Maßnahme gezwungen werden. Es sei eine Art perverser Patriotismus, der seine Opfer bis zum Grabe und darüber hinaus verfolge.

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Für den Zusammenschluß des Mittelstandes.

In einem Aussatz in der ..Vossischcn Zeitung" vom 11

tober hat sich das gcschäftsführcnde Vorstandsmitglied der Haupi gemeinschaft des deutschen Einzelhandels. Odcrregicrungsrat a. D. Dr. Tiburtius, mit der Frage des Zusammenschlusses des Mittelstandes eingehend befaßt. Er führte u. a. aus, daß es für die gesamte Wirtschaftspolitik von großem Gewinn wäre, wenn es zunächst gelange, die großen Gruppen des Handwerks. Einzelhandels und der Bauernschaft auf gewisse Grundgedanken zu vereinigen. Ein solcher programmatischer Zusammenscbluß wäre keine Kriegsansage an Außenstehende, sondern ein Schritt staatsbürgerlicher Entwicklung innerhalb dieser Gruppen. In großen, für die Oeffentlichkeit bestimmten Kundgebungen aus anderen Kreisen nahmen Hilferufe und Forderungen an den Staat häufig einen recht breiten Raum ein. Eingehendere Prü-

Druck. Verlag und Expedition:

G i « tz e ». Sädanlage 21 Fernsprecher Nr 1362 Postscheckkonto Nr. 8427 Amt Frankfurt a. M.

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Samstag, den 12 November 1927

Nummer 46

fung der Standespolitik. wie sie wenigstens die Spitzenverbände und amtlichen Berufsvertretungen von Einzelhandel und Hand­werk in den letzten Jahren vertreten haben. zeige im Gegensatz zu jenen Kreisen die vorwiegend weit liberaleren, natürlicheren Auffassungen des Verhältnisses zwischen Staat und Wirtschaft Grundsätzlich werde die Nichteinmischung des Staates vor der Kontrolle, sogar auch vor der direkten Hilfeleistung bevorzugt.

Die Idee der Mittelstandskredite, an denen wohl niemand Freude gehabt habe, sei nicht in den Berufsverbänden, sondern im hohen Reichstag geboren worden. Man wünsche nachdrücklich den Abbau staatlicher und gemeinschaftlicher Wirtschaftsdetriebe. mit Ausnahme gewisser traditioneller Bereiche öffentlicher Wirt, schaft, wie des Verkehrswesens. Soweit der Fiskus Privatwirt' schaft noch betreibe, soll er sie von seinen öffentlich-rechtlichen Monopolbefugnissen trennen und weder Steuerbefreiungen noch Zwangsgewalt beanspruchen. Steuerpolitische Gleichheit der Bedingungen werde auch gegenüber den Konsumvereinen ge- fordert, Konsumentenbewegungen der Beamten seien weder zu verbieten noch zu unterstützen. Gegenüber den Lieferanten (und Konkurrenten) in Industrie und Großhandel wünschten Einzel- handel und Handwerk kein Verbot von Kartellen, auch keine Karlellpolizei, sondern eine gerecht wägende Gerichtsbarkeit, die zur Befreiung von gemeinschädlichen Verbindungen im Einzelfalle verhelfe.

In der Zollpolitik hätten sich Handwerk, Einzelhandel und größere Teile der Bauernschaft gegen Zölle und Brotgetreide und Futtermittel erklärt: dagegen wären Zölle für hochwertige Veredlungsprodukte in mäßigen Grenzen zuzulassen und die In- dustriezölle im wesentlichen nur als Vcrhandlungswafse für die Handclsvcrtragspolitik anzuerkennen.

Grundsätzlich sei somit die Tendenz zu einem gemäßigten wirtschaftlichen Liberalismus festzustcllen. Sie könne geklärt und ins Allgemeine und Staatsbürgerliche hineingesteigert werden. Es fei bedeutungsvoll genug, durch Sammlung der geistigen Kräfte die Wirksamkeit liberalen Selbstvertrauens auch im Innern der Mittelstandsgruppen zu stärken.

30 Jahre Landesverband hessischer Bürgermeister.

Frankfurt a. M. Am letzten Montag hielt der Landesver band hessischer Bürgermeister hier seine 21. Hauptversammlung ab, mit der gleichzeitig das 30. Stiftungsfest verbunden war. Als Vertreter der hessischen Regierung war Ministerialrat Dr. Weber erschienen, ferner waren bei der Tagung anwesend fast sämtliche Kreisdirektoren Hessens, sowie als Vertreter des Deutschen Bürgermeisterbundes Oberbürgermeister a. D. Dr. Herrfurth. Auf der Tagesordnung stand neben der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten und fachwissenschaftlichen Vor­trägen als Hauptprogrammpunkt das durch die Aufhebung der alten Richtlinien geschaffene Desoldungsverhältnis der Bürger- meister. Es gelangte folgende Entschließung zur Annahme:

Die in Frankfurt am 7. November 1927 versammelten Bür germeister der Landgemeinden Hessens fordern von der Regie­rung und dem Landtag, daß in der zu erlassenden neuen ©c meindcordnung die Rechte der Bürgermeister, insbesondere hin sichtlich einer angemessenen Besoldung wie bei den Staatsbe­amten gewahrt werden und daß ein Rechtszustand geschaffen wird, der willkürliche Angriffe ausschließt."

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Lokale».

Sonntagsgedanken.

Golden war die Sonne im Westen hinabgefunkcn. Noch einmal küßte sie den schweigenden Wald und die Spitzen der Berge. Dann war sie in ihr Zelt gegangen. Und Abendglocken gaben der Stunde die heilige Weihe.

Dämmerstunde! -

Das Wort weckt eine stille Welt auf, ruft heimliche Geister zu uns, die die Morgenhelle nicht lieben und die Strahlen der Sonne fliehen. Die Gegenwart versinkt, vergangene Zeiten stet» gen empor. In des Menschen Brust wird es laut, wenn der Abend die Stille brachte. Nur die alte Uhr takt ihren Ton wei­ter.

Droben am Himmel sind die Stern Itin erwacht und blicken freundlich in die dunkle Stube. Aus unendlichen Weiten. Und traulich läutet ein Abendglöcklein zur Ruh'.

Dämmerstunde? Stunde heimlicher Schönheit, stillen Reich tums. Wer sie versteht, kann sie zum Gottesdienste machen. Schauen wir empor zum Lichtermeer, wo aus einer fernen Welt uns tausend Rätsel aufgegeben werden. Wachen drüben über den Sternen sie, die wir in solchen stillen Stunden suchen? Der Vater, die Mutter, das Kind? Und sind sie bei ihm. zu dem sie beteten? Und wann kommt der Abend, an dem du gerufen wirst?

Wer wird losen die ewigen Fragen der Menschheit? Glück­lich jene, die schon wissen, was hier auf Erden die Menschen- Herzen noch quält.

Einmal kommt auch für dich der klare Augenblick, wenn du ins Strahlenlicht jenes Reiches eingeben wirst, dessen Rätsel uns verborgen sind.

In schweigender Ehrfurcht vor diesen Geheimnissen werden wir groß. Und der Glaube an jene Gottcswelt ist unser sicheres Geleit auf dem Wege dorthin.

Es ist Abend. Auch das Glöcklein, das vom Berge den

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Adendfrieden ins Tal läutete, ist zur Ruhe gegangen. Nur die

-vt'trnlein grüßen noch aus einer fernen Himmelswelt

Ä^cnn müd des Tages letzte Stimmen schweigen Und Sehnsucht sich an blasse Sehnsucht schmiegt. Und möcht ich Dir meines Gottes Wohnstatt zeigen. Die fern im Dammerdlau der Sterne liegt.

Dann überkommt mich wundertiefes Ahnen.

Als führe Gott mich an der Vaterhand Aus dunklen Nächten dieser Erdendahnen Durch'» Sternenreich nach seinem Heimatland .

Waldfried.

Wie wird gewählt?

* Mit Rücksicht daraus, daß durch falsche Kennzeichnung der Stimmzettel bei den vorhergehenden Wahlen stete ein erheb­licher Prozentsatz der abgegebenen Stimmen ungültig war, wird amtlicherseits nochmals auf folgendes Hingewiefen: Die Vorschriften der Landeswohlordnung erklären solche Stimmzettel für ungültig, aus deren zulässiger Kennzeichnung der Wille des Wählers nicht unzweifelhaft zu erkennen ist. Die Stimmab gäbe erfolgt derart, daß der Wähler durch ein auf dem Stimm- zettel in den Kreis gesetztes Kreuz oder auf andere Weise kennt lich macht, welchem Wahlvorschlag er seine Stimme geben will. In § 45 Absatz 2 der Landeswahlordnung ist noch der Fall br sonders erwähnt, daß der Wahlvorschlag, dem der Wähler seine Stimme geben will, durch Unterstreichen kenntlich gemacht ist Aber auch andere Kennzeichnungen des gewählten Wahlvor- schlag sind zulässig. Z. B. können auch auf dem Stimmzettel außer dem gewählten alle anderen Wahlvorschläge durch» strichen sein. Dagegen wäre ein völlig durchgestrichener Stimmzettel ungültig, weil sich der Wille des Bdstimmcnden daraus nicht ersehen läßt. Desgleichen sind zerrissene Stimm» zettel ungültig. Sind aber von einem Stimmzettel nur einige Namen abgerissen und läßt sich nach der Art des Abreißens an nehmen, daß der Wähler nicht den ganzen Stimmzettel hat zer­reißen wollen, so ist der Stimmzettel noch als gültig zu er# achten. Leichte Beschädigungen berühren die Gültigkeit der Stimmzettel nicht. Die Kennzeichnung de» Wahlvorschlage», dem der Abstimmende seine Stimme geben will, darf aber nicht derart sein, daß der Stimmzettel alsmit Vermerken oder Vor­behalten versehen" anzusehen ist. Dann wäre er nach Absatz 1 Ziffer 5 des § 50 der Landeswohlordnung ungültig. So würde ein Zusatz, der die Beleidigung eines Wählers enthält, den Stimmzettel ungültig machen. Auch sonstige Vermerke, die nicht zur Kennzeichnung des ÄLahlvorschlags, dem der Abstim» mende seine Stimme geben will, dienen, machen den Stimm­zettel ungültig Dagegen berührt die Unterstreichung oder sonstige Hervorhebung einzelner Namen des gewählten Wahl­vorschlags die Gültigkeit nicht. Im Interesse der Wähler selbst liegt es, wenn sie alle Zweifel dadurch ausschallen, daß sie das Kreuz in den Kreis anbringen. Das hat der Gesetzgeber mit seiner Bestimmung über die Kenntlichmachung der Stimme ge­wollt und nur so schützt sich der Wähler vor etwaiger Ungül» tigkeit seiner Stimme.

Die evangelische Kirchengemeinde erwarb das Haus Lud­wigsplatz 2 zum Preise von 38 500 Ji, um es als Wohnhaus für den hierher versetzten Pfarrer der neugebildeten Gemeinde am Kugelberg undPlattenhausen" zu verwenden.

# In diesen Tagen hält der Evangelische Bund hier in Gießen seine 40. Iubiläums-Landestagung ab. Heute, den 12. November, beginnt die Tagung mit Ehoralblasen vom Turm der Iohanniskirche. Am Abend findet in der Festaula der Universität eine öffentliche Versammlung statt, bei der der Pri­vatdozent der Universität Bonn, Dr. Schmidl-Iaping. über Protestantismus und Wirtschaft" sprechen wird. Morgen fin­den Festgottesdienste in den Kirchen Gießens und der ganzen Umgebung statt. In Gießen predigen der Generalfuperinten» dent D. Dr Schian-Breslau und Pfarrer D. Waitz Darmstadt. In der anschließenden Festversommlung wird Geh. Konsistorial- rat, Universitätsprofessor D. Mirbt Göttingen überDas Kon kordatsproblem der Gegenwart" sprechen. Am RochrAittag in der Stadtkirche und Iohanniskirche sind Ansprachen des Ge. neralsuperintendenten D. Dr. Schian, des Studiendirektors Fahrenhorst-Berlin, Direktors des Evangelischen Bundes und des Vorsitzenden des Rheinischen Hauptvereins, Pfarrer D. Kremers-Bonn, vorgesehen. Am Abend findet dann noch eine Begrüßungsversammlung in der Turnhalle anj. Oswaldsgarten und am Montag vormittag eine Abgeordneten und Mitglie­derversammlung statt.

Die Feier der Martusgemeinbe, die am letzten Sonntag in der Turnhalle ftattfand. zeigte einen überaus starken Besuch. An reich mit Blumen geschmückten Tischen fand man sich zu­sammen. Kirchenvorsteher Weller begrüßte die große Ver­sammlung und in buntem Wechsel folgten Gesang und Musik, Spiel und Vortrag. Großen Beifall fanden die schönen Lieder, welche der Frauenchor des Vogelsberger Höhenclubs sang, und die beiden Reigen, welche die Mädchen der Markus-Vereinigung aufführten. Der Posaunenchor des Wartburgvereins trug un­ter Führung von Kaufmann Schau b einige schöne Musikstücke vor. Ein geschichtliches Spiel,Luther in Oppenheim", zum Schluß betonte nachdrücklich die Bedeutung des Tages und gip­felte in dem gemeinsamen Gesang des LutherliedesEin feste Burg".