Samstag, den 10. Dezember 1927.
Gießener Zeitung
Nr. 50
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Längenwachstum sich gleichfalls strecken und damit eng werden, P:^ die Herz- und Kreislaufverhältnisse besonders ungünstig, u') hier ist auch Schonung am Platze, nie aber äußerste An- ür:ngung, wie sie besonders bei Wettspielen unb Kämpfen g<-- fordert wird, die gerade dem, in dieser Zeit besonders lebhaften Ehrgeiz der Jugendlichen entsprechen. Die Erkenntnis hiervon beginnt sich Bahn zu brechen, sie ist aber doch noch nicht so all; c tein Gebreitet, daß es mcht wünschenswert wäre, immer wirder daraus hinzuweisen.
Wenn so die Mutter etwas über die normalen Wachstum-
verhält irisse des Kindes weiß, wird fie sich manche überflüssige Sorge ersparen, zugleich aber durch verständnisvolle Fürsorge verhindern, daß ihrem Kinde Schaden erwach':
Das ^artr“ Geschlecht. Durch ein Inserat in dem 2mis«
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anzeiger suchte die tschechoslowakische Republick eine Kraft für den frei gewordenen Poften eines — Daraufhin sind 59 Bewerbungen eingelaufen, darunter Professors der Theologie (!) und die — einet Frau!!
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rb'vecht denken. Elisabeth hatte die Gelegenheit, Werners Herz stehlen, nicht gesucht. Häufiger als die Jüngere war sie als seine Pflegerin mit ihm allein gewesen. Dann sprachen seine Blicke nur von Liebe zu ihr, wie damals beim Schmcttorlings- fang auf der Veranda. Doch jetzt beim Nachdenken fiel ihr ein, daß nachmittags in 8Vald und Garten seine Augen und Hände nicht anders auch Elisabetah gesucht hatten. War er doch ein Schwankender und nie seines Weges sicher. Das batte ihn ihr teuer gemacht, weil sie wie den Kranken in seiner schwäche auch den Gesunden mit seinen Fehlern als ein Mütterchen zu behüten hoffte. Nur hatte sie vergassen, auch seine Liebe zu leiten. Darum fönte er sich verirren. Sie sollte ihm darum zürnen und^ blieb ihm gut. ^hr Droll galt Elisabeth, der alle Herzen zuflogen. Der Kopf schmerzte, aber noch mehr mußte sie sich quälen. Sic sah die Jüngere am Arm des De liebten. Jahre gingen im Flug. Die beiden alterten. Neben ihnen wuchsen Kinder auf_ Werner blieb schwankend und sei lies Weges nicht sicher. Elisabeth konnte ihn nicht stützen. Wenn sic bem Vaar aber gut und nahe blieb, fand er stets die leitende Hand des Mütterchens, das seiner Kinderchen liebe Tante war. Das schien ein Trost, an den sie sich klammern mutzte. Verzichten tat weh, bitter weh. Doch nur durch Ent '^gen konnte sie ihm nahe bleiben und durfte darum Elisabeth ihren Groll nicht zeigen. „Nein. Elisabeth! Wir müssen uns gut, immer gut bleiben!
Die Jüngere warf sich über sie. Doch auch in der Um- ormung lösten Gerdas starre falte Glieder sich lange nicht, oic meinte, und mit ihr Elisabeth, ohne zu wissen warum.
Die Nacht schien Gerda unenblim und doch kurz gegen kommende lange Tage, deren jeder nun wohl zur Sorge um Seben und Gesundheit des Geliebten das bittere Weh des Verachtens und Groll auf die glücklichere Schwester brachte.
Bald lagen drei Briefe von Werner auf dem Frühstücke 'um. Stinte Bärbchen reichte den für sie bestimmten Onktel und Nichten. Die Mädchen sahen aneinander vorbei, als sie die ihren ungeöffnet aus dein Zinnncr trugen. Gerda ging ,uin Leien in den Wald, aber hielt die Blätter auch wieder unter vre Augen, als sie mittags vor dem Umkleiden am Fen nor des Schlafzimmers stand. Zu spät dachte sie beim Nahen von Annen im Korridor,.....
trat ein und sa
Blätter
zu verstecken. Elisabeth
. -..... - unverständlicher Zorn iKrmmic plötzlich ln ihrem Gesicht. Jhc Miem ging kurz Ihre , ttpwn bebten. Mit baümnlelnbcn Augen trat sie näher: „ll NN was schreibt er dir?" '
„Elisabeth, warum erregst du dich?" Gelassen gab Gerda ihren Brief der Schwester. Die riß ihn an sich und las ihn in fiebernder Hast. Enttäuscht oder verlegen ließ sie die Arme sinken und wollte schon ein Wort der Entschuldigung sprechen. Da rötete wieder der Merger ihr Gesicht. Sic stieß den Fuß auf die Dielen und schalt höhnisch: „Genau wie dir schreibt er auch mir .... „liebe Kusine" und „getreuer Vatter"." —
Jede Woche brachte ähnliche Briefe. Stets schrieb Wer ner wie an Elisabeth auch an Gerda. Das ärgerte die Jüngere. Doch auf Vorwürfe in ihren Antworten bat er nur um Geduld. Eine Zufall könne seine Briefe in die Hände von Onkel und Tante bringen, und Premierleutnants bürsten vorläufig von dem Kuß nichts ahnen. Das verdarb ihre Freude an der Verlobung. Es wäre schön, aller Welt als verlobte Braut zu gelten. Doch ihm fehle der Mut, seine Liebe zu bekennen. Ihre mürrische Miene schien während des Herbstes schlechte Laune ins Haus zu tragen. Oft suchte sie Zank mit der Schwester, die täglich mehr Arbeit fand. Im Dezember übernahm Gerda auch das Packen der Weihnachtskisten für Soldaten aus dem Dorf und verwandte oder bekannte Offiziere. Eine.gina an Vetter Kurr Drewitz, den Kapitänleutnant und U-Boot Kom Mandanten, der Priedelsdorf erben sollte. In einem Dankes brief schrieb er noch vor dem Fest, sein Boot sei in der Werf:. Darum nehme er die Einladung der Verwandten mit Freude an. Jetzt war fast nur noch von feinem Besuch bic Rede. Onkel und Tante wünschten ihn als Kriegshelden feierlich zu emp- faiMcn. Die Zertungen hatten berichtet, er habt nach dem englischen Kreuzer im Kanal nach einen französischen Zer störer im Mittelmeer und während seiner einzigen Fahrt 23 0W Tonnen an feindlichem Schiffsraum versenkt. Elisabeth klatschte in die Hände, als der Onkel davon erzäl)lte, und bat Tante Bärbchen um den Schlüssel zur Rumpelkammer. Unter bem
Dach barg dort ein Koffer das ihr einst von Kurt geschenkte blaue Bordiackctt. eine Mütze, eine Schärpe und eine Aermel kröne. Nachmittags sah Gerda sie das Tuch bürsten und das Metall pu^cn. Pustend sa „3u W«
ch Elisabeth von der ungewohnten Anstrengung auf: „3u Weihnachten mu£ er mir auch einen Dolch schenken Der ist zu niedlich und mel hübscher als Wcr-
ners Seitengewehr. Wenn er das goldene Dingelchen über dem blauen Paletot trägt und die Hand an den Elfcnbeingrijf logt, klirrt das Kettchen mit Musik."
Die Aeltere schüttelte den Kopf. Elisabeth schien zu glau den, der Besuch des Vetters gelte ihr. die doch Braut eines
anderen war. Trotzdem trug sie die Aermelkron« als Brosche wieder zu Gängen auf den Bahnhof und in die Stadt. Tort und im Torf erzählte sie vom Kommen des schon berühmten U-Boot-Helden. Bald baten die Dulsleute, den künftigen Herrn festlich empfangen zu dürfen. Onkel Karl er wärmte sich für den Vorschlag, gab Geld für Blumen und per- suchte, Verse für eine Begrüßung zu reimen
Fortsetzung folgt.
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.Spiel am Schloß .
Erstaufführung.
Gestern wurde im Stadttheater Fran', Molnar's Komödie ; — Anekdote nennt der Verfasser fie — „Spiel im Schloß" zar Erstaufführung gebracht. Der Inhalt, wie immer, zwei Liebenden, durch Zufälle auseinandergebracht, finden den üblichen Ret- ter, die ihnen und dem Stück zum glücklichen Abschluß verhilft Doch konnte Molnars Slofsbchandlung gefallen. Nur vom Vorteil wurde es allerdings sein, wenn besonders im zweiten Akt der etwas gezwungen anmutende Dialog zwischen Darsteller und Publikum „Wie würde ich dieses auf der Bühne darstellen" und im 3. Akt die dem Publikum so betont an den Kopf geworfenen Lebensweisheiten korrigiert werden konnten. Schauspielerisch wurde sehr gut gearbeitet. Herr Goll und Herr Tannert (Spieb leitung) als Librelisten waren wie immer gut. (Eine Frage jedoch: Muß die Rolle an allen Stellen so nonchalant durchge» führt werden?). Herr Baste, der Dritte im Bunde, wird sich auch mit dieser Rolle wohl wieder besonders in die Herren seiner Zuhörerinnen hineingespielt haben Tic Schauspielerin, die und wie sie ist, kreierte prachtvoll Fräulein Aker Krahmer. Herr Geffers wußte sich mit seiner meist recht derben Rolle gut abzufinden. Die Herren Linkmonn und Kurzhoff paßten fich gut in ! das Ganze ein. Das fast ausverkaufte Haus dankte mit reichte 1 Beifall,
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