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Sametau, Den 9 21 pril 1927.
9h
Die Arbeitslosigkeit 1926.
3m Jahre 1926 waren bei den Arbeitsnachweisen als arbeitssuchende Personen gemeldet (jeweils
Schluß des Monats) in Millionen!
Januar 2,195 MlU.
Februar 2A4U ,
März 27x2») „
Apilt /<7.< „
Mai 2, <47 „
Juni 2,337 „
Juli 2^51 MiU. nuguü 2,147 „
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Danach hätte also der mittlere Stand der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahre ungefähr 2,28 Millionen betragen. Wenn man, der Aussage führender Wirtschaftler folgend, eine Zahl von 250—300 000 Arbeitslosen als Normalstand ansehen kann, so ergibt sich, daß wir infolge der Veränderung der Wirtschansftruktur ein Arbeitslosenheer haben, das um .zwei Millimten zu groß ist. Dr. H e i ch e n knüpft in einem Aufsatz der Presse an diese Tatsache folgende Berechnung, die in ihren Einzelheiten gewiß anfechtbar ist, aber immerhin einen Eindruck gibt, in wie starkem Maße die gegenwärtige Masienarbeitslosigkeit die Volkswirtschaft belastet. Legt man 300 Arbeitstage im Jahre zugrunde, so haben die Arbeitslosen 600 Millionen Arbeitstage nicht geleistet, was einem Erzeugnisausfall im Werte von etwa 2,4 Milliarden Mark gleichkommt. A^enn man im Anschluß an die Denkschriften des Reichsoerbandes der deutschen Industrie und des Allg. D. Gcwcrkschastsbundes ein jährliches Volkseinkommen von rund 50 Millarden annimmt, so ergibt sich eine Vorbelastung des Volkseinkommens von 5 Prozent pro Jahr, gewiß ein sehr beträchtlicher Ausfall. In diesem Zusammenhang weist Dr. H e i ch e n auch mit Recht darauf hin, daß die Wirkungen der vielerörterten Rationalisierug der Industrie vom Standpunkt des üo! ^wirtschaft liehen Gesamtnutzens aus betrachtet, keineswegs eindeutig erscheinen.
,,Was die Wirtschaft und was die Produktion auf dem Unfoftenfonto durch erfolgreiche Rationalisierung gewonnen hat, das ist durchaus kein Gewinn, her ihr hundertprozentig zugute kommt, sondern dieser Gewinn geht zum Teil wenigstens wieder auf dem Steuerkonto verloren. Denn die Kosten für die Unterhaltung eines ungeheuer großen Arbeitslosenheeres, das zum Teil ein Produkt eben dieser Rationalisieruna ist, mästen vom Fiskus, d. h. vom Steuer- zabler, aufgebracht werden."
Allerdings läßt sich die finanzielle Gesamtbelastung nicht genau ersassen.
Die preußische Gewcrbcertragssteuercrklärung vom 11. bis 30. April 1927.
Durch einen Erlaß der beteiligten preußischen Ministerien vom 16 März 1926 wird, wie der Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und Industrie mitteilt, angeordnet, daß die Gewerbe- irtragsitcucrcrllärung für das Jahr 1927 in der Zeit vom 11 bis 80. April 1927 abzugeben ist. Ter Hansa-Bund hat für die Abgabe dieser Steuererklärung ein besonderes Merkblatt mit den wichtigsten Bestimmmungen zufammengefteUt. Es ist bei der Hauptgeschäftsstelle des Hansa-Bundes, Berlin NW. 7 Dorothccnstraßc 36, erhältlich.
tënr Kochen,'Spü'.^ die genebelt
24 000 Metallarbeiter ausgesperrt.
Donnerstag früh find in der Metallindustrie Niederschlesiens 24 <100 Metallarbeiter ausgesperrt worden. Die Betriebe werden zu dieser Maßnahme veranlaßt, weil die Teilstreiks in verfchie-
^schmerze,,
denen Betrieben, die am benbe Schiedsverfahren wurden.
1. April ohne Rücksicht auf das schwe- ausgebrochen sind, nicht eingestellt
Bor 100
Jahren und heute.
Nach Feststellungen des Reichsernährungsministers wohnten vor etwa 100 Jahren noch rund 90 Prozent aller Deutschen in eigenen Häusern und nur 10 Pro
em in fremden zur genau umgekehrt.
Miete. Heute ist das Verhältnis
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öcs Vereins für
Werbewoche
Sos Deutschtum im Nusiaud
In einer Zeil, in der wir überall im deutschen Volke Spa' tunet und Zerristenheit nackr Parteien und Bekcnnlnisteu, noch Stämmen und Ständen, nach Bewohnern von Stabt und Lank mit tiefem Schmerz sehen müsten. verdienen alle Gemeinschaften und Vereinigungen, die auf dem Boden der Volksgemeinschaft arbeiten, reichste Unterstützung durch jeden wirklich vaterländisch gesinnten Bürger. Nur auf diesem Wege können wir dem
manchmal schier unerreichbar dünkenden Ziele der Volksgemeinschaft näher kommen.
Zu den Vereinen, die auf diesem neutralen Boden für die Gemeinschaft gehört auch der Verein für das
wahren
arbeiten
Deutsch
tum im Ausland, kurz D. D. A. genannt. Er hat sich die Auf gäbe gestellt den vielen Millionen Teutschen, die nicht oder nicht mehr das Glück haben, im großen deutschen Vaterland zu leben, zu helfen bei der oft schwer bedrohten Erhaltung ihrer
deutschen ÄuIturfprodK und Eigenheit. Eine der Hauplauj gaben M dabei die Sorge für deutsche Schulen, denn wenn das da draußen Heranwachsende Geschlecht nicht mehr deutsch spricht wird es für unser Volkstum sicher verloren sein.
Auch in Hessen besteht ein solcher V D. A., weitverzweigt in den Städten und Städtchen, namentlich in treuer Arbeit gesör bett durch unsere Jugend an höheren Volksschulen. — Aber zu jeder Arbeit gehören Mittel, und um diese in höherem Maße aufzubringen, plant die Leitung des Verein eine großzügige Werbewoche im Monat Mai. Eine Woche lang soll versucht werden, weiteste Volkskreise für den B. D. A.-Gedanken zu gewinnen, zu begeistern und l-azu zu bringen, ein Echerflein zu dieser wichtigen Arbeit deizustcuern. Die Verschiedensten Der anstaltungen werden hierfür von den Arbeitsausschüssen an den einzelnen Orten vorbereitet. Wir werden demnächst näher hier über berichten. Heute wollen wir nur noch Hinweisen aus den soeben zur Veröffentlichung gelangten Aufruf, den die fuhren den Persönlichkeiten unseres Hessenlandes hinausgehen lassen an alle, die willens sind, mit dem V. D. A. auf gemeinsamer Basis zu wahrhaft nationaler Arbeit sich zusammen zu finden. Daß der D. B. A. wie kaum ein anderer Verein geeignet ist, die auseinanbcrftrebcnben Kräfte unseres Volkes zusammen- Zufuhren, über alles Trennende hinweg, beweist die Zusammensetzung des Ehrenausschusses, der diesen Ausruf unterzeichnet hat. An der Spitze finden wir den Staatspräsidenten Ulrich, daneben Die Minister von Brentano, Henrich, Raab. Die verschiedenen kirchlichen Bekenntnisse sind in gleicher Weise vertreten: neben dem Prälaten der evangelischen Landeskirche, Dr. Diehl, lesen wir die Namen des Bischofs der Diözese Mainz ,Dr. Hugo, und des Oberrabiners Dr. Italiener. Der Präsident des hessischen Landtags, Bürgermeister Adelurg Mainz, fehlt hier auch nicht Die Führer ;ön ilicher Parteien von rechts nach links bebm ihren Namen unter den Aufruf gefetzt. Wir finden die Namen der Abgeordneten v. Helmoli, Prof. Dr. Werner, Dingelden, Cberjdiulrai Hoffmann, Rektor Reiber und Kaul. Die Tatsache, daß unsere Jugend in vorderster Linie mitarbeitet in der B. D. A Sache, erhellt daraus, daß wir neben den Vorständen aller Lehrervereine aus das Landesamt für das Bildungswesen vertreten finden, Ministerialdirektor Urstadt, Staatsrat Block, Oberfcbulrat Jung und Schulrat Hassinger. Die Vorsitzenden ter Iugendverbände fehlen natürlich ebenso wenig, wie diejenigen der Vereinigung, die für die Dolkswohlfahrt im weitesten Sinne sorgen: Rotes Kreuz, Gustav-Adolf-Vcrein, Caritas- Verbände, die Universität und die Technische Hochschule sind durch ihre Rektoren vertreten, die Studentenschaft durch ihren Kreisleiter. — Aber nicht nur die Jugend soll mitarbeiten, nein, alle Bürger will die Werbewoche erfassen und so gehören selbstverständlich auch die berufsständigen Vereinigungen und ihre Vorstände zu dem Ehrenausschuß, die Industriellenvereinigung, Handels--, Landwirtschafts- und Handwerkskammern, sowie die freien Gewerkschaften und die für die Aufklärungsarbeit unentbehrliche Presse. Die Reihe der führenden Persönlichkeit wird geschlossen durch die Namen der Provinzialdirektoren. Kreisdirektoren und der Oberbürgermeister. — Hoffen wir, daß cs den Kräften, die in einmütiger Arbeit am Werke sind, gc» liirgt, gute und erfolgreiche Arbeit für die schöne Sache zu leisten. Die Namen des Ehrenausschusses werden sicher dazu beitragen, ihr neue Freunde und Gönner zu gewinnen. Ueber die spätere Ausgestaltung der Werbewoche werden wir unsere Leser auf dem Lausenden halten. Dr. Götz.
Wotbtnrütkblilk
In China ist die Lage wieder sehr gespannt. Die Kantonesen legen in Schanghai in unmittelbarer Nähe der europäischen Konzessionen Schützengräben an, ein bedenkliches Zeichen. Zahlreiche Fremde verlassen nun das Innere des Landes, da für das Leben der Ausländer keine Garantie gegeben werden kann. Die Kanto- nesen setzen ihren Vormarsch in der Richtung auf Peking fort. Sie müssen in kürzester Zeit auf die Befehlsbereiche anderer Generale stoßen, deren Stellung bis jetzt unklar ist. Der Konflikt Jugoslawien-Italien hat immer noch keine Lösung gefunden. Während Italien behauptet. Jugoslawien würde an der albanischen Grenze rüsten, behauptet dieses Land, Italien unterstütze Albanien mit Wassen und Instruktionsosfizieren. Die Großmächte haben trotz aller diplomatischen Kniffe noch seinen Ausweg entdeckt. — Italien empfängt in diesen Tagen den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Graf Bethlen. der die Donau- und Adriafrage aufroL len wird. Ungarn wünscht einen Zugang zum Meer. Man darf auf das Verhalten Italiens gespannt sein.
In Marokko ist anscheinend ein Nachfolger Abdel Krims erstanden, der zunächst den Spaniern schwer zu schaffen macht Größere spanische Abteilungen sollen aufgerieben worden sein. Selbstredend dringen nur notdürftige Nachrichten durch, die auch noch durch die ironische Zensur geben. — Mit Frankreich gelangte ein Handelsabkommen zum Abschluß, das unserem Win- -crnand schweren Nachteil bringt. — Die Deutsche Volkspartei hielt ihre fünfte allgemeine Kulturtagung. Sie bat sich dabei entschieden gegen ein Konkordat ausgesprochen. Erfreulicherweise' Prof. Wentz-Minden prägte das Schlaaworli Das beste Konkordat ist kein Konkordat. Hoffentlich kommt diese Einsicht auch noch bei anderen schwankenden Parteien.
Vic Hessischen Kreis: unö provinzial-Umlagen mit 5 bis 6 Millionen Mark sind neue Steuerlasten, die 1914 nicht vorhanden waren.
Das hessische Gesetz vom 28 März 1924 über die Kreis» unD Provinzialumlagen wird im ..Darmstädter Tagblalt" Nr. X'i vom 6. Februar ds. Is als ein Grundstein für die ganze Verwaltungsreform. auch was die finanzielle Entlastung der Gemerndevoranschläge betreffe, bezeichnet. Dieser Grundstein ist weder Verwaltungsreform noch Geschäflsvcreinfachung. son bern Bürokratie schlimmster Art. denn die hessischen Steuer Mahler werden auf die umständlichste Art gegenüber 1914 mit ungefähr 5—6 Millionen Kreis und Provinzialumlagen (als neue Steuer) belastet Diese Summe ist es wert, daß darüber geschrieben und gesprochen wird. Diese neue Steuerlast scheint auch von den politischen Parteien zu wenig beachtet worden zu sein. Es ist auch anzunehmen, daß sie die steuerliche Be laftung des hessischen Volkes in ein anderes, noch ungünstigeres Licht stellt, wenn sie den übrigen Steuerlasten zugezählt wird. Früher wurden die alljährlichen Fehlbeträge der Provinzial» tasten auf die Kreistagen und die Fehlbeträge der Kre^skasten auf die Gemeindekasten im Verhältnis der Steuergrundzahlen umgelegt, was sehr einfach war, zudem keine Schwierigkeiten und keine nennenswerte Kosten verursacht hat. Die Gemeinde» Voranschläge aber anders ausgedrückt, die Gemcindekassen, sind durch die besondere Ausschlagung der Kreis und Provinzial Umlagen auf die Steuerzahler entlastet warben. Das Schlimm sie bei dieser steuerlichen Aenderung ist aber, daß die Gemeinde Umlagen nicht entsprechend der Entlastung der Gemeindevoran- schlägc von den Kreis- und Provinzialumlagen gesenkt worden sind Manche Gemeinden, besonders solche mit beträchtlichem Vermögen, wären ganz gut in der Lage, die Kreisumlage zu tragen. Die Veranlagung, Einziehung und Verrechnung der besonderen Kreis- und Provinzialumlagen in Höhe von 5 bis 6 Millionen Mark wird schätzungsweise einen Betrag von etwa 400 000 Rmk. losten, der, wenn man wieder zum früheren Uno Icaungsucrfabrcn zurückkehrtc, gespart werden könnte, was im Hierhin für die Steuerzahler eine Erleichterung bedeutete und für das kleine Land Hessen zu beachten und auszunützen sein müßte.
Vor dem Kriege hatte jede Kreis- aber Provinzialkasse einen mittleren Beamten als Rechner. Hilfskräfte waren fast keine vorhanden. Heute beschäftigen diese Kasten einen ganzen Stab von Personal. Ebenso ist es bei den Kreis und Pro» vinzialvcrwaftungen. Beim Umlegungsverfahren der Kreis» und Provinzialumlagen könnte ein großer Teil des Vorhände, neu Personals gespart werden. Weiter würden sich auch die Bürokostcn wesentlich vermindern. Die viel gerühmte deutsche Gründlichleit ist in den Büros meist weiter nichts, als büro. statische Umständlichkeit. Umständlicher wie die Veranlagung, Einziehung und Verrechnung der Kreis- und Provinzialumlagen geschieht, kann es wohl nicht gemacht werden. In den Gcmeindeumlagcn-Hebregiftcrn sind die Kreis- und Provinzial» umlagen besonders auszurcchnen, bei der Zahlung werden sie besonders gebucht, die Erlöste besonders ausgerechnet und oer» rechnet, in den Mahnbefehlen und Mahnzetteln besonders angeführt. die uneinbringlichen Kosten besonders verrechnet, allmonatlich sind Abrechnungen für die Kreis- und Provinzial, lasten zu fertigen usw. Die Gemeindekasten erhalten eine Hcb- gebühr von 3 Prozent aus den vereinnahmten Beträgen, womit die tatsächlichen Kosten aber nicht gedeckt werden.
In Preußen und anderen Ländern haben die Kreise und Provinzen kein eignes Steuerrecht. Die alljährlichen Fehlbeträge der kommunalen Kreis- und Provinzialkasten werden auch heute noch im Wege des Umlegungsverfahrens auf Kreis- und Gemcindekassen gedeckt. Was dort heute noch gut ist, kann in dem viel kleineren Land Reffen nicht schlecht sein. Bei dem Umlegungsverfahren in Preußen haben die Gemeindevertreter in Den Kreistagen und Provinziallandtagen ein großes Inter- eise an der finanziellen Gestaltung der kommunalen Kreis- und Prooinziallastcn, was sich vorteilhaft für die Steuerzahler aus- wirkt. Bei dem eigenen Steuerrecht ist dieses Interesse nicht so vorhanden und der mancherorts vorhandenen Ausbreftungs- und Dcrgrößerungssucht wird gar fein Widerstand entgegengesetzt. Es werden immer neue Aufgaben in Bearbeitung genommen, die Geld satten. Man vergißt ganz mit der Höhe der gesamten Steuerlast zu rechnen, sondern man rechnet nur noch mit dem Ausschlagssatz und um wieviel dieser erhöht werden muß An eine Verminderung der Steuerlast denkt man schon gar nicht mehr Die Wohlfahrtspflege ist das beste Ausbreitungsgebiet und die beste Begründung für neue Beamtenstellen und Personalvermehrung. Hier ist ein Apparat errichtet, der überorganisiert und abbaufähig ist.
Die hessischen Kreis- und Provinzialkasten müßten heute : "bedingt bei den Reichssteuerzuweisnngen sKraftfahrzeug-, Einkommen- Körperschafts- und Umsatzsteuer) mit dem Unk lc^unasvcriahren auskommen können, denn vor dem Kriege gab cs solche Einnahmeposten auch nicht. Wenn die Gemeindekasten angewiesen werden, die umgelegten Beträge vierteljährlich an ^c Kreiskasse abzuführen und die Befolgung dieser Anweisuna überwacht wird, bann genügt das Umlegungsverfahren zur Deckung der alljährlichen Fehlbeträge der Kreis- und Provin- zialkafsen.
Sollten jedoch Regierung und Landtag nicht auf das Umlegungsverfahren zurii(sichren wollen, dann kann aber eine ganz wesentliche Vereinfachung in der Veranlagung, Einziehung und