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40. ^«brgang

Aus dem hessischen Landtag.

Tie Durchführung der sozialen Gerichtshilse.

Die sozialdemokratische Fraktion beantragt: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, alsbald eine Vorlage vorzulegen, wonach auch an den hessischen Gerichten die soziale Gerichtshöfe unter Mit­wirkung der Bezirkssürsorgcverbände eingesührr und die notwendigen Kredite im Staatsvoranschlag 1927/28 eingestellt werden.

Die Begründung des Antrags lautet: An mehr als Su Gerichten Deutschlands ist die soziale Gerichtshilse eingeführt. Erst kürzlich hat das Reich dem Verband der sozialen Gerichtshilse in Anerkennung seiner segens­reichen Wirksamkeit einen Zuschuß von 10 000 Mark gewahrt. Die soziale Gcrichtshilfe ist nach dem Vor- Hib der Iugendgerichtshilfe ausgebaut und bezweckt die Erforschung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Rechtsbrechers, der Ursachen und Mo­tive seiner Tat. Zm Strafverfahren fehlte bisher ein Crgan, das diese Ausgabe zu erfüllen imstande und Willens war. Die Polizei hat sich lediglich mit der Aufklärung des strafbaren Tatbestandes zu besassen. Darüber hinaus ist es aber notwendig, auch die Per­sönlichkeit des Täters, seine Umwelt und alle die Fak­toren zu erforschen, die für seine Tat milbestimmend waren. Mur unter dieser Voraussetzung kann die Straf; tat richtig gewürdigt, die Strafe gerecht bemessen und der Strafvollzug im Sinne einer bessernden Einwir kung auf den Bestraften gehandhabt werden.

Die soziale Gerichtshilse ist das Organ, das diese Lücke in dem Strafverfahren ausfüllen will. Es ist dringend erwünscht, daß auch in Hessen dieses Hilfs- organ für die Gerichte und die Angeklagten Eingang findet. Wir schlagen vor, sie zunächst versuchsweise in Darmstadt, Mainz, Offenbach, Gießen und Worms ein- zuführen. In diesen Städten bestehen Wohlfahrts- ämter, die bereits seit längerer Zeit die Jugendgerichts- Hilfe mit Erfolg ausüben und die über eine Anzahl für diese Ausgaben vorgebildete und geschulte Helfer ver­fügen.

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Die Bahn wünsche der Provinz Hessen-Nassau.

Wie aus Berlin berichtet wird, beschäftigte sich der West- auofchuß des preußischen Landtages in seiner letzten Sitzung iL a. mit den Bahn wünschen der Provinz Hessen-Nassau. Ein Antrag auf tunlichste Berücksichtigung dieser Wünsche wurde angenommen.

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Bekämpfung der Brandstiftungen im Regierungsbezirk Kassel.

Der Landesausschuß des Regierungsbezirks Kassel hat an­gesichts der Tatsache, daß im ganzen Regierungsbezirk Kassel die Zahl der Brandfälle, bei denen vermutlich mit Brandstif­tung zu rechnen ist, groß ist. die von der Verwaltung der Hessi­schen Brandversicherungsanstalt zu ergreifenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Brandstiftung gebilligt.

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Empfänge beim Reichspräsidenten.

Der Reichspräsident empfing am Donnerstag den Reichs­minister des Auswärtigen Dr. Stresemann zum Vortrag.

Auch nahm der Reichspräsident den Besuch des Vorstandes be: Deutschen Auslandsinstitutes in Stuttgart entgegen. Die Herren überreichten dem Reichspräsidenten als Zeichen der Dankbarkeit für die Förderung, die er dem Zusammenhalt der Ausländsdeutschen mit der Heimat habe angedeihen lassen, das vierte Exemplar des von dem Institut für Verdienste um das Auslandsdeutfchtum geschaffenenDeutschen Ringen".

Der Reichspräsident empfing auch am selben Tage leitende Mitglieder desStahlhelms", welche dem Reichspräsidenten als dem Ehrenmitglied des Bundes das Treugelöbnis und die Gruße der Frontsoldaten, die sich am kommenden Samstag und Sonntag in Berlin versammeln werden, überbrachten.

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Das Gesetz über die Vorbildung der Geistlichen vor der Generalsynode.

Die Gcneraljynode nahm am Donnerstag in Berlin in dritter Lesung das Gesetz üocr die Vorbildung und Anstellungs- jähigkeit der Geistlichen an.

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Für die Erleichterung des deutsch-französischen Grenz- oerkehrs.

Ter Gcncralrar des Departements Stieben bei« nahm eine u. a. von den Abgeordneten Oberkirch unn Michel Walther unterzeichnete Einschließung an, in der im Interesse der deutsch- französischen Annäherung eine Erleichterung des Reiseverkehrs zwischen den beiden Ländern durch Beseitigung der gegenseitig zwischen den beiden Ländern durch Beseitigung der gegenseitig bestehenden kostspieligen und komplizierten Formalitäten ge­fordert wird.

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(Siebener Tageblatt)

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Sonnabend, den 7. Mai 1927

-lummer 19

Wochenrückblick.

Amerika wird im Augenblick beherrscht vom Ent­setzen über die furchtbare Hochwasserkatastrophc des Mississippi. Zahllose Dämme wurden gesprengt, sodaß sich bas Wasser über breite Gebiete verteilen konnte, um andere Gegenden und besonders die nahe am Flusse ge Icgcnen Städte zu retten. Ergreifende Szenen Spielten sich bei der Räumung der Gebiete ab. Sein Heim, müh Sam aufgebaut, kampflos dem Untergang durch die Fluten preisgeben zu müssen, ist für die Farmer ein schwerer Schlag. Ganze Distrikte mit Städten und Ortschaften stehen unter Wasser. Die Schätzung der Obdachlosen schwankt zwischen 300 000 und 500 000. Der Staatssekretär Hoover wurde zum Diktator des Ueberschwemmungsgebietes mit außerordentlichen Voll­machten ernannt. Im Augenblick ist das Elend noch gar nicht abzuschätzen. Im französischen Teil des Riffgebietes beginnen sich nun auch Unruhen bemerkbar zu machen, veranlaßt durch die Erfolge der Riffbewoh­ner gegen die Spanier. Frankreich hat zur Vorsorge die Vorposten verstärkt.- Italien führt Jugoslawien gegenüber weiter seine hochtrabende Sprache. England, bas zunächst sich als neutraler Vermittler einmischte, hat sich als Sekundant Italiens entpuppt. Anscheinend bestehen zwischen den beiden Staaten geheime Verträge, über die niemand etwas weiß. Der Völkerbund hat die absurde Absicht, sich eine Luftflotte zu schaffen. Mit anderen Worten: der Völkerbund rüstet. Warum auch nicht, könnte man sagen, sie rüsten ja alle^ Da­für ist aber gewiß der Völkerbund nicht da. Hat er eine Luftflotte, so kann er auch noch ein -Heer verlangen. So wird allmählich der Gedanke des Völkerbundes mit seinen Zielen vollkommen auf den Kopf gestellt. Run soll in der Schweiz die Weltwirtschaftskonferenz zusammentreten. Hierzu wird selbst einmal bas seither

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abseits stehende Rußland erscheinen. Schon diese Teil­nahme hat vor Beginn der Verhandlungen eine Sen­sation hervorgerufen. Man darf auf die Arbeit der Konferenz gespannt sein. Zwischen Stresemann und Briand fand anläßlich des 25jährigen parlamentari­schen Jubiläums Briands ein Telegrammwechsel statt, wegen dessen Inhalt der französische Außenminister scharfe Angriffe in der französischen Presse erleben mußte. Man ist in Frankreich absolut nicht auf Völ­kerversöhnung eingestellt. Belgien will ähnlich wie Frankreich an seiner Ostgrenze einen schweren Festungs­gürtel anlegen. Dabei hat das Land nun auch eine kleine Differenz mit Holland. Roch etwas verschnupft wegen der Ablehnung des Scheldevertrages in der zweiten Holländischen Kammer, haben sich belgische Reserveoffiziere dazu hinreißen lassen, in dem schmalen holländischen Zipfel von Holländisch-Limburg, der sich zwischen Deutschland und Belgien einschiebt, Flugzettel anzukleben mit der Aufforderung, bas Gebiet möge sich von Holland trennen und Belgien anschließen. Sogar einflugblattabwerfendes Flugzeug wurde in den Dienst dieses Separatismuses gestellt. Im Saargebiet ziehen langsam französische Truppen ab. Aehnlich wie in Nordamerika, nur in viel geringerem Umfange, kann man im Elbe-Havelgebiet von einer Hochwasserkata­strophe sprechen. Die Regierung hat die notwendigen Hilfsmaßnahmen sofort eingeleitet. Bremerhaven feierte das 100jährige Bestehen, wobei Stresemann eine bedeutsame Rede hielt. Der anwesende amerika­nische Botschafter unterstrich durch seine Rede die er­neuten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland. Die Post will zu einer 50prozen- tigen Erhöhung ihrer Gebühren schreiten, was lebhafte Beunruhigung hervorgerufen hat.

Unsere Augen- und das Auslanö-eutschtum.

Von Dr. F. Hackenberg,

Das war vor dem Kriege, daß Quartaner Hans neben den Regeln des Konzunklivs alle großen Plätze und Gebäude von Paris kannte, die Könige der ägyptischen Dynastien auhäMte und die Schlachtordnung von Leuttra an sie Tase! «zeichnen konnte. Slides aber wußte er von Deutsch Südtirol, nichts von den dreißig Millionen deutschen Stammes jenseits der Reiche- grenzen. Der Deutsche aus Reval war für ihn ein Russe, der Siebenbürger Sochse ein Ungar. Das war die satte Zeit, als in der starren Sicherung durch Staatsgrenzen lebendiges Volksbcwußlsein unerweckt schlummerte.

Da kam der Krieg mit der Völkerwanderung des deutschen Infanteristen, des Entdeckers deutscher Weite, als die deutsche Zunge von Antwerpen dis zum Libanon erklang. Hansens Ba ter lag als Landsturmmann lange Zeit in einer deutschen Siedlung Wolhyniens, Onkel Ferdinand hörte deutschen Glottes dienst im einsamen Schwabendors Galiziens, und Bruder Heinz, der Freiwillige, schrieb begeisterte Briefe von deutschem Er leben in Flandern und Rumänien. Deutschbewußtsein trat an die Stelle des Schielens nach französischer und englischer Zi vilisation als etwas Uederlcgcncm. Revolution und Waffen» ftilQtanb schlugen breite Wunden. Versailles eröffnete den Vernichtungsfeldzug gegen deutsche Art. Grausam wurde das Vaterland zerschnitten, Rkillionen deutschen Stammes wurden abgerissen und auf 15 europäische Staaten verteilt. Aus allen Teilen der Erde strömten vertriebene und geschundene Aus landsdcutsche von verlorenen Posten in das zuckende Heimat land zurück.

Primaner Hans saß nun in der Klasse zusammen mit einem frischen Dcutschbaltcn aus Riga, einem Farmersohn aus Tanga, einem Offizierssohn aus Tsingtau und zwei Kausmannsjungen aus Buenos Aires. So erwuchs aus diesem Iungcnkrcis heraus ganz von selbst das Gefühl der Schicksalsgemeinschaft mit den Brüdern da draußen.

Die Lehrer, die aus der Front heimkehrten, waren auch an dere Menschen geworden. Sie brachten das Erlebnis der Ka meradfchaft und des großen deutschen Volkstums mit. Hansens Klassenlehrer hatte ein Büchlein von den Auslandsdeulfchen im Pult. An der Wand hing die Sprachenkarte. Das waren Han- lens liebste Stunden, wenn der Mann von deui,a)er Rot jenseits da draußen jenseits der Grenzen erzählte da draußen jenseits der Grenzen erzählte, von Trutz und Selbstbehauptung der auf sich selbst gestellten Deutschen. Da wanderte die Klasse mit den Deutfchrittcrn nach Osten, baute mit den Moselsranken deutsche Siedlungen im Burgenlande, rodete mit deutschen Bauern an der Wolga und im Urwald. Deutschkunde durch­zog den gesamten Unterricht, nicht als neues Fach aber als Examenswiffen, sondern als Schwingung der beutiqen Volks­seele.

Eines Tages kam ein von den Polen aus Bromberg ver­triebener deutscher Lehrer, berichtete in der Aula vor der ver­sammelten Schülerschaft von der Vernichtung des deutschen Schulwesens durch die Polen im Osten, von der geistigen und seelischen Not der dortigen deutschen Jugend und warb um Hilfe für den Wiederaufbau der deutschen Schulen jenseits bet Grenzen. Der Appell zündete. Jungen und Mädchen sammel­ten mit unermüdlichem Eifer Geld, Bücher, Schulgerät, um ihren bedrängten kleinen Kameraden zu helfen. Aus diesem Hilfswerk heraus wuchsen die Schulgruppen des Vereins für das Deutschtum im Ausland lD. D. A.), zunächst an den höhe­ren Schulen, bann auch an den Volksschulen, überparteilich die reichsdeutsche Jugend für die deutsche Jugend da draußen zu Opfer und Gemeinschaft zufammenfasiend. Welche Freude, als Hansens Schwester. Inge, nun Obmann der Schulgruppe des V. D. A. zu Weihnachten zwei große ^.,1en mit Bückern. Handarbeiten und Hilfsmitteln über die Grenze schicken konnte?

Aber Sammlungen und Spenden waren nur die Vorstufe für den geplanten kulturellen Zusammenschluß. Rastlos warb und arbeitete die Gruppe im Einvernehmen mit ber Lehrer­schaft für den deutschen Gedanken durch Vortragsabende, Gren;- landfahrtcn und Schüleraustausch. Opfersinn, jugendfrifches Sehnen und Drängen wurde vom V. D. A. in die rechte Bahn gelenkt. Inges Klaffe lud im nächsten Jahr Siebenbürger Schülerinnen ein in bas Land der Niederfachjen. Im Aus- taufch fuhr ihre Älaiic nach Deutschböhmen und erkannte staik- nend und bewundernd, daß das Dafein ber treu und entsagend um ihr Kirchlein und um ihre Schule gescharten Gemeinde täg­lich, stündlich unter dem einen Problem stand: bas hcran- ma^icnbc Geschlecht bei deutscher Art und Sprache zu erhalten.

Grotzdeutschlands Jugend marschiert. Nicht in Rausch und Phrase, soni .rn im innigen Glauben an die Kulturgemeinschaft aller Deutschen. Schreitest Du schon mit in »gren Reihen? Versailles hat den Binnendcutschen ausgerüstet Jeder Tag, b-: . -1 ins Land gegangen, hat deutscher Sprache und deut-

' n Loden schweren Schaden getan. Ein Sturm ist über die Ererrzlarrde hinweggegangen, der besonders an den Mauern der deutschen Schule gerüttelt und viele ins Wanken gebracht hat. Mi- der deutschen Schule aber steht und fällt das Deutschtum schlechten. Noch nd die Au'^enwerke nicht verloren! Ihre