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40, Jahrg Samstag, den 5. März 1927. Nr. 10,
Gießener Jeitnng
^^^^^/ I ^k (Neueste Nachrichten) ^^^^^ (Gießener Tageblatt)
Erscheint: Samstags.
Bezugspreis 40 Pfg monatlich frei ins Haus. Rrdoktionsschlutz früh 8 Uhr - 3üt Nusbewahrung oder Rück- ^tiung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Aeutschland und Shine.
Berlin, 4, März. Ueber die gegenwärtige Lage in China nnrb erklärt, daß die Verhandlungen Chinas mit England in Hankau zu einem gewißen Abschluß gelangt sind Eine Be drohung von Europäern, insbesondere von Deutschen in Schang bat. fei ausgeschlossen Deutschland werde keinerlei Schritte tun, die irgendwie als Parteinahme gedeutet werden könnten. Eden falls beabsichtige Deutschland nicht, beim Völkerbund vorstellig zu werden.
Bkjprkchunq »er Justizminister der Länder.
Berlin, t. März. Heute traten im Reichsjustizministcrium bie Iuftizminster der Länder zu einer Aussprache zusammen. In der Besprechung wurden insbesondere die wichtigsten Fragen der Strafrechtsreform erörtert.
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8 Leute, die den nannsberul er- in wollen, erhalt kunftundRatvon Geschäftsstelle d. männischen Aus- dtei „Hamburg" in itz (Prov.
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Teutsch polnisches Abkommen über die Schlichtung streitiger Staatsangehörigkeitsfällc.
Zur Durchführung des deutsch-polnischen Wiener Abkommens über Liaotsangehörigkeits- und Optionssrogen vom 30. August 1924 haben Deutschland und Polen vom 21. Dezember 1926 durch Notenaustausch eine Vereinbarung getroffen, die das Verfahren zur Schlichtung von Streitfällen regelt, in denen Staatsangc Hörigkeits und Dptionsftagen auf deutscher und polnischer Seite verschieden beurteilt werden. Besonderer Zweck dieser Vereinbarung ist vornehmlich der, die Meinungsverschieden Heilen in den einzelnen Streitfällen mit tunlichster Beschlcuni gung durch eine Schnchtungskommission beilegen zu lasten.
Die Einzelheiten der Voraussetzungen, unter denen von den betätigten Personen Anträge gestellt werden können, oder die für die zuständigen Behörden Anlaß zum amtlichen Aufgreisen einer Sache sind, sind den Kreisämtern durch den Herrn Minister des Innern zur Kenntnis gebracht worden.
Personen, die durch eine behördliche Entscheidung über den Erwerb oder den Verlust der Staatsangehörigkeit oder die Gül ilgkeit ihrer Option beschwert sind, haben in ihrem eigenen In tcrejse ungesäumt die erforderlichen Anträge zu stellen, und zwar so rechtzeitig, daß der Deutsche Delegierte innerhalb der am 15. April 1927 ablaufenden Frist die vorgeschriebene Anmeldung bei der polnischen Delegation bewirken kann
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llntcrftnhiingeabbau des Siegerländer Bergbaues.
Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags begann am Donnerstag mit der Vorberatung des Haushalts der Berg, Hütten und Salinen Verwaltung.
Handclsminifter Dr. Schreiber führte u. a. aus: Im preuß, schon Bergbau waren beschäftigt im Jahre 1913 493 000 Mann, im Jahre 1926 455 000 Mann. Gefördert wurden im Ruhr- revier 1913 144 Mil! Tonnen, 1926 112 Mill Tonnen. Mit dem 1. April 1927 wird der preußische Staat eine Vcrsuchsgrubc übernehmen, um in ihr Neuerungen im Grubensicherheitswefen zu erproben. Ein Verbot der Ueber und Nebcnschichtcn könne von der Bergbehörde nicht ausgesprochen werden. Durch die vom Reich und vom Staat im Siegerland Pergbaugebiet gewährten Untcrstünnngcn tonnte die Belegschaft verdoppelt werden. Der Minister kündigt an, daß diese Zuwendungen am 1. April 1927 abgedaul werden würden.
Eine Sondertagung der kommunistischen Opposition in Essen.
Am Donnerstag, dem zweiten Derhandlungstagc des kom munistischcn Palrcilages, kam es zu stürmischen Auseinandersetzungen mit der Opposition. Der Oppositionsführer, der pr. Landtagsabgeordnetc Bartel, warf dem Zentralkomitee der Partei vor, daß es mit seinen Maßnahmen die Opposition munb^ tot machen wolle, und forderte die Wiederaufnahme von Ruth Fischer, Maslow und anderer Oppositions-Abgeordneter in die Partei. Unter starkem Protest des Parteitages mußte der Redner die Rednertribüne verlassen, und der Vorsitzende des Parteitages bezeichnete Bartels' Auftreten als unerhörte Provokation. Darauf teilte der Parteiführer Thälmann mit, daß sich die aus der Partei ausgeschlossenen Reichstagsabgeordneten Urban und Scholem bereits in Esten befänden und für Sonn abend eine Reichskonferenz der Opposition nach Esten cinderufen hätten. Der Parteitag beschloß hierauf gegen eine Minderheit, daß diejenigen Delegierten, die sich nicht an der Parteitagung beteiligen würden, mit der Partei nichts gemein haben können.
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Rücktritt der mecklenburgischen Regierung.
Schwerin, 3. März. In der heutigen Gcncraladstimmung über den Haushaltsplan 1927,28 wurde der Haushaltsplan mit 25 gegen 23 Stimmen adgelehnt. Die Kommunisten stellten ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung, welches angenommen wurde. Die Regierung erklärte darauf ihren Rücktritt.
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Im Münchener Eisenbahn-Prozeß beantragte der Staatsanwalt gegen den Lokomotivführer Aubele eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren sechs Monaten. Das Urteil lautete auf fünf Monate Gefängnis, bei Anrechnung von drei Monaten auf die Untersuchungshaft.
Die Weinbaufläche des Teutschen Reiches.
Von 28 509 358 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche,
T i B d . Verlag und Expedition :
Dießen, Lüdanlnge 21
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die durch Erhebung des Ltatlstijchen Reichsamts von Ende Ma, 1926 erfaßt wurde, sind 81 584 Hettar Wcinbcrgsland. Bayern hält mit 20766 Hektar die Spttze, es folgt unmittelbar Preußen mit 19 082 Hektar, dann Hessen mit 15 046, Baden mit 14 201, Württemberg mit 12 207, Sachsen mit 206, Thüringen mit 76 Hektar
NO Millionen Sparkasseneinlagen in Hegen.
In der Tagespreise ist schon wiederholt auf die günstige Entwicklung der Spareinlagen bei den deutschen öffentlichen Sparkasten hingewiesen worden. Auch bei den hessischen Spar kästen weisen die Spareinlagen eine stete Zunahme auf. Waren am Ende des ersten Jahres nach der Inflation (1924) 13,7 Mil lionen Mark erreicht, so brachte das Jahr 1925 eine Steigerung von 26 auf 39 Millionen. Das Jahr 1926 hat auch diese Zu- gangsziffer wieder übertroffen. Der Zuwachs betrug nämlich nicht weniger als 35 Millionen Mark. Damit stiegen die Spar einlagen Ende 1926 aus 74 Millionen Mark. Der erste Monat des Jahres 1927 stellt aber geradezu einen Rekord dar. Er brachte nämlich einen Zuwachs von rund 5h Millionen Mark, so daß Ende Januar 1927 die Summe von rund ^»0 Millionen Mk. erreicht wurde
Wochenrückblilk.
Jn China dürften die nächsten Tage die Entscheidung bringen. Der General der geschlagenen Nord- Armee, Sun-Chuan-fang, hat sich die Schantung-Armee unter dem General Tschang-chung Tschang verschrieben, und beide wollen nun kurz vor Schanghai das Vordringen der Südarmee, der Kantonarmee, aufhalten. Ob nach einer Entscheidung nach der einen oder anderen Seite hin dann Friede in China wird, ist sehr zweifelhaft, denn im Norden steht der gewaltige, von Nuß land unterstützte, Tschangsolin, dessen Haltung bis jetzt ziemlich unklar ist. — England und Rußland haben einen ^Notenaustausch vorgenommen, der ziemlich selten in der Geschichte dastchl. England erklärt, die Beziehungen der beiden Länder zueinander seien ,»notorisch unbefriedigend" und Rußland antwortet darauf, bog die Note der englischen Regierung von den „elementarsten Anstandsregeln" abweiche. Wirklich sehr nette Süßigkeiten im diplomatischen Verkehr! Jedes Land droht dem anderen mit Abbruch der Beziehungen, veranstaltet Demonstrationen unb — es bleibt alles, wie es war! Zum Glück, darf man sagen. Vor 15 Jahren wäre aus einem derartigen Notenwechsel sofort ein Weltkrieg entstanden. — Da Amerika langsam, aber sicher, mit Hilfe des ihm gefügigen Präsidenten Diaz Nikaragua in seine Tasche stecken will, wirkte es wie eine Bombe aus die stolzen Pankees, als England plötzlich zum Schutze seiner Untertanen auch ein Kriegsschiff nach dem bedrohten Lande sendet. Der „Schutz der Untertanen" war ja einer der Vorwände Amerikas zur Landung eigener Truppen. Man sucht hüben und drüben die öffentliche Meinung zu beschwichtigen mit allen möglichen Hinweisen, die Tatsache bleibt bestehen, daß England mit der Entsendung des Kriegsschiffes eine warnende Haltung gegenüber Amerika eingenommen hat, die in Washington nicht mißverstanden wurde, aber jetzt vertuschen werden soll. — Nachdem im Saargebiet die Präsidentenfrage akut geworden ist, kommt ein neuer Schlag: man will in dem besetzt gehaltenen Gebiet einen sog. Bahnschutz organisieren, selbstredend mit französischen Truppen. Wir stoßen hier auf das Problem der „verschleierten Besatzung", das für Deutschland unannehmbar ist. Wieder ein Blatt aus der Geschichte des Kampfes ums Saargebiet. Zwischen Preußen und Hamburg ist ein neuer Konflikt wegen Landaustausches ausgebrochen. Hamburg muß sich an der Elbmündung erweitern, braucht preußisches Gebiet, worauf Preußen nicht eingeben will. Preußen wünscht vielmehr so im Stillen die Einverleibung Hamburgs, um mit den Verschluk- fungen der norddeutschen Kleinstaaten (wie es z. B. mit Waldeck schon geschah zu dem deutschen Einheitsstaat zu kommen. Der Ministerpräsident Preußens hat es bei einer Rede in Berlin umschrieben. An und für sich ist die Schaffung des Einheitsstaates, des deutschen Einheitsstaates, eines der erstrebenswertesten Ziele Aber diese Fragen rühren an wichtige Probleme. So fürchten manche norddeutschen Kleinstaaten, daß es nicht zu einem deutschen Großstaale, sondern nur zu einem Groß-Preußen käme. Auch in Süd-Deutschland ist man in dieser Beziehung mißtrauisch. Der Weg, den Preußen einschlägt, würde zunächst zu dem Groß- Preußen nördlich der Mainlinie führen, dem Süddeutschland gcgenübcrstände. Die föderalistische, bezw. Einheitsfrage, dürfte in allernächster Zeit akut werden, da in den Zeitungen schon ein reger Gedankenaustausch und Kampf entbrannt ist. — Nach den letzten Meldungen scheint zwischen Zentrum und Bayerischer Bolkspartei eine Einigung soweit erfolgt zu sein, daß man vor dem Abschluß einer engen Arbeitsgemeinschaft steht mit der Aussicht auf völlige Vereinigung.
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Bericht über die wirtschaftliche Lage bcc deutschen Handwerke im Monat Februar 1927.
RH. Vom Rcichsvertmnd bes deutschen Hundwerls roirb un«> gejchrieden:
Die Geschäfwkage des Handwerks ist nach den Berichten der deutschen Handwerks und Gewerdekammern fast durchweg sehr flau. An und für sich rechnet der Monat Februar zu den Zeiten, in denen das Gcschäftsleden am meisten daniederliegt. Hinzu kommt, augenblicklich ausschlaggebend für bic Wirtschaftslage des Handwerks, die ungeheure Zahl der Erwerbslosen. Infolge der geringen Einkünfte dieser Perjonenkreise ist ihre Kaufkraft gerade für die Produkte des Handwerks sehr vermindert. Be einslußl wurde die Geschäftslage auch dadurch, daß das Auftreten von Froftwetter die zum Teil noch im Gang befindlichen Bau arbeiten ftiUcgtc, so daß auch von dieser Seite her eine ganze Reihe von Handwertszwcigcn ihre Beschäftigung verlor. Zu beobachten war auch, daß diejenigen Gewerbe, für die der Fe bruar als Saisonzeit gilt, nicht die Belebung auswicsen, wie es sonst im Verhältnis üblich ist. In der Bektcidungsbranche ist dies hauptsächlich daraus zurückzuführen, daß die Witterung verhältnismäßig milde war. In den Gegenden Deutschlands, wo der Fasching sehr weitgehenden Einfluß auszuüben pflegt, nahm dieser die Konsumkraft des Publikums sehr stark in Anspruch Die Belebung, bic einige Handwcrkszwcigc durch den Fasching erfuhren, konnte dafür nicht als Ausgleich gelten.
Wiederholt wird in den einzelnen Berichten bemerkt, daß ein Einfluß von der Belebung der Industriewirtschast auf die Handwerkvwirtschaft sich nicht bemerkbar macht. Die Arbeiter cinstcllnngen, die einige Industrien evtl vornehmen, werden wie der aufgehoben durch Entlassungen an anderen Stellen, so daß das Anwachsen einer kaufkräftigen Arbeiterschaft ausgeschlossen ist. Die Industrie selbst aber hält nach wie vor mit Aufträgen stark zurück. Ein sehr ungünstiger Einfluß ging auch von den zahlreichen Inventur- und Sonderverkäufen der Waren und Kaufhäuser aus, die zu niedrigsten Preisen Konsektion und Haushaltsgegenständc auf den Markt werfen. Wenn auch die Qualität den niedrigsten Preisen entspricht, so drängt sich trotz dem das Publikum infolge seiner beschränkten Mittel zu diesen Verkäufen.
Bei dieser Geschäftslage ist es nicht verwunderlich, wenn bic Preisbildung im Handwerk noch sehr stark gedrückt ist. Besonders wird auch noch immer wieder geklagt über Uebelstände bei offent liehen Vergebungen, die trotz der Verdingungvordnuitg für Bau lcistungen immer wieder auftreten. So wird aus dem Industrie gebiet gemeldet, daß die auftraggebenben Stellen aus der Ver bingungsorbnung die Vorschriften annehmen, die ihnen vorteil haft sind, aber diejenigen ausschließen, die dem Auftragsemp fänger einen angemessenen Preis sichern wollen.
Erschwert wird die Lage des Handwerks noch dadurch, daß der Zahlungseingang von feiten des Publikums sehr zu wünschen übrig lägt. Es liegen sogar zum Teil Meldungen vor, wonach noch eine Verschlechterung nach dieser Richtung cingctreten ist Ausgewogen wird der Nachteil zu einem geringen Teil dadurch, daß sich Anzeichen für eine Erleichterung der Kreditbeschaffung für das Handwerk infolge der Senkung des Reichsbankdistonts bemerbar machen.
Die Rohstoffpreise sind im allgemeinen die gleichen ge blieben. Einigen geringfügigen Senkungen stehen Preissteige
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