Gießener Zeitung"
Nr. 36.
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Sonnabend, den 3. September 1927.
>M..... Technisch und wirtschaftliche
^&^^ Veratuns der Handwerksbetriebe,
‘^ibuh^ in San Gewerberat a. D. Dr. G u st a v Stöckle, Darmstadt.
, bie J ' In der Nummer vom 1. August „Hesiijches Hanöa
^ey^^/^chsge^ ^ Nit 5fifo »etbe“ wird ein kurzes Tätigleitsbilo der von der Handwerks- en ßefc \^r (§ei,V°ni ; '; ; . ,.mmer errichteten Gewerbeförderungs- und Betriebs beratungs- ‘^ beu/W ^taJ^iMielie W "n tÖe gezeigt Man ersieht daraus bereits, daß die Errichtung eri* - . nei derartigen Stelle einem wirklichen Bedürfnisse entspricht.
^h % '^ hj ‘ Berater jahrelang tätig ist, begrüßt im Intereße der
lenden x ®s ^t ^anb Wertsbetriebe diese Einrichtung auf das Lebhafteste Und
^drncko ^d ünd^ ^b soll tz ^btfr ndel aus beruflicher Tätigten kennt, bt
vor M ^ ^r°owÖtenö üir^ ^ - Kuedt bisher, daß den Handwerksbetrieben oder Meistern die ^lNche .^nndsb/oben ^ ^ h^,, f|nen eigenen Betrieb gründen ober übernehmen wollen, eine KverrM^e M ' M-^ den Bedürin-.ikn enhpre^noe ^l2rr^ 3:Jk ■'■ -. '..'.
U p Lrn X0^eni%htt ' ^,töa» Umfang und Art der Handwerksbetriebe hat sich im Laufe der Mt werden ^Marun^ ^ kor 'c stark geändert, weniger äußerlich, als bezüglich der
f fallen die N - ^ch fo« ^ | Heilung mancher Betriebe, entsprechend den sich geänderten
WeQln{en . ss-.^W • Man ^-. - -
'^iige and D^...^sbeionn ^icct^ len Ansprüche an Bclriebsinhader, die man in dem
. ^c^5anto , ^ionsUrf"’- ' tutigen ?s vor firn Krug, nicht ls^i, äih Unudr.ibiuivi
,c ^teilten 1’^”* um5"6*"3 «Wichtet iif ^°d ki J,
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Ettels ritten in ur ^5”1^ kficrungsgebantc, der schon zum Schlagwort bcnmtcrgcnintcn ^gsklachln ^" Beratung cht werden Viele glauben,
Preckun-g (M > ^"^ bcren in ^J <6 handle sich bei der Rationalisierung der Handwerksbetriebe. Igen asw. nöunö^- in Strassab 1 Beirie: bezw. um
hhmbsbeamf s enes Snftcm, Geld zu verdienen. Bei Leibe nicht.
2 ^eitiehin t ^d)eibunß über bie« ustriebetrieben kannte man die sogenannte »Flatio-
^ie u^ ' 1 Doi Jahrzehnt genau so wie das ..Taylor
^' n°twen»ig waren i^'"1 ot °m Urkund-bcamt-a 91 ' ^TGetzuna - ^crrbe knijrfKi Hi StttaWüQ xu ^'^^ni'n
? ^W1* «e m4 de» »Mq.,, 1,9 « M durch einen üotai erjoljen
d.e st vielen Betrieben mußte erfolgen, sollte die Prosperität nicht notleiben. Man mußte sich vielfach auch umstellen, was umso
leerer war, als man sich in Handwerksbetrieben, auch größeren Umfangs, so gut wie keine Speziallräste halten konnte, weil riese für Handwerksbetriebe finanziell nicht tragbar sind. Die Selbsthilfe fand aber durch die Handwerkskammer Mittel und Lege, diesem Mangel durch die Errichtung einer Gewerbesör- berungsfteUe abzuhelfen.
Die Beratung und Gewerbeförderung selbst umfaßt cigent-
lich zwei große Abteilungen. Die erste Abteilung ersaßt die Vor- lilbung in Theorie und Weiterbildung, während die eigentliche Beratung dort ihren Kern hat und ihre Tätigkeit entfaltet, wo es sich darum handelt, unterstützend in der eigentlichen Praxis Mit anderen Worten: Der viel genannte Rationa-
Erweiterung des ^ujgabcnlnijc? Les Ui H die sog. Kleine Zustizreform von ^ NN eine große Zahl richterlicher Erschöße zur seHständigen Erledigung übcrmickn -sonderer Anordnung der Lâjustizvc! nr Urkundsbeainten u. a. übertragen mer der Erlaß der Zahlungsbelehle, j und UeÈerwerjung von gerungen uns echten, die Beschlüsse auf Einstellung her usw.; in Strafsachen die gesamt. Straf snahme der Entscheidungen über eite,-
untern“. Beide haben lediglich den gleichen Grundgedanken, Er- klung der geringsten Produktionskosten der Waren, die den Be-
' hieb verlassen. Jedoch ist dabei Bedingung, daß alle Teile des k^trieds das ihrige dazu beitragen, den Rationalisierungsge- dunten zur Geltung zu bringen. Nicht nur die Werkstatt, sondern ruch der kaufmännische Betrieb mutz in gleicher Weise anteil- mäßig den Gedanken durchführen helfen. Rückstände bedeuten Rückläufe Wenn uns vor dem Kriege die „Rationalisierung" I cht so nachdrücklich wie heute eingehämmert wurde, dann sind ) er mancherlei Gründe schuld. Beispielsweise: Erstarkung der .isländischen Konkurrenz, gerade der Länder, die von Deutsch- and Waren bezogen. Verschiebung der Rohmaterialbasen, weiter- gehende Kartellierung bestimmter marktbeherrschender Industrie- ep, Zollmauern u. a m.
Zusammenschlüsse in der Industrie führen immer weiter dazu, datz, bezüglich bestimmter Waren, sich das Handwerk in sei- ntn verschiedenen Arten, nicht abänderlichen Preisen gegenüber sitht, zudem am einzelnen Handwerksbetriebe selten solche Ab- scklüßc gemacht werden tonnen, die einem einzelnen Betriebe wesentliche Vorteile bringen. Derselbe mutz sich deshalb daraus I beschränken, dort die geringsten Produktionskosten herauszuholen, wo dieses eben noch möglich ist. So bei richtiger Einrichtung I und Kontrolle der Werkstätten, Maschinen, Arbeitsmethoden, i Arbeitsteilung usw.
Dabei mutz man aber nicht nur an die Produktion denken,
lisierung in keiner Weise Not leiden. Wo Massenherstellung durch maschinelle Hilfsmittel möglich, leidet bei richtiger Bearbeitung keinesfalls die Qualität.
Die Betriebspraris selbst stellt den Betriebs Inhaber sehr oft vor ganz unvorhersehbare Ausgaben, die in den seltensten Fällen von einem Einzelnen gelöst werden können Schon die Beherr schung bestimmter Gesetzesvorschriften, im Zusammenhang mit ge, werdepolizeilichen Bestimmungen der allerverschiedensten Art, die für gewisse Betriebe lebenswichtig sind. »st nur dem möglich, der jahrelang in der Materie gearbeitet hat und reichliche Er fahrung besitzt. Es gibt hier zahlreichste Fälle schwierigerer Lö» jung, bei oft bereits bestehenden Anlagen, als bei neu zu errichtenden Anlagen. Wie oft kommt es noch vor. daß auf Anraten sachverständig fein wollender Leute, Anlagen errichtet, bezw. im guten Glauben umgeändert werden, die dann nachträglich, unter Bezugnahme auf gesetzliche Bestimmungen und Verordnungen, mit großen Kosten einer Abänderung bedürfen. Wie oft werden maschinelle. unzweckmäßige alte oder neue Einrichtungen gekauft, um hinterher seststellen zu muffen, daß diese den Bedürfnissen in keiner Weise entsprechen Mitunter werden auch Preise für Maschinen usw bezahlt, die in keinem Verhältnisse zum inneren Werte derselben stehen, ganz abgesehen davon, den Kaufvertrag so zu gestalten, daß möglichst Prozeße vermieden werden. Alle derartige unproduktive Kosten tragen nicht dazu bei. zu „rationa« lisieren" d. h billigere Produktionskosten, gegenüber bestimmten Konkurrenzen, herauszuwirtschaften. Unnötige Kosten sind im wirklichen Sinne unproduktiv und hinausgeworfenes Geld, das dem Betriebe verloren geht. Es entstehen durch Unkenntnis her vorgerufen, Vorausdelastungen auf künftige Waren, die dem Handwerk eigentlich Verdienst bringen sollten.
Wie oft werden gewiße Maschinen und Einrichtungen zur Produktion gekauft, für die man verabsäumt sich Garantien geben zu laßen, inbezug auf Beschaffenheit, Leistungsfähigkeit usw. Gerade bei den Antriedsmaschinen, ob Dampf , Elektrizitäts- oder Verbrennungsmaschinen, müßte eine peinliche Nachprüfung vor- genommen werden, inwieweit vom Lieferanten versprochene Ueberlastungszahlen, Verdrouchszisfern, eingchalten worden sind, und wenn nicht, welchen Weg man beschreiten will oder soll, um zu seinem Recht zu gelangen. Gerade für derartige Fälle, ist Vorsorge im Verkaufs- bezw. Garantievertrag zu treffen. Aber wie viele Fälle gibt es, in denen Streitfälle entstehen, nachdem Maschinen längst eingebaut sind. Hätte man da nicht vorher abhelfen können, indem man diese Maschinen durch einen Sachverständigen abnchmen ließ! Hunderte anderer Fälle ließen sich aufzählen und durch die Praxis belegen, bei denen Unsummen von Geld und Zeitverluste dadurch entstanden sind, und bald täglich noch weitere entstehen, mangels nicht genügender Unterrichtung.
Bereits oben wurde angedeutet, daß die Fachschulen, Unterrichts- und Fortbildungskurse darauf Hinweisen, und Grundlagen geben, auf welche Art und Weise man es anzufangen hat, einen Beruf richtig auszuüben. Die handwerkerliche Praxis hat aber erkannt, daß es notwendig ist, sich in weitestem Matze, bei ein» tretendem Bedarf, durch Beratung unterstützen zu laßen. Wie betont, hat die Industrie, durch größere Kapitalkräftigkeit Mittel und Wege, sich durch eigene Spezialingenieure beraten zu laßen. In gleichem Maße weisen die Handwerkskammern den Weg, das Gewerbe zu unterstützen. Zum eigensten Vorteile, im harten Konkurrenzkämpfe sollten es die Handwerker deshalb nicht versäumen, von einer segensreichen Einrichtung Gebrauch zu machen, die den Inhabern der Handwerksbetriebe nur zum wirtschaftlichen Vorteile gereichen kann.
In der trauten Stude. im stillen Kirchlein, im einsamen Walb odr zonirwo. wo Ruh sie umgibt, da sammeln sie sich ihre Kräfte, verliefen hd) und lassen Du Schäre von Wißen, Glau : in und Denken in sich wachsen und reifen. Wo immer Men schen Gro . chaftren und auch ihrem Innern Große gaben, da sind es stille Stunden. Tage und Jahre gewesen, in denen sie diese Kräfte iu: bu großen Aufgaben ihres Lebens gesammelt hatten.
In einer fernen Stadl eines heiligen Landes da schwieg
auch einst 30 Jahre lang in nxltabgcfckloßener $
Himmel Gesandte. Dort rn rein sammelte sich in dem
iyer We, seiner Verl
. 1 und Aran
r vom
fei Totenstille des einsamen Naza ött'uchen Jüngling ein £yüUc flott Und dann erst trat er hervor aus
mm ii auf bcn großen Markt der Welt und in
drei Jahren hatte er ein Werk voNführl, wie es Menschengeist
nicht erftrnen tonnte. Welt erobert und war engen Vaterlande.
Lernen wir wieder einsamer Stille. Im
Drei Jahre und er hatte die ganze dock nickt herausgekommen aus seinem
von ihm und seinem langen Scheigen in lauten Treiben der großen Wdt kann
wahre Größe nicht geboren werden Und du, Mensch dieser hastenden Zeit, dir sind auch stille Srurrden gegeben. Stunden
der
hat
Einkehr. der Sammlung Das ist dein Sonntag
Ernte sofern sein.
* Rasche Bergung der Ernte. Das andauernd gute Wetter in der Landwirtschaft alle Kräfte für die Emdnngung der
mobil gemach In wenigen Tagen wird die letzte Garde, das gute Wetter anhält, von den Feldern verschwunden
* Vorsicht beim Unterschreiben. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, in denen Frauen aufdringlichen Reisenden Bücher, und Bilberbestellscheine mit allen möglichen Nebenabreden un terschrieben haben und nun an einem auswärtigen Gericht auf Abnahme und Zahlung des Kaufpreises verklagt werden sollen. An alle Frauen ergeht die ernste Mahnung, die Unterzeichnung von Bestellscheinen nicht übereilt vorzunehmen.
* Haussammlung für die Anstalt für Epileptische in Rieder Ramstadt. In diesen Tagen wird in unserer StaDr mit der Hanssammlung für die Anstalt für Epileptische in Nieder Ram stadt begonnen. Wir bitten die Einwohner herzlich, dieses Lie beswerk unterstützen zu wollen. Jede, auch die kleinste Gabe.
ist willkommen.
weis versehen.
* Adoption!
Der Empfänger ist mit kreisamtlichem Au.>
Der Landesverein für Innere Mission teilt
rchung; ferner ist eine weitgehende Ueber ij Waren ich produzieren kann, sondern wie kann ich mit
n AN'gelegenheßen der freiwilligen Ec 15 in EruMuch- und VoMiiWastt- rkundsbeamte heute in einzelnen Ländci- Prozent, aller Richterardeiten. Diese im ügung, Vereinfachung und BOleunigung nen haben sich nach dem Zeugnis i durchaus bewährt; sie haben das Ziel Richters für feine größeren Aufgaben er
Aussicht auf Gewinn meine Konsumtion vermehren. Was würde
4s helfen, das zehnfache gegen früher zu produzieren, ohne auch nur das Doppelte der ursprünglichen Produktion absetzen zu können. Es muß deshalb der Grundgedanke einer Beratung sein: Mit geringsten Mitteln, unter Ausnutzung aller vorhandenen Be- triebsmitcl. entsprechende Arbeitsteilung und Einteilung die Produktion zu fördern, um dadurch die Warenpreise herabsetzen u können, um die Konsumtion besser zu beleben. Die Qualität der gelieferten Ware oder Arbeit, darf aber durch eine Rationa-
Lokales.
Sonntagsgedanken.
Wieder ist Sonntag, Tag der Ruhe, Tag des Innenlebens. Wir brauchen sie, diese Stunden nach der Hast und Unruhe der Arbeitstage, die die Menschen von heute vom frühesten Mor gen dis zum späten Abend mit ihren Werken ausfüllen, um leben zu können.
Sonntag Tag der Stille. Sechs Tage lang fausten die Räder, rauchten die Schlote, schafften die Hände. Dann kam der Feierabend der Woche, die Stille des Ruhetages. Doch viele kennen nicht mehr diesen Sonntag der Väter und meiden Stille und Ruhe und jagen nach Freuden, Vergnügen und rauschenden Festen. Aber cs gibt noch Menschen, welche die Stille und den Frieden des Sonntags suchen und auch finden. Sie kennen diese kostbaren Stunden und nützen sie.
mit, daß für Hessen in sämtliche»» Fragen der Adoptionsver mittlung der Landesjugendpfarrer, Herr Pfarrer Lic. v. d. A u lDarmstadt, Waldstratze 40, Tel. 349) zur Verfügung steht und alle diesbezüglichen Fragen und Anträge (Angebote und Nack fragen) erledigt.
* Keine staatlichen Wohnungsbauzuschüsse mehr. Die heßi' sche Staatsregierung hat den kommunalen Verwaltungsbehör den in Stadt und Land mitgeteilt, daß alle nach dem l. Juli 1927 eingereichten Gesuche um staatliche Wohnungsbau Zuschüsse für Das Baujahr 19*27 nicht mehr Bewilligung finden können, weil die im Staatsvoranschlag 1927 für diesen Zweck vorgesehe« nen Mittel durch die Bewilligung der vor dem 1. Juli 1927 ein gelaufenen Gesuche erschöpft werden.
* Straßensperrung. Wegen Erbauung eines Wohnhauses wird das Gäßchen zwischen Oswaldsgarlen und MUHlftratze für Den Durchgangsverkehr gesperrt. Wegen Errichtung der Neu^ bauten der Finanz und Versorgungsämter wird die Lcsfingstratze bis auf weiteres für den Fährverkehr gesperrt.
Straßensperrungen,
mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club E. B., Gießen.
Ossenheim bis Wegekreuz bei Km. 5,8, im Stratzenzug Fried bcrg— Staden, für alle Fahrzeuge, dis 1. Oktober; Um« leitung über Bruchenbrücken Aßenheim.
Kaichtn Heldenbergen, im Siratzcnzug Friedberg Hanau, für alle Fahrzeuge, bis 17. September, Umleitung über Erd jtabt"€id)cn.
Kalbsburg Fritzlar, im Slratzcnzug Marburg Kassel für alle Fahrzeuge, his 25. Oktober; Umleitung über Kleinenglis Wabern - Holzhausen.
Lisch«id Gilserberg, im Straßenzug Marburg Kassel, für alle Fahrzeuge, bis 30. September; Umleitung über Itzenhain Die Sperrung der Straße Gießen Rod he im a. d. Bieder Gladenbach (bis Landesgrenze) ist ab MiNwock, den 7. Septem der aufgehoben.
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sendung aus Papier. cm
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kern mit andächtigem Bewundern einen General, der im Eisen- Werners Herz schlug höher. Er sah vor sich nicht den Vater, son- ling des Feindes so des Sieges sicher war, daß er die Seinen für den morgigen Tag in die heutigen Quartiere des Gegners rief. Darum flammte in allen heißen äugen das Leuchten noch lange, als das „Zu befehlen. Eure Exzellenz!" verklungen war. Es war gerufen, nein, gejauchzt wie ein Schwur, der das frohe Wiedersehen von Siegern versprach.
Sie gingen Der Vater trat neben Hußlarn in die Sakristei und schloß die Tür mit einem Krachen, das Störung verbot. Nicht einmal zurückgesckaut hatte er. Weder der Sohn noch dc» verwundete kleine Leutnant waren für ihn auf der Welt! tin Schüttelfrost ließ Werner erschauern. Vergeblich versuchte er sich um Ucberbcnten ues Gesprächs mit dem Vater zu zwingen. Rui die Wo.te „jluLiUt Bataillon Scholz" huschten durch das Gehint Tut eben gehörte Divisionsbefehl schickte den Major über Tuszyn auf die ostwärts aus dem Dorfe führende Straß, rath Brzeziny. Mit ihm kam vor Tagesanbruck also auch die eigene Kompagnie an der Kirche vorbei Er durfte hier warten.
’^nb die Augen fielen zu.
Lange hatte er wohl nicht geschlummert, als Fußstapfen und cporenUirrcn ihn weckten. In die offene Kirchentür schlug von
der Straße her die herrische dimme des Vaters, nein . . des Divisionskommandeurs. Fast schien sie Frohsinn und Zuversicht ins Dunkel m tragen. Ein Feuer flammte. Vor dem hellen Lo
! - dern stand die breitschultrig hohe Gestalt in Pelzmantel mit hoch- j geschlagenem Kragen. Hinter dem Praßcln schlugen Soldaten einen Wagen in Stücke. Ein Unteroffizier reichte marschier
I Ligen Ordonnanzen, Schreibern und Burschen Gewehre. Auch der Mater ließ sich eine Handvoll Patronen in die Manteltasche schül- pen. Freilich — bei der Nachhut, dem letzten Bataillon am Feind.
Sollte er sein! Die Stunbe war so ernst, daß Generale vielleicht ] ur Waffe des Musketiers greifen mußten. Darum dieß es, die ; Krankheit vergeßen. Nur dis der Gleichschritt Marschierender
Ä geschlagenem Kragen.
* einen Wagen in Stücke.
roedte, wollte er noch unter der warmen Decke ruhen.
Das Feuer draußen verglimmte. Des Balers Stimme war nicht mehr zu hören. Doch ein Rauschen fieberheißen Blutes sang in die summenden Ohren. wie das Brausen u. Grollen der fernen Schlacht: „Du bist nicht mein Lohn." Wer war er also? Warum hatte der Vater, nein der General, nicht früher von seiner Herkunft gesprochen? Lag der Schatten eines dunklen oder un-
sauberen Gcheimnißes auf seiner Geburt? Ueber langem Grü beln schien sein Dasein, seine Welt in Trümmer zu fallen. Durfte er ehrbaren Leuten noch ins Auge sehen? Warum fragte der Vater, ob er eine der Kusinen liebe? "Natürlich hatte er eines der heben Mädchen zu heiraten gehofft. Viellelcht durfte er die Augen nicht zu den Kusinen heben. Das schmerzte genug, aber bitteres Weh brachte auch Erinnern an Verlorenes. Er sah sich als Kind Die leidende Mutter lag im Bett oder auf einem Ruhcsofa. Das sanfte, liebe Gesicht unter blonden Haaren spiegelte in frühen Furchen die Schmerzen eines siechen Körpers wider, aber konnte immer in lachendem Glück leuchten, wenn die Lippen „Mein Wernerckcn!" jauchzten. Waren Mütter des Lügens und Heuchelns fähig, oder hatte der General auch seiner Frau das Geheimnis verschwiegen?
Der Husten quälte Schmerzen in der Brust Wehmütig schaute er auf 1er zurück. Unvergeßen
wieder, und das Winden unter den mehrte noch den Kummer im Herzen die schöne Kindheit und die liebe Mut- war der Tag, an dem sie die teuere Haus trugen. Hinterdrein schritt der
eines lichtscheuen Geheimnisses bekannte. Wer durfte Menschen noch trauen oder Glauben an sich durch das Leben tragen! Was konnte die Zukunft noch bieten! Sie war ihm verleidet und willkommen der Tod Gelegenheit zum Sterben fehlte nicht. Sein Bataillon sollte als Nachhut der Kolonne länger als andere Truppen im Wurstkessel hängen. Da fand ein kranker kleiner Leutnant wohl leicht den Tod. Vielleicht hob der Schnitter schon die Sense Lebte doch im schmerzenden Kopf nur der Wunsck nach Rube und Vergessen Der Wille, zu überdauern, regte sich nicht mepr. Warum auch? Wer durchfroren und durcknaßt, verlaust und verdreckt, ohne Dach über dem Kopf seit Podien auf schlammigen und vereisten Landstraßen schlief, glaubte nicht mehr an ein künftiges Leben unter gesitteten Leuten, sondern fragte zweifelnd, ob er später wohl wieder Schlummer finden werde, ohne das einluüenoe Brausen und Orgeln aus Kanonenmund zu
hören. Lauter brüllte es draußen, doch f Das Räderrollen von Geschützen weck
ielen die Augen zu.
Tote im Sarg aus dem _ gebeugte Vater, und seither lag auf seinem Gesicht unter ergrauendem Haar ein Ernst, durch den selten noch das wie Sommer- sonne wärmende Lachen seines Humors brach. Gerade dem schweigend Leidenden hatte des Knaben Liebe und Bewunderung gegolten. Immer war es fein Wunsch, den Trauernden zu er freuen und aufzuheitern, oder durch ein kluges Kinderworl. mit einer guten Zensur sein Lächeln zu wecken. Dem Kadetten schon schien er ein Freund und Vertrauter, der freimütig von allen Freuden und Sorgen des Dienstes sprach. Während kurzer Ur- laubstagc lernte er darum für den künftigen Beruf mehr als in langen Monaten auf der Kriegsschule. Des ersten Weihnachtsabends nach der Muller Tod erinnerte er sich. Der Vater sagte: „Wir haben keine Mama mehr, aber doch eine Familie das Regiment, die Armee! Komm, mein Sohn." und führte ihn nach dem Garnisonlazarett. Neben dem Posten vor dem Schilderhaus wartete eine Ordonnanz mit einem Korb am Arm. Drinnen trat der Vater an die Betten aller K onken seines Regiments, gab ihnen Geschenke aus dem Korb und sagte: „Sie sollen auch fern von den Ihren wißen, daß sie eine noch größere Familie haben — die Armee, in der wir alle Kameraden sind."
Feierlich frohe Blicke dankten dann, und ihm schien Vorbild als Mann wie Soldat der Vater, der jetzt sich doch als Träger
Das Räderrollen von Geschützen weckte. Wie lange hatte er wohl geschlummert? Die Uhr ohne Glas und Zeiger am Arm- gelenk gab keine Antwort. Vor der offenen Tür hing noch das Dunkel der Novembernacht. Eisige Luft wehte in die Isere Kirche.
Fröstelnd zog er die Decke höher Von den Kerzen brannten nur noch Stümpfchen. In der Ferne krähte ein Hahn. Also kam bald der Morgen, das Raßeln fahrender Artillerie rollte schwächer und verklang im Dorf hinter der Ecke, von der ostwärts die Straße auf Brzeziny abbog Wieder brauste, wie das eintönige Singen Der ans Ohr gehaltenen Muschel, nur das Dröhnen der großen Schlacht.
Er versuchte sich aufzurichten. Der wunde Arm brannte und war steif wie der durchfrorene Körper. Er griff zum Wasserglas, nahm erst Chinin, dann ein Hustenpulver und trat aus der Kirche Noch warf die ctabslaternc ihr Licht auf den frisch gefallenen Schnee. Wieder jagte ein beißender Nordwind trockene, harte Körner, die wie Nadelspitzen auf die Haut schlugen. Zur Linken schurrten Stiefel, klapperte Stahl und Blech. Von Starowa Gora her trat eine Infanteriekolonne als Schar vermummter Schotten aus dem neblich weißen Wehen ins Laternenlicht. Die Köpfe in hochgeschlagenen Mantelkragen, die verschlungenen Hände in den Aermeln vor der Brust geborgen, hasteten in langem Schritt zwei Reihen Männer am rechten uno zwei am linken Straßenrand.
Fortsetzung folgt.