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39. Jahrg

Samstag, den 30 Oktober 1926

Nr. 44

Gießener Jeiinng

I WM (Reueste Nachrichten) ^^»^ (Gießen er Tageblatt)

Erscheint: Samstag

Bezugspreis 40 Psg monatlich frei ins Haus Ridoktionsschluß früh 8 Uhr Für Aufbewahrung oder Rück jendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert

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-olmbe vereinigt.

3tuet ^ahre Reichsmark

Am 11 Oktober waren zwei Jahre seit Schaffung der Reiehsmart verflossen Ein Rückblick auf die Entwickelung seit den schlimmen Inflationsjahren dürfte deshalb zeitgemäß sein.

Das neue Bankgejetz schreibt vor, daß die umlaufenden, aus Reichsmark lautenden Noten zu 40 Prozent in Gold und Devisen gedeckt sein und daß drei Viertel dieser Deckung 30 Pro Knt) aue, effektivem Gold bestehen müssen. Der nicht durch Gold und Devisen gedeckte Teil des Notenumlaufs ist durch Wechsel sicher znstel len.

Die Pflicht der Einlösung der Noten in Gold ist nach £ 52 des Bankgesetzes bis auf weiteres suspendiert. Die Gerüchte, daß die Reichsbank beabsichtige, in den deutschen Zahlungs- verkehr Goldmünzen einzuleitcn, entsprechen nicht den Tatsachen. Das Reicktsbankdircktorium steht vielmehr auf dem Standpunkt anderer großer Länder. Nach seiner Ansicht genügt es vielmehr, wenn der entsprechende Golddetrag in den Gewölben der Noten­bank thesauriert bleibt (Goldkernwährung).

Eine Gegenüberstellung der Gold- und Devisenbestände mH dem Notenumlauf gibt das Deckungsverhältnis an;

Bestand an:

Umlausende

Reichsbank-

Deckung durch Gold u. Devisen

Gold

Devisen

Tatum

noten:

in %

3L 12. 1924

759

253

1941

52,2

21.12.1925

1208

402

2960

54,4

30. 9. 1926

1508

521

3251

65,2

Der Bestand in Gold sowie auch der Bestand in Devisen sind demnach in den letzten zwei Jahren auf das Zweieinhalb­

sache gestiegen. Andererseits hat sich auch der Umlauf in Reichs-

Verhandlungen des Beirats beim Reichskommissar für das Handwerk.

Eine Satzung des Beirats beim Reichskommissar für das Hand xsl! V: kürzlich in Bertin fr an gefunden S:e tnidwi stifte sich mit den Wünschen des Handwerks gegenüber der» Wohnnngv iursotgegefeUschasten. Die Vertreter des Handwerks übten in Gegenwart der Vertreter der Wohnungsfürsorgegcjellschajtcn Kritik an dem Verhalten der letzteren, insbesondere an den von ihnen gegründeten Tochlergesettschasten. Die Aussprache endete mit dem Ergebn s. xaß grundsätzlich ein Abbau der Nebenein» ridUungen erfolgen und die Stellung des selbständigen Hand­werkers mehr als bisher Berücksichtigung finden soll. Jeder Bc- schwcrdefall wird in Zukunft durch einen kleineren gemeinsamen Ausschutz geprüft werden. Des weiteren beschäftigten sich die Verhandlungen mit dem Vcrgebungswescn bei der Heeres- und Marineverwaltung. Zu der beabsichtigten Novelle zur Ge­werbeordnung trugen die Vertreter des Handwerks verschiedene Wünsche vor.

Vier Milliarüen Lohnausfall!

Die Zahl der Arbeitnehiner betrug in Deutschland nach einer Untersuchung imWirtschaftsdienst'' i. I. 1925 22,3 Millionen, ihr Lohn- und Gehaltseinkommen etwa 40 Milliarden. Rechnet man 21 i Millionen Ar-

Willst

ren mchgeyrWe M bestätigte glän^ perallE Hm Berufsstörung, joV h Md ihre Angehörigen nach unserer Herr Dr. med. R., approbierter Arzt, einfach fabelhaft, alle Leute geheilt, Meistert, sein Riesenbruch nie wieder W bet' Abnchtne des Bandes, lind Scrotalhernie. Zch war manchmal Lrfolge!

rter Arzt, schreibt:

[ter Leistenbruch, links faustgroß, ist in weniger als 6 Monaten gänzlich ich bauernd frei vom Bruchband nun irr Ich kann laufen radeln, Verg­ären, Sport, wie Schwimmen und r ein BergnÄgen.

Herter Arzt, MM

am, Wen mittellen P lonmn, dag Brüchen durch Ihre Behandlung 'nen Kollegen erregten dich Erfolge bt zu widerlegen.

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bantnokn mehr «As verdoppelt. Das Deckungsverhältnis ist aber heute nicht unwesentlich günstiger als vor zwei Jahren.

Der Reichsbankdiskont ist allmählich von 10 Prozent auf (1 Prozent (seit 6. Juli 1926) gesenkt worden. Auf jeden Fall besteht nicht der geringste Anlaß, in die Festigkeit der Währung Zweifel zu setzen. Das Ausland sieht die deutsche Reichsmark- note schon seit langem als ebenso vollwertig wie die amerika­

nische Dollarnote an.

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die Aufwertung èer Spargutbaben in Hessen.

Der Gesetzgebungsausschutz des Landtags hat am Dienstag. 26. Oktober, die von dem Minister des Innern vorgelogte 1. Der ordnung zur Durchführung der Aufwertung von Sparguthaben besprochen und gebilligt. Die Verordnung sieht u. a. vor, daß bedürftigen Sparern ihr aufgewertetes Guthaben auch schon vor dem 1. Januar 1932 ausbezahlt werden soll.

* *

Die sogenannteKleine Besoldungsreform" in den Ländern.

Da die Regierungen und Parlamente der beuifdKii Länder bk überall als notwendig empstlndene grundsätzliche Reform der Beamrenbejoldung im jetzigen Augenblick noch nicht bewerk­stelligen zu können glauben. Hat man in einigen Ländern in der letzten Zeit durch eine vorläufigeKleine Besoldungsreform" den Versuch gemacht, die Gehälter wenigstens einigermatzen der tatsächlichen Wirtschaftslage anzugleichen. Nachdem das Reich aui diesem Woge vorausgegangen ist, indem es im letzten Reichs- Haushaltsplan die vorübergehende Hebung einer Stelle in eine höhere Besoldungsgruppe zulietz. In Preußen ist die Arbeit schon im Gang. Der zu diesem Zweck eingesetzte Unterausschutz des prouWschen Landtages hat den ersten Teil der Reform be­reits im Juli abgeschlossen. In den nächsten Tagen wird der Ausschutz den zweiten Teil seiner Arbeit aufnehmen, der sich um die Nachprüfung der Besoldungsverhältnisse der gesamten höheren Beamtenschaft dreht. In Hessen verfolgt die Beamten­schaft die Entwicklung der Besoldungsirage im Reich und den übrigen Ländern mit wachem Interesse und harrt des Augen­blicks. wo auch die hcjfifcho Regierung die nötigen Folgerungen aus der Ueberzeugung von der Reformbedürjligkeit der jetzigen Bejoldungslage zieht.

Hessischer Landesparte klag der D. V. P.

Der diesjährige Laiidespartmtag der Deusichen Vollsparlei in Hessen wird am 26^ 27. und 28. November in Worms ver­anstaltet. «

Staatsbeihilse für die Grübelt des Siegerlandes, des Lahn- und Dillgebietes.

Der Hauptausfchlltz des Preutzischen Landtages beschäftigte sich am Dienstag Abend mit einer Reihe von Uranträgen über Wirtschjirsfragen. Ein Antrag sämtlicher Fraktionen mit Aus­nahme der Kommunisten, wurde angenommen, der die für die Grubcnbciricbc des Siegerlandes sowie des Lahn- und DM- gebietes bewilligten Staatsbeihilfen zum Ende des Elatsfahres 1926 weiter gewähren will.

ZügesnaKrilbikn.

Lln Stelle des verstorbenen Rerchstagsabgeordneien Graf von Mecroeldt (deutschnational), der auf Rcichswahlvor- schlag gewählt worden war, wird der GewerkfchaftLsckretar E- wald Sauer aus Dillenburg in bin Reichstag eintreten.

WELTSPARTAG

HEUTE MUSST DU SPAREN!

beitslose und 1,7 Millionen Kurzarbeiter und setzt letz­tere einem Ausfall von einer halben Million voll Vc schäftigter gleich, jo ergibt dies einen Ausfall von 12,3 Prozent tätigen Arbeitskräften. Der Lohnausfall, etwas unter dieser Berechnung mit 11 Prozent angesetzt, erreicht demnach eine Jahressumme von 4,4 Milliarden Goldmark. Diese Zahl veranschaulicht den ungeheuren Verlust an Volkseinkommen, der durch die Erwerbs- lofigtcit verursacht wird, birgt eine Summe von Ver­elendung und Sorgen, zeigt aber auch, welch dringende soziale und nationale Aufgabe die Beschaffung von Ar­beit ist.

Boelcke zum Seüâchtnis.

Zu Ehrcu des beut [eben Fliegerheldcn Oswald Boelcke, der am Donnerstag vor 10 Jahren an der Westfront nach 40 Luft- sregen infolge eine tückischen Zufalls im Luftkampf sein Leben kn büffle, fand in Dessau vor dem Ehrenmal Bölckes auf dem Hetdenfriebhose eine schlichte Gedenkfeier statt Die Eltern und kc Geschwister Boelckes wohnten der Fei'er bei. Die Reichswehr w2r durch eine Abteilung vertreten. Eine Fülle von fchkeifen- gefttmütheil Lorbeerkränzen wurde nach der Gedenkrede des Geistjichen am Sockel des Denkmals niedergelegt. Während der Gedenkfeier freiste ein fchwarzbcwimpeltes Junkers; lugzeug über dem Friedhof, w *

Die neue Fridericus-Marke.

Die angefochtene Fridcricus-Marke von 10 Pfennig wirb am 1. November -ur Ausgabe gelangen. Grof-e Vorräte dieser neuen Marke sind bereits hergestellt und an bie Postämter aus­gegeben worden, so daß es schon aus technischen Gründen nicht mehr möglich wäre, sie, wie gewisse Kreise oer^ngien, zurück- zuziehen.

5(X19 Tote und Verletzte beim Erdbeben in Armenien.

Sus Konstantinopel wird gemeldet, Dag nad Ten bisherigen S^h\:ur.?. : beim Erdbeben in Armenien 500»: Personen getötet oder verlegt wurde: Sie Stabt Alexandropol ist zur Hälfte zerstört.

Zum 31. Oktober IW».

So oft der 31. Oktober wieder kommt, Hallen unsere evan» gelifchrn Kirchen wieder vom Dank gegen Gott, der einen Martin . über uns übcnktr Das Bild des Resormators tritt vor un» hu- Seele und im Geiste folgen wir dem glaubensstarken Mann aus seinen Wegen Die Hammerjchlagc von Wittenberg hören wir dröhnen, sehen ihn kühn vor Kaiser und Fürsten in Worms, fchauen ihn in feinem Wartdurgftudchen über die Bibel gebeugt, und wir freuen uns an dem Bilde des Familienvaters, im Kreise von Weib und Kindern mit der Laute die Lieder de gleitend. Auch fühlen wir wieder etwas von den Geistesgaden, die er uns hinterlassen, von der Freiheit des Geistes, Freiheit des Glaubens, Freiheit von Papst und Priesterherrschaft. Stolz und froh sind wir in dem Bewußtsein, evangelische Christen zu fein. Ja auch als Deutsche sind wir stolz daraus, daß Gott einen deutschen Mann dazu auserjehen hat, der Welt das wahre Evan gelium wieder zu erschließen, die frohe Botschaft von dem Vater voller Gnade und Wahrheit.

Doch wehe der evangelischen Christenheit, wenn sie sich heute nur sonnen wollte in solchem Stolz und solcher Freude! Luthers Werk ist nicht ein Vermächtnis, dessen Zinsen wir genießen dürfen, sondern es ist eine beständige Aufgabe für uns. Hier gilt das Wort:erwirb es, um es zu besitzen!" Jedes religiöse Gut muß von jeder einzelnen Seele neu erworben werden' so auch das, welches die Deformation offenbarte. Im Grunde muß jeder evangelische Christ die gleichen inncen Wege gehen wie Luther. Nur wer, wie er, mit seiner Sünde ringt, findet den Weg zur Gnade Gottes und erkennt die Unmöglichkeit, gerecht zu werden durch eigene Werke. Nur wer selbst die Knechtschaft und Abhängigkeit seiner eigenen Seele von äußeren Gewalten und (Einflüssen schmerzlich fühlt, kann Luthers Kampf gegen päpstliche Bevormundung mitempfinden und nach seinem Vor» bild ein Kämpfer der Freiheit sein. Am Reformationsfest wol­len wir ernster denn je uns solcher Selbstbesinnung zuwenden.

Freilich dürfen wir auch den Blick auf das Ganze nicht ver­lieren und nicht übersehen, daß wir Aufgaben in Luthers Sinn für die Gesamtheit zu erfüllen haben. Luthers Werk ist noch nicht vollendet' ja oft will es uns scheinen, als wäre in unserer Zeit eher ein Rückschritt als ein Fortschritt zu verzeichnen. Unter Luthers Hammerschlägen in Wittenberg wankte einst der Thron des Papstes,' heilte steht er fester denn je, und Fürsten und Äiachthaber, selbst evangelische, beugen sich vor ihm und buhlen um seine Gunst. Dor 400 Jahren auf dem Reichstag in Speyer ward der Grund gelegt zur Freiheit der weltlichen Macht, des Staates, gegenüber der Papstkirche, indem jeder Reichsstand in Sachen der Religion es halten solle, wie er es vor Gott zu ver­antworten sich getraue. Heute aber im Zeitalter der Konkordate sind die deutschen Staaten im Begriff, nicht nur ihre Freiheit in religiösen, sondern auch in staatlichen Dingen (Schule) wiede­rum an den Papst zu verkaufen. Einst erweckte die Reformation glaubensstarke, kühne Streiter, die für ihren Glauben in den Tod gingen; heute herrscht in weiten evangelischen Kreisen eine Stampfesftbeu selbst da, wo es gilt gegen unerhörte Beschimpf­ungen des evangelischen Glaubens fronlzumacheir und Berge- waltigungen abzuwehren. Wie eingeschläfert lebt ein großer Teil des evangelischen deutschen Volkes in dieser Zeit der Gegen- reformation. Luther, laß deine Hammerschläge wieder dröhnen, daß das evangelische Volk erwache! Luthers Werk darf nicht rückwärts gehen und nicht stille stehen,' die Deformation muß noch vorwärts schreiten. Auch an unserer evangelischen Kirche und am evangelischen Volk, ja an aller Welt muß der Luther-

MOTOREMFABRIK DEUTZ A-G.

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