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Von Deutschlands Zukunft.
Sorgen und Hoffnungen eines unpolitischen Theologen.
Von K. Beller, Mainz-Bretzenheim.
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Für unsere inneren Verhältnisse bin ich nicht ganz ohne Hoffnung. Sturmzeichen hin und wieder beuten an, daß etwas Neues im Anzug ist, eine Diktatur irgendwelcher Art. Es ist ja erstaunlich genug, wie lange das Volk oben und unten, links und rechts, zu der ungeheuerlichen finanziellen Mißwirtschaft und zu dem mörderischen Steuerdruck, den uns der Parlamentarismus, d. h. die Parteiherrschaft, gebracht hat, geschwiegen hat. Ich habe die feste Zuversicht, die innere Gesundung wird kommen, und aus der Beamlenrepublik wird ein zukunftskrästiger Volksstaat mit starker Zentralgewalt werden, der aus Gründen der Sparsamkeit auch mal einige Jahre mit wesentlich reduziertem Parlamente regieren und mit der Hälfte der heutigen Beamten das Reich verwalten kann. Hoffentlich wird da vor allem und in erster Vinte oben abgebaut, daß man nicht nach unten Unmögliches verlangt und nach oben zahllose gutbesoldete Sinikuren bestehen läßt. Ganze Aemter und Ministerien, so manches Kreisamt und Amtsgericht, sie könnten wahrlich ohne Schaden fürs Ganze verschwinden. In den reichen Jahrzehnten vor dem Kriege war das alles erträglich und angenehm, heute ist es aufreizend und staatsgefährdend.
Doch das alles liegt mir heute weniger am Herzen. Das haben andere schon viel eindrucksvoller gesagt. Meine Gedanken bewegen sich vor allem um die außenpolitische Zukunft Deutschlands. Kommt die Stunde, in der Deutschland nach innen gesundet und zu einem wohlregierten Groß-Deutschland wird, das die anderen mit Achtung, Reid und Furcht aufs neue betrachten und beargwöhnen, dann ist recht eigentlich des Vaterlandes Schicksalsstunde aufs neue gekommen, an die ich mit großer Angst und Sorge denre. Ich fürchte nämlich, daß bas roiedergenesene und wiedererstarkre Deutschland auf den kurzsichtigen und törichten Gedanken kommt, als europäische Großmacht in jeder Hinsicht aus eigenen Füßen stehen zu können. Solche Ideen konnte sich ein Land wie Deutschland im neunzehnten Jahrhundert noch allenfalls leisten. Und da find sie ihm zum Verhängnis und Verderben geworden. Im zwanzigsten Jahrhundert vollends führen solche Gedanken lediglich zu politischen Totgeburten. Die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse drängen zu
Sie .âihne" für Germersheim.
Dao alte Lied!
Nouzier freigesprochen. — Die deutschen „Angeklagten" verurteilt. — Protestkundgebung der Pressevertreter ; an Briand.
Landau. Der Leutnant Rouzi « r, der bekanntlich ohne irgendwie angegriffen zu sein, vor Jahresfrist den Deutschen Müller erschossen und den Deutschen Mathes schwer verletzt hat, wurde vom Kriegsgericht des 22. franzöfiischen Armeekorps freigesprochen. Der Militärstaatsanwalt hatte ein Jahr (!) Gefängnis beantragt.
Die deutschen „Angeklagten" wurden restlos zu Gefängnisstrafen verurteilt. (Die französische Militärbehörde hatte den Fall Rouzier eigenartigerweise mit einem Zwischenfall in Sondernheim und einem Wirtshausstreit zwischen Deutschen und Angehörigen der französischen Besatzung verquickt — lediglich deshalb, um das Vergehen Rouziers abzuschwächen!)
Bei den Landauer und Germersheimer Bürgern hat dieses nadb Locarno und Genf doppelt provokatorisch wirkende Urteil Heft Trauer und große Erbitterung bervoqge rufen.
Protest der deutschen Pressevertreter.
Die deutschen Pressevertreter haben an Briand ein Tele- Tramm gerichtet, in dem sie als Augen- und Ohrenzeugen ein« mBtig gegen das unerhörte Urteil protestieren. Der Freispruch Rouziers sei eine schwere Verletzung des Rechtsempfindens des deutschen Volkes und der gesamten zivilisierten Welt.
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Dr. Stresemann verzichtet auf seine Erholungsreise.
Die Bedeutung des Landauer Urteils geht daraus hervor, daß Reichsaußenminister Dr. Stresemann infolge der durch das Urteil heroorgeru jenen innen- und außenpolitischen Lage vorläufig auf seinen Urlaub verzichtet.
Beamtenbeihilse in Hessen der Gruppen I—VI.
Da vor einigen Tagen im Finanzausschuß eine Einigung über die Weihnachrsbei Hilfe nicht erzielt worden war, hielt der Hessische Landtag am Dienstag eine Plenarsitzung ab, in der die Regierungsvorlage auf Gewährung der Weihnachtsbeihilfe an die Staatsbeamten in Gruppen I—VI in Höhe von einem
großen Zusammenschlüssen. Man verstehe mich nicht falsch. Mein Herz gehört dem Vaterland, und ich wünsche nichts sehnlicher als seine baldige Wiedergeburt und auch seinen machtpolitischen Ausstieg. Aber ist das beides da, dann ja kein Pochen auf die neue Macht, kein Denken: Germania fara da fe, sondern politische Verständigung mit den großen und kleinen germanischen Reichen, also England, Nordamerika und die skandinavischen Länder, einschließlich Dänemark, Holland und Finnland. Man sage nicht, das ist eine Utopie. Wird diese Utopie nicht zur Wirklichkeit, ist zunächst Deutschland, Holland, Dänemark, aber später auch England verloren. Vielleicht behauptet sich die Union länger gegen die heranziebende gelbe und schwarze Flut. Ganz abgesehen von der slavischen Gefahr des Weltkommunismus, die drohend genv^ ihr Haupt erhebt. Da sollte keine Macht, auch Amerika nicht sagen: ..Amerika fara da se." Gehen die Dinge so weiter, wie sie heute liegen, so fürchte ich ernstlich, wird der Gedanken des Zusammenschlusses und der politischen und wirtschaftlichen Verständigung zu spät kommen, nämlich dann, wenn wir Sowjetstaaten oder mongolische Provinzen sind. Die innenpolitische Nyt der Völker mit ihrem Arbeitslosenheere fordert eine internationale wirtschaftliche Auseinandersetzung. Die Idee des geschlossenen nationalen WirtschaftsstaatHs wird neue Revolutionen und Kriege heraufbeschwören. Und die außenpolitischen Beklemmungen der Nationen fordern zwingend Abbau des Imperialismus wje im Denken und Fühlen, so in der politischen Betätigung, wie ich zuversichtlich hoffe und wünsche, daß etn genesenes Deutschland dem Imperialismus in jed^r Form den Abschied gibt. Wäre dieses Umsinnen vor dem Jahre 1914 erfolgt, hätten den europäischen Völkern böse Lehren erspart bleiben können und wir wären unabhängig voneinander geblieben. Die Riesennot der Welt, von der unsere ein kleiner oder größerer Teil ist, zwingt zu weitgehenden Selbstbescheidungon auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet, soll dje westliche Kultur nicht der mongolischen zum Opfer fallen. Ist das unser Ziel, können wir nicht rasch genug daran gehen, uns politisch völlig umzustellen, ehe jede Neue und Umkehr zwecklos wird.
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Viertel des Monatsgehaltes angenommen wurde. Abgelehpl wird u. a. der sozialdemokratische Antrag auf Gewährung etnpr Weihnacht sbeihilfe an die Erwerbslosen in Höhe von einer hcjl» den Wochenunterstützung.
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Zahlung der Umsatzsteuer.
Der Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und Industrie hat beim Reichsfinanzminister beantragt, die Frist für die Zah, lang der Umsatzsteuer nach Aufhebung der Schonfrist allgemein auf den 15. des Monats zu verlegen, da viele Steuerpflichtige in vielen Fällen nicht in der Lage sind, die Umsatzsteuer recht - zeitig bis zum 10. des Monats zu berechnen. Daraufhin ist zunächst für die Monate Dezember 1926 und Januar 1927 die Zahlungsfrist bis zum 15. des Monats verlängert worden. Der Hansa-Bund hat sich erneut an den R ei chsfinanzminister und an den Steuerausschuß des Reichstags gewandt und die Festsetzung der Zahlungsfrist für die Umsatzsteuer allgemein auf den 15. eines jeden Monats beantragt.
Weihnachten.
,,Es ist ein Rosi entsprungen aus einer Wurzel zart."
Und so vollzieht sich jetzt, ewig jung und strahlend wie einst der Sporn zu Bethlehem, das heilige Wunder dieser Christnacht. Freude, reine, schlichte Festesfreude schwingt durch Hütten und Paläste, strahlt aus Kerzen feierlich geschmückter Tannen bäume, spiegelt sich im Abglanz leuchtender Menschenaugen.
Für die Spanne einer Weihnacht hat die Welt allen Staub und Lärm, allen Zank und Hader abgewälzr von sorgen reichen Schultern und steht nun da, lichtübe gossen, von Seelenwärme durchströmt, in festlichem Gewände und jubelt so herzlich wie ein unbekümmertes Kind.
Eigenartig ist der Zauber, mit dem die Weihnacht auch uns Menschen umfängt. Wir sehen im Geiste das Gotteskrnd in ärmlicher Krippe, arm und frierend — und doch so unendlich groß, daß es mit seinem Lächeln all das Vergängliche über« windet. Und das göttliche Lackeln bringt wie warm ende Sonne ins kampfverhärtete Men schon herz und öffnet es weit, daß es ausnehmen kann die Gnaden der Weihnacht — die Hoffnung und die Liebe. Und tief taucht es ein in die Erinnerung glückseliger ndertage. Da beginnt der Jungbrunnen einstiger Kindlichkeit, bei vielen schon halb versiegt, wieder pi fprubein, und so verjüngte Menschen feiern ergriffen Weihnacht — und hoffen.
Oft und oft haben wir im Jahr es laufe durch das Tor der Finsternis geben müssen, haben uns verlassen geführt, unser
Wockknrückbiül.
Der Ansang der verflossenen Woche war noch gana voll den Ereignissen in Gens erfüll!. Wir betrachteten die Lage von vornherein nicht sehr optimistisch und haben dabei eine Freude erlebt, daß nämlich unsere ae ringen Hoffnungen noch übertroffen wurden und Me Aufhebung der MilitärkontraUe Deutschlands am 31. Januar 1927 zur endgültigen Festlegung kam, nachdem über lOU strittige Fragen bereinigt worden waren, ^ daß nur noch zwei übrig blieben. Auch diese werden in der nächsten Zeit ihre Erledigung finden. Man ta \n unseren Reichsaußenminister Dr. Stresemann tatsäch lich zu den von ihm erzielten Ergebnissen beglückwünschen. Leider tonnte die für Hessen auch so wichtige Rheinlandsrage noch nicht behandelt werden. TAr französische Außenminister mußte in der Zwischenzeit mit dem allmächtigen Poincarè einen harten Kampf bestehen, aber er hat sich durchgesetzt. Das will immer hin etwas heißen. Aber man yat zur Zeit in Franko reich noch andere Sorgen. — An der Grenze zwischen Frankreich und Italien „mischt sich in den Orangendust der Pulvergeruch", so schrieben führende Tageszeitun gen. Die Lage an dieser Grenze scheint ziemlich gespannt zu sein. Man liest dauernd von Truppenanhäu- jungen, die wieder einmal das Schlimmste befürchten lassen. Hoffentlich siegt die bessere Einsicht und die Zurückhaltung der Grenzbewohner und Erenztruppen.
In Deutschland erleben wir nach der Genfer Tagung wieder einmal eines der beschämendsten Schauspiele. Leichtfertig wird eine Regierungskrise heraufbeschworen. Der Abg. Scheidemann hielt eine Rede, die, adge sehen von seinen Fraktionskollegen, von allen Parteien mißbilligt wurde, da sie unsere ganze seitherige Erfolgpolitik in Frage stellt. War das nach Genf unmittelbar nötig? Unsere Parlamentarier haben Brillen vor den Augen, die anscheinend mit der dicksten Eisschicht beschlagen sind. Hat die Partei, die in diesem Augenblicke durch ihren Sprecher Scheidemann derartige Angriffe eröffnet, tatsächlich noch das Volkswohl im Auge? Kaum! Nichts als egoistischer Partetgeist spricht aus den Aeußerungen. Ist es Neid, daß man bei den Genfer Erfolgen nicht in der Regierung faß? Bald könnte man es glauben. — Dazwischen läuft die Vernehmung des früheren Reichskanzlers Michaelis vor einem Untersuchungsausschuß, dem man vorwirst, das Friedensangebot des Papstes sabotiert zu haben. Am schlimmsten wütet darin die katholische Presse, die behauptet, evangelische Kreise hauen enen derartigen Einfluß auf den Kanzler gehabt, daß sie es durchsetzten, daß er das von katholischer Seite angebotene Vermittleramt ausgeschlagen habe. Die Evangelischen hätten die Schuld, daß der Krieg noch Hunderttausende von Opfern gekostet hätte. Kann es für uns Evangelische eigentlich noch schlimmere Angriffe geben? D i e G e - hässigkeit dieser Presse kennt keine Grenzen! —
Schicksal gomieben geglaubt vom Glanze der Glückevsonn«. Und manchem schien sein Leben ein nimmer «nden wollender, vom Dunkel erfüllter Winter.
Doch jede Wintersonne hat Wini ersonnen wend«, jedes Schicksal und jedes Leden hat feine Wend« zum Licht. Das ist Weihnachtsborfchaft, das ist Weihnachtshoffen — auch für ganze Völker.
Und so reife in uns Deutschen die Erkenntnis und der Wille zum Mut, ganz erfüllt von dem Glauben, daß es nach so langem Bergab auch wieder ein Bergauf gibt, daß etn noch so langes Dunkel wieder strahlend überwunden wird von dem Lichte der Hoffnung und der Liebe, von sieghaftem Weihnachtsglauben.
Weihnacht! Da ist es, als ob der Himmel ein Füllhorn über uns ausgeschüttet habe, da wir der Gaben Reichtum nicht alle zu fassen vermögen und nur schenken wollen. Die Weth- nachtsliebe läßt fühlen, wie die Schlacken der Selbstzucht, ange- häuft im Kampf« des Alltags, schmelzen. Ein Purpurmantel liebender Harmonie umspannt uns alle in heiligen Christ- nachtsftunden.
Aber nicht darum allein darf es sich handeln, diese u^ jene Sammlung unterzeichnet zu haben, die von Haus zu Haus gegarten sind. Nein, Weihnachtslieb« ist etwas anderes! Sie verjagt den bösen Willen, die Vorurteile, den sozialen und nationalen Haß und setzt an Stelle dieser unheilvollen Mächte gütiges Derftehenwollen und liebevolle Güte.
Allverstehen und großmütiges All verzeihen, — das ist her Wkihnachr höchster und letzter Sinn, das ist die Seele dieses Festes, das göttlicher Liebe entsprossen und menschliche Liebe erwecken soll.
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Rasse und Seele im deutschen Menschen.
Von Prof. Dr. Otto Weide- Brchbach. > bchvn bit Tageszeitungen beschäftigen sich mit Rasj^- pr ab lernen und geben Auszüge aus den Werken der großen Männer, denen diese biologischen Probleme zu einem in lein? nnen Gebiet der Forschung geworden sind. Wer hat vor wenigen Jahrzehnten etwas bestimmtes über Rassen und über die