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Samstag, den 21. August 1926

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Erscheint: Samstags.

Bezugspreis 40 Pfg monatlich frei ins Haus.

Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rück« fettdung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Volksbegehren des Sparerbunöes abgckhnt.

Berlin, 20 August. In später 9ladmunbc wurde gestern von zuständiger Stelle un Beschluß der Reichsregierung zum Antrag des Sparerbundes mitgeteilt, in dem es u a heißt:

daß der Reichsinnenminister im Namen der Reichsregierung den von dem Abgeordneten Dr. Best als Vertrauensmann des Sparerbundes und des Hypothekcngläudigcr: und Sparerschutz- Verbandes gestellten Antrag auf Zulassung eines Volksbegehrens z: gunsten eines Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen mb die Umwertung von Hyporheken und andern Ansprüchen mit dem Kennwort „Sparerbund Dr. Best" abgelehnt hat.

Die Urlaubsreife des Reichspräsidenten.

Reichspräsident o. Hindenburg wird am Sonntag mit dem Berliner Rachtschncilzug nach München kommen und abends mit dem Kraftwagen nach Dietramszell weilerfahren, wo er seinen ommererholungsurlaub verbringen wird.

Der deutschnationale Parteitag in Köln.

Der diesjährige Reichsparteitag der deutschnationalen ^Zk^olksparlei findet, wie nunmehr endgültig seststeht, in den Tagen jom 9. bis 11. September in Köln statt. Am 8. September findet wie Sitzung der Parteileitung und der Parteivertreiung statt. Der eigentliche Parteitag wird am 9. und 10. September a-ge­halten werden. Das politische Hauptreferat wird der Reichs­tagsabgeordnete Graf Westarp halten.

Ein Beschluß der rheinischen Landwirtschastskammer.

Der Borstand der Landwirtschastskammer für die Rhein­provinz hat im Zusammenhang mit den Haussuchungen bei dem Vorsitzender der Kammer, Freiherrn v. Lüninck, einen Beschluß gefaßt, in dem es unter anderem heißt: Wenn Ministcrpräsi^nt Braun grundsätzlich jede Verhandlung mit dem Vorsitzenden der rheinischen Landwirtschastskammer über die Interessen der rheinischen Landwirtschaft ablehnt, so verstößt er damit offen? kundig gegen die Borschristen seines preußischen Staatsgesetzes. Wenn der Ministerpräsident seine Ablehnung mit der Behaup­tung begründet, der Vorsitzende der Landwirtschastskammer habe seiner Kritik an den Maßnahmen der Staatsregierung „jedes Gefühl für die Erhaltung der Staatsautoritat außer acht gelassen", so widerjpricht diese Behauptung den Tatsachen.

Tie Berschuldung der Landwirtschaft»

Nach den Schätzungen des Konjunkturinstituts beträgt augenblickliche Verschuldung der Landwirtschaft, und zwar

die die

Personalverschuldung. 2 Milliarden, wovon etwa 350 Millionen auf die Genossenschaften entfallen, 400 bis 500 Millionen auf Sonderkredite aus den Mitteln der Zentralgenossenschaftskassen. Rückzahlbar sind nach den Schätzungen des Instituts noch im laufenden Kalenderjahr nahezu 600 Millionen, davon rund 300 Millionen an die Rcntenbankkrcditanstalt. die in diesem Jahr nicht mehr prolongiert werden können.

Das Eisenbahnattentat am O-Zng Berlin-Hannover.

Berlin, 19. August. Der um 10,37 Uhr abends von Berlin nach Hannover abgehende V-Zug 8 ist heule morgen 2,10 Uhr zwischen Isenbüttel und Lehrte entgleist. Insgesamt sind 19 Per­sonen, darunter Reichs- und Staatskommissar Ernst Mehlich, ums Leben gekommen, zu denen zwei nachträglich Verstorbene hinzukommen. Nach den Feststellungen liegt ohne Zweifel ein Bahnsrevel vor.

Ueber das Unglück teilt die Reichsdahndirektion mit: Heute nacht gegen 2 Uhr entgleiste zwischen Lehrte und her Blockstation 179 der Schnellzug D s Berlin-Hannover. Die Maschine und sieben Wagen engleisten. Ein Teil stürzte den 1 Meter hohen Damm hinunter und legre sich auf die Seite. Der siebente Wa­gen hatte sich auf den sechsten hinausgeschoben und ihn voll­ständig zertrümmert. Da neben dem Gleis

losgeschraubte Laschen und Laschenbolzen gefunden wurden, handelt es sich nach den bisherigen Feststellungen um einen Bahnfrevcl. Der Zug fuhr auf gerader Sirecke mit seiner fahrplanmäßigen Geschwindigkeit. Ein Teil der Wagen stürzte um; ein Wagen wurde durch den folgenden zertrümmert.

25 000 Mark Belohnung.

Die Deutsche Reichsbahn-A.-K. dat auf die Ergreifung her Täter eine Belohnung von 25000 Mark ausgesetzt. Der Rc- e'erungvprastdent von Lüneburg Hal glclö falls c-nc Belohnung

von 2000 Mark sü

greisunz der Täler ausgesetzt.

Aufmarsch des Reichsbanners in Nürnberg.

Statt 100 000 nur 13 006 Teilnehmer.

Am Sonnabend und Sonntag hielt das Reichsbanner Schwarz-Rot-Eold in Nürnberg seine Jahresversammlung ab. Für die Anhängcrsckar der Reichsbanner war diese Zusam­menkunft eine schwere Enttäuschung. Die Teilnehmerzahl war

weit hinter allen Erwartungen z urückgeblieben.

dem

Reichsbanner nahestehende Presse hatte - leichtsinnigerweise — ..100 00*3 Tagungsbesucher" in Aussicht gestellt, die Reichsbanner- Leitung wollte 60 000 auf die Beine bringen, in eingeweihten Kreisen rechnete man mit 30—10 000. und als der große Festzug am Sonntag-yriaittag von unbeteiligter Seite genau gezählt wurde. stellte sich in Wahrheit die Zahl der im Feßzug Mar­schierenden

auf rund 12 6000.

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Für eine Stadt wie kralic in Süddeutsch! iich. Es ist dabei zu berget Versammlung

Nürnberg, die Hochburg her Sozial demo | and, ist dieses Ergebnis in der Tat kläg 1 berücksichtigen, daß der diesjährigen Nürn des Reichsbanners der Gedanke zugrunde

ie große Münchener Ausstellung des Jahres 1927.

Außerhalb der Grenzen

s ist bisher noch wenig über

lag, den „von der Reaktion gefährdeten" Platz Nürnberg für die schwarzrotgoldene Partei wieder „zurückzucrobern". In Ande tracht dieses Zweckes bedeutet das Ergebnis der Veranstaltung einen glatten Mißerfolg.

^titti für einen europäischen Staatsbund.

Paris, 19. August. Auf der gestrigen Vollsitzung des inter­nationalen demokratischen Friedenskongresses hielt der frühere italienische Ministerpräsident Nitti eine bemerkenswerte Rede, in der er sich als entschlossener Anhänger des Friedensgedankens besonnte. Ein gutes Beispiel für die Bewahrung des Friedens biete bit Schweiz. Trotz ihrer verfchiedenstämmigen Einwohner habe sie es verstanden, während des ganzen Krieges ihre Un­abhängigkeit zu bewahren. Europa werde gedeihen, wenn es ein Bund wie die Schweiz fein werde. Durch die Erhöhung der

Zahl der Staaten in Europa von 25 auf 35 seien überall schranken entstanden, die bald wieder fallen mühten.

Zoll-

Die sozialistische Jugendinternationale.

Die Mitgliedschaft der sozialistischen Jugendinier- nationale wird um 1925-26 auf 1 , Million zu schätzen sein. Dem Bericht der „Soz. Jugendinternationale" in Amsterdam zu Pfingsten dieses Jahres ist zu entneh­men, daß ebenso, wie bei Gewerkschaften und sozialtstr- schen Parteien, sich auch in der sozialistischen Jugendbe­wegung ein merklicher Rückgang an Mitgliedern voll­zogen hat. So ist die Zahl nach den neuesten Feststel­lungen in Deutschland von 95 000 auf 70 000 zurück­gegangen. Die Gesamtstärke der sozialistischen Jugend hat international eine Einbuße von 250 000 aus 200 000 erlitten.

Arbeitsbeschaffung für die Erwerbslosen in Rheinheffen.

Unter Zuhilfenahme der von der Reichsregierung zur Be­kämpfung der Erwerbslosigkeit bereitgestellten Mittel sind auch in Rheinhessen im kommenden Herbst und Winter größere Ar­beiten geplant. Neben einer großen Anzahl von Orts- und Geländeentwässerungen, Bachregulierungen, Wasserleitungen, Wegherstellungen usw. soll die Entwässerung der Rheinniederung jetzt durchgeführt werden. Es handelt sich hier um ein großes Projekt, dessen Durchführung schon seit fast 100 Jahren geplant ist.

Grober Unfug und Polizei.

Der „Märkischen Volkszeitung" Nr. 207 vom 29. 7. 1926 entnehmen wir: „Durch die Straßen von Leipzig zog am letzten Sonntag ein Demonstrationszug der Kir­chenfeinde. Auf einem Wagen stellte man einen Geist­lichen im vollen Ornat bei der Trauung eines alten Paares dar, wobei er in verächtlicher Weife nach rechts und links die Gebärden des Segenspendens nachmachte. Tiefer unglaubliche Unfug auf offener Straße rief naturgemäß den Protest jedes anständig Gesinnten her­vor. Die Polizei stellte sich blind."

Ausbau der Lahnkanalisierung.

Die langjährigen Bemühungen des Lahnkanalvereins und der Behörden und Interesienten, die mit ihm zusammen sich für den Ausbau der unfertigen Lahnkanalisierung einsetzten, haben endlich den Erfolg gezeitigt, daß zunächst das untere Ende, etwa 70 Km von der Mündung bis Steeden, oberhalb Limburg in Airgriff genommen wird. Die Mittel dazu, 4,2 Mill. RM. sind f csichert. Die Arbeiten an den drei Schleusenbauten sind bereits rergeben. Die Staustufe Dausenau fällt an die Firmen Peter Bauwens, Köln und Heinrich Redemann, Düsieldorf, die sich da­für zusammengcjchlosien haben, die Staustufe Nassau an die Firmen D. ckcrhoss u. Widmann, Biebrich und Polensky u. Zöll- : Kör" unb die Staustufe Diez an Philipp Holzmann, Frank- ;uri a. M Die Oberleitung und Aufsicht über alles hat das W^öcidaMMt D.cz. Mit den Bauten wird unverzüglich be-

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und wohl mindestens 600—700 Erwerbslose beschäftigt Die Unter neunter firmen dürfen nur solche Erwerbslose . die durch den zuständigen Kreisarbeilsnachweis ihnen

:Le: wiesen werden. Es steht zu erwarten, daß mit der Vol­lendung des Ausbaues zu Ende des nächsten oder Anfang über- nuästen Jahres ein erheblicher wirtschaftlicher Aufschwung im Lien ii b weiteren Bereich des neuen Kanals eintreten wird.

Teun die Bodenschätze Stanaus bedürfen nur einer billigen A fuhimönttnittit um namentlich im rheinischen Industrie- i.r c '. 3 Holland ceruarli Abnahme zu finden. Das jetzt in A cenop inene Siäd des Kanals reicht vom Rhein nur bis

ersten DcrkehrsZentrum an der Lahn, dem Limburger Decker in : u^nt bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt. Die weitere Aufgabe wird rie Ausdehnung über Weilburg bis zum zweiien Verlehiszentrum um Wetzlar— Gießen mit dem oberhessischen Hl :.7le .d scin. Sei Verkehr von dort ist stärker zu schätzen, als an" ?er «steten Lahn und auch bei irrn dreht es sich dol allem um Steine und Mineralien, deren Versand mit der Reichsbahn an der Frach:hohe icheitern iodaß also durch den Kanal ein neuer Verkehr geschaffen wird.

die Ausstellung besannt geworden, die im nächsten Jahre in München auf demselben Gelände statt finden wird, aus dem im vorigen Jahre die Deutsche Derkehrsausstellung abgehalten wurde. Es ist die Ausstellung „Das Bäuerische Handwerk", zu der die Vorarbeiten bereits mit aller Intensität betrieben wer den. Die Unkenntnis darüber mag wohl zum Teil mit dadurch verursacht sein, daß der Titel der Veranstaltung nicht genz er i wfenb ist. Die Bezeichnung „Das Bayerische Handwerk" er weckt leicht die Votstellung, als handle es sich hier um ein internes, um nicht zu sagen, partitularistisches Unternehmen, das den Außenstehenden wicht zu interessieren braucht. Dem ist aber durchaus nicht so. Die Beschränktrng auf das bayerische Hand werk war notwedig, einmal aus technischen und organisatorischen Gründen, dann aber auch, weil eine Ausdehnung auf das gesamte deutsche Handwerk allzusehr zu Miderholung geführt hätte. Denn diese Ausstellung soll ja nicht nur tote Gegenstände zeigen, sondern sie hat sich zum Ziel gesetzt, das Handwerk in seinem innersten Mesen, d. h. bei der Arbeit vorzuführen. Es werden also die lebendigen Werkstätten den Mittelpunkt der Darstellung bilden' man wird in erster Linie den Arbeitsvorgang, nicht das Arbeitsprodukt sehen können. Daraus ergibt sich, daß die Aus itedung nicht wie gewöhnlich den Cl>arakter einer Messe haben, sondern das sie eher von wissenschastlicher Art sein wird. Aus diesem Grundcharakter des Unternehmens ergibt sich aber auch, daß das bayerische Handwerk auf das sie beschränkt ist, nur das Demonstrationsobjekt ist, an dem das gesamte Handwerk, nicht nur das bayerische, sondern das Handwerk überhaupt als Kul turfaktor im allerweitesten und allergrößten Sinne auf geneigt wird. Daneben soll aber auch die einschlägige Hilfsmaschinen-, Rohstoff- und Halbfabrikate-Industrie heran gezogen werden. Die Ausstellung wird das gesamte verfügbare Areal des Ausstel- lungsparkcs (300 000 qm, davon 29 000 qm bedeckte Hallen) eim nehmen. Das allein zeigt schon, daß es sich hier um eine Sache von allgemeinstem, deutschem Interesie handelt<

Deutschland baut das größte Flugzeug der Welt.

Während England vor kurzem das bisher größte Verkehrs flugzeug in Dienst gestellt hat, wird Deutschland noch im Herbst dieses Jahres über das größte Flugboot der Welt verfügen. Auf der Dornier-Werft in Manzell bei Friedrichshafen nähert sich der Dornier-Superwal seiner Vollendung. Dieses Flugboot wird 20 Fluggästen Raum bieten und über eine vierköpfige Besatzung, nämlich zwei Piloten, einen Bordmonteur und einen Funker ver­fügen. Die Maschinenanlage wird aus zwei Motoren mit ins gesamt 1300 PS bestehen. Die neue Maschine ist in erster Linie für den Hochseeverkehr, für das Ueberfliegen weiter Seestrecken, bestimmt. Mit den Probeflügen dürfte noch im Herbst dieses Jahres begonnen werden.

Weltbund deutscher Kolonisten.

Der „Weltbund deutscher Kolonisten" versendet die Mitteilung seiner Gründung. Als seinen Zweck bezeich­net er den Zusammenschluß aller deutschen Kolonisten im Ausland zur Vertretung ihrer ideellen und materiel­len Interessen. Zur Förderung des Kolonialverständ- nisses in breiten Volksschichten will der Weltbund Film- und Lichtbildervorträge namhafter Fachleute veran­stalten. Vorsitzender ist Hans Schomburg k.

Aus Böhmen.

Die deutschen evangelischen Gemeinden in der schechei mußten sich schon mehrmals dagegen wehren, daß Bezirksbehörden ihnen ihr Recht auf die deutsche Amts- und Kirchensprache verkürzen wollten. Es ist ihnen auch bisher jederzeit gelungen, solche Angriffe abzuweisen. Jetzt ist ein derartiger Vorstoß zum ersten­male von einer Landesbehörde ausgegangen, die dem deutschen evangelischen Pfarramt in Reichenberg (Böh men) den Auftrag erteilte, Nachträge in die Kirchen­bücher in tschechischer Sprache aufzunehmen. Selbst verständlich sind die evangelischen Gemeinden fest ent schlossen, ihr Recht auf die deutsche Kirchensprache, ba^ in den staatlich genehmigten „Erundbestimmungen" der deutschen evangelischen Kirche verbrieft ist, gegen jeden Eingriff nachdrücklichst zu behaupten.

Gesetz gleich Recht?

Die praktische Anwendung der in letzter Zeit ergangenen io'ialpolitifdfen Gesetze, jo insbesondere des Gesetzes über die stillen für die Kündigung von Angestellten, hat eine größere Zahl von Zweifelsfragen auftauchen lassen. Zur Klarstellung

1 sich her Hansa-Bund für Gewerbe, Handel und Industrie in einer ausführlich begründeten Eingabe an den Reichsarbeits- ministcr gewandt und mit dem Hinweis darauf, daß im Inter- eUc einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen den Untere nehmergruppen und den Vehördenstellen eine objektive Aus­legung dieser unklaren Vorschriften dringend erforderlich sei, um Stellungnahme gebeten. Der Reichsarbeitersminister hat dem Hansa-Bund erwidert:

„Die Auslegung von Gesetzen ist in Fällen der vorliegen­den Art Sache der Gerichte. Ich bedauere daher, die gewünschte Stellungnahme aus grundsätzlichen Erwägungen ablehnen zu müsien.