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Erscheint: Samstags.

Bezugspreis 40 Pfg monatlich frei ins Haus Redaktionsschluß früh 8 U^r. — Für Aufbewahrung oder Rück­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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Geheimrat Atönig über das Werk Zeppelins.

Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Walter Äonig^ie'gcn, der 2. Vorsitzende des Vereins für Luftfahrt e. V-, machte uns fol gende Erklärungen über den Zeppelin Luftichiftbau und die Zeppelin-Eckener Spende:

„Ich bin immer ein aufrichtiger, begeisterter Bewunderer Zeppelins gewesen. Sein Gedanke des starren Luftschiffs und dessen erfolgreiche Durchführung erscheint mir als eine der größten Taten, die deutschem Geiste entsprungen sind, als eine der größten Erfindungen, die ein Deutscher der Welt geschenkt hat. Ich bin überzeugt, daß das Luftschiff im Luftverkehr seine Bedeutung für Reisen über sehr lange Strecken neben dem Flugzeug stets behalten wird, sobald es nur erst einmal richtig in den Verkehr eingestellt ist. Für wissenschaftliche Aufgaben aber, besonders für die Erforschung unbekannter Länder, halte ich das Luftschiff für sehr viel geeigneter als das Flugzeug. Darum hat meiner Ansicht nach die ganze Welt ein Interesse daran, das Lebenswerk Zeppelins nicht verfallen zu lasien. Aber nur wir Deutsche haben in den Werken von Friedrichshafen und in den Männern, die sie leiten, die auf langer Erfahrung beruhende Möglichkeit, den Gedanken Zep­pelins fortzuführen und weiter auszubauen. Wahren wir das Vermächtnis des Grafen, indem wir alles daran setzen, den Lustschiftbau in Friedrichshafen zu erhalten. Mochte in der Reichssammelwoche jeder Deutsche sich dieser Verpflichtung be­wußt sein und sein Scherslein, und wenn cs noch so klein ist, dazu beitragen."

Endgültiges Volksentscheids-Ergebnis.

Berlin, KL 7. Der Reichswahlausschutz hat heute vormittag das endgültige Ergebnis des Volksenischeids festgestellt. Die Zahl der Stimmberechtigten betrug 39 785 95U. Von diesen gaben 15 599 797 ihre Stimme ab. Die Beteiligung betrug demzufolge 3 9,3 Prozent. Ungültig waren 558 903 Stimmen. 14 456184 Stimmen lauteten mit „Ja", 585710 lauteten mit „Nein".

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Reichsminister a. D. Koch vor der Marburger Studentenschast.

Marburg, IG. Juni. Gestern abend sprach in dicht besetzten großen Horsaal der Universität Reichsminister a. D., Reichstags- abgeordneter Ä o d) über „Das neue Deutschland". Einleitend betonte er, daß Deutschland als machtloser Staat in den letzten sieben Jahren keine andere Außenpolitik treiben konnte, als die von Rathenau begonnene und von Stresemann nach seiner eigenen Aeußerung gradlinig fortgeführte Erfüllungspolitik deren Prinzig der elastige Widerstand gewesen sei, der nichts unnötig preisgegeben, unnötige Konflikte aber vermieden habe. Die Erfolge dieser Politik seien klar, wenn man sich den Stimmungs­wechsel vergegenwärtige, der zwischen Spa 1918 und Locarno 1925 eingetreten sei. Diese Politik könne allein die Zukunft Deutsch­lands und Europas sichern. Gewiß sei der Friede nicht das höchste Gut eines Volkes, vielmehr fein Leben und seine Frei­heit' aber ein neuer Krieg werde der deutschen Kultur und der Kultur des gesamten Abendlandes ein Ende bereiten. Die Vor­aussetzung für eine erfolgreiche Wetterführung unserer Außen­politik sei die Einigung im Innern. Der letzte Grund der Gegen­sätze bei uns sei die Verschiedenheit in der Frage der Staats­form.

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Die Reise um die Welt.

Newyork, 15. Juli Die amerikanischen Weltflieger Evans und Wells, die mit ihrem Flug um die Welt einen Rekord brechen wollten, kamen gestern in Neu York an. Sie vollendeten den Flug um die Erde in 28 Tagen und 14' Stunden. Die bisherige schnellste Reise um die Erde wurde im Jahre 1913 in 35 Tagen ohne Flugzeug durchgeführt.

Die Beiträge der Gewerkschaftömitglieder.

xsm Jahre 1913 belief sich das Vermögen der Verbände, die jetzt im (freigewerkschaftlichen) Allgemeinen Deutschen G2- werkschaftsbund zusammengeschlosien sind, auf 88 Millionen Mark, das der Christlichen Gewerkschaften betrug über 9S Mil Honen Mark. Mit Ablauf des Jahres 1921 hatte der erstge­nannte Bund schon wieder einen Vermögensbestand von etwa 37 Millionen Mark erreicht, von dem sich allein 22 Millionen Mark in den Hauptlasten befanden.

Recht interessant ist in diesem Zusammenhänge folgende Statistik, die von der Leitung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes auf Grund der Angaben von 26 Verbänden (insgesamt sind 41 Verbände dem Bund angeschlossen) aufgc* stellt ist:

1924

bis

Jahresbeitrag

10,40

Mitglieder

335 505

in Prozent

10,8

10J1

15,60

282 718

9,1

15,61

20,80

307 109

9,9

20,81

26,—

628 479

20,2

26,01

31,20

370 229

11,9

31,21

36,40

693 632

22,3

36,41

über

41,60

41,60

154 372

334 569

5,0

10,8

Samstag, den 17. Juli 1926.

Druck. Verlag und Expedition:

Gießen, Südanlage 21

Fernsprecher Nr. 1362 Postscheckkonto Nr. 8437 Amt Frankfurt a. M.

Man sieht aus dieser Tabelle, daß das Schwergewicht der Beitragsleistung bei den Beitragsstuscn von 20,81 M. bis 36JO M liegt Sie umfassen MJ Prozent aller Mitglieder, für die Angaben gemacht wurden. In den beiden höchsten Stu sen überragen die Anteilziffern im Jahre 1924 die des Jahres ; 1913 um ein garn erhebliches, wo nur 1,8 bczw. 5 Prozent vor 1 Handen sind.

Allgemein ist über die Höhe der Beiträge zu sagen, saß sie ( etwa 2 bis 2’. Prozent des Einkommens betragen. An Streit ! beitragen wurden aus manchen Bezirken bis zu 5 Mark monat : H4) gemeldet. Zu diesen laufenden Beiträgen kommen die Ein mtrsgelber noch hinzu, die durchschnittlich einen Wochcnbcitrag ^nsmachen.

Gasfernversorgung.

Uüi der zur Zeit zur Erörterung stehenden überaus wich tigen Frage der Gasfernversorgung haben sich nunmehr auch maßgebende Kreise der Wirtschaft beschäftigt. Am Dienstag, den 13. Juli 1926 tagten zu Darmstadt führende Persönlichkeiten der Wirtschaft der Provinz Starkenburg, die nach eingehenden Beratungen einstimmig die folgende Entschließung faßten:

„Wie bekannt, wird von maßgebender Seite seit geraumer Zeit das groß angelegte Projekt einer aufs rationellste arbeiten­den zentralen Gasfernversorgung des rhein-mainischen Wirt­schaftsgebietes betrieben.

Zahlreiche, heute im Sitzungssaal der Hessischen Industric- unb Handelskammer Darmstadt versammelte Mitglieder dieser Kammer, der Darmstädter Industriellen-Dereinigung, des In­dustrie-Verbandes Starkenburg, sowie weitere Vertreter der interessierten Wirtschaftskrise aus Stadt und Land erklären nach eingehender Darlegung des Planes durch den Provinzial- direltor der Provinz Starkenburg Dr. Kranzbühler und den ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule zu Darin- stabt Dr. Heidebroek einstimmig:

Das Projekt der Gasfernversorgung unseres Gebietes ist von allen beteiligten Stellen, namentlich aber von den Stadt- unb Gemeindeverwaltungen, die zur Zeit Gas erzeugen, schleu­nigst aufs ernsthafteste mit aller Tatkraft zu betreiben, wenn nicht durch Zeitablauf schwere nicht wieder gut zu machende ^Nachteile entstehen sollen, die die Durchführung des sehr aus sichtsreichen nicht nur weitesten Kreisen der Wirtschaft, sondern j obern einzelnen Gasverbraucher größte Vorteile bietenden Planes in Frage stellen und schließlich unmöglich machen müssen."

Auswandererlos.

Wir erhalten folgenden Brief aus Brasilien: „£., den . . . „Wir, eine große Anzahl von Familien, befinden uns hier auf einer Kasfeeplantage in sehr schwerer Lage. Einmal sind wir die Arbeit nicht gewohnt, und dann können wir auch das Klinw nicht vertragen. Wir erhalten einen sehr geringen Lohn, und die Lebensmittel sind sehr teuer. Wir wenden uns darum an Sie mit der Bitte um Rat und Auskunft, ob wir keine bessere Stelle mit einem gesunderen Klima erhalten können. Wir wol­len gern arbeiten, aber wir möchten auch in eine solche Gegend, wo das Klima erträglich ist und wir auch die gewohnten Lebens­mittel erhalten können. Kartoffeln kosten hier 70—80 Milreis der Zentner, und das können wir nicht bezahlen. Wir sind noch nicht lange hier und haben schon eine Reihe von Toten; die an­deren sind fast alle krank, und wenn wir nicht bald von hier wegkommen, gehen wir alle zugrunde.

Wir bitten Sie nochmals um Ihren Rat und Hilfe und sen­den Ihnen schon unseren besten Dank im voraus. Mit herzlichem Deutschen Gruß und im Namen der ganzen Gruppe . . . Ihr. .

Wieder einer der Briefe, wie wir sie oft erhalten und ge­lesen haben. Das alte Lied! Man verläßt die Heimat in der Annahme, daß es nirgends schlechter sein könne als in Deutsch­land' man wandert aus in gänzlich unbekannte Länder, ohne sich in irgend einer Weise über deren Verhältnisse zu orientieren und ist dann nachher erstaunt und überrascht, wenn dort alles so ganz anders ist, als man es sich gedacht hatte. Dann beginnt das Klagen und Jammern und Schimpfen auf das Land, das man sich selber in völligster Unkenntnis seiner Verhältnisse ge­wählt hatte. Sicherlich hat Brasilien noch unendlich Diel Raum und Möglichkeiten für große Scharen von Einwanderern, aber, das ist die Frage, ob sich alle, die dorthin auswandern wollen, für dies Land eignen, ob sie die dortigen Derhältnisie meistern, die ungeahnten Schwierigkeiten überwinden und sich, was auch kommen mag, durchsetzen werden. Also erst genaueste Kenntnis der Verhältnisse des Ziellandes, und bann mit allem Ernst die Frage immer wieder prüfen, ob die Kräfte und Mittel reichen, diesen Kampf aufzunehmen, und ihn auch zu bestehen. — Und wo erhält man die gewünschte Aufklärung und Auskunfr über das Land, nach dem die Auswanderung gehen soll? — Ter Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler und Aus­wanderer in Witzenhausen a. d. Werra ist auf Grund seiner fast 30jährigen Tätigkeit in der Lage, in allen die Auswanderung betreftenden Fragen Rat und Auskunft zu erteilen. Jede Aus­kunft erfolgt kostenlos. Man wende sich vertrauensvoll an ihn. — Seine Monatszeitschrift „Der deutsche Auswanderer unter­richtet über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. Probenummer kostenlos.

Nr. 29.

Anzeigenpreise.- die 30mm breite PetitzeiU auswärts 24 Pfg. lokal 12 Pfg., die 90mm breite Reklame Petiizei-c 96 Pfg. Platz Vorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Rabatt, für DollNischee Anzeigen außerdem besondere Ermäßigung.

^ur -100jährigen Erinnerung an den Reichstag in Speyer.

25. Juni bis 26. August 1526.

Am 25. Juni 1926 waren genau 400 Jahre vor flossen, seitdem der in der Geschichte der deutschen Rejor mation ewig denkwürdige Reichstag zu Speyer durch den Erzherzog Ferdinand von Oesterreich, dem Bruder Kaiser Karls V., eröffnet wurde; denkwürdig vor allein deshalb, weil der Beschluß dieses Reichstages die Grund läge zur Bildung evangelischer Landeskirchen geworden ist. Auch die hessische Landeskirche, deren Organisation in den Jahren 1526—28 erfolgte, verdankt jenem Speyerer Reichstagsabschied ihre Entstellung.

Es verlohnt sich deshalb der Mühe, den Verlauf und das Ergebnis der Verhandlungen zu Speyer einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.

Mit der Bannbulle unb dem Wormser Edikt, das über Luther und seine Anhänger die furchtbare Strafe der Reichsacht verhängte, glaubten die päpstliche Partei und der Kaiser das Todesurteil über die lutherische Bewegung gesprochen zu haben. Doch die ihr inne wohnende göttliche Kraft lieft sich so wenig durch Men schensatzungen vernichten, wie einst 1400 Jahre früher das aufkeimende Christentum durch Edikte der römi schen Cäsaren. Kaiser Karl, infolge eines langwierigen Krieges mit Franz I. von Frankreich jahrelang von Deutschland abwesend, bemühte sich vergebens um die Durchführung des Wormser Ediktes. Zwei in seiner Abwesenheit zu Nürnberg abgehaltene Reichstage fast len Beschlüsse von lediglich aufschiebender Bedeutung. Da kam die Kunde von der glücklichen Beendigung des Krieges durch den glänzenden Sieg der Kaiserlichen bei Pavia. Nachdem der französische König zu dein durch einen Eid bekräftigten, demütigenden Frieden von Madrid gezwungen worden war, dachte der sieg reiche Kaiser nunmehr daran, nach Deutschland zurück zukehren und die Ketzerei auszurotten. In einem Schreiben an die katholischen Stände kündigte er diese Absicht an. Unter diesen, für die neue Lehre gesahr vollen Umständen sand die Eröffnung des Reichstags zu Speyer am 25. Juni 1526 statt. (Die Reichstage im alten „heiligen römischen Reich deutscher Nation" setzten sich aus 3 Kollegien zusammen: dem tursürst- lichen, dem fürstlichen und dem städtischen.

Die kaiserlichen Kommissare bezeichneten als wich­tigsten Punkt der Verhandlungen die Frage, wie der christliche Glaube und „die wohlhergebrachten guten christlichen Uebungen und Ordnungen" der Kirche von allen Ständen gehandhabt, Uebertreter jedoch gestraft und 3um Gehorsam gebracht werden könnten, um die Durchführung des Wormser Ediktes zu erzwingen. Zu erst berieten nun die fürstlichen Kollegien über die laiserlichen Vorschläge. Man einigte sich schließlich da­hin, daß man zwar die „wohl hergebrachten" christlichen Gebräuche beibehalten wolle, verlangte aber gleich­zeitig, daß auch die Abstellung der kirchlichen Miß­bräuche zum Gegenstand der Verhandlungen gemacht werden sollten. Noch weit günstiger für die Sache der Kirchenreform war die Antwort der Städtekurie,' hier merkte man deutlich den Einfluß der Gesandten von Nürnberg, Straßburg und Ulm, wo Luthers Lehre festen Fuß gefaßt hatte. Die Städte erklärten die Durch führung des Wormser Ediktes, das, wie oben erwähnt, die Vernichtung der Reformation forderte, für unmög­lich, traten also damit in direkten Gegensatz zu der kaiserlichen Rroposition". Bezüglich der „wohlherge- brachlen christlichen Uebungen" vertraten sie den Standpunkt, daß sie allerdings in Kraft bleiben müß­ten, soweit sie sich auf Christus und sein Wort gründe­ten,' solche Gebräuche jedoch, „die dem Glauben an Christus und seinem heiligen Worte zuwider seien und durch die die Christen von Gott weg und auf mensch­lichen Witz geführt würden", könne man nicht als „wohlhergebracht" bezeichnen und deshalb nicht beb behalten, sondern man müsse über ihre Abstellung be­raten. Diese deutliche Sprache verfehlte ihre Wirkung nicht: trotz des Protestes der Geistlichen traten die bei den fürstlichen Kollegien dem Beschluß der Städtekurie bei. Darauf wurden drei Kommissionen gewählt, eine kurfürstliche, eine fürstliche und eine städtische, die über die abzustellenden Mißbräuche beraten sollten: die Ab­sicht des Kaisers bei der Einberufung des Reichstags schien durch den Widerspruch der Stände den entgegen­gesetzten Erfolg zu haben, anstatt die Vermchtuna der „Ketzerei" einzuleiten, verwandelte sich der Reichstag gewissermaßen in einen Gerichtshof über kirchliche Miß­bräuche. Man sieht, wie die Mehrheit der deutschen -hatt on von der Notwendigkeit einer Kirchenreform überzeugt war, nachdem Martin Luther das deutsche Gewissen geweckt hatte.

Die reformfreundliche Richtung des Reichstags wurde natürlich r^ erheblich gestärkt, als die beiden Häupter der Evangelischen, Landgraf Philipp von Hes­sen und Kurfürst Johann von Sachsen in Speyer ein­trafen (am 12. bezw. 20. Juli). Beide waren entschlos-