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39. Jahrg

Samstag, den 14. Avgnft 1926.

Nr. 33

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Erscheint: Samstags.

Bezugspreis 40 Pfg monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rück- sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Das heffische Bolksbegehren.

Darmstadt, 13. August. Die Prüfung der Unterschriften­sammlung für das Volksbegehren auf Auflösung des Hessischen Landtages droht sich wie aus den ersten beiden Sitzungslagen des Abstimmungsausschustes hervorgeht, so sehr in Einzelheiten zu verlieren, daß

mit einem Ausschuß in absehbarer Zeit nicht mehr zu rechnen ist. Es geht das zum Teil auch aus der merkwürdigen Zu-

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Der Traum jeder Frau.

Eine hübsche Bluse

jammensetzung des Ausschusses hervor, der sich sehr auffallender Ulte i je aus zwei Bertretern der Sozialdemokratischen Partei je einem Vertreter des Zentrums, der Demokraten und des Hes­sischen Landbundes usammengcsetzt. Ein Vertreter der Deutsch- nationalen Volkspartei fehlt, während für die Sozialdemokraten zwei Vertreter benannt wurden. Die Vertreter der Rechtspar­teien haben daher in der heutigen Sitzung des Äbftimmungs- ausfchusies folgende Erklrung gegen die Zusammensetzung des Ausschusies abgegeben:

Im Auftrage des Hesiischen Landbundes, der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Volkspartei erheben wir Einspruch gegen die Zusammensetzung des Abstimmungsausschustes für Prüfung des Volksbegehrens auf Auflösung des Hesiischen Landtages. Nach Art. 28, Abs. 2 der Landeswahlordnung soll derLandeswahlleiter vor Berufung der Beisitzer die Parteilei­tungen hören. Dieser Vorschrift hat der Landesabstimmungs- leiter nicht entsprochen, denn die Deutschnationale Volkspartei ist weder gefragt noch berücksichtigt worden. Die Argumentation des Landcsabstimmungsleitcrs, die unter dem Namen Hessischer Wirtschafts- und Ordnungsblock zum Zwecke des Volksbegehrens und der Volksabstimmung auf Auflösung des Hesiischen Land tages zujammengeschloßenen drei Parteien seien eine einzige Partei, ist falsch. Keine der drei Parteien hat ihre Selbständig­keit aufgegeben, was daraus ersichtlich ist, daß unter allen Ver­öffentlichungen des Wirtschafts- und Ordnungsblocks die drei beteiligten Parteien gesondert unterzeichnet haben. Angesichts dieser Tatsache erweckt die Berufung zweier sozialdemokratischer Beisitzer in den Ausschuß den Eindruck der Parteilichkeit."

Der Abstimmungsleiter, Ministerialrat Bornemann, er­klärt hierzu, daß er bei seiner Auffassung bleibe, daß in diesem Falle die drei Rechtsparteien eine Einheit bilden, und diese Einheit habe er bei der Bildung des Ausschußes berücksichtigt. Außerdem stehe ihm die Berufung des Ausschußes zu und es sei keine Instanz da, die ihm diese Berufung streitig machen könne (!).

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Einberufung des Parteivorstandes der D. V. P.

Der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei ist für den 30. August nach Berlin einberufen worden, um zu der gesamten politischen Lage Stellung zu nehmen.

Rückgang der Arbeitslosigkeit.

Berlin, 13. 8. In der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts be­richtete Reichsarbeitsministcr Brauns ausführlich über das Not­standsprogramm. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß in der zweiten Iulihälfte die Zahl der Arbeitslosen im Reiche sich um 66 000, also rund 4 o. H., verringert habe.

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Das verbotene Deutschlandlied.

Das französische Militärgericht verurteilte den Rektor Bertram aus Rüdesheim zu 500 Mark Geldstrafe oder zwei Monaten Gefängnis, weil er seine Schüler auf einem Ausflug dumDeutschen Eck" das Deutschlandlied hatte fingen lassen.

Die verbotenen Märsche.

Koblenz, 13. August. Das französische Militärgericht ver­urteilte den Obermusikmeister a. D. Rausch zu 1000 Mark Geld­strafe und einem Monat Gefängnis. Er hatte am Vorabend des französischen Nationalfeiertages während eines Fackelzuges der Franzosen seine Kapelle im Festhallcngartcn Märsche spielen lassen, was schon damals vorübergehend zu einem Verbot der Veranstaltungen in dem Garten geführt hatte.

Vertagung deutsch-polnischer Verhandlungen.

Berlin, 12. August. Die im Rahmen der Handelsvertrags- Verhandlungen geführten deutsch-polnischen Verhandlungen über die Rechte der physischen und juristischen Personen sind gemäß der zwischen den beiden Bevollmächtigten vereinbarten Som­merpause am 12. August vertag! worden.

Das bisherige Ergebnis ist dahin zusamtnenzufaffcn. daß der beiderseitige Standpunkt hinreichend genau formuliert ist, um beiden Regierungen eine eingehende Prüfung und Bcurtei 1hng der einschlägigen Fragen zu ermöglichen.

Für die Wiederaufnahme der Verhandlungen ist der 28. September d. I. festgesetzt worden.

(Anmerkung der Red.: Es handelt sich hierbei um das so­genannte Niederlassungsabkommen.)

100 Millionen Mark Spareinlagen in Berlin.

Berlin. LautLokalanzciger" wird in der Sparkasse der Stadt Berlin noch in diesem Monat der Bestand an Sparein­lagen 100 Millionen R.-Mk. erreichen. Zurzeit besitzt etwa jeder 17. Berliner ein Sparkassenbuch. Das auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Durchschnitisguthaben von 16 R.-Mk. 1925 ist auf 25 R.-Mk. gestiegen. Im letzten Vorkriegsjahr be­trug allerdings das Durchfchninsguthaben 185 Mark.

Druck. Verlag und Expedition.

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Keine Parteipolitik im Kyffhäuserbund.

Die Presieabteilung des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser" veröffentlicht folgende Erklärung:

Linksblattcr berichten, daß eine Reihe von Mitgliedern von Kriegervereinen, die beim Volksentscheid mitJa" stimm ten, deswegen aus ihren Vereinen ausgeschlossen worden seien. Der Preußische Landes-Kriegerverband erklärt demgegenüber, daß kein Mitglied in der Ausübung seines oerfaßungsmäßigen Rechtes gehindert oder zur Verantwortung gezogen werden dürfe,' mithin ist also ein Ausschluß aus dem genannten Grunde unstatthaft."

Erziehung ohne Religion?

Leere Kirchen, volle Zuchthäuser. Der bekannte Pädagoge Professor W. Rein- Jena stellt statistisch fest, daß 1912 auf 100 000 evangelische Strafmündige 1094 Verurteilte, auf 100 000 religionslose Strafmündige 3963 Verurteilte kommen, also bei­nahe viermal soviel Verurteilte bei den Religionslosen als bei den Evangelischen, und fährt fort:Das sollte den Vertretern der weltlichen Schule zu denken geben."

Religion und Selbstmord. Nach den amtlichen Feststellun­gen des Statistischen Amtes in Berlin kamen auf 100 000 Per- toncn* Selbstmörder bei den Evangelischen 31

Selbstmörder bei den Katholiken 37

Selbstmörder bei den Juden 40

Selbstmörder bei den Religionslosen 605

Und da soll man die Kinder ohne Religion aufziehen'?

Kinderelend in Rußland.

~ 3n einem Vortrag im russischen wissenschaftlichen Institut in Berlin berichtete Prof. S. (Sogel über die Fürsorge für die verwahrloste Jugend in Rußland. Rach vorsichtigsten sowjetrussischen Schätzungen beträgt die Zahl der verwahrlosten Kinder in Rußland jetzt 2,9 Millionen. Prof. Eogel macht dafür in erster Linie den Bernichtungskampf gegen die Familie in Rußland durch die Ehegesetzgebung und die ganze Richtung der Gesellschaftsmoral verantwortlich.

Frau Krupskaja, Leninsrevolutionäre Witwe", richtet in derPrawda" scharfe Angriffe gegen das rus­sische Volksbildungskommissariat. Sie erklärt, daß die Kinder in den Asylen zu Banditen erzogen werden. In den Straßen Moskaus irren 80 000 Bettler umher und werden von der Miliz wie tolle Hunde gejagt, aber auch auf die vagabundierenden Kinder, die die Straße füllen, wird Jagd gemacht. (Nach Mitteilungen der Presie wurden allein Anfang Januar 11 690 Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren eingeliefert und unter militärische Bewachung gestellt.)Diese Kinder" sagt Lenins Wit­we,sind aber nicht das Problem früherer Mißstände, sondern ein Produkt der Gegenwart. Man fängt die Kinder ein und stopft sie in Asyle, die mit ihrer Uebel­keil erregenden Atmosphäre die Kinderseele abtöten. Aus diesenEngelsabriken" brechen die Kinder genau so aus wie die Verbrecher aus den Kerkern. Dann wird wieder Jagd auf sie gemacht, wieder werden sie in Asyle gesperrt, und aus diesen Schreckensorten brechen schließ­lich nicht nur die Kinder aus, sondern auch die Verwalter der Asyle, die nicht mehr imstande sind, dem Elend länger zuzuschauen. Und solcher vertierter, verwilderter Kin­der gibt es Millionen."

Dieses Urteil über kommunistische Kindererziehung ist besonders wertvoll, weil es von der Witwe des kom­munistischen Führers stammt. Ueber die Ursache, durch die das Kinderelend in Rußland entsteht, weiß die Prawda" nichts zu sagen!

Alle Eltern, die ihre Kinder lieb haben, mögen solche Berichte aufmerksam lesen. Sie gewinnen dann ein Bild davon, wie es auch bei uns werden kann, wenn der Kommunismus die Oberhand bekommt. Die Evan­gelische Volksgemeinschaft nimmt die Gefahr, die von Moskau droht, durchaus ernst und warnt vor jeder Lockerung des Familiensinnes.

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Spiel mit dem Terror.

Zum Tode des russischen Volksbeauftragten Dzerszinski, des blutigsten Mannes der Weltgeschichte seit den Tagen der spani­schen Inquisition, ist das Organ der Kommunistischen Parrei Deutschlands, dieRote Fahne", mit Trauerrand erschienen. Dzerszinski war auch uns deutschen Kommunisten das Symbol revolutionärer Pflichterfüllung, unbeugsamer Härte gegen alle Feinde der Revolution. Es lebe das Andenken des Führers der rußischen Revolution. Es lebe die einheitliche Avantgarde des internationalen Proletariats", so zu lesen in derRoten Fahne".

Eine Explosionskatastrophe bei Budapest.

Die Munitionsfabrik Manfred Weiß bei Budapest ist in die Luft geflogen. Durch den Druck wurden auf mehrere Kilometer die Fensterscheiben zerstört und starke Beschädigungen an den Häusern angerichret. Bis jetzt Mir man 15 Tote und 80 Schwerverletzte, doch dürften sich die Zahlen beträchtlich erhöhen.

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Weltfrieüe oder weltmilitarismus?

Militärische Schulung der Jugend int Ausland.

Diee Unterricktsanstalten, Universitäten, Kriegerycreim bchützengildcn, die Sport oder Wandervercinc, überhaupt Ver» einigungen jeder Art, ohne Rücksicht auf das Alter ihrer Mit­glieder dürfen sich mit keinen militärischen Dingen befaßen."

So bestimmt der VersaillerVertrag".

Run soll nach dem gleichen VersaillerVertrag" die Ent waffnung Deutschlandseine allgemeine Rüstungsbeschränkung der Rationen" einleiten Sonach müßte Der Veracht auf jeg lichc mihiäi ckp» Ausbildung her Jugend für unim: ehemaligen Kriegsgegner eine Selbstverständlichkeit sein. Doch dem ist nicht so. Wohl ertönt fast ständig der Ruf nach Festigung des Welt friedens, der für leine Ration notwendiger wäre als für das kranke Deutschland, aber trotz allen Abrüstungskonferenzen und trotz Völkerbund und Schiedsgerichten werden die Völker der Welt von Grund auf, nämlich von Kindheit an, in einem Maße militarisiert", wie es die Weltgeschichte bisher nicht kannte.

In Deutschland weiß man nur von den offiziellen Rüstungs zahlen der stehenden Heere, nichts aber von der systematischen Erziehung zum Waffenhandwerk in allen Ländern rings um Deutschland und jenseits des Ozeans. Zum ersten Male wird jetzt die Oeffentlichkeit durch das neue Sonderheft der Süd­deutschen Monatshefte (München)Militärische Schulung der Jugend im Ausland" aufgeklärt. Namhafte Sachverständige bringen hier ein vielfach unbekanntes, höchst eingehendes Material. Neben Ausbildungsplänen und Organisationsüber­sichten sind die wirtschaftlichen, staatspolitischen, soziologischen und kulturellen Bestrebungen, die in jenen Ländern mit der Iugendausbildung Zusammenhängen, in lebendiger Weise ge­schildert. Mus* bet Fülle des Stoffes können hier nur einige Hauptpunkte angeführt werden: Amerika, das auf seine Frei heil stolze Land, macht auch hier am meisten erstaunen Ter Mangel an Führern, an Offizieren und Unteroffizieren wurde drüben sehr unangenehm empfunden, weshalb die Regierung diesesdemokratischen Landes" nach dem Kriege energisch ein­griff: Auf allen Gymnasien und Universitäten, selbst auf allen Privatschulen, wird der junge Mensch auch gegen seinen Willen zum Reserveoffizier oder Reseroeunteroffizicr gemacht, was im militaristischen Deutschland" als unerhörter Eingriff in die persönliche Freiheit angesehen worden wäre. Der körperlich Taugliche muß sogar mit großem Eifer und gutem Erfolg üben, wenn er die Befähigung zu seinem erstrebten Zivilberus erhalten will. Die Universitäten haben für die Militärwissenschaften so­gar eine eigene Fakultät mit einem gleichberechtigten Stabs­offizier als Leiter geschaffen! Die Kompagnien, Bataillone und Regimenter der Schulen werden von den kommandierenden Generalen besichtigt. Die Heeresverwaltung stellt Ausbildungs­offiziere, Waffen, Uniformen, Ausbildungslager und vor allem Geld zur Verfügung. Die Mannszucht ist sehr gut. Abgesehen von der gründlichen Ausbildung auf den Schulen in allen Waffengattungen (auch Artillerie und Tank) haben alle jungen Leute von ihrem 16. Jahr ab Gelegenheit unter günstigen, ver­lockenden Bedingungen in einemMilitär-Uebungslager für Bürger" (Citizens Military Training Camp) eine mehrwöchige Militärausbildung zu genießen, wobei nach Beruf und Schul­bildung nicht gefragt wird. Selbst die Reisekosten werden ver­gütet. Das reizt nicht nur die waffenfreudige Jugend, sondern lockt auch die Arbeitslosen. Im Sommer 1924 haben in über 30 Lagern außer 34 000 Offizieren etwa 276 000 Mann militärisch geübt, d. i. etwa die dreifache Stärke der deutschen Reichswehr!

Nur durch seine schon vor dem Kriege ganz großzügig durch­geführte Iugendausbildung tonnte England 1914 in so rascher Zeit ein kriegsbrauchbares Volksheer schaffen. Nach dem Kriege verschwand die allgemeine Wehrpflicht. Dafür genießen jetzt jährlich 700 000 junge Leute soldatische Schulung. Das gleiche geschieht in den Kronländern. Die Iungmannen gelten als ein Teil der Streitkräfte des Reiches. Neben der Hauptorganisation der Boy Scouts sind weit verbreitet auch die von der Geistlich­keit oder vom Gutsherrn innerhalb des Kirchspiels aufgestellten kirchlichen Iugendvereine und die Knaben-Schützenvereine.

Und Frankreich, jene Macht, die die geistige Urheberin des Vertrags" von Versailles ist und feine strengste Durchführung, sobald sie Deutschland betrifft, rücksichtslos fordert? Zur Er­gänzung seines heutigen riesigen Friedensheeres von 737 000 weißen und farbigen Franzosen muß es auf Erhöhung seiner Geburtenziffer durch gesteigerte Ertüchtigung der Jugend bedacht sein. So hat der Staat neben der geistigen und seelischen Er­ziehung zum Haß gegen Deutschland auch die körperliche Jugend- ausbildung feit 1923 durch Gesetz in die Hand genommen. Seine Vorschrift greift rücksichtslos in die häusliche Erziehung der Mutter ein. Ueber die Ausbildung wird für jedes Kind vom vierten Lebensjahre an ein Personalheft geführt mit den Ein­tragungen des überwachenden Arztes. Nach dem Rekrulierungs- gekB darf niemand ein öffentliches Amt bekleiden, der die militä­rische Schulung nicht durchgemacht hat. Die Geübten erhalten dann während der Dienstzeit die größten Vorteile, vor allem baldige Beförderung und frühere Entlastung.

Italien hat 1923 sein Wehrgesetz durch besondere Bestim­mungen ergänzt; zurzeit hat der Fascismus die ganze Jugender­ziehung in Händen. Oberste Behörde ist das Kriegsminifterium. Ter Staat stellt große Summen zur Verfügung.