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Samstag, den 6. März 1926.
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^^^^^/ I ^M (Neueste Nachrichten) (Gießener Tageblatt)
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ren Stelen und Drogerien.
Sonntagsgeöanken.
Von stillen Sonnlagsstunden will ich heute schreiben, so ^ie wir sie einst erlebten, wo Alllagshast den Sonntag noch : schonte und Freuen über die Seele kam und ein schönes Keierlichsein. Heute wird es vielen schwer, Feierstunden zu balten. Sorgen und Nöte der Woche drängen sich in den Sonntag hinein und doch ruft es bei vielen ba innen nach l iier Feierstunde, nach einem stillen Besinnen.
And doch könnten wir trotz aller Mühsal und aller Not früh- . H sein. Wer kann es sein? Der fröhlich arbeitete, der ine Wochcnarbeil durchsonncn ließ. Der von seiner Arbeit nicht gering denkt, der Wertarbeit leistet, an welchem Platze er auch stehen mag, der in erster Linie nicht um des allzu hohen Verdienstes schafft, sondern um der Arbeit selbst und um des lenzen willen, der seine Arbeit auffaßt als einen Teil der der Bolksarbeit.
Wer so sein Tun auffaßt, der baut mit an seinem neuen Vaterland und löst die schweren Ketten seines Volkes. Und wenn Millionen Hände sich so rühren und Werte schaffen, wenn Freude und Zuverstcht die Arbeit durchsonnt, wenn einer wieder an den anderen denkt, dann finden wir wieder allmählich das ^!üd und können fröhlich sein. Mit dem Werte unserer Arbeit roächft unsere Freude.
Die Arbeit ist die große Bildnerin zum Menschentume, sic spendet Segen dem Einzelnen und einem ganzen Volke. Füt uns muß sie die Erlöserin sein aus den Ketten der Knechtschaft, für uns der Führer bergauf, um wieder auf Bergeshöhen zu kommen.
Wir wollen krumm hinrerm Pfluge gehen, And unser Schweiß sei der Scholle Wein. And sollten wir nie ein Fruchtfeld sehen, Wir wollen nicht müde werden, Säer zu sein! Wir wollen nicht müde werden zu glauben, Daß Kräfte ringen im kleinsten Keim!
So läßt sich kein deutsches Herz berauben:
Der Glaube an uns bringt die Ernte heim.
Waldfried.
Für Freiheit und Wissenschaft!
Der Vorstand des Hessischen Hauptocreins des Evangelischen Tundes hat einstimmig folgende öffentliche Kundgebung beschlossen:
„In der Sitzung des hessischen Landtages ist auf Antrag der Negierung beschlossen worden, an der Landesuniversität in (Siegen und an der Technischen Hochschule in Darmstadt „Professuren für scholastische Philosophie", das sind Professuren, durch die Philosophie im Sinne der katholischen Kirche gelehrt werden soll, ein- zurichten.
Dieser Antrag ist von der Regierung trotz der schweren wirt- söraftlichen Not unseres Landes, die zu äußerster Beschränkung aller Ausgaben zwingt wie wir zu wißen glauben —, entgegen dem Willen der beiden Hochschulen eingebracht worden. Nach unwidersprochenen Zeitungsnachrichten ist die Regierung zu diesem Vorgehen lediglich dadurch veranlaßt worden, daß das Zentrum die Einrichtung derartiger Professuren für sein Verbleiben in der gegenwärtigen Regierung zur Bedingung gemacht hat.
Im Plamen der Evangelischen Hessens, die wir vertreten, erheben wir Einspruch dagegen, daß die bewährte Organisation unserer Hochschule politischen Parteizwecken zum Opfer gebracht wird und daß erhebliche Mittel des Staates dazu verwandt werden, Lehrstühle einzurichtcn, die die Besorgnis erwecken, daß sie in erster Linie nicht der Pflege der freien Wisienschast, sondern der Propaganda der katholischen Kirche an unseren Hochschulen dienen."
gehende Sachbesprechung im Reichswirtschaftsministerium unter Zuziehung des Reichsverbandes für das deutsche Handwerk vereinbart wurde. Die nächste Wirkung zeigte sich aber schon in der i Regierungserklärung, die zu der Preisabbaufrage mit folgenden Worten Stellung nahm:
„Die Rcichsrcgierung erblickt in der Durchführung von ' Akaßnahmen, die die deutsche Gesamtwirtschaft von allen Ursachen der Ueberteuerung befreien, eine unerläßliche Voraus- : setzung für den Wiederaufstieg Deutschlands. Sie ist sich be- ' wußt, daß der Erfolg ihrer verwaltungsmäßigen und gesetz- | gebenden Maßnahmen in vielen Hinsichten sehr wesentlich ; von der freiwilligen Mitarbeit der Erwerbsstände abhängt. Die zurückgetretene Reichsregierung hat diese Mitarbeit in ; erheblichem Umfange gefunden. Das neue Kabinett wird in ; gleichem Sinne Weiterarbeiten. Es ist bereit, wegen der zu ergreifenden Einzelmaßnahmen auch die in Gang befindlichen । gesetzgeberischen Entwürfe mit den Vertretungen der Er- 1 werbsstände erneut zu erörtern."
Diese Bereitwilligkeit hat die Reichsregierung schon am 29. Januar 1926 in die Tat umgesetzt, indem im Reichswirtschaftsministerium unter Beteiligung der vorgenannten Abgeordneten und der Herren Derlien, Dr. Meusch und Karl Hermann als Vertreter des Reichsverbandes eine mehrstündige Aussprache über die Frage stattfand, inwieweit die angefochtenen Abschnitte des Preisabbau-Gesetzentwurfes durch freiwillige Vereinbarungen mit den Organisationen des Handwerks ersetzt werden können. Die Verständigung ist damit unter günstigsten Auspizien eingeleitet; sie zum befriedigenden Ende zu führen, liegt am beiderseitigen guten Willen, der zweifellos vorhanden ist."
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Um den Gesetzentwurf zur Förderung des Preisabbaues.
Im Anschluß an unseren Bericht über die Besprechung des Handwerks beim Reichskanzler zur Preissenkungsaktion entnehmen wir der „Recklinghäuser Volkszeitung" aus einem längeren Artikel über praktische Handwerkerpolitik nachstehenden Auszug:
„Die Handwcrkcroertreler in der Regierungskoalition waren inzwischen nicht müßig gewesen. Am 21. Januar ergriff der Abg. Esser vom Zentrum die Initiative und suchte unter Zustimmung seines Fraktionsvorstandes eine Unterredung mit dem Reichskanzler Dr. Luther nach, um unter Mitwirkung seiner Kollegen aus den drei anderen Regierungsparteien eine Verständigung mit der neuen Regierung über die weitere Behandlung des Preisabbaugesetzes zu suchen. Am folgenden Tage fand diese Besprechung im Beisein des Reichswirtschaftsministers Dr. Curtius und des Reichskommisiars für Handwerk und Kleingewerbe, Geheimrat Hoppe, statt. Abg. Ester legte in ernsten Worten die fachlichen und politischen Bedenken, die gegen einzelne Teile des Gesetzes sprechen, dar und verwies besonders auf die seitens des Handwerks geleistete freiwillige Mitarbeit in der Preisabbaubewegung. Die Abg. Havemann (Deutsche Volkspartei), Bartschat (Deinokrat) und Loibl (Bayerische Volkspartei) ergänzten und unterstrichen die eindrucksvollen Ausführungen ihres Kollegen vom Zentrum. Das Ergebnis der Verhandlungen war. daß für die nächste Woche eine weitere ein
Zur Lage am Kreditmarkt.
In Berlin sprach kürzlich aus Anlaß des zweiten Eiroverbandstages des Genossenschaftlichen Giroverbandes der Dresdner Bank Reichsbankoizcpräsident Dr. Kauffmann über die Frage der Krcdltkontingentierung der Reichsbank. Nach seinen Ausführungen bestätigt es sich, daß der Geldmarkt zurzeit außerordentlich flüssig ist. Der Epund sei der Stillstand der Wirtschaft. Hinzu treten die Auslandskredite, von denen etwa 4 Milliarden in Deutschland laufen. Kaum % des zur Verfügung gestellten Kontingents an Krediten werde von der Wirtschaft ausgenutzt. Eine Verringerung der Zinsspanne zwischen Lombard und Diskont sei zu erwarten und damit auch eine Ermäßigung der Debetzinsen bei den Banken. Diese Ermäßigung auf 1 Prozent über Reichsbankdiskont (bisher 2 Prozent) wird, wie wir erfahren, möglicherweise schon am 1. März in Kraft treten. Die Habenzinselr sollen im allgemeinen unverändert bleiben, mit Ausnahme der monatlich kündbaren Einlagen, für die der Zinssatz um % Prozent auf 5>- Prozent ermäßigt wird.
Der Reichskommissar für das Handwerk und Kleingewerbe, Ministerialrat Dr. Hoppe, streifte die kürzlichen Ausführungen des Reichsfinanzministers. Er wies darauf hin, daß die Sonderkredite für den gewerblichen Mittelstand, wenn man ein vorläufiges Fazit ziehe, zur Wiederholung nicht gerade ermuntern und daß die Wünsche auf neue Kredite wenig Aussicht haben, beim Reichswirtschaftsminister befürwortet zu werden.
Hierzu bemerken wir, daß auch das Handwerk von den Son- derkrediten des Reichs und der Länder nicht besonders erbaut ist Einmal konnten sie sich bei ihrer geringen Höhe niemals im ausreichenden Umfang auswirkcn, zum anderen mußte sie das Handwerk ja selbst durch übertriebene Steuern finanzieren. Sollten aber andere Berufsstände durch langfristige Sonderkredite zu günstigem Zinssatz bevorzugt werden, so erwartet das Handwerk, daß man auch an ihm nicht achtlos vorübergeht. Wichtiger und richtiger als die Notmaßnahmen sogenannter Sonder- krcdite ist die Sicherstellung der ordentlichen Kreditversorgung des gewerblichen Mittelstarrdes. Der als notwendig erkannte Ausbau der gewerblichen Kredilgenosienschaften wird erst dann im erwünschten Ausmaß vor sich gehen, wenn regierungsseitig die schon lange vom Handwerk geforderte Regelung des zentralen Kreditinstituts durch entsprechende Erweiterung der preußischen Zcntralgenosscnschaftskasse durchgeführt sein wird.
Die hessischen Zeitungen.
Im Freistaat Hessen gibt es nur eine Zeitung, die zweimal täglich erscheint, Worms. 40 Blätter kommen täglich einmal, 39 wöchentlich 2—4mal heraus. Die ' meisten Blätter erscheinen in Mainz und Worms (je 5), ‘ Darmstadt (4), Gießen, Bingen (je 3). Soweit Angaben vorliegen, gibt es in Hessen 7 Zeitungen mit einer Auflagenhöhe von über 10 000. Die höchste Auf- : läge hat der „Mainzer Anzeiger" (44 500), es folgen das „Darmstädter Tageblatt" (34 800) und die „Offen- ! bacher Zeitung" (20 000). Auch in Hessen stehen die • parteilosen Blätter weitaus an der Spitze (insgesamt 40); Zentrumsblätter gibt es 8, sozialdemokratische 4, demokratische 5, bürgerliche 5, Volksparteiliche bezw. liberale 3, deuifchnationale bezw. bürgerlich-nationale 4, 2 amtliche, agrarische 1. Von den Zeitungen in Hesseu- I Nassau steht der „Frankfurter General-Anzeiger" mit einer Auflage von 150 000 an der Spitze.
Sozialistische Rechenkünstler.
Das Paradcstülk des Landtagsabgcordneten Nlann.
Im hessischen Landtag gilt der Abgeordnete Mann Gießen innerhalb des Kreises feiner Parteifreunde als Sachverständiger in 2Jii et fragen, wenn man diese Eigenschaft aus der Tatsache schließen bars, daß der Genannte jeweils bei Behandlung von Mielfragen das Wort ergreift. Jedenfalls aber hält sich Herr Alaun selbst für sachverständig. Schon vor Monaten soll er hie und da andeutungsweise, nach Diplomatenarl, von sich gegeben haben, daß er Material in Händen habe, das für den Haus besitz geradezu vernichtend sei. Wir haben uns diescrhalb leine schlaflosen Rächte gemacht, da wir derartige Ankündigungen, zumal wenn sie von jener Seite kommen, auf ihren wahren Wert einzuschätzen wißen. Und wir haben uns wieder einmal nicht getäuscht.
Das Dkaterial des Herrn Abgeordneten Mann ist nunmehr in der „Oberhessischen Volkszeitung" der OefscntUchkeit zugänglich gemacht worden. Die Wirkung ist jedoch die umgekehrte: Das Material bestätigt all das, was wir immer und immer wieder behauptet haben, für den Herrn Abgeordneten Mann und seinen Anhang dagegen ist es geradezu vernichtend. Wir haben allen Anlaß, Herrn Mann für den Dienst, den er dem Haus- besitz damit erwiesen hat, dankbar zu sein. Wir können uns darauf beschränken, die Aufstellung zu ergänzen, da den Ver sasser anscheinend das Gedächtnis bei der Abfassung des Artikels in der „Obcrh. Volksztg." verlassen hat. Herr Abg. Mann hat es auch unterlassen, den Artikel mit seinem Namen zu zeichnen. Ob er sich der Vaterschaft schämt?
Das von dem Verfasser angelegene Material stammt von dem verstorbenen Gießener Bauunternehmer Pfaff, der daselbst 33 Häuser mit 121 Mietwohnungen gebaut hat und durch widrige Umstände (die Häuser wurden sämtlich niedriger taxiert, als die Gestehungskosten waren, die Hypotheken fielen dadurch kleiner aus und es mußte hoch verzinsbarcr Bankkredit ausgenommen werden; nach Fertigstellung der Häuser mußte teilweise der Anschluß an die Kanalisierung mit großen Kosten vorgc- nommen werden u. a. m ), um sein Vermögen gekommen war. Nach einer uns vorliegenden Aufstellung haben die 33 Häuser 1 308 047 Ji zu bauen gekostet, während sic nur zu 1 039 500. K ortsgerichtlich geschätzt wurden. Dadurch entstand ein Verlust von rund 270 000 J(, für den der Eigentümer teuren Bank kredit in Anspruch nehmen mußte. Die Spanne zwischen Gestehungskosten und Taxwert mußte und ist auch dem Besitzer zum Verhängnis geworden.
Der vorliegende Fall als Einzclfall eignet sich nun ganz und gar nicht dazu, Schlüsse zu ziehen auf die Allgemeinheit, ebensowenig wie man von Stinnes etwa auf einen kleinen Handwerker schließen kann. Was aber den ein Opfer der Zeit- ocrhältnisfe gewordenen Eigentümer angeht, so hat er durch den Bau von 121 Mietwohnungen mehr für die Allgemeinheit geleistet, als die ganze sozialdemokratische Fraktion des hessischen Landtags, denn von diesen hat noch keiner sein Vermögen riskiert, um Wohnungen für seine Mitmenschen zu bauen. Uebri- gens, wie stände es mit der Wohnungsnot in Gießen ohne Psass's 121 Wohnungen?
Um unseren Lesern auch einmal eine srohc Stunde zu bereiten, und ihnen einmal zu zeigen, wie reich sie nach der Berechnung der „Oberhessischen Volkszeitung" eigentlich sind — wir haben Grund zu der Annahme, daß dieser Reichtum den meisten bisher noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist - bringen wir die epochemachende „Erfindung" der „Oberhessischen Volkszeitung" aus deren Nummer vom 18. Januar 1926 im Wortlaut:
„Ein Beispiel aus Gießen".
Don wem der Haus- und Grundbesitz abgezogen, ausgebeutet und in Bankerott getrieben wird.
Mit obigen Worten übergab 1914 der Bauunternehmer Joh. Georg Pfaff eine D e n k s ch r f i t über die Lage des Hausbesitzes der Oeffentlichkeit. Pfaff führte in der Denkschrift seine 121 Mietwohnungen und seine eigene Wohnung vor Augen. Er wies nach, daß die in seinem Besitz befindlichen 122 Mietwohnungen in
6 Wohnungen zu 2 Zimmern, Küche und Zubehör
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bestünden. Davon halten 34 Wohnungen Badeeinrichtung. Als Brandkassenwert sind insgesamt 966 090 Mark, als orts? gerichtlicher Taxwert 1 094 500 Mark angegeben.
An Schulden führt Pfaff auf:
1. Hypotheken 640 056 Mark ^ 58,75 Prozent
2. „ 187 83 3 „ =17,80
Kreditgelder 240 790 „ =21,7 5 „
insgesamt sind also nach Pfaff 98,30 Prozent des Taxwertes fremdes Eigentum gewesen.
Psaff errechnet dann für die einzeln aufgeführten Wohnungen die „Sollmiete", d. h., wenn alle Wohnungen tatsächlich das ganze Jahr vermietet gewesen wären. In Wirklichkeit gingen ihm laut Nachweis 7,3 Prozent durch Leerslehen verloren.