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Hi Sonnabend, den 6. Februar 1926.
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* Osterferien 1926. Die Osterferien 19*26 beginnen am Sonntag, den 28. März. Das neue Schuljahr beginnt Montag, ken 19. April 1926 mit der Aufnahmeprüfung und Dienstag, den 20. April 1926 mit dem vollen lehrplanmäßigen Unterricht. Wo an den Volksschulen der Schulbeginn keine außergewöhnlichen Arbeiten bringt, ist der Unterricht bereits am Montag in der regelmäßigen Weife aufzunehmen. Jedenfalls ist für das Lehr- perjonal der Montag kein Feiertag. Beurlaubungen für den Montag nach den Osterferien bedürfen, wie alle Beurlaubungen
im Anschluß an die Ferien, der besonderen Genehmigung Kreisjchulamts.
* Hansa. Gießen. Da in diesen Tagen der Geburtstag Direktors der Hansaschule zeitlich mit dem Defreiungstwg
des
des der
Kölner Zone zufammensiel. fand man genügend Anlaß zu einer schlichten zweckdienlichen Feier. Nach Schluß der Unterrichts stunden traten am schulfreien Nachmittag Direktor. Lehrer und die beiden Klassen in einem größeren Lokal zusammen. Der älteste Lehrer — Herr Erdmann betonte zunächst in einer sachlichen Ansprache, daß helle Freude über die Befreiung genannter Zone in allen deutschen Landen herrsche und man innig ten mehr und mehr frei werdenden deutschen Rhein grüße.
Verrauscht sind die Fähre, die ihr verbüßt?
Freier Rhein, sei innig gegrüßt!
Des weiteren wurde die Fugend ermahnt, unablässig auf die Erweiterung ihrer Kenntnisse und Fertigkeiten bedacht zu sein, .enn die wirtschaftliche Not ruse uns allen zu: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Golt?" In allen deutschen Schulen wird daher in gesunden pädagogischen Bahnen dem Heranwachsenden Geschlecht das Rüstzeug für den Existenzkampf geboten. Um aber auch dem jteinalun Worte: „An dem Sonnenschein der Fugend zehrt der Mensch sein ganzes Leben" gerecht zu werden, boten schließlich echte Volkslieder und deutsche Tänze bei Klavierspiel einige freudvolle Stunden.
* Aus den nassauischen landwirtschaftlichen Genossenschaften. Die Kreisverbandsversammlung der in den Kreisen Oberlahn und Dill bestehenden Genossenschaften des Verbandes der nassauischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, hielt ihre diesjährige Tagung unter sehr starker Beteiligung in Weilburg ab.
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Aus Nah und Fern.
Lang-Göns. Am Sonnabend Abend, den 30. Januar, fand im Saale des Gambrinus dahier Generalversammlung des hiesigen Kriegervereins statt. Nach kurzen Begrüßungsworten, in denen auch der zwei verstorbenen Kameraden Reusch und Brückel edacht wurde, stattete der 1. Vorsitzende. Kamerad Flach, ausführlichen Jahresbericht ab. Der Verein hat zur Zeit 143 Mitglieder, einschließlich 5 Ehrenmitgliedern. Es wurde die Ehrensalve aus dem Friedhof wieder eingeführt, außerdem wurde dem Verein eine ncugegründctc Klein-Kal iber-Schützen-Abteilung ungegliedert. Erwähnenswert ist noch ein Vortrag des Oberstleutnant o. Hagen, der in der hiesigen Turnhalle an Hand vortrefflicher Lichtbilder über „Die Schlacht bei Tannenberg" sprach. Im Saale von Kamerad Hebbel hielt der Verein eine Weih- nachtsfeier, verbunden mit Bescherung und Verlosung, die einen würdigen Verlauf nahm. Nachdem nun dem Vereinsrechner, Kamerad O. Rudolf, Entlastung erteilt war, schritt man zur Neuwahl des Vorsitzenden und des Vorstandes. Mit Ausnahme von Kamerad Zeih, der neu hinzukommt, wurde der seitherige Vorstand durch Animation einstimmig wiedergewählt; außerdem werden neugewählt Kamerad W. Müller zum Schriftführer und Kamerad B. Kromp zum Vereinsdiener. Es wurde der Beschluß gefaßt, in nächster Zeit den vaterländischen Film „Fridericus Rex" im Verein und öffentlich aufführen zu lassen. Näheres darüber wird der Vorstand noch entscheiden. Nach Schluß des geschäftlichen Teils einte die Kameraden unter Ab- jingung vaterländischer, alter Soldaten- und Reserve-Lieder noch .in gemütliches Beisammensein.
„Gießener Zeitung"
Friedberg. Der Kreistag des Kreises Friedberg befaßte sich in seiner letzten Sitzung mit der Regulierung der Wetterauer Flüßchen Nidda und Nidder. Kreisdirektor Gebhardt erklärte, die Regulierung sei im Fntereste der Wetterauer Landwirtschaft unbedingt notwendig und teilte mit, daß die Ausführung des Projekts bald zu erwarten sei.
Büdingen. Bei der Bürgermeifterwahl letzten Sonntag, wurde der bisherige Beigeordnete Hildner (Soz.) mit großer Mehrheit zum Bürgermeister gewählt. Er erhielt 1255 Stimmen, während auf seine fünf Gegenkandidaten insgesamt 691 Stimmen entfielen. Die Wahlbeteiligung betrug 90 Prozent.
Herbstein, 5. 2. Eine Silberfuchsfarm hat ein hiesiger Jagd- pächler eingerichtet. Die acht Tiere wurden im November aus Nordkanada bezogen und in eingefriebigtem Revier an der Hcckcnmühlc ausgesetzt. Sie befinden sich bis jetzt wohl.
Darmstadt, L Februar. Der zum Königlich Schwedischen Konsul in Frankfurt a. M. ernannte Herr Carl Spaeth ist anerkannt und zur Vornahme konsularischer Verrichtungen im Volksstaat Hesien zugelasien worden. Der Französische Konsul in Mainz und Köln, Herr F. P. Benigni, ist anerkannt und zur Vornahme konsularischer Verrichtungen im Volksstaal Hesien zugelassen worden.
Mainz, 3. Februar. Zwischen den beiden in Hesien bestehenden Volksschullchrcrverbänden, dem Landeslehrerverein und dem kath. Lehrervercin, so schreibt der „Mainzer Anzeiger" sind Verhandlungen im Gange, welche eine gemeinsame Abwehrfront gegen die von den Reichsparteien des hessischen Landtages vor- geschlagenen Sparmaßnahmen auf dem Gebiete des Dolksschul- wesens zum Ziele haben.
Diez, 1. Februar. Fn die Reihe der nasiauischen Bäder tritt demnächst auch Diez. Die Stadtverornelenversammlung genehmigte die Uebernahme des bekannten „Feltebades" auf die Stadt. Für den Betrieb des neuen Bades wird eine E. m. b. H. unter starker Beteiligung der Stadt gegründet.
Weilburg. Am 1. Februar in später Stunde abends verunglückte während der Nachtschicht der Bergmann Hermann Lohr in der Grube „Georg Joseph" (Buderus) in Gräveneck tödlich. Er traf während der Arbeit auf einen alten Sprengschuß, der sich entzündete und den Arbeiter auf der Stelle tötete.
Okriftel i. T., 4. Februar. Das hoch betagte Landwirlsehe- paar Georg und Elise Guttmann, ersterer 82, letztere 78 Fahr alt, wurde hier gleichzeitig durch einen sanften Tod aus dem Leben abgerufen und wird nun auch in einem Grabe beigesetzt. Fm Fahre 1920 konnten die Leutchen ihre Goldene Hochzeit feiern.
Kassel, 4. Februar. Die hiesige Reichsbahadirektion hat jetzt die im Vorjahre getroffene Einrichtung der Sonntags- sonderzüge dadurch ausgcstaltet. daß sie die Teilnehmer vormittags durch die Museen und Sehenswürdigkeiten führen läßt und ihnen nachmittags eine Sondervorstellung des Kasseler Staatstheaters zeigt. Derartige „Kulturzüge" verkehren erstmalig am 21. Februar vom Marburg, Seesen und Höxter nach Kasiel.
Simmern, 4. Februar. In den Waldungen des Hunsrücks sind durch starke Stürme große Schäden entstanden. Ganze Distrikte sind von den Böen erfaßt unb niedergerissen worden. Vor allem haben die Fichtenwaldungen schwer gelitten. Die Holzindustrie^ auf dem Hunsrück hat schwer zu kämpfen.
Spiel und Sport.
Houben in Amerika abermals geschlagen!
Newyork, 4. 2. Die mit großer Spannung ermattete Abendveranstaltung des Millrouse Athletic Clubs Newyork, sah fast auf der ganzen Linie Triumphe der amerikanischen Leichtathleten. Das Hauptereignis stellte natürlich der Start der Europäer Houben, Hoff, Ritola u .a. dar. Im 40-Pards-Lauf kam Houben schlecht vom Start weg und lag bei Ablauf ein Meter hinter dem Sieger Murchison, holte aber bis zum Ziel knapp bis auf Brustbreite auf.
Nr. 6.
AuÄ im KlUPards-Lauf hatte Houben wenig Glück. Der j "ste Ablauf bei dem Houben gut abfam, wurde ungültig er Lari, bei der Wiederholung war Houben sehr nervös, verlor wiederum einen Meter, um dann bis ins Ziel auf Brust weite wieder aufzuhoten. Hier war es wiederum Murchison, der dem ! deurschen Repräsentanten das ^tachsehcn gab.
Der europäischen Staffel mit Houden (Deutschland), Paulen (Holland), Hofs (Norwegen) und dem Kanadier Coffi als Ersatz ; gelang es, die amerikanische Auswablmannschast mit Murchison I glatt zu schlagen.
Houbens nächste Starts.
-kewyork, 4. L. Houben teilt mit, daß ihm die Deutsche i Sportdebörde auf seine Birte um Genehmigung weiterer Starts i eine abschlägige Antwort erteilt habe, da Auslandsstarts über I 21 Tage mit den Amatcurbestimmungen nicht in Einklang zu ; bringen seien, oomit kann Houben in Amerika nur noch I an zwei weiteren Wettbewerben teilnehmen. Er beabsichtigt I am 6. Februar noch einmal in Boston zu starten und seinen j Zweiten Start entweder am 11. Februar bei Terztons A. C. oder am 13. Februar beim Willco A. C. vorzunehmon. Der Termin
, ber Abreise von Houben ist aus den 15. Februar festgesetzt.
Fußball bei den Deutschen Kampsspielen.
Wenn es eine Heerschau der deutschen Sportverdändc gälte:
— an der Spitze des gewaltigen Zuges, der im Fuli kommenden Jahres im wieder freien Köln über den Plan der mächtigen , Sportanlage in Köln-Müngersdorf seine Macht kündet, müßten , wir schon infolge seiner Verbreitung den Fußdalisport finden , Neidlos blicken alle anderen, meist jüngere Leibesspielarten, zu i bem volkstümlichen Rasen-Kampfspiel empor. Es ist keine , Zurücksetzung der übrigen Spiel- und Sportkampfarten, wenn ! gesagt wird, daß sie innerhalb der Eportsammelvereine, also ber i Gemeinschaften, die als Träger der Bewegung gelten, von dem ' größeren Bruder Fußball abhängig sind, von ihm, d. h. seinen ; Erträgnissen sportlicher und wirtschaftlicher Art, mehr ober weniger leben. Das Selbstverständliche dieser Tatsache wird ausgeglichen durch die Begeisterung, mit der allgemein dem Fußballspiel gehuldigt wird.
Die notwendige Beschränkung ber Zeitdauer für die Kamps spiele gegen das Eründungsjahr 1922 verbietet ein fußballeri sches Wochenprogramm, das die deutschen Landesverbände mit ihren Bestvertretungen zwecks Ausspielung des Siegers zusam menführt (vielleicht hat sich auch in Berlin die Reichhaltigkeit der Runden als störend erwiesen). Ein glücklicher Gedanke liegt der diesmaligen Abwicklung des Wettbewerbs um den Kampf spielpreis zugrunde. Die Vorrunde wird bereits am 28. März, je nach der Paarung der Gegner, in bem Gebiet eines Teilneh mers unter den Verbändeen des D. F. B.: Süd, Nord, West, Mittel, Brandenburg, Südost, Balten abgerollt. Fn den engeren Kreis ber Kampfspielftätte Köln, in die Fußballhochburgen Essen und M. Gladbach, sind für ben 3. Fuli die beiden Zwischen^ rundenspiele gelegt. Tags darauf (4. Fuli) läuten die Domglocken des hilligen Köln gewisiermaßen den Schlußakkord des großen Ringens zwischen Deutschlands besten Fußballstreitkräs- ten ein. Um eine Beteiligung von Tausenden nicht nur aus Westdeutschland, sondern aus dem ganzen Reiche an dem großen i Endspiel zu ermöglichen, hat der Kampfspiel-Ausschuß die not wendigen Vorbereitungen bereits begonnen. Aus bem rheinisch- westfälischen Industriegebiet (das bekanntlich eine fruchtbare Heimstätte besonders des fußballsportlichen Gedankens darstellt)
irdtern Jia sich denPreiutorieif der neuen DoppefruKkunq (Juhast 2 Beutet), Preis 35 Pfq. - Einzefpackung 20 Pfg
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m Mund. Sie blickte in den Wagt dem Schultertuch einen Strauß m« >n auf den Sarg und ging still, t: n.--Ihr Mann hatte ihr id^ Soldat aus Frankreich angekonmil
te Kl träumen. Er kniff sich in ' ; er träumte nicht. Er sah auf \ wie fremde, seltene Gäste. 2V so zusammerrgekrümmt; lange, im Zagen an einen d-ntjche» Schnc I° tunben Mn durch «W» ^' säumt.
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unb bekennen mit diesem offenen Brief, daß auf heute zu Ende gesetzten Dato bei versammletem Rath erschienen, das Fohann Adam Pfaffen Mutter, weiland: Johannes Pfaffen gewesenen Kauf- und Handelsmann hinterlassene Wittib, der Gebühr anzeigend, welchergeftaltcn ihr Sohn sich nacher Cassel, im Fürstlich Hessischen häußlich niederlaßen, willens seye; darzu aber glaubwürdiges Zeugnus und wahre Urkund seiner ehelichen Geburt und Herkommens von nöthen habe, mit geziemender Ditte, Wir ihme so viel Wir von solchem fattfame Wißenschaft hätten, selbiges in bcglaudtcr Form um beßen sich bedienen zu können. mit zutheilen belieben mög ton. Als besonnen Wir der ganze Rath bei unsern Amts- und Rathspflichten, damit dem Hochgeborenen Grafen und Herrn, Herrn Carl, Regierenden Grafen zu Solms, Hohensolms, Lich unb Tecklenburg, Herrn zu Münzenberg. Wildenfelß unb Sonnenwald pp. Des Königlich Schwedischen Seraphinen Ordens Rittern p. unserm gnädigsten Grafen und Herrn und bem Schöffenstuhl Wir verwand und zwgethan seyn, daß obberührter Fohannes Pfaff, gewesenen Kauf- unb Handelsmann, als des erjagten Johann Adam Pfaffen Vater, sich in anno 1748 den 29. Febr.: an Anna Christina Mcye - rin, weil: Balsar Meyers, gewesenen Büchsenmachers alb hier, eheliche Tochter vcrheurathet, und solch christlich Ehegelübte praevia proclamatione durch öffentlichen Kirchgang unb priesterliche Kopulation in Kranz und anderen Zicrrathcn gedachten Fahrs allhier zv Lich folcnnifiret und vollzogen worden. Fn dieser also ehr- und friedlich gcsiihr- ten Ehe ist mehrberührter Johann Adam Pfaff in ao: 1749 den 24. April allhier aus einem reinen unb unbefleckten Ehebett in gutem Gerücht unb Leutmuth an diese Welt er? ziehlet und gebühren — und sogleich den 26. April darauß zur Heiligen Tauff gebracht worden, wobei das christliche Werk der Gevatterschaft vcrrichkct, des Vaters Schwager, Johann Adam L a u n s p a ch , so ihm den tarnen Johann Adam mitgetheilet' folgcnds ist er von seinen Eltern fleisig zur Kirche und Schule angehalten — sofort nach abgelegtem gutem Grund im Christentum im 14ten Fahr seines Alters in der Evangelisch lutherischen Religion allhier öffentlich confirmiret, und zum erstenmal zum Genuß des Heil. Abendmals gelaßen — auch weiter zu aller Gottesfurcht und christlichem Leben und Wandel angehalten worden.
Nach diesem aber hat er bei dem hiesigen Büchsenmacher Georg Ernst Meyer das nemliche Handwerk erlernet, unb um sich darinnen beßer zu perfcctioniren, sich in die Fremde begeben. Nachdem nun obgedachter Johann Adam Pfaff von seinen Eltern und Großeltern rechter unb ehrlicher Ge- burth unb von untadelhaftem Geschlecht herstammend ist, folglich keiner verwerflichen ober in ehrliche Gesellschaften nicht zu duldende Abkunft, vielweniger einer unerbaren Profession treibenden Mannes Kind; so hat auch derselbe vor seiner Person als uns anderster nicht bewußt unb vorkommen, solang er allhier gewesen sich gegen männiglid) aufrecht, fromm, red- unb ehrlich verhalten, also, daß wir von ihme nichts als alles gute zu rühmen wissen, mit ferner Bezeugung, daß Er ganz freizügig und mit keiner Leibeigenschaft einigen Herrn verfangen noch zugethan seye, unb sich dahero ohne Jemands Nachfolge, wo es Ihme gefällig, hinbegeben möge. Weswegen wir bann jedermänniglich hiermit Standesgebühr nach ersucht haben wollen, erwehnten Johann Adam Pfaff dieses unsers glaubwürdigen Attestati fruchl- barlich genießen zu lassen, mithin ihme unb seiner habenden Intention allen geneigten Willen und Beförderung zuerwei- sen, solches Er unserem Zutrauen nach, nicht nur mit gebührendem Dank erkennen — sondern wir sind es auch in der gleichen unb andern Begebenheiten zu verschulden jedesmal bereit und willig.
Deßen zu wahrer Urkund haben Wir Bürgermeister unb Rath unser der Stadt größeres Jnfigel an diesen Brief gehängt. So geschehen Lich den 4ten August Eintausendsiebenhundert Vier unb Achtzig.
gez. Friedrich Roth, j ...
Earl SR e 11 c, f d-yd- Bürgermeister.
* *
Ein Leumundszeugnis aus der Zeit vor 140 Jahren! Wir wollen absehen von seiner sehr weitläufigen, schwulstigen Form I — jede Zeit hat ihre besonderen Sitten, auch im Sprachgebrauch und im amtlichen Verkehr; aber wer als christlicher Mensch dieses Zeugnis liest, tut ihm da nicht das Herz weh angesichts der Verhältniße, wie sie heute liegen? Damals war christliche Gesinnung, christliche Erziehung, echter und rechter Christenglaube ein Hauptfaktor im öffentlichen Leben; nur der stand in gutem
Geruch und Ansehen, der in christlicher Gesinnung und Betätigung bewährt unb erprobt war; das war die beste unb sicherste Gewähr für die Rechtschaffenheit unb Ehrbarkeit eines Menschen. Und heute? Es gibt soviele schlechte Menschen, Menschen, von denen die Spatzen auf den Dächern es pfeifen, daß sie Spitzbuben sind, gottlose Menschen, denen man nicht über den Weg traut, aber ihr Leumundszeugnis bekommen sie doch, denn sie : haben ja in den letzten 5 oder 10 Jahren keine gerichtlichen Strafen erlitten, die ins Strafregister einzutragen waren, sie haben sich eben nicht erwischen lassen. — Und wie ist es mit der Religion, wie ist es mit bem Christentum? Ja, bas weiß man doch, die Religion ist seit den Tagen der Revolution vollkommen aus bem öffentlichen Leben verbannt, die Behörden dürfen überhaupt nicht mehr fragen nach dem religiösen Bekenntnis und niemand ist gezwungen, darüber Auskunft zu geben. (Artikel 136 der Reichsverfassung: Niemand ist verpflichtet, seine ' religiöse Ueberzeugung zu offenbaren.) Selbst in standesamtlichen Beurkundigungen darf das Religionsbekenntnis nicht mehr erwähnt werden!—O bu erbärmliche, moderne I Zeit, wie bist du so gottlos, so leer, so inhaltlos geworden? Und - bu moderner Mensch, der du die Religion aus bem öffentlichen I Leben, vielleicht auch aus beinern Privatleben verbannt hast, du I bist doch sonst so stolz auf deine Ahnen, aber den Glauben der : Väter, bas köstlichste Erbgut deiner Vorfahren, siehst du als etwas Ueberlebtes, als etwas Altmodisches an, vielleicht schämst bu dich seiner, wie bu dich wohl des bescheidenen Kittels schämen , würdest, in dem dein Urgroßvater einst einherging. — Wer aber die vorstehende Urkunde nicht flüchtig durchliest, sondern genau I Wort für Wort, der wird sich fragen, wievielen in unserem Volk ! man heutigen Tags ein solches Zeugnis ausftellen könnte, und er wird zu dem Schluß kommen, daß man doch manchmal mit Fug und Recht von einer „guten, alten Zeit" reden kann, der gegenüber die Zeit, in der wir leben, gar arm und dürftig an inneren j Werten dasteht.
Aber zu dem starken Schatten, der sich hier zeigt, gehört auch ein starkes Licht und hoffentlich sind es noch sehr viele, die sich nicht scheuen, ihr Licht leuchten zu lassen vor den Leuten. Wir hoffen auf Viele, die das Herz auf bem rechten Fleck haben und sicher bereit sind mitzuhelfen, daß es bester werde, —