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Erscheint: Samstags.

Bezugspreis 40 Pjg. monatlich frei ins Haus.

Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rück- sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Voraussichtliche Regelung der Flaggenfrage.

Berlin, 4. Juni. Wie wir Horen, wird sich die aus Montag, Den 7. Juni, anderaumke Kabinettssitzung ausschließlich mit der Flaggenfrage beschäftigen. In dieser Sitzung soll die Frage im Kreise des Kabinetts selbst geklärt werden. Es liegt noch kein Gesetzentwurf des Reichsinnenministeriums vor.

Die Mairnesmann Konzessionen.

London, 4. Juni. Die Banque de Paris et des Pays-Bas hat, wie der „Daily Herald" meldet, Verhandlungen mit der Firma Mannesmann eröffnet, um einen deutsch-französisch- spanischen Trust zur Ausbeutung der Konzessionen in Spanisch-

Marotto zu schassen.

(fs sei die Absicht der Bank, von der fran-

Mischen Regierung auch die Mannesmann- Konzessionen in Französisch Marokko zu erhalten, die im Versailler Vertrag der deutschen Firma abgenommen wurden.

Deutscher Erfolg bei den Wahlen in Südwestafrika.

Kapstadt. Bei den am 25. Mai erfolgten Wahlen zum Eüdwesiasrikanischen Parlament sind von zwölf Sitzen sieben den Deutschen zugefallen. Von den zwölf Wahlkreisen hatten die Streife Windhuk, Okahandja, Lüderitzbucht, Kolmanskop und Grootfontein ziemlich sichere deutsche Mehrheiten, während die Aussichten in Swakopmund und Omaruru unbestimmt waren. Erfreulicherweise konnten auch diese beiden Wahlkreise für die deutschen Kandidaten gewonnen werden. Folgende deutsche Kan­didaten wurden gewählt: Peter Müller (Windhuk), Blank (Swakopmund), Westenfeld (Omaruru), Albert Voigts (Oka­handja), Hirsekorn (Lüderihbucht), Fischer (Kolmanskop), Kegel (Grootfontein.

Zur englischen Kohlenfrage.

Landen. L Juni. Im Unterhaus erklärte Churchill, die Re­gierung behalte sich in der Kohlenfrage volle Handlungsfreiheit vor, doch lehne sie es nicht ab. der KohleninLustrie innerhalb der Grenzen von 3 Millionen Pfund weitere Unterstützung zu ge­währen.

Italienische Regierungsmaßnahme gegen die protestan­tische Kirche.

Wie der „Avanti" meldet, haben die Behörden in letzter Zeit der protestantischen Kirche verboten, die so­genannte Nachschule abzuhalten, d. h. Knaben und Mäd­chen nach der Schule um sich zu versammln. Der „Avanti" fugt hinzu, der behördliche Erlaß werde da­mit begründet, daß die katholische Kirche allein in Italien anerkannt sei, während die protestantischen Konfessionen nur geduldet würden. Infolge dieses Er­lasses hat die protestantische Kirche auf die sogenannte Nachschule verzichten müssen.

Mussolini scheint sein diktatorisches Vorgehen nicht mehr auf politische Gegner beschränken zu wollen. Man wird die neue Verfügung nur mit tiefem Bedauern aufnehmen können. Sie zeigt eine religiöse Unduldsam- Mt, die in einem Lande, das auf kulturellen Hochstand Anspruch erhebt, unmöglich sein sollte und sich von sel­ber richtet.

Evangelisch-Sozialer Kongreß.

Der zweite Derhandlungsiag des Evangelisch-Sozialen Kon­gresses in Saarbrücken brachte den Hauptvortrag von Krof. Dr. Zimmermann-Hamburg über: Die Lebens- und Arbeitsverhält­nisfe der in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehrswesen be- »bästigten Jugend". Ein im letzten Jahr durch Fragebogen reichlich gesammeltes Material lag dem Vortrag zur Auswer- rung zu Grunde, dessen Hauptforderungen eine bessere Regelung der Ardeitsverdültnisse für Jugendliche war und mit einem Appell an die Generation der Alten endete, den Geist, den man ich von der Jugend erwünscht, der Jugend selbst vorzulegen. Der durch die Kriegsjahre bedingte Ausfall an Jugendlichen in den kommenden Jahren dürfte den Jugendlichen zu einer be- >ehrten Arbeitskraft werden lassen. Umso eher werden sich dann Forderungen des Iugendschutzes von selbst durchsetzen. Frau Krulenberg-Eonze-Kreuznach erstattete in einem Korrefe­rat Bericht über die Lage der weiblichen Jugend, eine Reihe anderer Redner gaben bemerkenswerte Ergänzungen über die Verhältnisse in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. Der Vorsitzende, Reichsgerichtspräsideni Dr. Simons-Leipzig, schloß den Kongreß mit warmen Dankes warten an die Redner - Am Nachmittag wurde eine Reihe industrieller Unterneh­mungen im Saargebiet besichtigt.

Für den Abend des zweiten Tages hatten bic Darmstädter Frauen vereine die auswärtigen Gäste zu einem sehr stimmungs­vollen Teeabend in die „Bereinigte Gesellschaft" eingeladen, wo Auserlesenstes geboten wurde.

Der dritte Tag brachte am Vormittag die Mitgliederver­sammlung der Vereinigung. Diese wurde dadurch bedeutsam, daß das neue ArbeirsProgramm beraten und angenommen wurde. Der Nachmittag führte die Teilnehmer der Tagung im Sonder- Zug nach der Lutherstadt Worms, wo nach der Begrüßung durch

Druck. Verlag und Expedition.' Gießen, Lüdanlagt 21

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Pfarrer D. Walter. Freiherr D. Dr. von Heyl zu Hernsheim und Oberbürgermeister Rahn eine Kundgebung am Lutherdenk- mal statt fand, bei der Oberkirchenrat Zontgras Mainz eine An spräche hielt. Mehrere tausend Menschen umsäumten das Denk mal. In der Drcifalligkeitskirche hielt Professor D. Dr. Elen Erlangen über „Luthers Bedeutung für die Welt" einen Vor trag. Ein gewaltiges Schlußbekenntnis war das von Tausenden gemeinsam gesprochene Vaterunser. So schloß die Tagung von mehr als gewöhnlicher Bedeutung. Ihre praktische Auswirkung wird eine Fülle neuer lebendiger Frauenarbeit zum Wohle des Vollsgan^n in allen Gauen Deutschlands sein.

Generaldirektor Oeser ^.

Ans Donnerstag verschied der Generaldirektor der Deutschen Rcichseisenbahngesellschaft Rudolf Ooeser in Berlin. Der Ge neraldirektor war bereits seit längerer Zeit leidend.

700 Jahr-Feier Lübecks.

Lübeck, 4. Juni. Im Stadttheater fand heute vormittag die offizielle Gedenkfeier statt, zu der sich eine große Festversammlung

vereinigt hatte. Dr. Krohne, Reichsregierung.

Es war u. a. erschienen Verkehrsminister als Vertreter des Reichspräsidenten und der

Eine Bilanz.

In einem Ueberblick über Eegenwartsstand und Zukunftsausgaben der deutschen Sozialgesetzgebung führte anläßlich des 25jährigen Bestehens der deutschen Gesellschaft für Sozialreform deren Vorsitzender, Präsi­dent v. Nostiz, aus:

In den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs und Glanzes vor dem Krieg war soziale Reform größ­tenteils Sache des guten Willens, einer gerechten und billigen Denkungsart. Und es ist deshalb die geschicht­liche Schuld der führenden Klassen, daß wenn auch man­ches geschah, nicht noch viel mehr geschehen ist, was hätte geschehen sollen. Heute ist die Frage, ob die wirtschaft­liche Möglichkeit vorhanden ist, viel öfter berechtigt. Was man billig hätte haben können, muß jetzt mit sehr fühlbaren Opfern erkauft werden. Denn unverrückbar bleibt: ohne Sozialpolitik und soziale Reform kein ge­sundes Volks- und Staatsleben. Diese Ausgaben sind keine Lasten, sondern im vollsten Sinne Werbungskosten der Wirtschaft. Denn nicht, daß der einzelne oder auch ein einzelner Wirtschaftszweig Geld verdient und blüht, sondern daß ein Volk als Ganzes tüchtig und gesund bleibt, ist das Ziel.

Praktisch gehe es um zwei große Aufgaben: die eine, milzuarbeiten an der Kodifizierung, dem Aus- und Weiterbau der sozialen Gesetzgebung, vor allem des Arbeits- und Versicherungsrechtes, wie sie jetzt im Gange ist. Die andere Aufgabe, heute noch schwieriger, ist die, nach Kräften dazu beizutragen, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer über ihren sich oft widerstreitenden Interessen das Bewußtsein der Volks- und Schicksals­gemeinschaft nicht verlieren, in der sie stehen. Gerade die ungeheure Wirtschaftsnot, die ungeheure Repara­tionslast, drängt dazu, jede unproduktive Ausgabe zu vermeiden, und Arbeitsstreitigkeiten sind für die Volks­wirtschaft als Ganzes unproduktiv, mögen sie auch der einen oder anderen Seite trotz zeitweiliger Verluste Vorteil bringen. Als letztes Mittel mögen Arbeits­kämpfe auf die Dauer nicht immer vermeidbar sein und haben zweifellos auch soziale Fortschritte bewirkt. Gegenwärtig, in unserer durch Blutverlust und Fieber geschwächten Volkswirtschaft, müssen sie verheerend wirken.

Die Gesellschaft für soziale Reform umfaßt seit 1916, wo auch die freien Gewerkschaften beitraten, die Arbeiter- und Angestelltenvereine aller drei großen Richtungen mit nicht weniger als 8 Millionen korpo­rativen Mitgliedern. Neuerdings hat nun auch die Ver­einigung der deutschen Arbeitgeberverbände aus eige­nem Antrieb ihren Anschluß vollzogen: eine Tatsache, die zweifellos zur Vertiefung des Meinungsstreites innerhalb der Gesellschaft führen wird, dafür aber neue wertvolle Berührungsmöglichkeilen schafft.

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Bevölkerungsbewegung unö Wohnungsnot in Bessen.

Nach amtl Material bearbeitet von E. Ziegler Darmstadt (Schluß.)

Zu denselben Ergebnissen kommt Dr. Gerhard Fürst, Berlin der im „Grundeigentum" seine Untersuchungen auf das ganze Reichsgebiet erstreckt.

Er befaßt sich zunächst mit der Frage, wie groß die Zahl der Wohnungssuchenden überhaupt ist und schreibt dazu:

Die Zahl der Personen, die zurzeit Anspruch auf eine Woh nung erheben, konnte eventuell aus der Zahl der bei den Woh­nungsämtern eingetragenen Wohnungssuchenden gewonnen wer den. Da hierbei jedoch Doppeleintragungen an verschiedenen Orten vorkommen können und stillschweigende Wohnungserwer Lungen auf dein Wege der Aftermiete, zum Teil auch das Mieten von Wohnungen in Neubauten, die nicht der Zwangsbewirt schaftung unterliegen, dem Wohnungsamt unter Umständen un bekannt bleiben, besteht die Gefahr, daß die dadurch gewonnenen Zahlen zu hoch sind. Einen besseren Maßstab bildet daher die bei der letzten Volkszählung ermittelte Zahl der Haushaltungen. Da alle Familien und alle einzeln lebenden Personen, die eine eigene Hauswirtschaft führen, eine besondere Hauvhaltungsliste auszufüllen hatten, auch wenn sie keine selbständige oder ge trennte Wohnung besaßen, gibt diese Zahl ein hinreichend ge na 11 es Bild von der Größe des Wohnungsbedarfs. Nach den Veröffentlichungen des Statistischen Reichsamtes (vgl. Sonder best 2 zu „Wirtschaft und Statistik") sind insgesamt 15 359 131 Haushaltungen gezählt worden. Es ist vom Standpunkte der Wohnungssrage aus sehr interessant, daß die durchschnittliche Größe der Haushaltungen gegenüber der letzten Vorkriegszäh- lung vom Jahre 1910 ganz bedeutend abgenommen hat. Wäh rend im Jahre 1910 durchschnittlich auf jede Haushaltung 1,53 Personen entfielen, ist diese Zahl um rund 10 Prozent auf 4,07 Personen je Haushaltung zurückgegangen. Wenn diese Tendenz zur Verkleinerung der Haushaltungen auch schon bei früheren Zählungen zu beobachten war, so ist der Rückgang seit dem Jahre 1910 doch ganz außergewöhnlich stark. Dieser Rückgang ist durch die verstärkte Neugründung von Familien und damit auch von Haushaltungen und durch die Einschränkung der Zahl der Haus­angestellten sowie durch das fortgesetzte Sinken der Geburten - Häufigkeit zu erklären. Nach der Zählung von 1910 entfielen auf das heutige Reichsgebiet bei einer Eesamtbevölkerung von 57,8 Millionen Einwohnern 12 739 000 Haushaltungen. Die Zahl den wohnungsuchenden Parteien hat also seitdem um 2,6 Mil lionen oder um 20,4 Prozent zugenommen. Diese Zahl wird durch einen Vergleich mit der Zunahme der bestehenden Ehen im gleichen Zeitraum, wobei sich eine Zunahme von 22 Prozent ergibt, erhärtet

Wie groß ist dem gegenüber die Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen? Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß bei der Zählung des Jahres 1910 jede Haushaltung die Anspruch auf eine Wohnung erhob, auch im Besitze einer Wohnung war, so daß für das Jahr 1910 mit einem Bestand von 12 759 000 Wohnungen gerechnet werden kann. Die Wohnungs reserve der unvermieteten Wohnungen ist dabei noch nicht berück­sichtigt. Nach den Ergebnissen der amtlichen Bautätigkeits­statistik war in den Nachkriegsjahren 1919—1924 im gesamten Deutschen Reich ein Neinzugang von 665 479 Wohnungen zu ver­zeichnen. Für die Jahre 1910—1918 liegen amtlich nur Teil­statistiken für 19 Großstädte vor, aus denen der Zugang an Woh­nungen für das gesamte Reichsgebiet errechnet werden muß. In diesen 19 Großstädten mit insgesamt über 7 Millionen Einwoh­nern sind in den Jahren 1919 -1924 rund 73 000 Wohnungen oder 11 Pozent der überhaupt entstandenen Wohnungen erbaut worden. In den Jahren 1910—1918 hatten die gleichen Gemein­den einen Reinzugang von rund 243 000 Wohnungen aufzu­weisen. Da in den Nachkriegsjahren der Anteil der Großstädte an dem gesamten Bauergebnis sehr gering ist — es wurden z, B. im Jahre 19:4 ir den Großstädten nur 22 418 Wohnungen er­baut gegenüber 34 396 in den Landgemeinden unter 2000 Ein­wohnern , wird man den Satz von 11 Prozent nicht ohne weiteres auf die Vorkriegszeit übertragen können. Rechnet man vorsichtig, daß diese 19 Großstädte vor und während des Krieges nicht den 9. Teil, sondern nur den 6. Teil der Gesamt- boutätigkeit auf sich vereinigten, so kommt man immerhin auf einen Zugang von 1,5 Millionen Wohnungen in den Jahren 1910—1918 hierzu rund 0,7 Millionen in der Nachkriegszeit 1919—1925, ergibt zusammen 2,2 Millionen Wohnungen Hier­bei sind die früher leerstehenden Wohnungen nicht mit als Zugang gezählt, da Unterlagen für eine annähernde Schätzung nicht vorhanden sind. Diesen 2,2 Millionen Wohnungen stehen 2,6 Millionen neuer Haushaltungen gegenüber, so daß ein unge­deckter Bedarf von 400 000 Wohnungen verbleibt. Dieses Er­gebnis bleibt nicht unwesentlich hinter den oft in der Oeffent- lichkeit genannter Schätzungen von 800 000 bis 1 Million fehlen­de Wohnungen zurück.

Vergleicht man außerdem den Zuwachs der Wohnungen mit dem Wachsen der Bevölkerungszahl, so ergibt sich, daß seit dem

Jahre 1910 die die die gestiegen sind.

Haushaltungen um

Wohnungen um

20,4 Prozent

17/2 „

Bevölkerung aber nur um 8/2 „

Es zeigt sich somit, das auch auf Grund genauerer