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39* Jahrg.

Samstag, den 4. September 1926.

Nr. 36.

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Erscheint: Samstags.

Bezugspreis 40 Pfg monatlich frei ins Haus. Redaktionsschluß früh 8 Uhr. Für Aufbewahrung oder Rück­sendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

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6er deutschen yrmee und Marine.

Mit größter Spannung wurde von allen Bevolkerungskreisen in Nürnberg der Verlauf des für den 2b. und 29. August ange setzten Ehrentages für die alte deutsche Wehrmacht erwartet .

Während des Sonnabends war das Treiben in der Stadt durch den fast ununterbrochenen

Einzug der von auswärts eintreffenden Fest teil ne hm er gekennzeichnet. Bunt war das Stadtbild. Besonders durch die zahlreichen aus dem Hochland erschienenen Teilnehmer in ihrer Heimattracht und mit ihren Musikkapellen.

Am Sonnabendabend wurden in sämtlichen Sälen der Stadt Begrüßungsfeiern gehalten. Die Versammlung in der Festhalle im Luitpoldhain, wo Stahlhelm, Reichsslagge und Nationaloerband deutscher Offiziere sich versammelt hatten, be­suchte auch Kronprinz Rupprecht von Bayern mit sämtlichen Ehrengästen' man sah u. a. Prinz Oskar von Preußen, Feld­marschall Mackensen, die Generalobersten von Bothmer und von Einem, die Generale von Francois, von Hurier, die Admi­rale von Schröder und Scheer. Kronprinz Rupprecht gedachte des alten Heeres und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Geist 3er alten Armee und der Geist der Selbstzucht und des Pflicht­gefühls auch die deutsche Fugend durchdringen möge, aus der die Zukunft des deutschen Volkes ruhe. In gleichem Sinne [ptad^n noch Prinz Oskar von Preußen zugleich im Namen seiner Brü­der, Generalfeldmarschall von Mackensen, ferner der Führer der vaterländischen Verbände in Bayern, Dr. Bauer und General­major von der Goltz. Als Generalfeldmarschall von Mackensen gesprochen hatte, stimmte die Festversammlung das Deutschland­lied an.

Das Hauptereignis des Ehrentages bildete der große Festzug am Sonntag vormittLg. Die Anteilnahme und die Begeisterung der Be völlerung war großartig. Seit langem waren solche Maßen aus den Straßen Nürnbergs nicht mehr gesehen worden. 55 Sonderzüge aus dem Norden und 10 Sonderzüge aus dem Sü­den waren notwendig gewesen, um die Gäste von auswärts nach Nürnberg zu befördern. Der Festschmuck der Straßen, Plätze und Häuser und die Haltung der Bevölkerung stellten selbst das in den Schatten, was inNürnberg anläßlich des Deutschen Tayes vor drei Jahren an Ovationen für die alte deutsche Armee und Marine erlebt worden war. Auf dem Hauptmarkt war für den Kronprinzen und die übrigen hohen Ehrengäste ein Ehrenzelt errichtet, an dem der Festzug über 2K Stunden lang vorbeizog, während in der sonnenklaren Luft weckte der Kampfflieger Udet wie am Tage vorher durch die kühnsten Sturzflüge die Erinnerung an die Ruhmestaten der deutschen Flieger im Weltkriege.

Eine genaue Zählung ergab

rund 22 000 Festzugsteilnehmer, rund 1100 Fahnen und Banner, 30 große Musikkapellen und etwa 20 Trommlerlorps, 92 Autos und 78 Berittene. In ge­hobener Stimmung zerstreute sich nach dem prächtigen Anblick dieses Feftzuges die vaterländische Bevölkerung Nürnbergs, um mit den auswärtigen Gästen zusammen den schönen Sonntag­nachmitlag in Erinnerung an die alte Armee und Marine, an Sedan und an Tannenberg, noch in frohester Festlaune zu ver­leben. Eine Festvorstellung im StadttHeater mit Szenen aus den Meistersingern von Nürnberg und einer Festaufführung von SchillersWilhelm Tell" beschloß den erhebenden Armeege­denktag Nürnbergs 1926.

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Große Anfrage der Deutschnationalen im preußischen Landtag.

Die deutschnationale Fraktion hat im preuß. Land­tag folgende Große Anfrage eingebracht:Angesicht der fast täglich vorkommenden tätlichen Ausschreitungen kommunistischer Anhänger fragen wir die Staatsregie­rung, was sie zu tun gedenkt, um den Landfrieden in Preußen wieder herzuslellcn."

Lockerung der Wohnungszwangswirtschaft in Bayern.

In Durchführung eines Landtagsbeschlusses sowie dem Vorgehen einzelner Länder entsprechend, ist in Bayern durch eine erschienene Regierungsverordnung über Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel, über Mieterschutz und Mietzinsbildung auch in Bayern eine Reform der Wohnungszwangswirtschaft angeordnet worden.

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Um Eupen und Malmedy.

Ueber die Rückgabe von Eupen-Malmedy wurde in letzter Zeit viel in den Zeitungen geschrieben. Eine amtliche Erklärung der deutschen Regierung hat jetzt den wirklichen Tatbestand an das Licht gebracht. Zwi­schen deutschen und belgischen Finanzmännern sind schon vor längerer Zeit Besprechungen in Gang gekommen, die sich auf eine deutsche Mitwirkung bei den inter­nationalen Plänen zur Sicherung der belgischen Wäh­rung bezogen. Ohne daß es einer besonderen deutschen Initiative bedurft hätte, ist dabei auch der Gedanke er­örtert worden, ob nicht die Möglichkeit bestände, ein deutsch-belgisches Zusammengehen auf finanziellem und

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wirtschaftlichem Gebier dadurch zu fördern, daß gleich zeitig eine Verständigung über das künftige Schicksal der Kreise Eupen und Malmedy herbeigeführt würde. Es handelt sich demnach hierbei nicht um offizielle Vorhand lungen zwischen den beiden Regierungen. Dock) ist zu wünschen, daß es über dieses Gebiet noch zu einer für Deutschland befriedigenden Uebereinstimmung kommt.

der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft.

Die Deutsche Lanöwirlschastsgcsellschaft hat es trotz der schwierigen VerhäNnisie der Gogenwort auch in diesem Jahre nicht verabsäumt, ihre Herbsttagung in großzügiger Ameise durch zuführen. Die Tage vom 24. bis 29. September werden in der Stadthalle von Kasiel eine ungewöhnliche Fülle zeitgemäßer Fragen zur Beratung bringen und den Beweis liefern, daß die D.L.G. in ihrer führenden Stellung auf landwirtschaftlich-tech­nischem Gebiete nach wie vor unangetastet dasteht. Sie wendet sich mit ihrer Tagung in Mitteldeutschland besonders auch an den bäuerlichen Landwirt, der bei ihren nach Besitzgröße abge stuften Jahresbeiträgen in ihrer Mitgliederschaft keineswegs eine geringe Rolle spielt.

Auch in den 18 öffentlichen Versammlungen, zu denen Gäste gern Zutritt haben, steht unter den geschäftlichen Angelegen­heiten verschiedentlich die Beratung der Schauordnung für die Wanderausstellung Dortmund 1927 an erster Stelle. Im Ein­verständnis mit der Industrie ist diese Ausstellung endgültig festgesetzt und wird, sei es auch unter erheblichen Opfern, plan­mäßig durchgesührl werden. Ein großer Teil der fachlichen Vorträge dieser öffentlichen Versammlungen gilt dem Regie­rungsbezirk Kassel und seinen landwirtschaftlichen Verhältnißen. Daneben befaßt sich die Hauptversammlung mit der Grünland- bewegung. Noch mancherlei andere Fragen stehen zur Behand­lung auf der Tagesordnung. Interessenten, die sich an die Deutsche Landwirtschafts-Gesellsâzaft, Berlin, S. W. 11, Dessauer Straße 14, wenden, erhalten das ausführliche Programm kosten­los zugesandt. ---

Wie die französischen Truppen in Syrien hausen.

Was bringt die Herbstiagung

Nach arabischen Meldungen sind bei den Känzpfen der letzten Wochen im Gebiete von Damaskus 25 Drusendörfer ver­brannt oder durch das französische Geschützfeuer vollkommen zer­stört worden. Hunderte von Plantagen an der Iftris-Oase sind ohne Wasser. Die Franzosen gingen überall äußerst rigoros vor und beschossen auch ein mit 70 Verwundeten belegtes Fetd- Hospital der Drusen. Zurzeit herrscht im Kampfgebiet größten­teils Ruhe. Die französischen Truppen haben in einigen er­oberten Dörfern Befestigungen angelegt. Die Aufständischen haben sich mit angeblich nur geringen Verlusten in die bewalde­ten Gebiete östlich von Damaskus zurückgezogen, von wo sie ge, legentlich Ausfälle auf die französischen Posten unternehmen.

Rüsielsheim. Beim Schweißen von Kellereiarlikeln erfolgte am Dienstag bei einer hiesigen Firma eine Explosion, wobei der 25 Jahre alte Schlosser Jean Blunn aus Mainz so schwer ver­letzt wurde, daß er alsbald an den Brandwunden starb. Ein Smeiter Arbeiter wurde sehr schwer verletzt.

Vorboten des Reichsschulgesetzes.

Aus dem Reichsministerium des Innern geht der Presse eine Information über eine Reihe schwebender Gesetzesarbeiten zu. Dabei erfährt man über den aiv gekündigten Regierungsentwurf zur Ausführung von § 146, 2:

.,Die früheren Reichstagsverhandlungen über das Reichsschulgesetz gingen besonders um drei Streitfragen:

1. Welches ist verfassungsmäßig die primäre Schul­form? Im neuen Reichsschulgesetz soll die Entschei­dung dahin lauten, daß die Gemeinschaftsschule als die Grundlage anzusehen ist, daß aber anders geartete Schulen, soweit sie auf den Wunsch der Eltern oder der Erziehungsberechtigten eingerichtet werden, die gleichen Rechte haben. Man ist der Auffassung, daß dieses Er­gebnis sich in dem praktischen Nebeneinander von Ge­meinschaftsschulen, religionslosen Schulen und konfessio­nellen Schulen ohnehin ergeben würde, so daß es zweck­los ist, jetzt über die Einzelheiten einer grundsätzlichen Regelung zu streiten.

2. Was istgeordneter Schulbetrieb"? Diese Frage soll nach dem neuen Gesetze der lokalen Regelung überlassen bleiben, da die Verhältnisse auf dem Lande und in den Städten ganz verschiedenartig sind und selbst eine landesgesetzliche Regelung keine allgemeine Gleich­gültigkeit erlangen könnte.

3. Soll vor der Einführung des Reichsschulgesetzes eine allgemeine Vorabstimmung der Eltern über die Schulform in den Einzelbezirken startfinden? Diese Frage wird vollständig ausgeschalrer werden.

Die bestehenden Schulen behalten volle Gültigkeir, und die Bestimmungen des Reich^ckwlgesetzes werden dann nur bei künftigen Neuerungen oder Aenderungen der Schulform in Kraft zu treten haben. Ueberhaupt sollen aus dem neuen Entwurf des Reichsschulgesetzes viele Bestimmungen herausgelassen werden, die frühere Veranlassung zu Kompetenzstreitigkeiten mit den Län­dern gegeben haben."

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Wohnungsnot,

Bautätigkeit und Mietzinsstcuer.

Der Kampf um die Beseitigung dc- letzten Restes der Zwangswirtsrhafr Mieterschutz und Reichsmietengesetz wird leit Jahren nicht nur von den betroffenen Organisationen sondern auch in den Parlamenten mit großer Zähigkeit geführt In letzter Zeit hat sich die Erkenntnis Bahn gebrochen, daß eine Verewigung des bestehenden Zustandes die schwersten wirtschaft lichen Nachteile für die gesamte Volkswirtschaft zur Folge haben muß. Daß diese Erkenntnis auch schon in den Mieterkreisen Platz gegriffen hat, die infolge ihrer Parteieinstellung in der Beibehaltung der Zwangswirtschaft das alleinige Heil suchen, ist nicht zuletzt auf die Auswirkungen des Mietzinssteuerge fetzes zurückzuführen. Die Anhänger der Zwangswirtschaft hatten gehofft, durch die Erhebung der Mietzinssteuer, die doch beträchtliche Akitle! abwirft, würde die Bautätigkeit so geför bert werden, daß die Beseitigung der Wohnungsnot in abfeh barer Zeit erreicht würde. Diese Hoffnung mußte trügerisch sein, da ja nur ein Teil der Steuer für den Wohnungsbau vor wendet wird.

Die verschiedenen Fragen, die den Komplex des Wohnungs Problems umfassen, haben auf der Tagung des Verbandes Deutscher Haus- und Grundbesitzer in Düsseldorf einen breiten Raum eingenommen. Wenn man rückblickend die Verhand lungen überschaut, so muß anerkennenswerterweise festgestellt werden, daß diese große Organisation das Bestreben hat, das Wohnungsproblem nicht etwa wie dies fälschlicherweise immer behauptet wird - allein vom Standpunkt des Haus besitzers, sondern unter dem Gesichtswinkel der staalspolitischcn und volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten zu erfaßen. Von den verschiedenen Referenten wurden Ursachen und Wirkung aufge zeigt, die sich aus den mannigfachen Zwangsmaßnahmen für die Wohnwirtschaft ergeben, und die zu den Zuständen geführt haben, unter denen Vermieter und Ntieter in gleichem Maße leiden. Nachdem mit der etappenweise erfolgten Heraufsetzung der Mieten am 1. Juli auf 100 Prozent der Kampf um die Mieifestsetzung einen vorläufigen Abschluß gesunden hat, wurdest gleichzeitig die beiden vielumstrittenen Gesetze Mie­terschutz- und Reichsmietengesetz mit einigen Aenderungen bis zum 30, Juni 1927 verlängert. Bis zu diesem Zeitpunkt ist also die Auseinandersetzung über die Lockerung oder Aus­hebung der Zwangswirtschaft im Wohnwesen vertagt.

Daß die beteiligten Organisationen in der Zwischenzeit aber nicht ruhen, bewies die Düßeldorfer Hausbesitzertagung. Durch sachliche Aufklärung will man die irrtümlichen Meinungen daß die künstliche Niederhaltung der Mieten ein Vorteil für die Mieter sei, zerstreuen. Wie ungesund die ganze Zwangswirt­schaft ist, ergibt sich aus den drei Hauptproblemen, die die Oeffentlichkeit in hohem Maße beschäftigen: Wohnungsnot, Bautätigkeit und Mietzinssteuer. Die Ursachen der Wohnungs­not sind an dieser Stelle schon so oft behandelt worden, daß es sich erübrigt, näher darauf einzugehen. Welche Auswirkungen sie aber gezeitigt hat, ist in der Hauptsache nur den Wohnungs­losen bekannt, nicht aber allen Staatsbürgern, die im glück­lichen Besitz einer Wohnung sind. Zu den größten volkswirt­schaftlichen Schäden, die durch sie hervorgerufen worden sind, gehört die Beengung der wirtschaftlichen Freiheit des einzelnen. Wieviele sind seit Jahren an ihrem Fortkommen behindert, weil sie durch die Wohnungsgesetzgebung vom Wettbewerb zur Er­langung einer besseren Position einfach ausgeschloßen find. Man denke nur an Ingenieure, Techniker und sonstige geistige Berufe, für die ein Wechsel der Stellung zur Weiterbildung und Ent­wicklung ihrer Persönlichkeit eine Lebensnotwendigkeit ist. Wie- oiele Werte gehen durch die enormen Schwierigkeiten des Woh­nungswechsels der Nation verloren, wieviel tüchtige Männer müßen infolge dieser ungesunden Verhältnisse in Positionen aushalten, über die sie durch Begabung längst hinausgewachsen find? Wertvolle geistige Kräfte werden dadurch brachgelegt und der Schaden, der bem Volke damit zugefügt wird, ist un­endlich groß, weil der notwendige Austausch der Kräfte nicht nur innerhalb der großen Gemeinden, sondern in weit größerem Maße innerhalb des Reiches seit Jahren unterbunden worden ist. Diese Beispiele laßen sich noch erheblich vermehren.

Das mit der Wohnungsnot im engsten Zusammenhang stehende Problem der

Förderung der Bautätigkeit beschäftigt ja nicht nur die Hausbesitzerkreise. Handwerk und Industrie, überhaupt die gesamte Wirtschaft, versuchen seit Jah­ren die Lösung dieser brennenden Frage. Es soll nicht ver­kannt werden, daß man versucht, mit den Mitteln der Miet- zinssteuern die ärgste Wohnungsnot zu beseitigen. Der Erfolg ist aber, wie schon betont, nicht in dem Umfange eingetreten, wie er von vielen Seiten erhofft wurde. Und woran liegt das? Einmal ist der Teil, der von der Mietzinssteuer dem Wohnungs­bau zufließt, zu klein, um wirklich durchgreifend helfen zu kön­nen, zum andern hat man die wirtschaftlichen Einzelkräfte zu Gunsten der öffentlichen Gewalt ausgeschaltet, d. h. Staat oder Gemeinden als Bauherren eingesetzt. Während vor dem Kriege etwa 5 Millionen Menschen auf dem Baumarkt Beschäftigung fanden, find es heute nur einige hunderttausend. Aus die Un­gerechtigkeit dieser Kopfsteuer, die die Mietzinssteuer darstellt, haben wir schon oft durch Aufsätze in unserer Zeitung hinge-