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38. Jahrg
Samstag, den 28. März 1925.
Rr. 37
„Schwarzrvtgolt" and „Schwarzwmßrot".
Von Senatspräsident a. D. Robert S ch m ö l d e r, Kassel.
Der Deutschamerikaner Richard u. Mach macht in einer Plauderei, die er im November 1924 aus Potsdam der amerikanischen Presse zugesandt hat, folgende zutreffende Bemerkung: „Durch die Stadt der preußischen Könige ziehen Scharen mit schwarzrotgoldenen Fahnen. Gedankenlose Politiker von rechts und links meinen, diese Farben ständen im Gegensatz zu schwarz- weißrot. Das ist ein Irrtum. Was schwarzrotgold gewollt hat, hat schwarzweißrot verwirklicht. Das Erste war ein Traum. Das Zweite ist die T a t“.
Den Traum haben geträumt deutsche Studenten. Sie waren voll glühender Vaterlandsliebe aus den Freiheitskriegen zuruckgekehrt und wollten Deutschland stark machen, damit es der Ländergier der Nachbarn nicht wieder zum Opfer falle. Dabei wurde ihr ganzes Sinnen und Trachten von einem großen Gedanken ergriffen, von dem Gedanken an ein einiges deutsches Vaterland. Als Lützowjäger hatten sie einen schwarzen Waffenrock mit rotem Kragen und goldenen Knöpfen getragen. Dieser Uniform hatten sie folgende Deutung gegeben: „s ch w a r z, wie die Nacht der Knechtschaft, die wir abschütteln wollen, rot, wie das Blut, das unser Kampf kosten wird, golden, wie die Freiheitsfonne, die dem Vaterland aufgehen soll." Die dergestalt gedeuteten Farben haben sie dann für ihre „deutsche Burschenschaft", die sie an die Stelle früherer partikularistischer Studentenverbände gesetzt hatten, übernommen, in dem Bewußtsein, daß der Verwirklichung ihres Einheitsgedankens wieder Schwierigkeiten erwachsen würden, die auch nur mit Eisen und Blut zu überwinden seien.
Also schwarzrotgold symbolisiert den deutschen Ein- Heitsgedanken und gleichzeitig das Dichtcrwort: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte." Es hat mit dem heutigen deutschen Pazifismus, der die Mächtigen auf der Erde umwedelt, nicht das geringste gemein. Es ist auch keine Parteifarbe. Wenn es trotzdem eine zeitlang gleichzeitig als das Symbol der deutschen Demokratie gegolten hat, so ist das veranlaßt gewesen durch das „System Metternich", durch deutsche Fürsten, die die Träger des deutschen Einheitsgedankens aus Furcht vor einer Schmälerung ihrer Machtbefugnisse wilden Verfolgungen ausgesetzt und damit in die Opposition, auch zur Auswanderung getrieben haben. Diese schwarzrotgolde- n e n Demokraten haben auch beinahe ausnahmslos von dem Augenblick an, in dem ihr Einheitsgedanke verwirklicht war, die ihnen widerfahrenen Anbilden und ihr Demokratentum wieder vergessen. Sie haben dem Verwirklicher zugejauchzt und ihre Dienste angeboten. Freiligrath hat gesungen: „Groß herrlich, frei wie nie zuvor! Hurra Germania!"
Schwarzrotgold hat auch keine größere Geschichte. Daß es die Farbe des alten Deutschen Reiches gewesen sei, bestreitet, wie auch der Reichsminister Dr. Preuß am
24. Februar 1919 festgestellt hat, „der größte Teil der Historiker". Die Historiker scheiden heute streng zwischen den Farben der einzelnen Kaisergeschlechter und den Farben des alten Deutschen Reichs und kommen dabei zu dem Ergebnis: Die Farben des Reichs waren rotweiß, welche Farben sich in den Hansastädten, in nahezu allen ehemals freien Reichsstädten auch im „eidgenössischen Kreuz" bis auf den heutigen Tag erhalten haben (vergl. Wentzke im Korrespondenzblatt des Gesamtver- eins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, Heft 1, 1925).
Die deutschen Burschenschafter sind ihrem Einheitsgedanken nicht nur in ihrem engen Kreis nachgegangen. Sie haben ihn und seine Farben auch hinausgetragen in die Vereine der Turner, Sänger und Schützen und in nationale Bürgervereine. Damit ist es im Jahr 1848 unter schwarzrotgold auch schon zu Taten gekommen, zu einer deutschen Nationalversammlung, einem deutschen Reichsverweser und einer deutschen Reichsverfassung mit der erblichen Kaiserwürde, zu den Anfängen einer deutschen Kriegsslotte und einem Marschbefehl des Reichsver- wescrs nach dem dänischen Kriegsschauplatz.
Aber die zu überwindenden Schwierigkeiten waren übergroß. Zu der deutschen Eigenbrödelei und der Selbstsucht deutscher Fürsten trat hinzu der Widerspruch der anderen Mächte, vor allem der Widerspruch der Franzosen, die, selbst geeint, ein geeintes Deutschland nicht neben sich dulden wollten, die auch heute, bei Deutschlands Verstümmelung und Versklavung noch schreiben: „Wir hatten geglaubt, mit dem heiligen germanischen Reich wäre endgültig Schluß gemacht" („Temps" vom 15. 6. 1920). „Das Reich hätte in einen Staub von Staaten aufgelöst werden müssen" („Action francaise" v. 27. 3. 1920). Diese übergroßen Schwierigkeiten erforderten eine übergroße Kraft, und weil diese damals noch nicht gegeben war, mußten die Taten unter schwarzrotgold wieder in sich, zu einem Traum zusammenbrechen.
Im Jahre 1867, als die übergroße Kraft dem deutschen Volk gegeben und auch bereits eine Tat von nicht nur vorübergehender Bedeutung, der Norddeutsche Bund, gefolgt war, stand der Uebernahme von schwarzrotgold als Bundesfarbe ein Bedenken entgegen: Dieser Farbe hatten sich erst eben die mit Oesterreich verbündeten deutschen Staaten als Feldabzeichen bedient. Indes über dies Bedenken hätte sich der Verwirklicher leicht hinweggesetzt, wenn nur aus der Volksvertretung heraus damals Interesse für schwarzrotgold hervorgetreten wäre. Aber für schwarzrotgold hat im Jahre 1867 nur der eine Abgeordnete Duncker, matt und ohne Antrag, gesprochen. Im Jahre 1871 hat sich der Farben des Traums kein einziger Abgeordneter mehr erinnert.
So ist im Jahre 1867 schwarzrotgold wieder zu einem wertvollen Vereinsabzeichen von hoher geschichtlicher Bedeutung für die geworden, die die deutsche Einheit vorbereitet haben.