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Giessener Zeitung

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38. Jahrg

Dienstag, den 16. Juni 1925

Nr. 70

Der Reichs-Lan-burrö zur Wirtschaftsbilanz.

Was kann die Landwirtschaft zur Aktivierung der deutschen Wirtschaftsbilanz beitragen?

Der Reichs-Landbund hat Recht damit getan, die von ihm dem Reichskanzler überreichte Denkschrift „Wege zur Aktivierung der deutschen Wirtschaftsbilanz (Reichs-Landbund-Verlag, Ber­lin SW. 11) auch der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie umfaßt nur 10 Druckseiten, weiß aber die von ihr besprochene tiefernste Frage von größten Gesichtspunkten aus zu behandeln und die Betrachtungen, die zunächst nur für die maßgebenden Reichsstellen bestimmt waren, dank einer volkstümlichen Dar­stellung auch breiteren Volksschichten verständlich zu machen.

Ausgangspunkt der Denkschrift ist naturgemäß die Han­delsbilanz des Vorjahres, die um 2,7 Milliarden passiv war. Ein solcher Zustand, mehr zu verbrauchen, als zu erzeugen, muß, wie beim Privatmann, auch beim Volk und Staat mit der Katastrophe enden. Wie ist diese a^uwenden? Der Reichs- Landbund empfiehlt die drei Wege: 1. starke Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung, 2. Steigerung der Ausfuhr, 3. Drosselung der Luxuseinfuhr. Das ist sicherlich ein Vorschlag, auf dessen Boden sich alle Volkskreise und Erwerbsstände ver­einen können. Die Denkschrift regt schließlich die Einsetzung

Das Hrvßstaötkinö und feine Kerlen.

Sommers Anfang ist da, und in der Schule schreiben die Mädels und die Jungens eine Niederschrift, die heißt: „Wie wird es in den Ferien sein?" Und da liest der Lehrer dann 30 bis 40 Mal: „— und da freue ich mich schon so sehr!" Ja, wo­rauf denn, ihr lieben kleinen rührend bescheidenen Großstadt- kinder? — Natürlich auf die Reise zu der Tante in Sachsen­hausen oder zu der Großmutter in Liebenwalde, wo man Blau­beeren lesen wird oder Pfefferlinge suchen oder gar Erdbeeren, wo man im Wald liegen wird und „wo man sich an der schönen Gottesnatur erfreut!" Aber- wieviel find es denn, die es so haben werden? In einer Schule Charlottenburgs sind es 32 von 100; die andern 68 freuen sich aber auch so sehr! Sie wissen auch zu erzählen, worauf sie sich freuen! „Weil wir mit meinem Bruder eine Dampferpartie machen, — weil wir nach der Planschwiese gehen, — weil wir erst um 9 Uhr aufstehen, — weil wir Seifenblasen machen, — weil mein Papa uns eine Reckstange gemacht hat, — weil ich dann auf der Straße spiele und für meine Puppe schöne Kleider nähe!" — So werden ihre Ferien aussehen! Ein oder das anderemal werden auch diese 68 im Wald sein, werden sich Blumen zum Kränzchen pflücken oder werden im Gras liegen, die andere Zeit über wird ihnen ihre Straße Ferienerholung und Tummelplatz sein. Das kleine Mädchen, das am Alexanderplatz sonst nur am Nachmittag vor Aschingers Cafë neben dem blinden Vater auf der Erde sitzt,

eines Sonderausschusses an, der als Organ des Reichskabinetts unter Mitwirkung der beteiligten Reichsministerien und hervor­ragender Landwirte zu prüfen hat, welche Entwicklungsmöglich­keiten in unserer Landwirtschaft noch bestehen, in welchem Um­fange diese bei intensivem Betrieb Abnehmer der heimischen In­dustrie werden kann und wie in dieser Art die deutsche Wirt­schaftsbilanz wieder aktiv zu machen ist. Ohne Rücksicht auf diese notwendige, geradezu über die deutsche Zukunft entscheidende Ausschußberatung aber hat die Oeffentlichkeit allen Anlaß, die Feststellungen und Anregungen der Denkschrift sorgfältig zu stu­dieren. Die Ernährungsbasis des industriellen Arbeiterstandes, der Beschäftigungsgrad der Industrie, der gegenwärtige deutsche Produktionskostenstand, die Exportmöglichkeiten, die Vergeu­dung von Krediten durch Beschaffung ausländischer Luxuswaren, der Einfluß der deutschen Handelspolitik auf die internationale Lage — das alles find Fragen, die in ein klares Wirtschafts­programm eingeordnet sind. Daneben freilich wird die Denk­schrift vielen erst die rechte Erkenntnis bringen, wie starke nationale Werte durch eine intensiv betriebene deutsche Land­wirtschaft noch nutzbar gemacht werden können.

darf nun schon vom Morgen an dort sein und wird in seine ge­fundenen Pralineèhlllsen ein paar Kirschen legen statt der Apfelsinenschalen, mit denen es bis jetzt spielte. Und in der Ackerstraße werden die kleinen Mädchen schon am Vormittag „Dornröschen war ein schönes Kind" singen, und nach fünf Wochen kehrt eine „erholte" Kinderschar in die Schule zurück und erzählt, wie schön die Ferien waren! Liebe, rührende Groß- stadtjugend, für dich sind diese Zeiten nichts, bleibe nur so und freue dich! Aber andere sollten deine Not erkennen und dich hinausführen, daß du wirklich Erholung gewinnen könntest, daß deine Ferien auch Ferien seien!

Die Stadt Berlin ist sich ihrer Pflicht, für ihre Jugend sorgen zu müssen, wohl bewußt. Auf ihren großen Außenspiel­plätzen will sie den Kindern Ersatz für die Ferienreise oder den

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