zum Besten dienen, und kehre ich unversehrt zurück, um so schöner."
Als nach Kriegsende 1866 das 3. Garde-Regiment nach Hannover als Friedensgarnison gelegt wurde, gab dies Veranlassung, daß der Feldmarschall seit dieser Zeit der schönen Leinestadt ein unvergeßliches Gedenken bewahrte, das ihn Hannover nach dem Weltkrieg als Ruhesitz wählen ließ.
Den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 machte Hindenburg als Adjutant mit und nahm er als solcher an den Schlachten bei St. Privat, Sedan und Paris teil; auch hier ist eine Kette reichsten Erlebens, das sich in tausendfältigen Erfahrungen im Weltkrieg zu einzigartigen Erfolgen als reife Ernte- auswirken sollte. Es ist kein Zweifel, das der deutsch-französische Krieg von 1870/71 für Hindenburg die große Schule der Praxis war, die ihm an Bildung und Inhalt für sein geniales Feld- herrntum mit das Beste gab. Moltkes meisterhafte weltgeschichtliche Strategie, die auf den französischen Schlachtfeldern Triumphe deutscher Kriegskunst feierte, wurde unserem soldatischen Nachwuchs aller Zukunft Hoffnung. Hindenburg hat dieses köstliche militärische Erbteil noch über den Gipfel jener klassischen historischen Ueberlieferung mit der Kraft des Titanen weit hinaus getragen, das der deutschen Zukunft, nachahmenswert und zielbewußt, hoffentlich kein Phantom bleibt.
Nach dem siegreichen Kriege verblieb Hindenburg mehrere Jahre im Truppendienst, ein jedem Heerführer unerläßliches, weil nützliches Kapitel, dann aber brach sich bei unserem Heros die militärwissenschaftliche Neigung unaufhaltsam Bahn. Im Jahre 1873 sehen wir ihn auf der Berliner Kriegsakademie, vier Jahre später im Großen General st ab, wo auch 1878 seine Beförderung zum Hauptmann erfolgte. Der klassisch-militärische Geist, der in seinem geschichtlichen Glanz von hier aus das ganze deutsche Heer belebend überstrahlte, gab auch der Persönlichkeit Hindenburgs die letzte Vollendung, die ihn uns als Soldat und Mensch so liebenswert macht. Und nun entwickelt sich die militärische Laufbahn Hindenburgs mosaikartig, Stein an Stein vollendet langsam den Aufbau, bis der Gipfel im Weltruhm des Feldherrn ausklang.
Die chronologischen Episoden dieses großen deutschen Soldatenlebens waren zunächst Stettin, wo Hindenburg als Hauptmann dem Generalkommando des 2. Armeekorps angehörte; dort ehelichte er die Tochter Wilhelmine des Generals von Sperling, gleichfalls tüchtiger Soldatenadel, die ihm stets eine treusorgende, liebenswerte Lebensgefährtin war. Ein Sohn und zwei verheiratete Töchter sind dieses glücklichen Lcbensbündnisses sinnvolles Werk. Im Jahre 1881 fand die Versetzung Hindenburgs zur 1. Division nach Königsberg statt: es folgten drei Jahre als Kompagniechef des Infanterie- Regiments 58 zu Fraustadt in Pofen, wieder auf heimatlicher Erde, bald aber sehen wir ihn im Sommer 1885 wieder im Großen Eeneralftab, wo Hindenburg den Rang eines Majors erhielt. Es spricht für die treffliche Urteilskraft jener Zeit, wenn Hindenburg damals zum Lehrer der Taktik an der Berliner Kriegsakademie bestimmt wurde, jenes Lehrgebiet, das Hindenburg in seinem Feldherrntum später als Klassiker der überraschten Welt offenbaren sollte. Der weiter militärische Lebensweg Hindenburgs zeigt ihn uns 1893 als Kommandeur des Infanterie-Regiments 91 zu Oldenburg, drei Jahre später wirkt er als Chef des Generalstabes des 8. Armeekorps zu Koblenz und dann 1900 als Kommandeur der 28. Division zu Karlsruhe. In allen diesen hohen militärischen Stellen ergab.sich nicht nur eine reiche Ernte an soldatischen Erfahrungen, auch das Leben jenseits vom bunten Rock schüttete verschwenderisch sein Füllhorn bewegten Geschehens aus. Der Dienst in Koblenz bot Hindenburg reichlich Gelegenheit, die Schönheit von Rhein und Mosel, den lachenden Frohsinn des Rheinländers kennen und lieben zu lernen; Karlsruhe wieder als Garnison, gab Veranlassung, die köstliche badische Landschaft in vollen Zügen zu genießen, auch wurde der Kunst und Wissenschaft hier manche Huldigung gebracht.
Der ewig flutende Verkehr mit den Besten der Ration, gleichviel welchem Beruf sie angehörten, hat dem Feldmarschalt in allen Lebenszeiten Gelegenheit gegeben, sich von einseitig militärischen Lebenserfahrungen frei zu halten, vielmehr war
sein Blick stets auf den ganzen Kosmos gerichtet. Alle feine Handlungen, sein ganzes Wirken ist auf dem Boden des Universums erwachsen, in diesem Sinne ein vollendeter Kosmopolit. Als zu Kaisers Geburtstag 1903 Hindenburg als kommandierender General an der Spitze des 4. Armeekorps nach Magdeburg versetzt wurde, um dort länger als 8 Jahre bis zum freiwillig erwählten Ruhestand zu wirken, schien mit dieser ehrenvollen, an Verantwortung großen Stellung eines jeden Offiziers seine Erfüllung gefunden zu haben. Und dennoch ruhte im Schoße des Schicksals ein schönes, größeres Los.
Auf seinem Ruhesitz Hannover, jener Stadt, die er aus lieber Erinnerung nie vergessen, wähnte der General die Tage seines Lebens in Muße zu erfüllen, die ihn fortan viel auf das Gebiet der Politik führte. Die Gefahr kündende Bewölkung am politischen Firmament der Welt war ihm keineswegs entgangen, nicht ohne Sorge erschien ihm die Zukunft Deutschlands. Da kam der Weltkrieg! Dem erstarrenden Entsetzen des Volkes folgte die zermalmende Wucht der nationalen Begeisterung, die wie ein Sturmwind durch die Lande fegte und den Feind zunächst wesentlich siegreich auf eigenem feindlichen Boden gefesselt hielt. Nur die deutsche Ostmark schien von dem russischen Koloß vernichtend überflutet zu werden. Alles war wie gelähmt, der Atem der Nation stockte, in den Kirchen riefen die Gläubigen und Glocken zu Gott. Da erschien nach kaiserlichem Ruf der General von Hindenburg, bestimmt als Verteidiger der bedrohten Ostmark. Die russische Flut toste in wilder Brandung immer tiefer ins Land, grauenvolle Verwüstung übend, entmenschte Taten vollbringend. Und da in höchster Not erwuchs dem deutschen Volk in Hindenburg der Retter, der Schützer und Befreier vor den sengenden und plündernden zaristischen Banden. Mit dem scharfen, alles durchdringenden Blick des genialen Feldherrn hatte Hindenburg die militärische Sachlage im Osten erfaßt und ebenso schnell wie kühn seinen überwältigenden Feldzugsplan entworfen und aufgestellt. Das Ergebnis war der beispiellose Sieg bei Tannenberg, dessen weltgeschichtliche Bedeutung nicht nur darin lag, daß er Ostpreußens Befreiung und die Verneinung der russischen Gefahr bedeutete, sondern daß er mehr noch der erste Auftakt zum sich vorbereitenden Zusammenbruch des gewaltigen Zarenreichs war, wodurch gleichzeitig das Slawentum vorläufig als mitbestimmender Faktor in der Weltpolitik ausschied. Und noch einmal erhebt sich die Feldherrnkunst Hindenburgs in der gewaltigen Winterschlacht an den Masurischen Seen zu jener gigantischen Höhe, die nur dem Genie möglich ist. Wieder brechen ganze russische Armeen zusammen und fallen völliger Vernichtung anheim. Hunderttausende an Gefangenen, Hunderte von Geschützen, mehrere russische Generale sind der stolze, erhebende Siegespreis, den deutscher Heldengeist und deutsche Feldherrnkunst heimtragen konnte. Der kaiserliche Dank gipfelte in der Verleihung des Feldmarschallstabes an den siegreichen Generaloberst, der von Stunde an Deutschlands Hosf- nun war und blieb.
Noch zu lebhaft stehen wir unter den gewaltigen, verzehrenden Eindrücken des Weltkrieges, als daß es hier einer besonderen Erinnerung jener noch immer nachzitternden historischen Ereignisse bedürfte, die unsere Seele mit Stolz und Wehmut erfüllen. Im Angesicht einer maßlos verhetzten, gegen uns verschworenen Welt von Feinden durchlebte das deutsche Volk damals eine Zeit bitterer Not, deren Letztes nur durch den heldenhaften Todesmut unserer unvergessenen Frontkämpfer von der Heimat ferngehalten wurde. Es ist höchste und größte deutsche Geschichte, die von dieser Zeit kündet. Das Werk Hindenburgs war inzwischen zum deutschen Symbol gereift, wo immer die deutsche Not verzweifelt in wogender Brandung trieb, ergriff Hindenburg das Steuer des schwankenden Schiffes, um es sicher zum Hafen zu leiten. Für den deutschen Soldaten, im Felde unbesiegbar, war Hindenburg der gegebene Feldherr, an dessen Fahnen der Sieg hing. Für die Welt der Feinde war der Name Hindenburg ein Zagen und Zittern, ein Ersterben aller Hoffnung, ein Erlöschen des Glaubens am Siege. J-OR es am Ausgang des Weltkrieges dennoch anders kam, lag außerhalb seiner Macht, war nicht mehr Geist von seinem Werk. Bis zuletzt, und noch in dieser Stunde hat er dem deutschen $ olk