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38. Jahrg. Donnerslag, den 9. April 1^25. Nr. 42*
Wirtschaftliche Rundschau
(Zusammenfassende Uebersicht über die deutsche Wirtschaftslage.) (Nachdruck verboten.)
Allgemeine Lage. Nach den heute vorliegenden Berichten schreitet die Besserung der Wirtschaftslage nur sehr langsam vorwärts, zumal das Preisniveau den Wettbewerb mit dem Ausland und die Hebung des inländischen Konsums erschwert. Sehr geklagt wird weiter über die Unsicherheit des Zahlungsverkehrs, die teilweise unhaltbare Formen angenommen habe. In allen Berichten wird eine Herabsetzung der Steuern zur Aufrechterhaltung der Konkurrenz auf dem Weltmarkt als notwendig bezeichnet.
Staatswirtschaft. Der Monat März hat die günstige Entwicklung der Neichseinnahmen fortgesetzt, sie stiegen wieder fast um 20 Prozent über die Einnahmen des Februar.
Geldmarkt. Der Geldmarkt ist ziemlich stabil. In der Hereinnahme von Auslandskrediten hat sich das Tempo verlangsamt. — An der Börse herrscht eine Mutlosigkeit, wie sie vor dem Kriege selbst in den Zeiten einer schweren Krise niemals zu beobachten war. Bei vollkommen stagnierendem Geschäft fehlt es nach wie vor an Kauflust.
Handel, Gewerbe und Industrie. Wenn die Entwicklung der deutschen Außenhandelsbilanz sich in dem Ausmaße wie bisher fortsetzt, dann bringt uns das Jahr 1925 ein Passivsaldo unseres Außenhandels, das die Zahlen von 1924 weit hinter sich läßt. — Für den Durchschnitt des März ergibt sich ein Rückgang der Eroßhandelsindexziffer um 15 Prozent. — Seit Jahresbeginn sind 2163 Konkurse gegen 1977 im vorhergehenden Quartal und 132 Konkurse im ersten Vierteljahre 1924 eröffnet worden. — Bei Krupp rechnet man mit einer starken Arbeitseinschränkung und weitgehenden Arbeiterenttassungen, da die Umstellung der völlig auf Kriegsmaterial aufgebauten Werke mehr als 100 Millionen Mark Unkosten beansprucht haben soll. — Bei der Vergebung der Elektrisicrungsarbeiten in Irland sollen deutsche Firmen ganz besonders Berücksichtigung finden. — Brasilien plant zur Erweiterung des Eisenbahnnetzes den Bau von vier neuen Bahnen. Für diesen Bau kommen in der Hauptsache deutsche Firmen in Betracht. — Für den Bau eines Hafens an der Mündung des Suezkanals fiel die Wahl auf eine deutsche Firma. Das Angebot war konkurrenzlos. — Verhandlungen zur Erneuerung des 1925 abgelaufenen Zementsyndikates stehen vor einem günstigen Abschluß. Die Zementerzeugung nimmt weiter zu. — Eine Verschmelzung der sieben zum Anylinkonzern gehörigen Werke ist im Gang. — Die Autzenhandelsstelle der Eisenbahnwagen und die Außenhandelsnebenstelle für Korkindustrie sind ab 1. April aufgehoben worden. — Das deutsch-belgisch-luxemburgische Handelsprovisorium ist dem Abschluß nahe. — Auf der der am 1. April abgehaltenen Stuttgarter Industrie- und Handelsbörse blieben die Preise abermals unverändert. — Deutschland ist heute der bei weitem größte Kunde der Tschechoslowakei.
— Der Reichsverband der Zigarettenfabriken hat sich für ein Zwangssyndikat in der Zigarettenindustrie ausgesprochen.
Kohlen. Der Ruhrbergbau befindet sich auch weiterhin in sehr kritischer Lage. Die allgemeine Kohlenkrise hat in Deutschland zu einem scharfen Konkurrenzkampf der einzelnen Kohlenreviere geführt. Der Weltkohlenmarkt weist ebenfalls ein wenig befriedigendes Bild auf. — Die holländischen Eisenbahnen haben mit Wirkung ab 1. April die Tarifvergünstigung für den Transport deutscher Kohlen durch Holland fortfallen lassen. — Die vom Mitteldeutschen Braunkohlensyndikat vorgesehene Preiserhöhung für Rohbraunkohle tritt infolge Einspruchs des Reichswirtschaftsministers nicht in Kraft.
Holzmarkt. Aus den Vorgängen bei den letzten Nadelstamm- holzverkäufcn erhielt man den deutlichen Eindruck stark geschwächter Kauflust. Die Sägcindustrie arbeitet energisch daran, die Preise auf einen den Schnittwarenwerten entsprechenden Stand zu bringen. Der Nadelschnittwarenmarkt ist immer noch von einer Unsicherheit beherrscht, unter der in erster Linie die Preisbildung zu leiden hat. Die Eeldbedürftigkeit zwingt namentlich kleinere Werke immer wieder zu Notverkäufen zu gedrückten Preisen.
Baumarkt. Im Vorjahre wurden im ganzen Reiche 18 208 Wohnungsbauten und 6828 Fabrik- und sonstige Bauten gemeldet. Im Jahre 1923 waren 5960 bezw. 3062 gezählt worden.
Warenmarkt. Die geringe Unternehmungslust an den Warenmärkten hat auch in der letzten Zeit angehalten. Die Umsätze steigen nicht über das Maß der unbedingt nötigen Bedarfs- cindeckungcn hinaus. — Die etwas festere Stimmung am Eisenmarkt hat angchalten. Die Abrufe gehen befriedigend ein. — Der Kaliabsatz im März hat etwa 1,4 Mill. Doppelzentner betragen. Damit stellt sich der Absatz für das 1. Vierteljahr 1925 auf über 5 Mill. Doppelzentner gegenüber 8 Mill, im ganzen Jahr 1924.
Ausstellungen und Messen. Bei der Leipziger Frühjahrsmesse hatten insgesamt 17 fremde Staaten mit 700 Ausstellern die Erzeugnisse ihrer Länder angeboten. — Anläßlich der vom 19. bis 22. April stattfindenden Frankfurter FrUchayrsmeye läßt das Meßamt auch diesmal wieder große Sonderzüge zu ermäßigten Fahrpreisen verkehren. — Die diesjährige finnische Messe findet vom 1. bis 6. Juli in Helsingfors statt.
Landwirtschaft. Mit Befriedigung kann festgestellte werden, daß diè Wintersaaten im allgemeinen gut überwintert haben. Als besonders aussichtsreich werden frühzeitig bestellte Saaten angesehen. Die Frühjahrsfeldbestellung ist in vollem Gange.
Produktenmarkt. Der neue Preissturz am amerikanischen und im Gefolge davon auch am englischen Markt hatte auch auf den deutschen Märkten eine Ermattung ausgelöst.
Viehmarkt. Der Verkehr auf den Schlachtviehmärkten war im allgemeinen ziemlich flau. Nur beim Kleinvieh zeigte sich teilweise eine leichte Bewegung. Die Berichte der Auslandsmärkte melden durchweg matte Tendenz bei weichenden Preisen.