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Giessener Zeitung

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Redaktion, Druck und Verlag: Albin Klein in Gietze«, Verlagsdruckerei, vorm. Keller, gegr. 1783.

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38. Jahrg. Donnerstag, den 2. April 1925. Nr. 39.

Wirtschaftliche Rundschau

(Zusammenfassende Uebersicht über die deutsche Wirtschaftslage.)

(Nachdruck verboten.)

Allgemeine Lage. Die allgemeine Wirtschaftslage wird immer noch doch die verschiedenen Momente politischer und wirt­schaftlicher Art beeinflußt. Die Periode des Tiefstandes unserer Wirtschaft ist wohl überschritten. Von der Aufwärtsentwick­lung hat man sich allerdings eine raschere Gangart erwartet. Vor allem macht sich noch auf allen Gebieten der Mangel an Betriebsmittel sehr drückend bemerkbar. Unter diesen finan­ziellen Schwierigkeiten leidet vor allem der Export.

Staatswirtschaft. Die Ecsamtsteuereinnahmen des Reiches von: 1. April 1924 bis Ende Februar 1925 belaufen sich auf 6710 Mill, während der Voranschlag für das ganze Rechnungsjahr nur 5243,7 Mill. ist. In den ersten elf Monaten wurde sohin die Voranschalgsziffer um 1466 Mill, überschritten. Der Mo­natsdurchschnitt betrug 589 Mill., d. s. 252 Mill, mehr als ver­anschlagt waren.

Geldmarkt. Der letzte Ausweis der Reichsbank zeigt einen weiteren Rückgang der Kapitalanlage und des Zahlungsmittel­umlaufes. Die Eeldlage weist im allgemeinen keine Verände­rung auf. Es scheint, als wenn für den herannahenden, Ouar- talsultimo schon frühzeitig Vorsorge seitens der gcldverleihen- den Institute getroffen wurde. Die Börse zeigte auch in der letzten Zeit ein stilles Geschäft, das nur selten belebtere Um­sätze zuließ. Verschiedene Börsenberichte heben hervor, daß die Zurückhaltung der Spekulation und des Publikums kaum noch einen höheren Grad erreichen könne.

Handel, Gewerbe und Industrie. Die letzte Großhandels­indexziffer weist einen RLgang um 2,3 Prozent auf. Zwischen der Ruhrkohle A.-G. und der italienischen Staatseisenbahn ist ein Vertrag abgeschlossen worden, nach dem die italienische Staatseisenbahn jährlich etwa 2 Mill. Tonnen abnimmt. Es besteht Aussicht, daß der Vertrag genehmigt wird. Die Nach­frage nach Roheisen ist im allgemeinen befriedigend. Das Auslandsgeschäft ist ruhig. Die Verbände haben den Verkauf für April zu unveränderten Preisen ausgenommen. Deutschland war auch im Vorjahre wieder der viertgrößte Kunde Englands. Als Importeur steht Deutschland an achter Stelle. Die Tagung des Deutschen Industrie- und Handelstages ist auf den 22. April verlegt worden.

Kohlen. Die schwere Absaßkrise, die zur Zeit im rheinisch­westfälischen Kohlenbergbau herrscht, erfuhr von Woche zu Woche eine derartige Steigerung, daß sie für die Erhaltung des Bergbaues und die Existenz der Bergarbeiter zu einer schweren Gefahr geworden ist. Es wird daher gefordert, die Kohlentarife wiederum so zu gestalten, daß die Ruhrkohle Absatz und die Eisenbahn Frachten bekommt. Im Februar wurden im Reiche (ohne Saargebiet) gewonnen: Steinkohle 10,5 Mill. To., (Vor­jahr 9,7), Braunkohlen 11,2 (8,3), Koks 2,2 (1,7), Preßkohle

und Steinkohlen 0,4 (0,3), Preßkohlen aus Braunkohlen 2,7 (1,8).

Holzmarkt. Bei den letzten großen Holzversteigerungen in den Forsten war die Kaufbeteiligung im allgemeinen immer noch gut, die Kauflust aber schwach. Man bot zögernd und dabei nicht selten Sätze, gegenüber denen die Forstbehörden sich ab­lehnend verhielten.

Warenmarkt. Die Gesamthaltung an den Warenmärkten blieb in der Hauptsache noch uneinheitlich. Die Unternehmungs­lust geht über das gewohnte Maß nicht hinaus. Bei den zu­letzt stattgehabtcn Häutcversteigerungen in Leipzig, Mannheim und Stuttgart überholten die Preise die bisherigen März­auktionen. Die Schuhfabriken kaufen wieder, aber nur in be­scheidener Menge. Der Lederhandel ist nach wie vor aufnahme­fähig. Die 66. bayerische Häuteauktion findet am 2. April in München statt. Die Konvention der deutschen Erzeuger von Beleuchtungskörpern hat beschlossen, die Preise vom Frühjahr um mindestens 20 Prozent zu erhöhen.

Ausstellungen und Messen. Die Gesamtzahl der geschäft­lichen Messebesucher der Leipziger Frühjahrsmesse wird auf 168 000, die Gesamtbesucherzahl auf 200 000 geschätzt. Bei der Breslauer Frühjahrsmesse war der Durchschnitt der Aussteller mit dem Erfolge zufrieden und konnte vielmehr abschließen, als die allgemeine Erundstimmung und Aussicht erwarten ließen. In Nürnberg findet vom 16. bis 24. Mai eine bayerische Le­bensmittelmesse statt. Es werden weiters abgehalten: 4. bis 9. April Reichsreklamemcsse in Berlin, 16. bis 22. April Frank­furter Messe, 4. bis 7. September landwirtschaftliche Landesaus­stellung in Dresden.

Produktenmarkt. Die Lage der Gctreidemärkte wirkt cha­rakterisierend durch die Rückwirkung der heftigen Preisstürze des Weltmarktes auf die inländische Preisgestaltung. Infolge der sehr großen Preisdifferenzen zwischen Inlands- und Auslands­ware reagierten die deutschen Getreidebörsen nur verhältnis­mäßig schwach auf die Schwankungen des Weltmarktes.

Viehmarkt. Auf den deutschen Schlachtviehmärkten war teilweise eine leichte Belebung bei anziehenden Preisen zu be­obachten. Im Ausland hielt die flaue Tendenz noch weiterhin an.

Verkehr. Die Einnahme entwicklung bei der Deutschen Reichsbahngesellschaft kann als günstig angesprochen werden. Als Ausgleich der Lohnerhöhungen ist eine Erholung oer Preise für. Zeitkarten des allgemcien Verkehrs vorgesehen. ^ie Reichspost beabsichtigt, für die Werte unter 1 Mark neue Brief­marken herauszugeben, die Köpfe bekannter Persönlichkeiten tragen. Ebenso sollen wieder Markenheftchen mit Werten von 5 und 10 Pfg. zur Ausgabe gelangen. Am 16. März ist die in Aussicht genommene Gründung des Reichsverbandes der deut­schen Privatschiffahrt mit dem Sitze in Berlin vollzogen worden. Da Deutschland sich bisher geweigert hat, den Flugverkehr ParisPrag durch sein Gebiet weiterhin zu gestatten, wird dieser geändert, und zwar ParisStraßburgBaselZürich- InnsbruckWienBudapestPrag. Auf einer äronautischen