Giessener Zeitung
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Nr. 47
Samstag, den 22. November 1924
37. Iahrg.
Zum Totensonntag.
Landwirtschast und Handwerk.
Den Helden 1914 — 24.
Von Iulius Adelberge r-Reinheim, Bezirksschriftführer.
Am Sonntag künden vom Gotteshaus Trauer des Tages — die Glocken hinaus; Sie rufen als himmliche Boten.
Ihr Ruf erschallet mit ernstem Slang: „O ! — Menschheit gedenke der Toten! "
Denkt Euch noch manch' kriegsstürmische Nacht, Wo Tausende, — ja Tausende im Schrecken erwacht — In dem Schmerze ihrer Lieben? — Als sie kämpften zu schützen Weib, Heimat und Kind, Und heute nicht mehr bei uns sind — Sie fielen im Feindesland drüben!
Täglich in schwerer, kriegsdonnernder Nacht, In der Heimat ein Sehnen, und Klagen. Engel, — hielten die Totenwacht Und haben zum Himmel getragen: — „Helden, ! — die uns ihr Leben geschenkt, In Liebe und Treue auch ihrer gedenkt, Am kommenden — „Sonntag der Toten!"
Am Totensonntag, — dem stillen, heiligen Feste, das den Toten geweiht ist — da man ihre ewige und heilige Ruhestätte innersten Gedenkens mit Sträuße und Kränze aus Liebe und Dankbarkeit schmückt, laßt auch uns, liebe Kameraden, mit umflorter Fahne hintreten an jene heilige Stätten, die unseren Opfern jener schweren Zeit geweiht sind.
Fern von ihrer Heimat, fern von ihrem Vaterhaus, einzeln und in großen Gräbern kameradschaftlich vereint ruhen unsere unvergeßlichen Toten im ewigen Frieden gebettet. Niemand von uns, keines von all den Lieben der Heimat, vermag heute nach 10 Jahren ihre Ruhestätte aufzusuchen und diese auch am Feste der Toten zu schmücken! Innere, wahre Liebe aber kränzt die verlassenen Gräber und darum laßt uns geschlossen an die heilige Stätten, die man in der Heimat für sie errichtet, an den Denkmälern unserer Opfer hintreten. Einen Kranz von der letzten Blume, vom letzten Grün und Laub, was uns der Herbst vor seinem Abschiede zurückgelassen, wollen wir binden und unseren toten Kameraden aus heiliger Treue, Liebe und Dankbarkeit niederlegen.
Reinheim, den 15. November 1924.
Verschiedentlich haben wir in der Zeitschrift auf das Verhalten der Landwirtschaft gegenüber dem Hand- I werk hingewiesen und in Nr. 18 eine Verhandlung wie- ; dergegeben, die zwischen den Vertretern der Landwirt- i schaftskammer, des Bäckergewerbes und der Handwerks- : Jammer geführt worden ist. Es handelte sich um die Errichtung von Großbäckereien seitens der Landwirtschaft.
Nunmehr werden wir von einer Verhandlung unterrichtet, die kürzlich in gl. Sache zwischen den Ver- tretern des Landbundes und des Bäckergewerbes stattgefunden hat.
Bei dieser Verhandlung wurde erklärt, baß der hessische Bauernbund weder den Betrieb einer Mühle, noch einer Bäckerei beabsichtige. Die seither in dieser Hinsicht für Friedberg und.Eberstadt aufgetauchten Befürchtungen seien hinfällig. Der Vorstand des hessischen Bauernbundes stünde derartigen Plänen durchaus ablehnend gegenüber. Diese Auffassung sei auch von den hessischen Vertretern in einer Sitzung des Reichslandbundes zu Berlin mit allem Nachdruck vorgetragen worden. Der hessische Bauernbund werde von sich aus darauf hinwirken,, daß die Verwirklichung derartiger Pläne auch sonstwo möglichst unterbleibe, da er auf eine Zusammenarbeit mit dem Bäckergewerbe das größte ®e= wicht lege.
Der Landbund sei bereit, wenn dies erforderlich, । erneut mit den Vertretern des Bäckergewerbes zu ver- I handeln und eine Zusammenarbeit der Landwirtschaft- : Uchen Genossenschaften und der Bäckergenossenschaften ; zu unterstützen. Eine Zusammenkunft von Vertretern beider Gruppen soll in Kürze erfolgen.
Auf Befragen erklärte der hessische Landbund sich ! für Aufrechterhaltung des Nachtbackverbots sowie für i gleichmäßige steuerlichen Belastungen der Konsumver- I e,ne.
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