Giessener Zeitung
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6 0 Goldpfennig monatlich frei Haus, bei obligatorisch. Bezug durch Vereine 30 Goldpf. Telephon Nr. 1382.
Expedition: Südanlage 21.
Redaktion, Druck uud Verlag: Albin Klein in Gietze«,
Berlagsdruckerei, Borm. Keller, gegr. 1783.
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für 1 mm Höhe und 30 mm Breite;
für Auswärts 10 Goldpfennig;
1 Reklameze le 90 mm breit 120 Goldpfg.
Nr. 2 9» Samstag, den 19. Juli 1924 37. Jahrg.
Zoll ich mein Haus verkaufen?
z Diese Frage wird demjenigen, der in der Organisation tätig ist, häufig vorgelegt. In den Zeiten der Inflation konnte man diese Frage ohne weiteres verneinen. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, daß trotzdem die wenigsten diesem Rate folgten, vielmehr sich durch die „Millionen" blenden ließen und ihr Haus im wahren Sinne des Wortes verschenkten.
Heute soll man über die Frage des Hausverkaufs nur nach Kenntnis der näheren Umstände entscheiden. Bei den derzeitigen Verkaufsangeboten handelt cs sich faßt ausschließlich um Notverkäufe. Erwerbsunfähige Besitzer, die durch die Geldentwertung und die Niedrighaltung der Mieten ihrer früheren Einnahmequellen beraubt sind, sehen den Verkauf ihres Hauses als das letzte Mittel an, um ihr Leben zu fristen. Die jahrelange Zwangswirtschaft und als Beigabe vielleicht noch einige chikanöfe Mieter haben es fertig gebracht, beim Hausverkauf ein Gefühl der Er-- leichterung zu empfinden. Der Besitz eines Hauses und alles, was damit zusammenhängt, ist gerade für ältere Hausbesitzer ein Marthyrium. Der Wunsch nach Befreiung von dieser Last ist daher auch nur zu gut zu verstehen. Trotzdem soll man auch in diesen Fällen nicht vorschnell entscheiden
Handelt es sich bei älteren erwerbsunfähigen Hausbesitzern um einen Notverkauf, so ist in erster Linie die Frage zu stellen, ob keine Kinder oder sonstige nähere Verwandte vorhanden sind, die in der Lage sind, für den Unterhalt zu sorgen und sich so einen wertvollen Besitz zu erhalten. Ist dies nicht der Fall und ist eine andere Lösung nicht zu finden, so verschleudere man das Haus nicht. Die momentane Geldknappheit hat die Hüuserpreise auf ein Drittel bis ein Viertel des Friedenswertes herabgedrückt. Die Jetztzeit ist daher für einen Hansverkauf ganz besonders ungünstig. Entschließt man sich trotzdem zum Verkauf, so ist Wert daraus zu legen, daß Barauszahlung, mindestens aber eine größere Anzahlung geleistet wird. Durch die derzeitige hohe Verzinsung,, wirst ja ein verhältnismäßig geringes Kapital schon eine Rente ab, die eine bescheidene Lebenshaltung gestattet. Man vergesse aber nicht, daß dieser hohe Zinssatz nur eine verübergehende Erscheinung sein samt, die über kurz oder lang einem normaleren Zinssatz wird weichen müssen. Dadurch wird die Rente geringer und reicht nicht mehr zur Bestreitung der Lebenshaltung aus, sodaß das Kapital aufgezehrt werden muß. Mit welchem Normalzins- satz wir in Zukunft zu rechnen haben, läßt sich nicht voraussagen. Man sollte aber nur zu einem Preise verkaufen, daß man mit einer Rente in Höhe von höchstens 10 bis 12.% die Lebenshaltung bestreiten kann. Diese Zahl kann natürlich keinerlei Anspruch auf Zuverlässigkeit machen.
Auch aus dem Gebiet des Wohnungs- und Hauswesens kann der derzeitige Zustand nur als vorübergehend angesehen werden. Eine Gesundung wird und muß iw absehbarer Zeit durch Entfaltung der privaten Bautätigkeit eintreten. Wann dieser Zustand eintritt, läßt sich nicht voraussagen. Diese Frage hängt mit der
Entwickelung unserer innen- und außenpolitischen Verhältnisse und der Flüssigkeit unseres Geldmarktes zusammen. Die neuen Häuser werden, wie früher, an Kauflustige veräußert werben, wodurch Kapital zu weiteren Nenbauten frei wirb. Diese neuen Häuser müssen mindestens zum GestehungspreiS verkauft werden. Das hat zur Folge, daß auch die Preise der alten Häuser sich mehr oder weniger den Preisen für Neubauten aupassen. Alle Anzeichen sprechen aber dafür, daß die Baukosten eines neuen Hauses in den nächsten Jahren noch wesentlich über den Vorkriegsbaupreisen liegen werden.
Die Frage der Anlegung des Kaufpreises selbst ist aber säst noch wichtiger als die Frage des Verkaufs selbst. Die Unsicherheit unserer wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse läßt es als durchaus gerechtfertigt erscheinen, bei Anlage von Geldern besonderen Wert auf die Erhaltung der Wertbeständigkeit zu legen. Man bediene sich zu diesem Zweck stets eines vertrauenswürdigen Fachmannes.
In allen Fällen, in denen ein Berkaus nicht dringend notwendig ist, behalte man sein Haus bis bessere Zeiten kommen. Bei momentaner Notlage werden die Fürsorgestellen gegen hypothekarische oder sonstige Sicherheit mit Barmitteln an die Hand gehen.
Jedenfalls hüte man sich vor übereiltem Verkauf, wenn man sich vor späterer Enttäuschung bewahren will. Die Erfahrungen der letzten Jahre sollten für jeden eine Warnung sein.
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