Giessener Zeitung
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Redaktion, Truck und Verlag: Albin Klei« in Gießen, Verlagsdruckerei, torm. Keller, gcgr. 1783.
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Nr. 40. Samstag, den 4. Oktober 1924. 37. Jahrg.
5 Zähre Technische Nothilse.
Am 30. September 1924 konnte die Technische Nothilfe zurück- lillfken auf fünf Jahre erfolgreicher Arbeit. Unbestritten in ihrer Neutralität hat sie dem deutschen Volke in Zeiten der Hoffnungen und der Hoffnungslosigkeit, der Erschütterungen und der Enttäuschungen als treuer Ekkehard zur Seite gestanden, für viele unsichtbar und doch für alle unentbehrlich, von manchen verkannt und verleumdet, doch mehr noch begleitet von Dankbarkeit und Anerkennung der Mehrheit des Volkes.
In einer Zeit, die Völker und Staaten im Tiefsten aufwühlt, hat die treue Nothelferschaft den Staatsgedanken, ja fast den Bestand des Staates in entscheidenden Augenblicken durch mutiges Eintreten gerettet, wenn er im Chaos der Geister und Gewalten unterzugehen drohte. Der Steuerstreik in Württemberg 1920, der mit Stillegung bedeutender lebenswichtiger Betriebe den Staat zur Kapitulation vor einer Interessengruppe zwingen wollte; der Eisenbahnerstreik 1922, der über Nacht den gesamten deutschen Eisenbahnverkehr und damit den Blutkreislauf des deutschen Volkes und Staates stillegte; die Unterbrechung des gesamten Notendruckes anläßlich des Streiks in der Reichsdruckerei, wo die Technische Nothilfe den Druck der erlösenden Rentenmark bewerkstelligte: das sind markante Beispiele rettender Nothilfetat, wo Tausende treuer Nothelfer den Schutzwall bildeten gegen die hereinbrechenden Fluten der Unvernunft.
Ebenso wenig wie auf staatspolitischem Gebiete ist die mit Tat und Wort eingreifende Tätigkeit der T. N. aus der Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft nach dem Kriege fortzudenken. Die gewaltigen Wirtschaftskämpfe in der Landwirtschaft der Nachkriegszeit in Mittel-, Nord- und Ostdeutschland machten in 2084 Fällen ein großes Aufgebot an Nothelfern notwendig, um Ernte und Vieh vor dem Verderben zu retten und damit weitere Erschwerungen der ohnehin so bedrohten Ernährungslage des deutschen Volkes zu verhindern. Der gewaltige Binnenschiffer- streik im Jahre 1920 und zahlreiche Wirtschaftskämpfe in den Hafenbetrieben, hesonders in Bremen und Hamburg, stellten höchste Anforderungen an die Nothelferschaft, um auf dem Transport befindliche Lebensmittelmengen vor dem Verderben zu schützen und dem Verbrauch zuzuführen. 71 Einsätze auf Zechen und in Hütten, 449 in Mühlen, Zuckerfabriken und anderen Betrieben des Nahrungsmittelgewerbes, 795 Einsätze im Transport- und Verkehrswesen haben zu ihrem Teil dazu beigetragen, größere Wirtschaftskämpfe in ihren Folgen für das Volksganze zu ,mildern und dauernde Schäden zu verhindern.
Dem Einzelnen am sichtbarsten, für die Volksgesundheit und die öffentliche Sicherheit am unentbehrlichsten waren die 334 Einsätze in den Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerken; sind diese Werke doch in ihrer neuzeitlichen Entwicklung die Lebensquellen jeder städtischen Gemeinschaft geworden, deren Funktionen nicht ohne stärkste Rückwirkung auf die Lebensbedingungen jedes Einzelnen unterbrochen werden dürfen.
Die Bedeutung der T. N. zeigt sich am besten an dem steigenden Interesse, das die deutsche Öffentlichkeit an ihr nimmt. All ! die Jahre ihrer Tätigkeit hallen in wachsendem Maße wider von Kundgebungen und Entschließungen, in denen die bedeutendsten Organisationen und Persönlichkeiten die Erhaltung und den Ausbau der T. N. fordern und fördern.
Die T. N. hat es stets als ihre vornehmste Aufgabe betrachtet, den Nothilsegedanken in alle Kreise des deutschen Volkes hineinzutragen und alle Volksschichten zur Mitarbeit heranzuziehen. Wie sich Millionen deutscher Volksgenossen öffentlich zum Gedanken der Technischen Nothilfe bekannt haben, sind Hunderttausende dem Rufe der Nothilfe-Tat gefolgt. Techniker und Ingenieure, die mit 22 Prozent vertreten sind, reichen dem Arbeiter die Hand, der 11 Prozent der Nothelferschaft stellt. Der Landwirt (21 Prozent) steht neben dem Handwerker (10 Prozent); Studenten und Schüler (6 Prozent), Frauen (9 Prozent), Männer aus freien Berufen (21 Prozent), alle umschlingt der Gedanke der Technischen Nothilse, die stete Hilfsbereitschaft, der Wille, in dieser Zeit der Not nichts gegen einen Volksgenossen, jedoch alles für alle Volksgenossen zu tun.
Hat es sich gelohnt? Ist die Arbeit dieser 5 Jahre mit fast 4 000 Einsatzstellen fruchtbar gewesen? — Ja! — Ueber 100 Gold-Millionen an Werten sind allein auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung gerettet worden; weit bedeutender, wenn auch nicht in Zahlenwerten erfaßbar, ist die Erhaltungsarbeit der T. N. in den technischen Betrieben gewesen. Doch hoch über diesen materiellen Erfolgen steht der ideelle Erfolg des Erziehungsgedankens der Technischen Nothilfe, der allein durch sein Vorhandensein vermocht hat, daß die deutschen lebenswichtigen Betriebe
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