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Gießener Jeiinng
Bezugspreis 4,— Mk. monatlich
vierteljährlich 12,—Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zwetg- auSgabestellen vierteljährlich ü,— Mk. — Erscheint DienStag, Donnerstag u. Samstag. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksen- dung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.
Truck der Gicsteucr Berlagsdruckerei, Albin Klein.
Nr. 23. Telephon Nr. 1362.
Honorar.
^mannia t. M. lr. 2h ^^ Uhr nach»
s$e, Berlin SW. »
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Ssorderung uni bitten
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französische einquarilerungslaften in St. Goar.
Könn In kürzester Zett soll daS Städtchen St. Goar für die Dauer von 2-3Monaten mit 6—800 französischen Pionieren, die ihren Standort in Biebrich a. RH. haben, belegt werden. Die Pioniere sollen Brücken, schlogübungen vornehmen. Diese Maßnahme bedrutet für die Stadt St. Goar, die knapp 2000 Einwohner zähst, die dazu noch fast ausschließlich von dem starken Fremdenverkehr des Sommers lebt, eine schwere wirtschaftliche Schädigung dec gesamten Bevölkerung. Gera- dezu unerhört ist es, daß mit den Soldaten eine ganze Anzahl verheirateter Offiziere und Unteroffiziere mit ihrer ganzen Familie nach St. Goar kommen, für die Wohnungen beschafft werden müssen.
französische Soldateska misshandelt einen deutschen GewetkRhaftsfekretän
Erst sitzt wird ein Vorfall bekannt, der sich am 22. April 1922 in Bonn zugetragen hat. Nach amt Uchen Ermittlungen wurde in der Nacht vom 22 aus 23. Apttl ein älterer Stadtverordneter und Gewerk schaftssckcetär in Bonn, dec sich von einer Sitzung auf dem Nachhauseweg befand, in den Anlagen dec Dtezftr. in Bonn ohne jede Veranlassung von mehreren französischen Soldaten überfallen, mißhandelt und zu berauben versucht. Als sich der Uebersallene tatkräftig zur Wehr fetzte, eilten noch mehccce französische Soldaten herbei, die sich ebenfalls aufs schwerste tätlich an ihm vergriffen. Auf die Hilferufe des Ueberfallenen hin eilten rindere Zivilpersonen herbei, worauf die Soldaten flüchteten. Die Verletzungen, die dec Uebcrfallene erlitten hatte, waren so erheblicher Natur, daß er für lange Z it arbeitsunfähig war.
Die rheinischen Buchdrucker verweigern die
Arbeit für die „Rheinische Republik".
Könn. Die Bonner deutsche NeichSzeitung meldet: Eine Vollversammlung des technischen Personals dec Hiesigen Buchdruck^rei Josef Bach Wtw. hatte einstimmig beschlossen, für die Herstellung der „Rheinischen R.publick", des berüchtigten Smeets - Wochenblattes nicht mehr die Hand reichen zu wollen. Die Vrrsemmlung erklärte in einer Resolution, tie E süllung dieses Be- schluffes nötigenfalls mit den äußersten Gewerkschafts- Mitteln durchzusctz n. Die letzte fällige Ausgabe des Blattes fiel schon aus. Die Buchdruckerei Josef Bach Wtw. ist inzwischen von der hiesigen „Rhenania - Buchdruckerei" käuflich erworben worden
Paragraph II.
Der berühmte, berüchtigte Paragraph 11 des Pressegesetzes, der mehr mißhandelt und mißbraucht wird, als alle anderen Abschnitte des Pressegesetzes, der Kum- Hier der Schriftleiter, ist eine sehr ernste Sache. Er kann aber auch einmal eine lustige Seite haben:
Der Geschäftsführer des (sozialistischen) Hauptvec- bandes deutscher Ouökrankcnkassen zu Dresden ein Herc Mellmann, Hütte sich über eine Notiz geärgert, die in der Deutschen Handelswach, dem Hauptocgan des deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, erschienen war. Flugs setzte er sich hm und schickte dem Schriftleiter auf Grund des Pressegesetzes eine an sich völlig belang lose „Berichtigung". Die Hande'swacht druckte sie pflichtgemäß ab, widerlegte sie sachlich--und schickte Herrn Mellmann eine Rechnung über m.hc als 2tOO Mark. Der darob sehr erstaunte Herr mußte auf den Absatz 3 des § 11 teS Pressegesetzes hrngewicscn werden, der nämlich besagt, daß Berichtigungen, die räumlich über Lie zu berichtigende Notiz hinausgrhcn, süc den über- schießcndm Fall nach dem Anzeigentarif der Zeitungen bezahlt werden müssen. Da nun die Auslagenhöhe der Handelswacht rund eine Viectelmillion beträgt, so ist ihr Anzeigentarif nicht ganz niedrig. Der unglückliche Bcnchtiger suchte V rgeblich einen Ausweg, es half ihm nichts. Mit den freundlichsten Worten bestätigte die Handelswacht die inzwischen erfolgte Zah- Lon 2040 Mark und ladet Herrn Mellmann zur weiteren Mitarbeit unter ähnlichen Bedingungen ein.
Expedition: Siehrn, Südanlage 21.
Samstag. den 10. Juni 1922,
Lokal«.
** Hessische Handwerkskammer Zurzeit sind die Stadlvei Wallungen mit der Durchberatung ihrer Haushaltp äne beschäftigt und naturgemäß bet den gewaltig gestiegenen Anfoederungen gezwungen, neue EinnahmqaeÜen zu erschließen. Hierbei wird leider die Beobachtung gemacht, daß man immer wieder versucht, durch Ethöhung des AuSschlagSsatzeS bet Gewerbesteuer den Handwerker- und Gewcebestand ungebührlich zu bilastcn. Man verkennt hierbei völlig, daß gerade die Gewerbetreibenden und Hendwerker unter den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen außerordentlich zu leiden haben. Die ständig steigenden Geschäftsunkosten, die bet den gewaltigen Lohnsummen und Materta'pceiscn riesige Betriebskapitalien erfordern, verursachen selbstredend auch starke Ztnsaufwendungcn für Beschaffung dec Kredite. Weiter ruhen auf dem Gewerbe schon eine Unzahl steuerlicher Sonderbelastungcn. Man denke i ur an die Umsatzsteuer, die Luxussteuer, die unglaublichsten Gkbührcnartcn, die besonders das NahrungSmittelge- werbe auferlegt bekommt und denke daran, daß die Steuerkraft von Handwerk und Gewerbe bereits von allen Seiten geradezu erfinderich erfaßt ist. Die Suche nach neuen St,u-rqucllen bringt d'e Stadtverwaltungen auf immer neue Belastungen, will man doch weiter noch die Eckerscheiben, Aushängeschilder und alle möglichen Dinge, die zu Reklamezwccken erforderlich sind, mit Gebühren bJ.gen. Aber immer und immer ist es das Handwerk und Gewerbe, das herangezogen und dessen Geduld auf die schärfste Probe gestellt wird. — Es würde nur dec Gerechtigkeit entsprechen, wenn die Stadt Verwaltungen endlich Abstand davon nähmen, Hand Werk und Gewerbe als Quelle neuer (Steuereinnahmen vorzugsweise zu benutzen. So sollten die sogenannt n steten Berufe, Architekten, Aerzte und Heilgehilfen, Zahnärzte, Rechtsanwälte und R.chtSkonsul nten, Steueraus kunstsbüros und andere, deren GeschäftSvcrfahr/n und wirtschaftlichen Einrichtungen unter ben heutigen Verhältnissen mehr aber weniger gewerblichen Charakter angenommen haben, bet diesen Sond:rstcuern in gleicher Weise mit Herangezogen werd.n. Stehen dem gesetzliche Bestimmungen entgegen, müßten die Stadtverwaltungen zwecks Abänderung die nötigen Schritte alsbald ergreifen, damit diese steuerlichen Ungleichheiten endlich verschrvin den. Gerade diese ungerrchte Behandlung von Hand- we.k und Gewerbe ist rs, worüber man in diesen Kreisen so sehc erregt ist. Auch sollten die Stadtv.c- waltungcn bebenten, daß es sich hier um eine Gruppe von Bürgern dreht, die nicht nur für die Jetztzeit, sondern auch für die Tage des Alt>rS und ber Krankheit für sich und ihre Familien selber sorgen müssen.
Norstaudsbeschlutz auf lUtberkgung drs Amtes Der Vorstand einer Innung b fch oß, fein Amt niederzulegen E nes seiner Mitgltrder, das dec Sitzung, in der dieser Beschluß gefaßt wurde, nicht beigewohnt hatte, trat diesem nicht bei, sondern behielt sein Amt. DaS Oberlandesgericht Königsberg (so be richtet die Zeitschrift „Gesetz und Recht", Berlin Ltchicr- felbc) entschied ducch ein Urteil vom 23. November 1920, daß das Vorstandsmitglied, das von dec Innung auf Herausgabe ih:cs Vermögens verklagt worden war, sein Amt behalten könne. Die Bindung des Vorstandes an einen Mch.heitsbeschluß feiner Mitglieder erstrecke sich nicht auf Sonderrechte und Sonderangelegcnhcitcn des einzelnen Vorstandsmitgliedes, wie sie die Fortdauer der Zugihöcigkeit des einzelnen Mitgliedes zum Vorstände darstelle. Die Stellungnahme zu dieser Frage müsse dem einzelnen Vorstandsmitglied Vorbehalten bleiben, solange nicht die Generalversammlung, die ihn berufen habe, die Bestellung widerrufe. Der Beschluß, die Remter niederzulegcn, sei daher für das Vorstandsmitglied, daS damit nicht einverstanden sei, urverbindlich.
** Der Peichsvereiu Deutscher Feuerwehr- iugenieure E. V. (Geschäftsstelle Berlin S W 19, Ltndenstr. 41) hält in der Z it vom 13. bis 16 Juni 1922 feine di.sjähcige Mitgliederversammlung in Gießen ab Dec Verein umfaßt die Oberbeamten' bet kommunalen und industriellen Berufsseuerwchcen Deutschlands. Ec erstrebt neben der Pflege des Zusammengehörigkeitsgefühls seiner Mitglieder die Förderung des Feucrvcrhütungs -, Feuerlösch - und Rettun.gswcsens auf wissenschaftlicher Grundlage. Es w.rdcn 5 Vorträge gehalten.
anzeigenpreir 2,40 MK.
die 44 mm breiteP etitzcile, für AnSwärtö 3,00 Mt. Die 90 mm breite R e k l a m e - Z e i l e <>,00 Mark. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Größe berechnet. Rabatt kommt bet Ueberschreitung deSZahlungS- zieleS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Kontur» in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbtndltchkeit.
Verlag der „Gießener Zcitnng" in Gießen.
Telep hon Nr. 1562.
35. Jahrg.
Literarisches.
HanS Günther: Technische Träume (1 bis 10 Tausend. Mit 29 teilt’ ganzseitigen Bildern im Teri. -- 1922, Zürich, Rascher & Eie. A. G. — Geh. Mark 50.- , geb. Mark ,o.—. Der bekannte Verfasser, dessen lebteS Werk „Wunder in unS" im Vorjahre allgemeines Aufsehen erregte, behandelt in diesem neuen Buch ein Problem, bad seit einigen Jahren allerorten im mer wieder angeschnitten u»ub: Die Frage nach der füuftigeu Energieversorgung der Welt! Die ^tohlenschätze der Erde werden in absehbarer Zeit aufgezehrt sein. Die verfügbaren "Wasser froste reichen bei der zu erivartendeu Zunahme des Energiebedarfs als Ersab bei luetteni nicht auS. Die Geschrvister der Kohle: Braukohle, Torf, Petroleuin, Naturgas werden noch friiher wie sie selbst zu Ende sein. Also gilt es neue, bisher unbekannte Energiequellen zu erschließen, wenn die Menschheit nicht zugrunde gehet» soll Die zahlreichen Versuche dazu laßt der Verfasser tu feinem Buche N.evue passieren, selbstverständlich nicht in tvotfenev Aneinanderreihung und auch nicht lmkritisch uub phantastisch, sondern in fesselnden, jedermann verständlichen Einzelschilderungen und immer kritisch wägend, was möglich, was heute noch aussichtslos erscheint. In erster Linie lverden die verschiedenen Vorschläge zur Streckung unserer Kohlenschätze besprochen: der eigenartige Gedanke Namsans, die Kohlen in ihren natürlichen Lagern zu vergasen, die direkte Unuuaublung von Wärme in Elektrizität auf bem Wege des Thermo- und deS Brennstoffelements. Dann kommt der Wind an die Reihe. Aus gut begründeten Berechnungen ergibt sich, daß die Windleistung schon bei geringer Windstärke die gesamte Wasserleistung um ein vielfaches übersteigt. Trdtzdem sind die bisherigen Versuche, biete gewaltige Energiequelle auszunützen, nie über kleine Anfänge htnauSgc» tommen. Worin das seine Ursache hat, legt der Verfasser anschaulich dar. Fließendes Wasser und Wind sind ©onnentinber; sie lenken den Blick sogleich auf die Sonne selbst, um deren Wärmeenergie — nutzbar gemacht im Sonnenmotor — sich hunderte von Erfindern seit vielen hundert Jahren mühen. Das Buch zeigt auf, >vas erreicht worden ist, aber wir lernen auch, wo die Schtvierigkciten dieser gewaltigen Aufgabe stecken: tvahrscheinlich ivird die Photocheniie stark an der schließlichen Lösung beteiligt sein. — Eine kurze Besprechung der riesigen kosmischen Eiicrgie- vorräte, die z. B. in der Wucht, mit der die Erde sich um sich* elüft und um die Sonne dreht, sowie in der Massenanziehung der Gestirne stecken, führt uns zu einer irdischen Energiequelle kosmischer 9iaiur: zur inneren Wärme der Erde, die sich uns in den heißen Quellen und Vulkanen verrät. Daß es in Oberitalien ein Kraftwerk gibt, bad seine TurbodynamoS aus dieser Wärmequelle speist, wird inancher mit einigem Staunen verneh- men. Der hier erzeugte Strom treibt u. a. die Straßenbahucn von Florenz. 91 ad) der Erdwärme kommen ErdinagnetismuS und Erdströme an die Reihe, dann die Luslelektrizität, deren Ausnutzung letzthin meljrfadj in der Presse erörtert wurde. Gerade hier scheint indessen nichts zu holen zu sein, auch nicht durch eine „Fesselung der Blitze". Die beiden Schlnßkapitel nehmen die vielen' Projekte zur 'Nutzbarmachung der AleereSivelleu und der Gezeiten vor. In Frankreich und England wird diese Frage ernsthaft itnb mit großen Mitteln studiert. — So legt man das Buch, das alle diese Dmge als erstes mit großen» Geschick zusam ineilfaßt, mit bem beruhlgenden Gefühl aus der Hand, daß es dem menschlichen Geiste sicher gelingen wird, auch in der Zuku lft das Dasein der Menschen auf Erden zn sichern. Eine neue Technik wirb dazu geschaffen werden müssen.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 11. Juni. Tcinitatus.
S t a d t k t r ch e: Vormittags 8 Uhr, zugleich Chcis- tknlehce süc die Neukonsicmierten aus dec MatthäuS- gemeinbe: Pfarrer Mahr. — Vormitags 972 Uhr: Pfarrer Becker. — Vormittags 11 Uhr: Kinderkteche für die Macknsgemcindr: Pfarrer Becker.
JohanneSkirchc: Vormittags 8 Uhr, zugleich ßbriftcnlcßre für die Neukonfirmierten auS der Luckasgemeinde: Pfarrer Bechto'sheimer. — Vormittags 912 Ub' : Pfacrassistent Müller. — Vo.mittagS 11 Uhr: Klnderkirche für die Johannesgemeinde: Pfarrer Auè- feld.
Berantwottlich: Albin Klein, Gießen.