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Gießener Jeitnng

Bezugspreis 4,— MK. monatlich

vierteljährlich 12,—Mk., vorauszahlbar, frei ins Haus. Abgch 0 lt in unserer Expedition oder in den Zweig. auSgabeftellen vierteljährlich 9,— Mt. — Erscheint DienStag, Donnerstag u. Samstag. — Redaktionsschluß früh 8 Uhr. — Für Aufbewahrung oder Rücksen. dungn ich t verlangter Manuskripte wird nicht garantiert.

Druck der (Siebener Verlagsdruckerei, Albin Klein.

Lkpei>i 1 is ii : Gietzen, Südanlage 21.

anzcigenpi-eis 2,40 MK

die 44 mm breite ^ e t i 15 e i l e, für AuswartS 3,00 Mk. Die 90 mm breite Reklame Zeile 6,00 Mark. Extrabeilagen werden nach Gewicht und Gröhe berechnet. Rabatt kommt bei UeberschreimngdesZahlungS« zieteS (30 Tage), bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfall. Platzvorschriften ohneBerbindlichkett.

Verlag der ,,G i c ß e u c r 3 ei tu n g" in Gieften.

Nr. 26

Telephon Nr. 1362.

Samstag, den 1. Juli 1922,

Telephon Nr. 1 162.

35. Jahrg.

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rcchtechnik, Laut ortragstcchnik.

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Aufruf.

— Schwcc lastet der Druck der ungünstigen Wirt» schastlichen Verhältnisse auf unserem Volke. Eine Teuer­ungswelle folgt der anderen, die eine Existenz rücksichts lod unter sich begrabend und die andere in ihren Grund­mauern erschütternd. Trostlose Verhältnisse herrschen im Erwerbsleben mancher Volksschichten. Mehr denn je tritt das Problem dec sozialen Fragen an uns heran. Zu seiner Lösung wird die Mitarbeit und H'lfe sämt. ltcher Staatsbürger benötigt. Es ist eine moralische Ehrenpflicht eines jeden, überall da tatkräftig einzu- springen, wo die Tragik der Zeit Wunde auf Wunde schlägt.

Am Schwersten von aller Unbill der gegenwärtigen Verhältnisse weiden wohl die heimgesucht, die durch irgend ein Gebrechen, trotz Aufbietung aller Kräfte und Energie nicht in der Lage sind, den Kampf ums Dasein voll und ganz aufzunehmen. Zu diesen Erwerbsbe- schränktcn gehören zweifellos auch unsere Blinden. Ihr Verdienst, den sie sich meistens durch Bürsten- und Besenbinden, Stuhl-, Korb- und sonstige Flechtarbeiten, sowie Seilerei und Klavierstimmen erwerben, ist durch den Mangel dcS wichtigsten Sinnes so gering, daß der Einzelne nur selten daS zum Leben unbedingt erforder- ltche Existenzminimum erreicht.

In unserem engexen h ssischen Vaterlande sind seit einiger Zeit Bestrebungen im Gang, hier Abhilfe zu schaffen. Es soll eine Organisation entstehen, die alle hessischen Blinden umfaßt, nach Art der bereits in an­deren Bundesstaaten bestehenden Landesfürsorg-vereine. Um diese segensreiche Pläne zu verwirklichen, werden umfangreiche Mittel benötigt. Nur w-nn alle mithelfen, mirb es nicht allzuschwer fallen, die gesammelten Bau­steinchen aufeinanderzusetzen und zu einem schönen festen Bau zusammenzutun. Zur Aufbringung derselben geht daher an die sehende Bevölkerung Hessens die allelhcrz liebste Bitte, ihr Sch.rflein zuc Milderung dec unter den Blinden herrschenden Not beizutragen. Edel denkende Menschen, die ihre hilfreiche Hand zum Besten ter Blindcnsache darretchen wollen, bietet sich mannigfache Gelegenheit. In erster Linie handelt cs sich darum, den Blinden Heilsame Bcschästiguug und lohnenden Verdienst zu beschaffen, dczw. den Absatz dcr gefertigten Waren zu Or­dern Außer der Landcöblindenanstait in Friedberg, dem Blindcnb.schäfttgungèvecein von Mainz, nimmt auch der BUndkubeschäfligungsverein von Darmstadr und Umgebung, Darmstadt, Karlstr. 21 Aufträge in Repa raturcn sämtlicher FlechienalbuttN entdegin und führt Bestellungen in allen einschlägigen Artikeln dec oben erwähnten Handwerke aus.

Zur finanziellen Unterstützung und Erweitelung des als Grundlage der zu schoffend.n Organisation dienen­den „Blindenb.schäfttgungSvexein von Darmstadt und Umgebung" ist der Beitritt als unterstützendes Mitglied eine trwünschte Hilfe. Die Festsetzung deS jährlichen Beitrags liegt vollständig im Ermessen bcS E nz In n, j doch sei bemerkt, daß ein Beitrag von 100.—Mk. auf­wärts zu dem freien Eintritt in alle ju Gunsten deS Vereins in zwangloser Reihenfolge stattftndenden Ve.an- staltungen wie Konzerte, Vorträge aus allen G.bitten und Werbeausstellungen berechtigt.

Um dem Verein die Mittel zu seiner schweren und wichtigen Ausgabe zur Verfügung, fieCkn zu können, muß die größte Opferwilligkeit der sehcnden Mitmenschen angerufen werden Auch durch Vermächtnisse und Stift­ungen jeder Art können Gönner und Freunde des ge­meinnützigen Unternehmens ihren WohllätigkeitSsinn bekunden.

Zur Aufklärung des Publikums über das Blinden- Wesen im allgemeinen und zur Förderung und An­regung deS Interesses werden kleinere und größere Abhandlungen in den Spalten dieses Blattes zur Ver­öffentlichung gelangen, die dem freundlichrn Wohlwollen der Leser empfohlen werden.

Der Unterzeichnete erläßt an die gesamte hessische Bevölkerung bic innigste Bitte, sich die Not unserer Blinden zu vergegenwärtigen und ihc Herz d^m hiermit an sie gestellten Ersuchen nicht zu verschlteßen.

Jegliche Anfragen beantwortet und Auskünfte erteilt gern

E. Weide cand. rec. pol.

2. Vorsitzender des Blindenbeschäftigungsvereins für Darmstadt und Umgebung.

Darmstadt, Heidcnreichstraße 37.

Ciflung des Reiebsvereins Deutscher feuerwebringenieure in Giessen.

Im weiteren Verlauf der Tagung hält Herr Ober­brandingenieur Hildebr'and -Köln einen Vortrag über die Lehren, die sich auS dem Brande des Theaters in Dessau ergeben haben. Danach ist es notwendig, die geltende Polizcivorschrift für Theater einer Revision zu unterziehen. Besonders interessant an dem Verlauf des BranbeSjinb^bie Druckwirkungen infolge Ausdehnung der Lust bei der plötzlichen Erwärmung, die die thwre tischen Untersuchungen bei der Berliner Feuerwehr voll­ständig befiättgLbaben und bin Beweis für b;c Not­wendigkeit dec Anbringung von ^Sicherheitsventilen" an BühnenhäuserIgebracht hab.n.

Am zweiten Verhandlungstage wurden von den Vertretern berLJndustrie Vorträge über technische Neu» erungen gehalten und Neukonstruktionen von Feuer- löschgeräten^Notbeleuchtungsanlagen u.s.w. vorgeführt.

AmZdrittenZVerhandlungstage spricht Herr Baurat Dr.^Jng. Stlomon'Bremen über Brandabschnitte und Ausgangsverhältnisse bei Hochhäusern. Ec hebt die Wichtigkeit^der Schaffung vonzBrandabschnitten in ver­tikaler und horizontaler Richtung durch Brandmauern und feuersichere Decken „Bcandscheiben" hervor. Die Brandscheiben dürfen auch nicht durch die Verkchrswege wie Treppen und Auszüge durchbrochen werden. Dieses läßt sich dadurch erreichen, daß entweder die Treppen und Auszüge an den Brandscheiben abgesetzt werden, in's F<eie verlegt werden, oder im Freien liegende Zu gänge üb.r Balköne u.s.w. erhalten.

Herr Branbinnmhuc Stude Bteslau hält kritische Betrachtungen über die Wass rversorgungen auf Brand, stellen ab und bringt für bic Konstruktion der Feuer- löschgeräte berartige einschneidende neue Gesichtspunkte vor, daß die Brrsammlung eine Aussprache über das Gehörte bis zur nächstjähcigcn Mltgltcdervcrsammlung verschiebt.

Magistratsbaurat Dipl. Ing. Schaefer-Berlin be­richtet über die Möglichkeit brr Verwendung drahtloser Telegraphie bei der Feuerwehr. Aus dem Bericht geht hervor, daß die Fortschritte der drahtlosen Nachrichten­übermittlung soweit gediehen sind, daß sie im gewissen Umfange bei dcr Feuerwehr Anwendung finden können. Besonders wichtig ist die Einführung für die Nach­richtenübermittlung von der Brandstelle aus zu den Femrwachen bei so großen Löschbezirken wie der Bezirk Groß-Berlin und bei lUberla^dlöschhilfe.

Einen sthr breiten Raum der Verhandlungen nahmen die Aussprachen über das Gerät für Widder- bekbung Scheintoter ein, nachdem in ütztcr Zeit schwere Vorwürfe gegen die Konstruktionen dec jetzt gebräuchlichen Apparate erhoben wurden, sodaß auch das Reichsge­sundheitsamt sich mit der Angelegenste blassen mußte.

Die Aussprache führte zu dem Ergebnis, daß ein Grund zu ernsthafter Beunruhigung nicht vorhanden ist.

Die Verhandlungen des Reichsvereins Deutscher Feuerwehringenieure haben dem Außenstehenden gezeigt, in wie aufopfernder Weise di F ucrwehringenieure dcr Fortentwicklung des Feuerwehrwcsens zum Schutze des L bcns ihrer Mitmenschen unb zur Erhaltung dcs nationalen Vermögens widmen. Die Tätigkeit d»s RcichèveccinS beibunt das weitgthendste Jntercss'. Es habt« sich auch dah.c bereits eine größere Anzahl im dustrikller Unternehmungen dem Vereine angeschlossen, um seine Acbetten zu unterstützen m.b auch wieder daraus einen Nutzen für sich zu ^beziehen. Es wäre wünschenswert, daß noch aus weiteren Greifen der Industrie den F.uerwehringenieucen, die ja alle Beamte find, die Mittel zur Fortführung ih:er Arbeit sicherge­stellt werden.

Das hannoversche Dorf kapern eingeäfebert

fünf Bauerngtbofte mit 25Gebäuden niedergebrannt.

Wittenberge, 13. Juni. Kaum sind die Opfer des Dorfbcandes in Rösow, wo am 5. Juni 28 Gehöfte nieberbrannten, beigesetzt, und schon wieder hat in dem ' Nachbardolfe Capern an der Elbe eine schwere Feuers- . beunft gewütet. Als gestern die Bewohner des Dorfes ! Eapern an der Becrbigung^fticr dcs bei dem Bcand' 5 Unglück in Rösow tödlich verunglückten Gastwirts Rieck

teilnahmen, brannte daS Dorf Cupern nieder. Fünf Bauerngehöfte mit 25 Gebäuden, großen Erntevorräten, landwirtschaftlichen Maschinen und anderen Jnv ntarien wurden eingcäschect. Das Bich entging nur dadurch dem Flammentode, daß cs sich auf der Weide befand. Man vermut.t, daß hier wie auch bei dem Brande in Rösow ein Racheakt vorliegt. AuSgebrochen ist daS Feuer in einer Scheune, und da die Nachbargebäude teilweise mit Stroh gedeckt waren, so fand das Feuer schnelle Nahrung. Die aus bet Nachbarschaft herbei- geeilten Wehren standen dem Feuer machtlos gegenüber. Unter den Einwohnern dec ganzen Gegend befürchtet man, daß der Brandstifter noch weiteres Unheil anrtch« ten wird. Innerhalb einer Woche sind ja nun schon auf altmärklsch hannoversch.m Gebiet zwei Dörfer von Brandkatastrophen helmgesucht worden, wobei über fünfzig Gebäude zerstört worden sind.

Solche und ähnliche traurige Nachrichten lieft man jetzt öfters fast in allen Zeitungen Deutschlands. Wenn die einzelnen Regierungen die sog. Selbstschutz Organi­sationen nicht dulden dürfen, dann ist cs dennoch an der Zeit, wenn überall „freiwillige Wachen" aus­gestellt werden. Jeder Zentner Heu, Korn etc., j de Scheune ctc. durch Feuer z rstört, ist ein Verbrech'n am ganzen Volk.

Lokales.

♦ * Das Amtsverkündtgungsblatt dcs KreisamtS vom 27. lf. Mts. enthält die Uerorbnnngen, welche dec Herr Reichspräsidcnt aus Anlaß der ruchlosen Er­mordung des Rcichsministers des Aeußeren Dr. Rathenau erlassen hat. Das Amtsblatt weist darauf hin, daß bei dem Kxciramt der feste Wille zur Durchführung dieser. Maßnahmen besteht und empfiehlt bau Polizeiamt Gießen, bin Bürgermeistereien und dcr Gendarmerie des Kreises gewissenhasteste Mitarbeit. Dem Kreisamt ist durch diese Stellen unverzüglich Mittelung zu machen, wenn Veranstaltungen im Sinne des § 1 dec Verordnung des Herrn Reichspräsidenten geplant sind, welche Be­sorgnisse dec im § 1 ebenda genannter Act entstehen lassen können. Zuständig für das Verbot solcher Bers anstaltuapen ist das Ministerium des Innern in Darm­stadt, in Ellsällen, w nn G.fahc in Verzug ist, ar.ch das Kreisamt.

Aus der Hielt.

** Den Atlantischen Ozeau auf einem Wasser, flugzcug überflogen haben die beiden portugiesischen Aviatiker Gago Coutinho und Sacadura Cabral. Die Landung erfolgte am 5. Juni um 3 Uhr 20 Minuten in Pernambuco (Südamerika), von wo aus der Weiterflug in der Richtung auf Rio de Janeiro erfolgte.

Literarisches.

** „Die Romantiker der deutsche» Musik" ^Schubert, Weber, Marschner, Lortzing, Mendelssohn, Schumann, Liszt, Wagner, Brahms.) von Walter Nohl. Verlag von P. I. Tonger, Köln n. RH., Preis Mk. 48.—. — Aus der Feder des Verfassers der „Klassiker der deutschen Musik" erschien nun­mehr ein weiterer Band über die deutschen „Romantiker". Auch dieses Buch gibt in charakteristischen Zügen das Leben und Schaffen dieser Meister im Rahmten ihrer Zeit und Umgebung wieder und zeigt zugleich die Enttvicklung der musikalischen Ausdrucks- möglic^ieiten dieses Zeitabschnittes, der in die Musik der Mo- dernen übergeht. Unter Vermeidung von Anekdoten fesseln die Abhandlungen durch Lebendigkeit der Darstellung in fliehender, allgemeinverständlicher Sprache.

Btrawwortlich: Albin Klein, Gießen.

De? echte

Wirkliches Malz, nicht nur einfach geröstetes ■•»

Getreide,daher wohlschmeckendX^- WWW und stets bekömmlich ’ x