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22. Deutscher
Bandwerka- u Oewerbekammertag in Braunschweig.
Am 28. und 29. März hat in Braunschweig die 22 Vollversammlung des Deutschen Handwerks- und GewerbekammertageS stattgefunden, die in der üblichen Weise mit Verhandlungen deS geschäftsführenden Ausschusses dtö KammertageS und der verfchirdenen Kommergruppen verbunden war.
Die geschlossene Mitgliederversammlung am 28. März eitelste ihre Zustimmung zum Tätigkeitsbericht, zum RechnungSprüfungSbericht zu der vorgkfchlagenen Neuregelung des Umlageverfahrens, zum Haushaltsplan für 1922 — 23 und zu dem Antrag der Geschäftsstelle auf Erwerb bir öfftntlichen Rechtsfähigkeit für den Deutschen Handw'ilS und Gewerbekammertag. Mit der Prüfung der Tätigkeit deS AufstchtsrateS der Har ptstclle für gemeinschaftliche HandwerkslUffrungen in Berlin wurde auf Antrag Dir Geschäftsstelle ein fiebengliedrtgec Ausschuß b.auftragt Generalsekretär Dr. Meusch er stattete Bericht über die Verhandlungen des 15en Ausschusses des deutschen Handwerks vom 24. März zur Frage des
MerhSltntsse» der HaudwerKerbünde zu den Handwerkskammern.
Die Versammlung trat einem, vom 15ec Ausschuß ge. faßten Beschluß bei, der den Willen zur gemeinsamen Arbeit im Rahmen deS Rcichsverbandes des deutschen Handwerks unter Wahrung der gegenseitigen Rechte ausspricht.
Die Anzahl der Mitglieder bcS gcschäftsfühc^i dcn Ausschuss s wmde auf 13 erhöht und zwar wurde der Handwerlskammtr für dos östl.che Preußin in Königs- berg mit Rücksicht auf die fchwirrige Lage drS vom Reich abgetrennten OstpclußenS ein flänbigrr Sitz und den bayerischen (Nürnberg), den niedersächsischen (Oldenburg) und bin rheinisch westfälischen Kammern (Düssel- dors) je ein weiterer Sitz im Ausschuß gewährt. An die Sülle der ausschetdcnden Gewerbckammern Hamburg und Leipzig treten die Gewerbekammern Bremen und Chemnitz
Den größten Raum in den Verhandlungen der Vorversammlung nahm die Besprechung des ersten PunklrS der Tagesordnung.d^r Vollversammlung
»Die Stell mag der Handwerks- und Gewerbe- kammer« in der Mtrtschaftsverfaffnng"
ein. Die vom geschästSführenden Ausschuß hierzu vor- gelegten E.-tschlteßungln wurden nach lebhafter Eröc- terung gegen 2 Stimmen angenommen.
Zu der öffentlichen Vollversammlung selbst am 29. März waren zahlreiche Vertreter der Regierungen biâ Reichs und der Länder erschienen, die durch ihre Anwesenheit bewiesen, welche Bedeutung den Vollversammlungen deS KammertageS beigelegt wird.
Zunächst gab der Generalsekretär des Kammecta- geS Dr. Meusch einen groß angelegten Rückblick und Ausblick über die Stellung der Handwerks- und Ge« welbekammern in der Wictschaftsverfaffung. Die Ausführungen deS Berichterstatters verdienen um so größere Beachtung, als in ihnen für die gegenwärtigen Verhandlungen deS VcrsoffungSausschuffeS des Reichöwirt- schastSrats über die Neugestaltung dec deutschen Wirt, schaftsverfoffung die Stellungnahme der amtlichen Be- rufSvertretungen des Handwerks umschri ben wird. Auf den Inhalt deS Vortrages kann hier nicht näher ein gfgang n werden; h rvorgehob.n sei nur olS Leitgedanke das B.kcnntnrS zur berusSständischen Gemeinschaftsarbeit auf der Grundlage der Selbstverwaltung der Unternehmer und dec Arbeitnehmer. Immer deutlicher schä'.t sich heraus, wie das Handwerk unbeirrt durch mancherlei Anfeindungen ocganisationöpolitisch auf dem Wege zur Anerkennung als selbständiger Be-
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Samstag, den 1. April 1922
rufsstand fortschrett t und bereit ist, mit den Arbeitnehmern seines Berufsstandes zu einer befriedigenden Zusammenarbeit zu kommen. Es scheint nicht über- flüffig, zu betonen, daß das Handwerk durch die Eigenart feiner wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse besonders befähigt erscheint, den Ausgleich zwischen Kapital und Arbeit innerhalb seinlS Berufs standeS zu vollziehen.
Im Anschluß an den Vortrag wurden 2 Entschließungen mit den Stimmen aller Kammern gegen durchschnittlich 10 Stimmen angenommen. In brr ersten Entschließung wird die Beibehaltung dec HandwerkS- unb Gewerbtkammern im Sinne deS Entwurfs eines Gesetzes über die Berufsvertcetung gefordert, ferner für den HandwcrkSkammertag die Verleihung der Rechtsfähigkeit.
In der zweiten Entschließung erklärt der Handwerks- und Gewerbekammertag seine grundsätzliche Be- reitschast zur berusSständischen GemeinschasiSacbeit zwischen Unternehmern und Arbeitmhmern. Diese soll sich aufbauen auf die Handwerks und Gewerbekammern auf dec einen und die Gesellenkammern auf der andern Seite. Beide Vertretungen tnffm sich zur Zusammenarbeit in einem gemeinsamen Ausschuß mit dem Namen BerufSkammec für Handwerk und Gewerbe, dessen Auftt0ben gesetzlich scstzulegen sind. Den bisherigen und den Gesillenkammern bleibt das Recht dec Vec- waltungStätigkeit, der Berufskammer soll eine begutachtende Tätigkeit gegeb.n werden und die Regelung drS LehrlingSwesenS.
U ber die
Auswirkungen der IudustriekarteUe auf das
Handwerk
sprach Landtagsabgcordncter; Irl, der ausfi'ihclich die Klagen des Handwerks üb:r die aus dec Monopolstellung einzelner Industriezweige erwachsenden Schädigungen darlegte.
Ec schilderte weiter, was bisher zwischen den beteiligten Organisationen und der Regierung zur Beseitigung dieser Mißstände geschehen ist. Beim ReichS' wrrtschastSministerrum ist rin Kartcllbeicat gebildet worden, dem auch ein Vertreter des Handwerks angehört. Weiter sind Verhandlungen angebahnt wegen der Belieferung der Genossenschaften durch die Industrie. DaS Handwerk ist durchaus bereit, auf dem Wege der gegenseitigen Vcrßändigung unter ben wirtschaftlichln Elwerbsständen zur Beseitigung der dem Handwerk und ber Allgcrminheit erwachsenen Schädigungen bei- zutragcn. Sollte dirsis indls nicht gelingen, so müßte eine gesltzliche Regllung des Kartellwesens verlangt werden.
Der geschästssührende Ausschuß dcs KammrrtageS wurde hierauf beauftragt, die Frage der gesetzlichen Regelung des KaltellwesenS näher zu prüfen und zu gegebener Zeit geeignete Vorschläge hierfür vorzulegen.
Als letzten Punkt der Tagesordnung behandelte Generalsekretär Hermann
Die Frage der |l enge Haltung der wirtschaftlichen Organisation des Handwerks
mit besonderer Bezugnahme auf die F age decWiedec- gutmachung. Ter Inhalt seiner Ausführungen läßt sich etwa dahin zusammenfossen, daß das Handwerk sich nicht'mit der Behauptung sunes blöherigen Absatzgebietes begnügen darf. Die Beschränkung der Auf- nahM'sähtgkUt des inneren Marktes, das Sinken der Kaufkcaft der Bevölkerung und die drohende Wirt chafts kcisis rücken vielmehr die Gefahr unzureichender Beschäftigung in die Nähe und zwingen eS, neue Wege für seine Eczeugniffe zu suchen. Das fei auch durcbaus möglich, wenn das Handwert den Grundsatz der Oua- lÜätSaibdt hochhalte, und zwar einmal durch Beteiligung an den Wiederaufbauarbeiten, insbesondere in Rutzlaiid und den Baikauländern, und ferner im Export. Notwendig hierzu sei die Schaffung geeigneter Organisationen, um die Verbindung mit den auftraggebenden Stellen und d^m Großhandel hcrzustellen. Der Berichterstatter gab dann eine Uebersicht über die bestehenden Formen dec Wirtschaftsorganisationen des Handwerks und begründete die Notwendigkeit, eine gewisse Ordnung unter diesen zu schaffen. Oberster Leitsatz dec wiitschastlichen Organisation müsse aber unt r allen Umständen die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Scibstverantwortung des einzelnen Betriebes sein. Die Versammlung schloß sich diesen Ausführungen an und beschloß, die weitere Bearbeitung der Angelegenheit dem bekannten 15er Ausschuß des deutschen Handwerks zu überweisen, der auch das neue Bcrufsgesitz vecabschle- det hat.
Zclevhon Nr. 1162.
3b. Jührg.
„Unsere lieben 6ä[ie.“
Der Zahlungsaufschub, den unS die R<paratlonökoln- niisfion unter unerhö ten Bedingungen voriäusiz gewährn will, wird so lange eine großsprecherische Geste bleiben, als die Entente nicht selbst einmal damit an- fängt, Deutschland durch ihre Missionen auszusaugen. Durch die Kontrollkommissionen aller Act, die die Ent- rnte immer noch bet uns unterhält, werden alljährlich Millionen ve, schlangen, die zu anderen Zwecken besser Verwendung finben und vielleicht gerade dec Entente bisscre Dienste als bisher leisten könnten.
D.e Interalliierte Militär-Kontrollkommission, die auch früher schon nicht Hunger zu leiden brauchte, hat sich vor einiger Zeit mit rückwirkender Kraft vom 1.9. v. IS. ihr Einkommen um nicht weniger als 100 Pro- z nt erhöht. Für November und Dezember wurden die Bezüge abermals heraufgesetzt und nun bekommen — vorbehaltlich weiterer Teuerungszulagen — „unsere lieben Gäste" etwa folgendes Monatsgehalt:
L dec General u. Vorsitzended. Commission 65 500 Fc.
2. der General . 48300 )„
3. der Oberst und der Ob-rrstleutnant . 34 500 „
4. der Major . 3t 000 „
5. Hauptmann, Oberleutnant u. Leutnant 29 300 „
6. Unteroffizier . 16 000 „
7. der Gemeine . 9 600 „
234 200 Fr.
Zu diesen Einkünften hat man dem teutschen Vo'ke aber auch noch die Zahlung des Dienst-gehaltes aufgc- bürbit, das die Kommtssionsmitgltcdec von ihrem Het- matSstaat zu erhalten hättin. Ein französischer Dlvi- sionsgcneral erhält jährlich 33000 Franken. Angesichts des niedrigen Standes der Mark ergeben sich bei der Umrechnung dieser Fconkengehältec geradezu Märchen^ hafte Zahlen. Shin deutscher Minister kann sich etnrS solchen Einkommens rühmen. Abcr damit noch nicht genug. Deutschland muß auch die Wohnung, die Reisen usw. der Kommissionen aus seiner Tasche bezahlen. Man hat berechnet, daß die Unterfunft des Generals Rollet allein uns jährlich über 350 000 Mark kostet
Den englischen Kommiss onSmrtgliedcrn geht es dank ihrer besseren Valuta noch glänzender. Ein ge- wohnlicher englischer Soldat in der èd^eibftube der Kommission erhält — man hö.e und staune! — zur Zeit über 360 000 Maik jährlich.
Zu Beginn des Jah-cS 1922 betrugen die monatlichen Kosten dec Kommission, der die militärische Überwachung Deutschlands übertragen lift, etwa folgende Summen:
für Unterbringung im Standort 1 970 000 Mk. „ „ auf Dienstreisen . 34 000 „
„ Unterhaltung und Unterbringung der Kraftwagen . . 1950 000 „
„ Geschäftspersonal und Bedarf . 740 000 „
4 694 000 Mk.
Das find aber nur die monatlichen Kosten für die eine Kommission des Generals Rollet. N^ben dieser bestehen u. a. noch Kommissionen zur Überwachung der Marine, des Luftfahrtwesens usw. Auch die Kosten dieser Kommiss-onen muß Deutschland tragen.. Wie lange soll d-r Unfug noch dauern?
Verantwortlich: Albin Klein. Gießen.
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