tosen
Gießener Ieitnng
^ Hand- Sewerbe
vezugspreis 25 pfg. monatlich
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^“si"^i. Nr. 44
Web die 8
Telep Hon: Nr. 362.
Samstag, den 31. Mai 1913.
Telephon Nr. 862.
25. Jahr«,
HK Deutz,
Die aufzubringenden Rosien für die Webroorlage
jaun . den in den Regierungs- wie auch in den Partei- und nussir. 47. werbskreisen seit Wochen eingehende Beratungen ver- ad)l. Es wap von vornherein klar, datz bei dem tilgen teuren Lebensunterhalt die kleinen und nied- Jäcti Einkommen vor neuen Steuern verschont bleiben
^»rÄ*6!* Schar- In der letzten Donnerstag-Sitzung der Budget- des Reichstages lagen nun zur Beratung einmaligen Wehrbettrages Anträge verschiedener rieten vor, die fast durchweg eine Staffelung der ein- Vermögensabgabe und der Abgabe von den rlaTu0^ Einkommen forderten. Nach längerer Debatte
inLe0?(dte der Vorsitzende an, daß je zwei Mitglieder jeder mit dem Reichsschatzsekretär Kühn zu einer be- äderen Besprechung zusammeMrelen möchten, um so — ---einer Verständigung zu gelangen. Diese Besprechung
tirlrbmieeM*** * bereits am Donnerstag nachmittag statt. Ueber
Ergebnis wird folgendes gemeldet:
M^ Die Besprechung dauerte drei Stunden. Darin . Kirsch, Braunschweifr)c eine Einigung erzielt, die im großen und ganzen —————— folgender Grundlage beruht:
Das Einkommen wird kapitalisiert, und zwar i IßChtßrncn Einkommen von 5000 bis 50 000 Mark dem 1 od)cn Vermögen, Einkommen von 50 bis 100 000 â^u.trock.Schuppenfie^ ff ^cm fachen Vermögen, Einkommen über 000 Mark dem 15fachen Vermögen gleichgestellt.— Einkommen werden 5 Prozent als Vermögens - utausschiäg^Aderbei^ abgezogen. — Einstimmig angenommen wurde Heranziehung der Einkommen von 5 0 0 0 tv b\$\w verebbe1 li-iif an aufwärts. — Vermögen ünter Mark tüung’* 0 0 0 sollen freibleiben, jedoch mit der Ein - ^bewahrte ™^1 Anfang, daß Vermögen von 30 bis 50 000 Mark KinD-SaiDeinnigen steuerpflichtig sind, der gleichzeitig ein rti von schädlich. Bestenifiynm von 2 0 0 0 Mark und mehr hat.
n^lch^ Die Steuersätze werden ausgestaffelt, doch sind die der Höhe noch nicht festgelegt.
Weinböhla ■ Dresden,? ----- -----------------
serzeit abgehalten hat.
* Berlin, 29. Mai. Heute mittag trafen der Prinz und Prinzessin Ern st August, Herzog und Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg, zu einem kurzen Besuche beim Kaiserpaar im Neuen Palais ein. Nachmittags erfolgte die Abreise nach A l m= t a I bei Gmunden.
* Generalseldmarschall und Armeeinspekteur Frhr. v. d. Goltz, der am 12. August das 70. Lebensjahr vollendet, tritt nach 52 Dienstjahren demnächst in den Ruhestand. Diese Absicht des hochverdienten Strategen wird im Heere und im ganzen deutschen Volke aufs tiefste bedauert.
* Berlin. Der Reichsanzeiger veröffentlicht das
Gesetz betreffend die Gewährung von Kriegsteilnehmer.
* Die E rst e Kammer der wird dem Vernehmen nach spätestens
Beihilfen an die
Hess. Landstände Mitte Juni zur
Politische Rundschau
Zu hibw I" i»* ***•*’
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' Der Kaiser hielt Donnerstag früh auf dem rHpenübungsplatz D ö b e r i tz eine Parade über die reüle Gardeinfanteriebrigade, die sogenannte Kaiserbri- ibe, ab. Diese Uebung findet in jedem Jahre am 29. Ian statt zur Erinnerung an die Parade der 2. Garde- sa Umebrigade, die Kaiser Friedrich vor 25 Jahren n 29. Mai als einzige Parade während seiner Kai
Abhaltung einer Plenarsitzung zusammentreten, um über den voraussichtlich von der Zweiten Kammer zu genehmigenden, AusschußaMrag auf Bewilligung staatlicher Hilfsmittel für die Zentralkasse der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften Beschluß zu fassen.
In der Mittwochsitzung des Finanzausschusses der Zweiten Kammer, die sich ausschließlich mit der Beratung über diese wichtige Hilfsaktion für die landwirtschaftlichen Genossenschaften im allgemeinen und ihre neue Zentralkasse im besonderen zU beschäftigen hatte, konnte die Regierung bereits klipp und klar ihre Stellungnahme zu den Sache präzisieren in Form einer Regierungserklärung. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen : „Der Finanzausschuß beantragt, die Grohh. Regierung zu ersuchen, alsbald eine Vorlage einzubringen, wonach der Zentralkasse der hessischen landwirtsch. Genossenschaften aus den Vermögensbeständen der Gr. Hauptstaatskasse Mittel bis zu einem Betrag von einer Million Mark' zur Verfügung gestellt und geeignete Vorschläge für die Verzinsung, die Sicherstellung und die Rückzahlung dieser Mittel gemacht werden." Ein anderes erfreuliches Moment bezüglich dieser Darlehensgewährung möchten wir besonders darin erblicken, daß durch diese jetzt vorgeschlagene Beteiligung des Staates an der Zentralkasse die Regierung auch ein wesentliches Interesse, an der Geschäftsführung der Kasse erhält.
Die Z:'w eite hessische Kammer ist für Dienstag, den 3. Juni, wieder zur Abhaltung einer Plenarberatung zusammenberufen worden. Auf der Tagesordnung steht an erster Stelle die Beratung des dringlichen Antrags Dr. Osann, Brauer, Reh, Ulrich und 31 Genossen, die Zentralkasse betreffend, und in Verbindung damit der Antrag und die dringliche Anfrage im gleichen Betreff (worüber der Finanzausschuß den an
anderer Stelle eingehend behandelten Beschluß gefaßt hat). Den Rest der kurzen Junttagung werden die noch von den jüngsten Kammerverhandlungen zurückgestellten Veratungsgegenstände bilden.
s D a r m st a d t, 29. Mai. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer trat heute unter Vorsitz des Abg. Moythan zur Beratung der Besoldungsvorlage zusammen. Zunächst wurde die Vorlage über den Wohnungsgeldzuschuh einer eingehenden Beratung unterzogen. Don verschiedenen Seiten wurde die Abschaffung der Wohnungsgelder im Interesse der Gleichstellung der Beamten in Stadt und Land verlangt, während eine unterschiedliche Behandlung von anderer Seite als durch die Verhältnisse in den Städten begründet, verteidigt wurde. Bei Erörterungen der Servisklassen wurde angeregt, an Stelle der jetzigen 81 Gehaltsklassen eine Beschränkung, wie sie in Baden und anderen Bundesstaaten vorhanden ist, eintreten zu lassen. Der Unterschied, den die Regierung bezüglich des Wohnungsgeldes an unverheiratete Beamte aufgestellt hat, wird grundsätzlich vom Ausschuß gutgeheihen. Von einer Seite wird angeregt, den verheirateten, noch nicht angestellten Staatsdienstanwärtern die Hälfte des Wohnungsgeldes zu gewähren. Ueber den Gesetzent - wurf betreffend die Besoldung der Staatsbeamten, berichtete alsdann eingehend Abg. Motthan. Bei der Betrachtung der Übergangsbestimmungen fand eine Aussprache über die Nebenbezüge der Staatsbeamten statt.
* Straßburg, 30. Mai. Beide Kammern des elsaß-lothringischen Landtags wurden heute abend durch den Staatssekretär Zorn von Bulach geschlossen.
* Die Wahlprüfungskommission des Reichstages trat in die Prüfung der Wahl des Abgeordneten Fr. Werner-Gießen (Reformpartei) ein, ohne indes die Prüfung zu beendigen.
Oesterreich.
* Wien. Der am Mittwoch beerdigte österreichisch-Ungarische Generalstabsoberst Redl (er hat sich erschossen) ist tatsächlich, wie jetzt nicht mehr bestritten wird, der Spionage zugunsten Rußlands überführt worden. Das Begräbnis fand ohne alle militärischen Ehren statt. Der Bursche des durch Selbstmord geendeten Eeneralstabsobersten Redl hat gleichfalls Selbstmord begangen. Allem Anschein nach hat er mit seinem Vorgesetzten in sträflichem Verkehr gestanden.
* Ueber die Affäre des Generalstabsobersten Redl, die in ganz Oesterreich ein Riesenaussehen erregt, werden dem Kaiser und dem Thronfolger direkte Berichte erstattet. Im Parlament gingen zahlreiche Jn-
Die Nachbarn vom Heideland
Roman von Ludwig Blümcke.
(Nachdruck verboten.)
^b- braun
War Thorö auch so ziemlich erhaben über den ifcit Aberglauben, der hier auf dem platten Lande :rschte, in diesem Augenblicke wurde ihm doch angst d bange. Das nahm der Lumpenhendrik mit Genug- wg wahr und ein triuurphierendes Lächeln um- elte sein unschönes Raubvogelgesicht. — Er gab dem fetzten Thorö dann eine völlige wahrheitsgetreue Milderung des Vorganges, wiederholte Wort für >*t das da gesprochen wurde und erhöhte die Wirtz noch, indem er schloß: „Es ist in meiner Macht, ald sofort zilrückzuzitieren, damit er sich vor Gericht »fertigen kann."
War diese letzte Behauptung auch aus der Luft gc- |cit, der Müller glaubte sie.
Oh, waS würde er darum gegeben haben, wenn er
„Also seien wir klug! Sie sind ein reicher Mann und ich bin ein armer, gebrechlicher und hinfälliger Mann. Das Hausieren ist mir zu beschwerlich, ich müßte mich zur Ruhe setzen. Es wohnt ein Neffe von mir drüben in Preußen, in einer großen Stadt. Zu dem will ich ziehen. Es fehlt mir aber das Reisegeld. Geben Sie mir 100 Taler und die Reise geht noch heute los. Niemand seht den alten Hendrik wieder in Arendrup."
„Eine Frage!" keucht Thorö in größter Verlegenheit: „Wo hält sich der Ewald Lorenzen auf? Ist er nicht in Amerika?" —
Hendrik hatte keine Ahnung, erwiderte aber sehr schlagfertig: „Darüber möchte ich mich nicht äußern. Ich könnte sonst womöglich mit der Polizei in Konflikt
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rMvok.
eit Wicht da zehn Klafter rief in die Erde verwün- n könnte! — Aber was sollte er nun sagen? Nach Am Ueberlegen mußte er zu der Erkenntnis kom- i, daß Hendrik an jenem Abend hinter einem Busch seit und alles aus nächster Nähe mit angesehen gehört hätte. Ausreden würden demnach nichts Lu. Räumte er aber ein, daß es so war, dann hätte Lerl ihn in seinen Krallen. —
Mn, der kluge Gauner kam ihm entgegen, indem riedfertig sagte: „Herr Thorö, wir wollen nicht wie Michten Kinder sein, wollen uns vertragen und künftig handeln. Ich weiß ja noch viel, viel mehr, te auch beschwören, wer Lorenzens Schweine ver- 2 hat."
Das war wieder eine dreiste Lüge, aber die ver- t< ebenfalls ihren Zweck nicht, denn der gänzlich nirrle glaubre sie. ____ . __________-.._
geraten. Geben Sie mir kann es gleich bleiben, wo
„Nein, fällt mir nicht möchte, daß die Sache nicht kommt, dann würde ich '
die 100 Taler und Ihnen er steckt."
ein! Wenn ich nicht gern wieder in aller Leute Mund Dich wegen Erpressung ver-
klagen. Aber ich bedarf der Ruhe. Aufregung ist mir verboten von den Aerzten. Darum will ich Dir, wo ich weiß, daß Du ein armer Wicht bist, und wo es mir leid tut, daß ich Dich vorher so derbe anfuhr, 10 Taler Trinkgeld geben. Da nimm, hier sind sie."
„Nichts da, hundert will ich, runter tu ich es."
„Unverschämter Kerl, dann nichts!"
„Garnichts? Vielleicht aber
keinen Schilling
bekommt Ihr
die Prämie, die
Ewald Lorenzens Festnahme gefetzt ist Nun, ich durstig und müde. Adieu, Herr Thorö. Wenn nicht wollen, dann kann ich Ihnen nicht helfen." höhnisches Lachen Begleitete diese Worte.
öa-
gar
auf bin Sie Ein
„Du bleibst hier! Keinen Schritt weiter," brüllte > der Müller, außer sich vor Wut. „Komm mit nach der Mühle, sollst das Geld haben, aber gib mir Tein Wort
darauf, daß Du mir nie wieder unter die Augen treten wirst."
„Gilt Ihnen denn das Wort des — Lumpenhend- riE so viel? — Na, ich komme morgen früh. Bei Abend ist mir das nicht geheuer. Bin auch zu müde. Oder wollen Sie mir das Geld hierherbringen? Dann warte ich solange am Wege."
Thorö überlegte eine Weile und kam zu der Einsicht, daß es am besten wäre, das Geld sofort zu holen. — Das geschah denn auch und Hendrik verabschiedete sich mit dem gewohnten höhnischen Lachen.----
Dem Müller war die Lust vergangen, noch ins Wirtshaus zu gehen. Der Gedanke, Ewald Lorenzen könnte ihm eures Tages wieder in den Weg treten, beunruhigte ihn so, daß er beschloß, sobald als möglich aus Arendrup zu verschwinden.--
Krieg und Jammer.
WaS die alte Großmutter auf dem Sterbebett prophezeit und was Lehrer Holm schon lange aus den Zeitungen ersehen, stand jetzt nahe bevor. Alle Welt redete jetzt von einem Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. Als Mim Doktor Schroeder heute einen Abstecher nach dem Eichhof machte, um einmal zu sehen, wie es dort ginge, da sagte er sehr ernst zu Vater und Sohn Hinrichsen: „Die Kriegserklärung kann jeden Tag eintreten. Es wäre schlimm, Hans, wenn Du mitmütztest. Ich will gern mein möglichstes tun, daß Du durch Reklamation frei kommst, denn ich kann mit gutem Gewissen bestätigen, daß Du bei Deines Vaters Gesundheitszustand hier unentbehrlich bist."
„Das ist gut gemeint, lieber Doktor," sagte darauf der alte Hinrichsen und Mfiei reckte sich seine Riesengestalt hoch in die Höhe, und in feinen Augen leuchtete wieder das Feuer, das der Doktor längst verglommen wähnte. „Aber ein Schuft wäre ich, wollte ich mich verstellen. Gottlob habe ich mich lange nicht so gesund und stark gefühlt wie in dieser Seit (Joris, folgt.)