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Das Ende der Weifenfrage.

Der Bundesrat hat am Montag in der braun­schweigischen Angelegenheit getagt. Nach der Sitzung wurde offiziös folgende Kundmachung erlassen:

Nachdem in der heutigen Plenarsitzung des Bundesrates der Vertreter des Herzoglich braunfchwci- gisckMnebur,gischen Regierung, Staatsminister Hart­wig, unter Vorlegung der Verzichtsurlunde davon Mitteilung gemacht hatte, daß Seine Kgl. Hoheit der Herzog von Cumberland aus den Thron 23 raun - schweigs verzichtet habe, beschloß der Bundesrat ein­stimmig, dem Anträge Preußens wegen der T h r o n f o l g e in Braunschweig zuzustim- mcn.

Der Antrag lautete : Der Bundesrat wolle b e - schießen:

1. die Ueberzeugung der verbündeten Regierungen dahin aüszuspr.echen, daß die Regierung Seiner Kgl. Hoheit des Prinzen Ernst A u g u st, Her zogs zu Braunschweig und Lüneburg, in Braun­schweig im Hinblick auf die inzwischen eingetretene Veränderung der Sach- und Rechtslage mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung vereinbar sein würde;

2. die braunschweigische Landesregierung hiervon zu verständigen.

Dieser Antrag ist e i n st i m m i g im Bundesrat angenommen worden. Der zunächst zur Regier­ung berechtigte Herzog von Cumberland hat durch den Mund des braunschweigischen Stcrats^ministers seinen Verzicht aus den Thron Braunschweigs ausgesprochen, und so ist sein Sohn Prinz Ernst August, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, nunmehr regier­ender Herzog von Braunschweig, und an seiner ' Seite die Hohenzollernprinzessin Viktoria Luise, die einzige Tochter des Kaisers, die Herzogin von Braunschweig.

Der einstimmige Beschluß des Bundesrats wird dahin erläutert, daß die Regierung des Prinzen Ernst

: August in Braunschweig im Hinblick auf die inzwischen eingetretene Veränderung der Sach- und Rechtslage mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und der Reichsverfassung vereinbar sei.

VDcr Einzug des Herzogspaares in ; Braunschweig erfolgt am M o n 1 a g, den 3. No- oember. Der Herzogregent von Braunschweig und seine i Gattin verlassen am 31. Oktober das bisher ihrer Ob- ljut unterstellte Land und siedeln zum dauernden Aus- enWo.lt nach Wiligr.ad in Mecklenburg über. Mit der Stabt Braunschweig, die 25 000 Mk. zur Ausschmück­ung der Straßen und Plätze ausgeworsen hat, wett- I eifern die Privatpersonen in der würdigen und glän- ! zenden Dekorierung ihrer Häuser. Der gesamte Fest - id)mui wird einen einheitlich künstlerischen Charalter tragen. Die Fenster der Einzugsstraße sind längst bis auf das letzte vermietet, wobei es bemerkenswert ist, daß namentlich die Familien des alten hannoverschen Adels sich Plätze sicherten.

Im Braunschweigischen Landtag war am Mon- tag die Lösung, der Thronfolgesrage Gegenstand einer feierlichen Kundgebung.

Kaiser Wilhelm in Oesterreich.

Vom Jagdbesuch beim Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand in Konopischl kommend, traf KaiserWil- helm Sonntag vormittag 311 einem eintägigen Besuche bei Kaiser Franz Josef in Schönbrunn ein. In Hietzing und Penzig waren die Häuser beflaggt. Trotz des schlechten Wetters waren viele Tausende gekommen, um den Kaiser zu sehen.

Punkt 11 Uhr wurde gemeldet, daß der Zug ein- sahre. Kaiser Franz Joses trat dicht an das Gleis her­an, und die Musik spielteHeil Dir im Siegerkranz". Kaiser Wilhelm in österreichischer Generalsuniform ent­stieg dem Zuge und umarmte den Kaiser. Die Monar­chen küßten einander zweimal, schüttelten sich die Hände und sprachen längere Zeit herzlich miteinander. Die Be­

grüßung war von außerordentlicher Wärme unb In I nigkeit.

Hierauf schritt der Kaiser 3 irr Linken Kaiser Franz ; Josefs die Front der Ebrenkompagnie ab. Das Pub- likum brach in brausende Hochrufe aus. Die Monarchen verließen den Bahnhof und bestiegen den Leibwagen. Unter immer sich erneuernden Hochrufen des-Publikums

wurde die Fahrt nach Schönbrunn angetreten.

Um 1 Uhr nachmittags sand in der Kleinen Ga­lerie des Schönbrunner Schlosses das Frühstück statt. An der Mitte der Tafel saßen die beiden Herrscher, zur I Rechten von Kaiser Wilhelm saß Ministerpräsident Graf Berchtold und Wirklicher Geheinrer Rat von Treutler, zur Linken von Kaiser Franz Josef Botschafter Freiherr von Tschirschky und Botschafter von Szögyeny Rtarich.

Bald nach 3 Uhr traf der Kaiser zum Besuch des deutschen Botschafters, Freiherrn von Tschirschkp und gendorfs, aus der deutschen Botschaft ein, wo er den Tee ! nahm.

Nach der Rückkehr Kaiser Mlhelins von der dent- schen Botschaft nach Schönbrunn begab sich Kaiser Franz Joses in die Gemächer seines erlauchten Gastes, wo die Majestäten längere Zeit zusammen verweilten. Um 7% Uhr abends sand ein Familiendiner statt. 'Otach dem Diner verabschiedete sich der Deutsche Kaiser in herzlicher ; Weise von Kaiser Franz Joses und den übrigen Mit­gliedern der kaiserlichen Familie. Er ist noch am glei­chen Abend um 9 Uhr vom Penzinger Bahuhos nach Wildpark ab gereift.

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KranReakalHn contra JhrzteKbaft.

Ein außerordentlicher Deutscher Aerztetag fand am Sonntag in Berlin statt. Veranlassung zN der Tag­ung gab die Ablehnuug der Einigungs-Vor­schläge des Deutschen Aerztevereinsbundes und der wirtschaftlichen Organisation der Aerzte, des sog. Leip- i ziger Verbandes. Die Versammlung war von 448 De­legierten, die 384 Vereine mit 21 207 Stimmer ver­traten, besucht; außerdem hatten sich viele Hunderte von

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44)

Nach dem Sturm.

Erzählung von Emil Frank.

(Nachdruck verboten.)

1 Seine und ihre Stunde wird komen, die Liebe kann nicht mehr sterben, er weiß es. Und jetzt drängt es ihn fort aus dem lärmenden Fest, mit den Augen nimmt er Abschied von ihr und sie blickt ihm bestürzt nach. Lähmende Angst fäßt sie an: Ich habe ihn von mir ge­stoßen und nie kehrt er wieder, denn er ist zu stolz, um Liebe zu betteln! So gellt es durch ihre Seele, und all die Lust und Freude kommt ihr vor wie eine Farce. Unbemerkt stiehlt sie sich aus dem Saal und eilt in ihr Zimmer. Aber auch hier hat sie keine Ruhe, -va ent­zündet sie die Lampe und geht zu den Gemachern der toten Mutter. Vor ihrem Bild spricht sie aus, mav sie Micft, und leises, schüchternes Hoffen kehrt zurua in ihre Brust.

Die ältesten Bewohner von Krzem-en konnten âch lischt erinnern, jemals einen so unfreuubli coen l erlebt zu haben. Mitte September setzte das teuere Vetter ein. Es regnete Tag für Tag. Und wie reg -ue tv! In Strömen goß es. Bald war du f.u>. .l - überschwemmt. Wiesen und Felder standen rmter ier. Der Dnjestr wälzte seine hochangelch.< o len^n Fluten brausend fort. Der Fluß war hier nochaoi.^ und ungestüm, er war noch zu jung, und vom Gebirge H^r be­kam er bei solchem Wetter allzuviel Zuflun. ^au längst war das Bett des Flusses für bic _ bewaltn^n Nassermassen zu klein geworden. Sie ergolien sich naco rechts und links. Und noch immer regnete es. Schon hörte man von nah und fern Votscyatten von Unheil, rau furchtbarem Schaden, von Menschenopfern. Boll Angst wandten sich der Menschen Blicke zum Himmel. Der war ganz gleichmäßig grau und durch die dicken Molken schien das angsterfüllte Rufen der Menschen li 54 drinnen zu können. Die Kartoffeln batten nicht

mehr geerntet werden können, sie lagen im Boden und faulten.

Graf Warminski und der Faron feierten nicht. Im strömenden Regen ritten sie längs der schier unabseh­baren Wasserfläche, die von Tag zu Tag zunahm. Schloß Krzemien war sicher. Auch für 5tochanow brauch­te man nichts zu fürchten. Die Schleusen und der Damm waren stark, Baron Kappel hatte sich persönlich von der Zuverlässigkeit dieser beiden Schutzwehren überzeugt. Nein, da war keine Gefahr, das Wasser konnte ruhig noch vier Fuß steigen. Aber das Torf Krzemien war bedroht,- das lag tief, in einem Sattel zwischen Schloß und Kochanow. Der einzige Schutz­wall war der Eifenbahndamm. Wenn die Wasser nach dieser Seite durchbrachen, dann war das ganze Torf unter Wasser. Tann Gnade Gott! Tenn die alten Hütten konnten unmöglich dem Andrängen der Fluten j widerstehen, sie stillsten im ersten Ansturm zusammen.

Tie beiden Herren hielten neben der bedrohten Stel^n'v. Schiveigend prüfte Baron Kappel das Ge­lände. Er war so ruhig, als handelte es sich um eine Pfütze. G^-! Wnnvnsti war nervös. Er fröstelte, denn das Wan -c drang durch seine Kleider. Jetzt war der Varon mir sich im reinen,Wir missen Seitens" ar­me aufwersen lassen, Warminski, der Eisenbahndamm hält nicht, den spült das Wasser weg als wär's ein Maulivu- ' i ?ch. Tu mußt sofort alle Deine Leute herschicken, ^ch will die Arbeit leiten!" sagte der Ba- lOH.

Graf Warminski sprengte fort. Es war ein schwe­res Stück den auf geweideten Weg zu passieren. Er setzte dem Gaul die Sporen in die Welchen und ließ nicht nach, bis er Krzemien erreicht hatte. Sofort ließ er die Tagelöhner rufen und teilte fynen mit, was auf dem Spiele stand. Ihre Häuser seien in Gefahr, das ganze Dorf werde verwüstet, wenn das Wasser dort durchbricht.

Die Leute sahen es ein und machten sich sofort marschbereit. Ein Adjunkt ritt ins Dorf, um die Leute zusammenzurufen. Von allen Seiten strömten sie zu­sammen. Der Baron erteilte vom Pferde herab kurz und klar seine Anweisungen. Er schien sich um den Regen nicht im geringsten zu kümmern. Sein Beispiel wirkte ermunternd auf bit Arbeiter. Die Angst um das bißchen Besitz, das sie ihr eigen nannten, spornte sie zu größtem Fleiße an. Sie wühlten sich sörmlich in den schlammigen Grund ein. Stunde auf Stunde verrann. Immer höher wurde der Wall. Baron Kap­pel mußte seinen Posten verlassen. Das Wasser rann ihm am Körper herunter, floß ihm aus den Stiefeln. Er stieg vom Pferde und führte eS am Zügel fort. So wurde et wenigstens warm, denn der Frost hatte ihn geschüttelt. Endlich hatte er die Straße nach Kochanow erreicht. Ta schwang er sich wieder in den Sattel und ritt, daß das Wasser in den Tümpeln hoch aufsprttzte. In .Kochanow übergab e das Pferd einem Stallknecht. Sorgfältig abreiben und trocken füttern!" befahl er noch. Dann wanckte e. in seine Wohnung. Er hatte bei dein strömenden Regen acht Stunden im Sattel ge­sessen.

Vor Anbruch der SW ein ritt er abermals hinaus. An Ruhe 1 ar gar nicht zu denken. Er ordnete an, daß abwechse.nd gearbeitet werden sollte, prüfte die Däm­me und ritt wieder fort. Von fern her klang das Mur­meln und B-anden und Braufen der steigenden Flut, Sioch immer fiel der Regen klatfchend auf die Erde. Am Rande des Horizonts waren die Wolken wie ge­mauert. Im Zenit lichtete es sich ein wenig. Ter Ba­ron prüfte die Wolkenbildung genau. Wenns starken Wind gab. wt-rde es besser mit dem Wetter. Aber die Wurde hatten sich verkrochen.

(Fortsetzung folgt.)