I Hietzener Jettung
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Nr. 26
Telep hon: Nr. 362.
Samslag, den 29. März 1913.
Telephon 9hr. 362.
25. Jahrg
veutscdlanäz neue Heerervorlage und deren Kostendeckung.
Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am Freitag sowohl der H e e r e s v o r l a g e als auch den samt - lichen Deckungsvorlagen endgittig zugestimmt. Heute werden die verschiedenen Vorschläge der Regierung zur Deckung der Rosten besannt:
Die einmaligen Steuern werden erhoben vom Vermögen von 10 000 Mk. aufwärts ohne Staffelung in Höhe von 0,5 Prozent. Die Einkommen werden betroffen von 50 000 Mark aufwärts gleichfalls ohne Staffelung und zwar mit 2 Prozent, sofern nicht aus dem Vermögen schon ein gleich hoher Beitrag geleistet wird.
Ferner ist ein Generalpardon für frühere falsche Angaben in Aussicht genommen, das heißt also: früher nichtbesteuerte Vermögen sollen, auch wenn sie der Steu- erpflicht unterlagen, von Strafe und Nachzahlung der Steuer freibleiben.
Die laufenden Ausgaben werden gedeckt durch Erhöhung der Matrikularbeiträge um 1,25 Mark pro Kopf der Bevölkerung zu den bereits bestehenden 0,80 Mark. Die Bundesstaaten haben diese Steuer zu leisten durch eine Besitzbesteuerung, deren Form ihnen überlassen bleibt. Falls innerhalb dreier Jahre diese Besteuerung nicht vorgenommen ist, hat das Reich dafür zu sorgen durch Einführung eines Vermögenszuwachssteuergesetzes.
Ferner ist geplant ein R e i ch s st e m p e l auf Gesellschaftsverträge und auf Versicherungsverträge unter Wegfall der bisher geltenden einzelstaatlichen Besteuerung dieser Verträge.
Schließlich wird ein Erbrecht des Staates vorgeschlagen.
Diese Deckungsvorschläge scheinen nicht sämtlich auf glücklichen Eingebungen zu beruhen. Gleich die wichtige Bestimmung der unteren Grenze des zur einmaligen Steuer herangezogenen Vermögens muß zur Kritik geradezu herausfordern. 1 0 0 0 0 Mark sind heutzutage kein Vermögen, sondern ein Notgro-
schen. Man hätte die untere Grenze bei 30 000 oder noch besser bei 50 000 Mark ziehen sollen. Es ist ferner nicht einzusehen, weshalb die Einkommen von 10 000 bis 50 000 Mk. von der Steuer freigelassen worden sind. Hier wird der Reichstag nützliche Arbeit zur Sozialisierung der Vorschläge leisten können.
Die jetzt bekannt gegebene neue Heeresvorlage stellt sich als eine Ergänzung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres vom 28. März 1911 bezw. 14. Juni 1912 dar. Die neue Vorlage erhöht die Friedenspräsenzstärke von 544 211 auf 661 176 Gemeine, Gefreite und Obergesreite. Um diese Präsenz - stärke zu erreichen, sollen jährlich rund 63 000 Rekruten mehr eingestellt werden.
Die Eesamtkosten für die Jahre 1913 bis 1915 belaufen sich auf rund 183 Millionen Mark fortdauernder Ausgaben und 887 Millionen einmaliger Ausgaben. Von den einmaligen Ausgaben für Preußen, Sachsen und Württemberg entfallen 28 Millionen Mark auf Magazinverwaltung, 38 Millionen auf Bekleidung und Ausrüstung, 230 Millionen auf Unterkunft, 46 Millionen auf Truppenübungsplätze und Schießstände, 14 Millionen auf Medizinalwesen, 14 Millionen auf Trainwesen (Feldküchen usw.), 31 Millionen auf Pferdebe - schaffuNg usw., 71 Millionen auf Artillerie- und Waffenwesen, 28 Millionen auf Ingenieur-, Pionier- und Verkehrswesen, 79 Millionen auf Lustfahrwesen, 210 Millionen auf Festungen, 15 Millionen auf vorübergehende Unterkunft und 8 Millionen auf Verschiedenes.
An dem vaterländischen Opfer des Wehrbeitrages werden sich auch die deutschen Bundesfürsten beteiligen. Dieser Wehrbeitrag, der nach dem Vermögens-
Das beliebteste Hausmittel.
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stand vom 31. Dezember 1912 veranlag: wird, soll, wie gesagt, in zwei Jahresbeiträgen erhoben werden und einen Gesamtbetrag von 975 bis 1000 Millionen Mk. ergeben.
Uom Balkankrieg.
Adrianopel erobert.
Sofia, 26. März. Die Bulgaren haben Adrianopel eingenommen. General Schükri Pascha hat sich um 2 Uhr nachmittags dem General Iwanow ergeben. Nach heldenmütiger Verteidigung und monatelangem Ringen ist Adrianopel also doch gefallen. Fast auf den Tag 5 Monate hat sich Adrianopel gehalten, eine Zett, die den Veneidigern in der Tat ein glänzendes Zeugnis ousstellt.
Ueber den Fall Adrianopels liegen folgende Meldungen vor:
Bei Tagesanbruch bemächtigten sich die Bulgaren nach einem kühnen Angriff der ganzen Ostfront Adrianopels mit den sieben Forts: Aivasb'aba, Aidschioglü, Kestanlik, Kurutschesme, Jildizköschk, Topjoi und Kav- kas^Tabia, schwie sämtlicher Batterien dieser Forts. Dann wurde die Erstürmung der Festung vorbereitet. Nachdem eigens dazu ausgerüstete Soldaten die Stacheldrahtzäune durchschnitten hatten, trieben sie große Viehherden vor sich her, um etwaige Minen zur Er - plosioN zU bringen. Die 11 Meter hohen betonierten Forts mürben im Bajonettangriff eingenommen. Auch die Serben kämpften am Nordwestsektor heldenhaft.
Die Türken haben alle Depots in Baschiul, Kemer, Hadilik, Kaik und Karachköi, das Arsenal, Artilleriedepot, die kleinen Kasernen zwischen Janik und Kischla und die Spitäler, sowie die Kasernen im Norden der Stadt in Brand gesteckt. Die Flammen verheerten die Stadt.
Adrianopel, 28. März. Der Kön itg der Vulgaren, der alsbald nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Falle Adrianopels mit einem Sonderzuge bis vor die Stadt abreiste, zog heute im Automobil, begleitet von den beiden Prinzen, den Generälen Sawoff, Iwanoff, Rutscho und Petroff in Adria-
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Die Nachbarn vom Heideland.
Roman von Ludwig Blümcke.
8) (Nachdruck verboten.)
Hans ist der erste an der Brandstelle. Die Alte, deren Anblick im ersten Augenblick wie eine Geisterer- scheinung auf ihn wir'kte, schreit jetzt mit gellender Stimme: „Rette Stine, rette mein Kind! Sie ist gewiß noch in ihrer Kammer!" Dann bricht auch sie zusammen.
„Herr Gott, die Türe ist fest verschlossen!", keucht HanS, mit Riesenkräften den starken eisernen Niegel zu sprengen suchend. Drinnen brennt es schon lichterloh. Es ist auch keine Sekunde Zeit zu verlieren. Wo bleiben denn nur die anderen? —
Noch ein Ruck, ein gewaltiger mit unmenschlicher Kraft. Da krachte die eichene Tür in allen Fugen, sie ist zertrümmert, Hans kann hinein. Die Flammen versengen ihm das Haar, die Uniform beginnt zu brennen. Er achtet dessen nicht, ein Menschenleben gilt es zu retten, weiter weiß er in diesem Augenblick nichts.
Da liegt die Ohnmächtige am Boden. Wenige Sekunden noch.und der Todesengel hat seine Beute in Sicherheit. Aber der auch dem Tode zu gebieten vermag, den Hans soeben um seine Hilfe angefleht, der will es anders. —
Stine Lorenzen ist gerettet. Hans trögt sie auf seinen starken Armen wie ein Kind ans den Flammen.
Der Moorbauer reißt seine Tochter an sich, mid man hört nur den einen Satz von seinen zuckenden Lippen: „Das vergelte Dir Gott!" — Dann herzt er sein Kind, umarmt Hans, überläßt die noch immer Bewußtlose den anderen und versucht, in die Wohnstube einzudrmgen. Ueber 100 Taler bares Geld liegt in der Schublade, Geld für die Zinszahlung am 1. Julr.
Der Nachbar ist inzwischen dabei, die Kühe mit Riesenkräften aus dem Stall zu treiben, ein eitles Vtti- hen. Nur eine, der er einen Sack über den Kopf ge
zogen, läßt sich hinauszerren. Doch auch die ist verloren, kann aber vom Metzger wenigstens noch verwertet werden. Wie der Riese vom Eichhof — ja, wie ein Riese, der den Flammen zu trotzen wagt mit seiner Kraft, ist er beim Rettungswerk — nun auch im Pferdestall die beiden mit ihren Hufen wild um sich schlagenden Pferde hinaustreiben will, da kommt er zu Fall und erhält einen Schlag gerade auf den Kopf. Ein Mensch von normaler Körperbeschaffenheit hätte ohne Zweifel mit zerschmettertem Schädel tot dagelegen. Der Eichhofer aber vermag sich wieder aufzuraffen und wankt, von Hans gestützt, hinaus, blutüberströmt, schwerverletzt.
Lorenzen war es gelungen, mit einigen anderen in die Wohnstube einzudringen. Der Tisch brannte bereits, nur die Schublade hatte schon jemand herausgerissen. Wer aber nur? — Niemand wußte das.
Und der es getan, der Knecht Jürgen vom Eichhof, hütete sich wohl, das Geld herauszurücken, das er in seiner Tasche trug. Er mußte zum Ersten aus dem Dienst, weil er ein liederlicher Bursche war und hatte noch keine Stellung. Da kam ihm diese unerwartete Beute sehr zu statten. Indessen sollte das gestohlene Gut ihm nur zu bald zum Verhängnis werden. Gleich am ersten Tage seiner Freiheit betrank er sich sinnlos und fand in der Eider seinen Tod.--
Also, das sauer verdiente Geld war fort. Alles Suchen und Forschen danach blieb vergebens.
„Es ist alles, alles verloren, es ist aus mit uns!" sagte Lorenzen, und die Tränen perlten ihm über die gefurchte Wange in den grauen Bart. Ein ruinierter Mann, wie ein Bettler fühlte er sich in dieser Stunde des Jammers. Ein Trünrmerhaufen war aus dem Moorhof geworden. Nichts, rein gar nichts von Bedeutung hatte gerettet werden können von Hab und Gut. Der 1. Juli war nicht mehr fern. Die 100 Taler
Zinsen für das 1. Halbjahr mußten bezahlt werden, wenn der Gläubiger die Hypothek, die auf dem Moorhof lastete, nicht kündigen sollte. Woher das Geld nehmen? — Der nach der Stadt zu liefernde Torf war schon vorweg verkauft. Die Stieler Versicherung würde sobald nichts bezahlen und höchstens die Hälfte von dem Wert, der für ihn in dem Verlust steckte.
Wie er so dastand, schwermütig, die verkohlten, schwelenden Balken seines Hauses anstierend, da legte Stine, die sich jetzt von ihrer Ohnmacht erholt hatte, die Arme weich um seinen Nacken, schaut ihn mit ihren sanften, dunklen Augen wie ein Engel des Trostes an und spricht: m
„Vater, denke, wenn ich mit verbrannt wäre, wieviel trauriger Du dann sein würdest! Tröste Dich, wir haben junge, starke Arme, der Ewald und ich. Tu wirst keine Not leiden auf Deine alten Tage!"
Und nun kamen auch Ewald und Hans an ihn heran, um ihn zu beruhigen.
Wie sah der Ulan nur aus! Die schöne, nagelneue Extrauniform hing ihm in Fetzen vom Leibe. Ein paar nicht unerhebliche Brandwunden hatte er im Gesicht und den Armen erlitten.--
,/Jhr kommt alle mit auf den Eichhof. Da wohnt ihr vorläufig. Platz wird schon geschafft werden. Vater und Großmutter sind schon voraus. Jürgen holt den Doktor," sagte Hans. —
Der Wind hatte sich gelegt, und im Osten brach der neue Tag an. Eine frische, kräftige und belebende Luft wehte von der Nordsee herüber, den Dunst von Rauch und Qualm fortwehend von der Heide.--
Da atmete Stine tief auf, faßte des Vaters Hand fester und flüsterte ihm zu: „Sieh da, Vater, das Morgenrot!"
(Fortsetzung folgt.)