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Gießener Jettnng

vezugrpreir 25 pfg. monatlich

vierteljährlich 75 Pfg., vorauszahlbar, frei inSHauS. Abgeholt in unserer Expedition oder in den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. Erscheint Mittwochs und SamStagS. Redaktion: SelterS- weg 83. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manuskripte wird nicht garantiert Verlag derWietzener Zeitung" G. m. b. H.

Expedition: Seltersweg 83.

Anzeigenpreis 15 Pfg.

die 44 mm breite P etitzei l e für AuSwärtS 20 Pfg. Die 90 mm breite Reklame Zeile 50 Pfennig Extrabeilagen werden nach Gewicht und Grötz^ berechnet. Rabatt kommt bei Ueberfchreitung deS Zahlung». zieleS (30 Tage», bei gerichtlicher Beitreibung oder bei Konkurs in Wegfa-Ü. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Truck der Wietzener VcrlagSdruckcrci, Albin Mein.

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Nr. 43

Telep hon: Nr. 362.

Mittwoch, den 28. Mai 1913

Telephon Nr. 862.

25. Jahrg

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âf eines kauft man rikpreisen.

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Kirchplatz Nr, 9

boebzeir im Kaiserbause.

Der Hochzeitstag

tKonn trübe mit leichtem Regen, gegen 10 Uhr hellte cki jedoch der Himmel auf, und der reiche Flaggen - hmuck der dem Schlosse benachbarten Straßen konnte i nc ganze Farbenpracht entfalten. Von früher Mor­enstunde ab hatten sich im Lustgarten und Unter den -iitben viele Tausende von Schaulustigen in festlicher Stimmung eingefunden, und insbesondere die schul - eie Jugend begrüßte die Mitglieder des Kaiserlichen müses und dessen fürstliche Gäste mit jubelnden Zu- 4en.

Um 10 Uhr vormittags begaben sich der Kaiser und er Zar, von der Menge lebhaft begrüßt, zur Besichtig- itq des Zeughauses und der Ruhmeshalle, sowie des mser Friedrich-Museums. Der König von England rite sich schon um 9 Uhr vormittags nach dem Tem- elhoscr Feld begeben zu einer Besichtigung des ersten Ede-Dragonerregiments. Die Königin von England e|ud)ic im Sause des Vormittags mit dem Prinzen rib der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen das Mau- Ucum in Charlottenburg. Auch die englischen Maje- Äen waren allenthalben Gegenstand herzlicher Kund- ebunhen. Die Kaiserin besuchte den Prinzen und die rinjeifin Heinrich, um sie zur silbernen Hochzeit zu be- ückwünschen. Jm Schlosse liefen außer Telegram- eit andauernd unzählige kostbare und herrliche, Vlu- enarrangements für das Brpulpaar, zum Teil von balligem Umfange, ein.

Dre ^rauung.

Um 4% Uhr wurde im Kurfürstenzimmer des Kgl. chlojses von dem Minister des Königlichen Hauses im ^âli^I ^h de? engeren Familie des Brautpaares die stan- amtliche Eheschließung vollzogen. Dieser folgte um ' 11 br in der Schloßkapelle die Feier der kirchlichen Ver-

,mÄg durch den Oberhofprediger Dryander. Darauf bis Tiben die Grcttulatiönsdefiliercou im Weißen Saale

rühkonzèlt «^a d!e Seremonicntafel statt.

Trink!spruch d es Kaisers.

abends 8-!! Nachdem die Suppe gereicht war, brachte der Kai- f b r Kapelle r das Wohl des neuvermählten Paares in folgendem 'M. bes Migs Spruch aus :

der Leitung des ! Meine liebe Tochter! Am heutigen Ta- Abends 8 ge, an dem Du unser Haus verlässest, danke ich Dir Nndenböcke", Schv wn ganzem Herzen für die Freude, die Du mir und Mler-Perasini. Deiner Mutter immer bereitest hast, für die lange Zeit ' ß abends 8- strahlenden Sonnenlichts, das Du meinem Haufe ge- . g rfaDcHe - Abèl' wesen bist Du hast Deine Hand und Dein Herz ^nem Manne aus einem edlen deutschen Fürsten - ^Sie fe ........ ..........'^'

" ° Die Nachbarn vom Heideland.

4-6, f^«t? Sloman von Ludwig Bliimcke.

Mapelle. y^ (Nachdruck verboten.)

M^" desDie lachende Witwe" nannte man die Wirtin , Mrlov). Memein, und Leute von Ehrgefühl zogen sich mehr , â Mta mehr von der Wirtschaft, die jetzt ganz und gar in ^6, ao - . ächten Ruf geriet, zurück.

tfßuw^^ Auch Hans Hinrichsen mußte seine Schwieger- n 46% a l' ^mter verachten. Aber von Heruttnens wahrhafter war er noch immer überzeugt.

Da der Verkauf immer noch nicht geglückt war, so l 1 .nn^ der Hochzeitsterwin immer wieder aufgeschoben, einem-ft auf Ostern, dann auf Sonntag nach Ostern, dann 2w" if Pfingsten und schließlich noch ein paar Dtonate _ 1 Wunderbarerweise bedauerte Vater Hinrichsen

Abends o/4 ewige Ilufschieben, das er anfänglich für grund- ipeW; *S (N^tfefirt gehalten, schon gar nicht mehr. Vielleicht fonieiw' bes M^tc er, daß im Hause alles so ganz anders werden Leitung , Plakü'itrde, wenn Herurine erst Herrscherin darin wäre. L Mh^'' Qiz Äidjt fürchtete er, daß die guten Geister, die jetzt . abends Linnen wohnten, mit ihrem Einzug für immer ver- \A an / Äbew-'^hHen würden. Tüchtiger als Stine könnte keine ürfoPßll^n^ nach seiner Ueberzeugung sein, klüger

efltet L bester erst recht nicht. Und Stine wußte dann fort,

'hoM. , A, Hefte bliebe kein Platz wehr.

' ß

. theile- Thorö hatte jetzt keinen sehnlicheren Wunsch, als T ^al. den Eichhof nt seinen Besitz zu bekommen. Bisher tg des ö es ihm indessen nicht gelungen, den Hypotheken- $ 8 W -reyte, über die auf diesem lastende Schuld an sich zu h Aagg^ Mhè^Ksen, auch schien Hinrichsen nicht Lust zu haben, p Paris- s Erbe seiner Väter selbst für einen verhältnis- ^ig hohen Preis zu verkaufen. Die Makler be- mten ihn, schwatzten chm alles Mögliche und Un- ßlidjc vor von großer Teuerung, von Krieg und Un-

hause, aus einem deutschen Geschlecht gereicht. So­lange die deutsche Zunge erklingen wird, wird' sie erzählen von Welfen und Hohenzollern, die eine so markante Rolle in der geschichtlichen Entwickelung ge­spielt haben. Es ist Dir wie wenigen beschieden ge­wesen, der Neigung Deines Herzens frei folgen zu können und den Mann erhalten, den Du erwählt hattest.

Mein lieber Sohn! Ich vertraue Dir hiermit unser Kind an. Wir haben beide zu Dir das vollste Vertrauen, daß Du sie hegen und pflegen wirst und daß dieser Sonnenschein nun in Dein Haus einziehen wird. Mögest Du nach dem bewährten Vor­bild Deiner Ahnen Deinen Hausstand führen, in ech­ter, alter, einfacher deutscher Art und auf Gott den Herrn bauen und, wie es in Eurem Wahlspruche heißt,Alles aus seiner Hand empfangen, das Gute und Böse", bereit Schweres zu tragen und die schö­nen Tage des Glücks und der Freude dankbaren Her­zens anzunehmen.

Vor allen Dingen aher, trotz Eurer Jugend, wird es wohl bald Euch beschieden sein, anderen zu dienen und für andere zu sorgen. Möge diese Auf­gabe, die schönste, Euer ganzes Leben erfüllen, und möge die Liebe zu anderen Menschen Eure Herzen erwärmen. Möget Ihr beide und Du vor allen Din­gen, meine liebe Tochter, ein treues Kind im neuen Hause sein.

Ich bitte Euch beide (zum Herzog und der Her­zogin von Cumberland) von ganzem Herzen, unser Kind gnädigst in Euren Schutz nehmen zu wollen und in Eure Liebe einzuschließen. Alles übrige fasse ich in dem Wunsche zusammen:Gott segne Euch auf Eurem Lebenspfad, den Ihr heute gemeinsam an- tretet. Das Brautpaar Hurra ! Hurra ! ^utra !

Nach dem Trinkspruch spielte die Musiik den Ar­meemarsch Nr. 9Herzog von Braunschweig".

Der künftige Aufenthalt des vermählten Paares wird für die nächsten 8 Tage Schloß Hubertusstock sein, worauf es sich für etwa 14 Tage nach einem bei Gmun­den gelegenen Jagdschloß des Herzogs von Cumber­land begeben wird.

Berlin, 26. Mai. König Georg und Königin Mary von England benutzten den gestrigen Sonntag zu verschiedenen Besuchen in Berlin und Potsdam. Um 7 Ubr abends kehrten die Besucher wieder nach Berlin zurück. Eine Stunde später erfolgte die Abreise des Herzogspaares von Cumberland und der Prinzessin Ol­ga vom Anhalter Bahnhöfe. Der Kaiser und die Kai­serin geleiteten sie zur Bahn.

* P r i n z E r n st A u g u st, Herzog zu Braun­schweig und Lüneburg, der Gatte der Prinzessin Vikto­ria Luise, ist vom Kaiser zum R i 11 m e i st e r im Zie- then-Husaren-Negiment befördert worden.

* Wie dieB. Z. M." erfährt, ist nach den letzten Beratungen im Bundesrate, die im Anschluß an die Hochzettsfeierlichkeiten stattgesunden haben, mit Bestimmt­heit anzunehmen,, daß! der junge Herzog zu Braunschweig und Lüneburg bereits in die­sem Jahre die Regierung in Braunschweig anitreten wird. Die von dem Herzog Johann Albrecht zu Meck­lenburg geführte Regentschaft soll am 31. Oktober ihr Ende erreichen und am Tage darauf soll der feierliche Einzug des Herzogspaares in Braunschweig erfolgen. Der jetzige Regent, dessen angeblich bevorstehende Be­rufung auf den Statthatterposten in Straßburg von un­terrichteter Seite in Abrede gestellt wird, plant nach dem Abschied von den Braunschweigern eine längere Aus­landsreise und wird sich nach seiner Rückkehr wieder ganz seinen kolonialen Neigungen widmen.

Der Kaiser von Rußland Studt Berlin 1 0 0 0 0 Mark lins überwiesen.

Der König von England

hat dem Magistrat der für die A r(m e n Ber-

empfing gestern vormit­

tag den Oberbürgermeister Wermuth.

Der König von Spanien hat der Prinzessin Vik­toria Luise den Maria Luisen-Orden verliehen.

* Berlin, 26. Mai. Der Herzog von Cumber­land, der für die Unterbringung und sorgsamste Pflege des durch sein Automobil verunglückten Knaben Arthur Kühnecke in der Charitee Sorge getragen hat, lieh ge­stern vor seiner Abreise dem Knaben auf seinem Kran­kenlager eine goldene Uhr mit der Widmung: Zum 24. Mai überreichen. Das Befinden des Knaben hat sich gebessert.

glück, um ihn zum Verkauf zu bewegen, doch er blieb fest, wohl ahnend, von wem das alles ausging.

Ich kriege ihn dennoch in meine Hand!" tröstete sich Thorö.--------

Wieder verkündeten die Glocken vom Arendruper Kirchturm das liebliche Pfingstfest. Was lag für Hin­richsens und Lorenzens nicht alles zwischen diesem und dem letzten! Welch ereignisreiches Jahr!

Unter dem blühenden Apfelbaum des Moorhofs hatte sich heute eine andere Gesellschaft versammelt, Thorö mit seinen Gästen aus Kopenhagen. Die Haus­hälterin, jene Person mit der seltsamen Frisur, kre­denzte ihnen schäumenden Sekt, des reichen Müllers Lieblingsgetränk und als ein widerlicher Mitzklang tönte in den reinen Klang der Kirchenglocken der Ge­sang aus trunkener Männer rauhen Kehlen. So laut lärmte die wilde Schar, daß man es auf dem Eichhose recht wohl hören konnte. Da saßen die Getreuen in der duftenden Syringenlaube vor der Tür und schienen das Lachen ganz verlernt zu haben. Auf jedem Gesicht lag ein herber Zug der Sorge, des Ernstes.--

Von feinem Vorwerk, wie Thorö den Moorhof jetzt nannte, begab er sich zu später Stunde, als seine Gäste bereits den Rausch ausschliefen, noch zur Gastwirtschaft, da fein Durst noch lange nicht gelöscht war. Bei dem hellen Mondschein, in dem die Heide heute abend glänzte, sah er mit seinen etwas verschwommen blicken­den Augen in der Ferne eine Gestalt, die ihm Furcht einflößte, denn sie hatte etwas gar Gespenstisches an sich. Einen riesigen Buckel, zwei Köpfe und einen Pfer­defuß schien sie zu haben. Je länger er sie betrachtete, je deutlicher sah er das. Doch eben kamen ein paar Burschen an dem seltsamen Gebilde vorüber, wachten ihre Späße und schritten belustigt weiter. Das gab chm neuen Mut, er schritt dreist weiter. Und nun lachte er laut über sich selber. Das Ungetüm war ja, wie er

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Politische Rundschau.

Deutschland.

* Der Gegenbesuch des DeutschenKai- s e r s als Erwiderung der Teilnahme des Königs von England bei den Feierlichkeiten am Berliner Hofe soll nach einer Meldung des dem englischen Hofe nahesteh­endenDaily Telegraph" im August dieses Jahres erfolgen. Bei dieser Gelegenheit soll in Spithead eine Flotlenparade stattfinden, an der ein deu-tsches Geschwader, das den Kaiser auf seiner Reise begleiten wird, teilnehmen dürfte.

jetzt erfaunte, niemand anders als der Humpelhendrtk mit seinem großen Kasten und anderem Gepäck.

Ha, Lumpenbendrik, bist Du das! Und ich glaubte, es wäre der leibhaftige Teufel!" rief er gut gelaunt aus. Sehr schlagfertig erwiderte der andere, den nichts mehr reizen konnte als die Anrede, deren Thorö sich eben bediente:So, so, für einen Teufel hieltet Ihr mich und für einen Lumpen haltet Ihr mich. Wißt Ihr. ich halte Euch für beides." So eine Frechheit hatte noch niemand gewagt, dem stolzen Thorö zu bieten. Er war sprachlos.

Da fuhr der andere mit höhnischem Grinsen fort: ,^Ja, ja, der Hendrik hat eben einen Weisheitsspiegel durch den kann er in jedes Menschen Herz sehen. Auch sieht er darin, was zehn Metten im Umkreis geschieht, wer schuldig und wer unschuldig ist, kurz mancherlei, das andern verborgen ist."

Unverschämter Gauner," wetterte Thorö jetzt. Du Spitzbube glaubst einem gebildeten Manne durch Dein Geschwätz imponieren zu können? Werde Dich gleich mit Ohrfeigen traktieren!"

Vielleicht tut Ihr klüger, weiser Herr Müller, etwas zarter mit dem Hendrik umzugehen. Kommt nur mit in den Krug, da werde ich Euch und allen Gä­sten einmal eine Probe ablegen von meinem Wissem Da sollt Ihr sehen, daß ich nicht so leicht zu täuschen bin, wie die Herren Richter. Will nur einen Fall her­ausgreifen, der Euch besonders angeht. Seht, da d-â ben liegt die Sandgrube, in der Ihr am Abend des 3. Dezembers um Haaresbreite in die Hölle abgereist wäret. Soll ich Euch erzählen, wie das alles herging? Oder laßt es mich bei derlachenden Witwe" aus­kramen, damit sie es alle Hörem Hernach wird man anders urteilen und sagen: Dann ist der Ewald Loren­zen ja ein Narr, daß er ausgerissen ist! Er hat ja nur in der Notwehr gehandelt un^ dem Müller geschah ganz recht." , (Fortsetzung folgt.)