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Gießener Jeitnng

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oirrreljährlich 75 Psg., vorau-zahlbar, <rei ins Haus. Hb geb alt '.n innerer Ervedition ober m den Zweiq« auegnbeste (kn vierreljährtich 60 Pfg. Erscheint Mittl»ochä und Samstags. Redaktion: Selters» weg 23. Für Aufbewahrung ober Rücksendung nicht verlangter Wanuifrune wirb nicht garantiert. Verlag der Gießener Zeitung" G. m. b. H.

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aus

Wr. 60

Telep Hon: Nr. 862.

Samstag, den 26. Juli 1913.

Telephon Nr. 862.

25. Jahrg

Uom Balkan

Nicht zusrieden mit der Wiedereroberung Adriano- . pels, die allerdings sehr leicht war, haben die Tücken Schweinfurt, Grenzen des eigentlichen Bulgarien überschütten und J befinden sich bereits 15 Kilometet weit auf ostrumclischem h Gebiet. Sengend und brennend, wie aus Sofia gemel- bet wird, durchzieherr sie das Land, und in hellem Ent- setzen flüchtet die bulgarische Bevölkerung nach Norden.

worden. Die Verwaltung trifft alle Vorkehrungen, um die Verpflegung der gewaltigen Heeresmassen zu sichern

und len. und den

läßt alle Transportmittel für den Krieg sicher siel- Ganze Karawanen von Ochsengespannen, Eseln

Kamelen gehen täglich ankommenden Truppen

Sofia. Das Wiener

nach der Fronl ab. Bei herrscht große Begeisterung.

Korr.-Bureau meldet: Jn-

schließen, bevor nicht die Friedenspräliminarien unter­zeichnet sind. Es ist als sicher anzunehmen, daß fRut mänien aus keinen Fall den Einmarsch serbischer oder griechischen Truppen in Sofia gestatten wird. Ebenso sicher möchte man annehmen, daß Rumänien sich für die Abtretung Adrianopcls an Bulgarien einseßen wird, da sich darauf der ganze Anspruch Rumäniens auf das von ihm jetzt schon besetzte bulgarische Gebiet gründet,

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I Tie Mächte sind sich bis zur Stunde noch nicht einig, I wie sie sich zu der herausfordernden Haltung der Tür- I lei stellen sollen, die ihnen den Londoner Friedensver- I trag zerrissen zu Füßen geworfen hat.

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Vorläufig findet zwischen den Kabinetten ein reger dMeinungsaustausch statt, der wohl zu einem Ziele füh-

/om echten Obst ucht zuunterst llitershllishh ms Ci

reu muß, denn schließlich können sich die Mächte Hinhalten laissen, während die türkischen Truppen Südgrenze Bulgariens bedrohen.

Ganz unerwartet kommt da eine Intervention

nicht die

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II, Aufkl, Broses - irschi. M. !-** Sp^1 U

rumänischer Seite. König Karol hat den Sultan unter Berufung auf die guten Beziehungen daraus ausmerk - Iain gemacht, daß die Türkei Enttäuschungen erleiden tonnte, wenn sie aus ihrem Standpunkt beharren sollte.

Inzwischen steuert König Karol das Schiff der ehe­maligen Verbündeten mit offenbarem Geschick. Sein Vorschlag, die Waffenstillstandsverhandlungen uti|b den ssriedensvertrag auf rumänischem Boden abzuschließen, ist von allen beteiligten Seiten angenommen worden imb wenn nicht alles trügt, wird dieser über alle Be­griffe grauenvolle Krieg bürd) einen Bukarester Frieden beendet werden. Vorläufig versichert Rumänien, daß rs eine weitere Schwächung Bulgariens nicht dulden werbe denn ein übermächtiges Großbulgarien wäre ihm ein geradeso unbequemer Nachbar gewesen, wie ein völlig machtloses. Und auch Griechenland beteuert, daß t$ ihm auf die Erhaltung des Gleichgewichts ankomme unb dah von den europäischen Balkanstaaten keine Ver­wicklungen drohen. Leider zeigen sich aber schon einige 5chwierigkeiten, da Serbien sich weigert, eine Waffen - i mhe cintrctcn zu lassen. Wenn sich dieser Widerstand

folge der Nachricht von dem Vordringen der Türken in bulgarisches Gebiet sind alle Gesandten der Großmächte in das Palais des Königs von Bulgarien geladen wor­den, wo der König und der Minister des Auswärtigen ihrer Entrüstung über diese Verletzung des Völkerrechts Ausdruck verliehen und um ein sofortiges Einschreiten baten.

Sofia, 25. Juli. Angesichts des systematischen Verleumdungsfeldzuges, der gegen Bulga­rien und seine Armee mit Erbitterung geführt wird und der nach der Unterbrechung der Verbindungen mit Eu­ropa einen ungeheuerlichen Umfang angenommen hat, beauftragte die Regierung die Vertreter Bulgariens im Auslande, die Bitte nach Einsetzung einer internationa­len Untersuchung auszusprechen, die von offiziellen Ver­tretern der Mächte geführt werden und sich über den ganzen Kriegsschauplatz erstrecken soll.

Athen. Große Entrüstung hat hier die Meldung erregt, daß die türkischen Truppen auf ihrem Bor

marsch durch Thrazien dieselben Bulgaren.

A t h e n, 25. Juli. Wie ben die Vulgaren Dedeagatsch

Greuel verübten wie die

bestimmt verlautet, ha- geräumb

wed ThisquenV : lemisches Hei Ive n, Frankfarta.il.) ^^'^Jnq Bf - sieben glauben kann. -Sachsenhausen »

. 8, Leipzigers

auch wird brechen lassen, so wird doch wohl noch Wasser vom Berge ins Tal fließen, ehe man an

viel den

Bukarest. König Karol hat an den Sultan eine Depesche gerichtet, worin er ihm anratet, Adriano­pel aufzugeben. Die rumänische ^Regierung hat dies schon früher angeraten.

Von verschiedenen Seiten, speziell von Paris und London aus, war der Vorschlag ergangen, die rumä­nische Armee solle sich dem Vordringen der Türken entgegenstellen unb sie aus Adrianopel ver­treiben. Hierzu scheint man aber in Bukarest natürlich wenig Lust zu haben.

Die Möglichkeit einer Kooperation zur Verhinder­ung einer völligen Niederdrückung Bulgariens wird zu­gegeben.

Ferner weist man aus die Möglichkeit einer Unter­stützung Bulgariens durch Rumänien zur Wiedergewin­nung Adrianopels hin.

Politische Rundschau

Deutschland.

* Prinz Heinrich von Preußen begibt sich heute Samstag über Vlissingen nach London, mad)t am englischen Hose einen kurzen Besuch und fährt bann nach Eowes.

* Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg er­hielt am Mittwoch in Hohenfinow den Besuch des Kriegsministers v. F a l k e n b a y n und des preußi­schen Gesandten in Rom v. Mühlberg.

- Reichstagsabgeo^rdneler Dr. Ludwig Haas, der Karlsruhe als Mitglied der Fortschrittlichen Volks - Partei im Reichstag vertritt,e übernimmt, wie dieVoss. Zig." zuverlässig erfährt, demnächst eine leitende Stell­ung in der Redaktion derFrankfurter Zeitung".

* Berlin. Die Zahl der aus Anlaß des Re- tzierungsjubiläums des Kaisers vom Justizminister gc=

stellten 12 000.

sich bei

Anträge auf Begnadigung beträgt ungefähr

Nach Blättermeldungen soll die Reichsregierung den Verhandlungen der Handwerkerkonserenz im

Die militärischen Maßnabmen der T ür k c i iten darauf hin, daß man einen neuen Feldzug 4in großem Stile vorbereitet. Täglich treffen von allen Seiten ununterbrochen Verstärkungen ein. und man ist entschlossen, eine Armee von 300 000 Mann aufzustcl- lcn. Alle verfügbaren Transportschiffe sind von dem Kriegsminister zum Transport der Truppen requiriert

beu*

Wien, 24. Juli. Stelle erfährt man, es Rumänien könnte eine

An maßgebender diplomatischer sei die Auffassung vorherschend, völlige Fronländerung vorneh-

v C hat eine !-!È

5/1 " ' hewairtbr Für die unmöglich gewordene Reise osllte un näch- >ino-Salbeleiden, ^ Ren Sommer eine größere Reise unternommen werden: erst nach Tatischan in Marys Heimat, und von dorthin :TungTonW-^ Tatra oder in die Alpen, oder lonp wohin, -ter tröstete sich Damit Ein Winter m Krzemien ge- ebten sieR^omu^ allerdings nicht zu den Annehmiich.erten, denn

anr.it sonnte doch nicht tagaus, tagcin Schlttten fahren, Lnd manchmal war man total emgechmett. Dann stockte jeder Verkehr und man mußte zu ^anic bleiben. Im allgemeinen suchten sich die Adeligen um ölese Zeit durch größere Geselligkeit über die t^

I helfen. Reisen nach dem Suden oder in die Hauptstadt i waren den meisten von ihnen zu foftfüiehg; umren j froh, wenn sie im Sommer tetb^ rochen in irgend ein ^TbÄi »» W« «w» Echte Zerstreuung, keine &rcuöe, £eine anr^intg^ 16t hatte einen wahren Hunger nach ctw^ Abwechs- luua' an Betätigung dachte er gar nicht mehr. .Reist Ä', in seinem elegant ausgestatteten Arbeitszimmer, rwchte eine^isarÄte "nach d-r' anderen und blätterte tn illustrierten Zeitschriften, die er ^tzt w Menge gelt Aber weder der belletrrstrsche, noch der technische, mich sonst ein Teil nahm sein sanze- Interesse ge- fmgcn. Mißmutig schleuderte er dle Hefte in eine Ecke bes großen Schreibtisches und begann eine Wanderung dmch die Zimmer.

Er machte Pläne, um aus Krzemien for. zukommen. 8Vas ihm bisher ganz gleichgültig gewesen, auf einmal ' gewann es seine Liebe: die Politik Alles: ^'in Nam^ seine Verbindung mit Fürst Bogdan, feine Persönlich­keit, seine Rednergabe verhießen ihm al» Politiker Er- Ixlß. Er sprach mit Mary darüber. Sie hatte anfang-

men, wenn Serbien und Griechenland nicht nachgiebiger seien.

Serbien und Griechenland Xoollen nach den neuesten Meldungen keinen Waffenstillstand mit Rumänien ah-

Reichsamie des Innern auf den Standpunkt gestellt haben, daß auch juristische Personen, die ein Handwerk betreiben, den Bestimmungen über die Zwangsinnung unterliegen. Bisher hatten die amtlichen Stellen des Reiches in Uebereinstimmung mit den preußischen die entgegengesetzte Haltung eingenommen, obwohl der Wunsch des Handwerks, auch die juristischen Personen zu den Zwangsinnungen herangezogen zu sehen, wohl als sachlich begründet angesehen werden muß.

* Berlin. Nach einem Beschlusse des Bundes­rats findet im September d. Js. in allen Bundesstaa-

12)

Sr-Tch d§m Sturm.

Erzählung von EmU Frank.

(Nachdruck verboten.)

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litt

Uch ma)iv einzuwerlden, unb er fetzte sich sofort mit Den in Vetiacht kommenden Persönlichkeiten in Verbin­dung. Natürlich nahm man ihn mit Freuden auf. Von da ab hatte er sich über Langeweile nicht mehr zu be­klagen. Trotzdem feine Frau noch hinfälliger war wie zu Anfang des Winters war er oft tagelang abwesend und kehrte immer in strahlender Laune heim.

Auf einer dieser Reisen wars. Er war in Krakau in einer glänzenden Versammlung als Redner aufge­treten. Taran schloß sich eine Konferenz der Vertrau­ensmänner. Am folgenden Tage fuhr er heim. Er war sehr mit sich zufrieden, man hatte ihm stark Beifall gezollt und auch in der Konferenz hatte man ihm viel Schmeichelhaftes gesagt. Das förderte seine Laune. Da traf er am Bahnhof den alten Grafen Gasch. Der be­eilte sich, ihm zu seinen Erfolgen zu gratulieren. Sie fuhren zusarnmen. Unterwegs sprang Warminski auf: Donnerwetter, da habe ich vergessen, nach K^rzemien zu telegraphieren, wann ich komme. Wenn ich's auch in Lemberg nachhole, kann ich an der Station den ganzen Tag auf den Wagen warten. Es ist doch ein Elend, wenn mn so abgeschlossen von der Welt lebt!"

Graf Gasch machte darauf einen Vorschlag. Er sollte mit ihm fahren, heute abend bei ihm bleiben, morgen wolle er ihn dann nach Krzemien befördern.

Ist bei Euch etwas los?" fragte Warminski.

Gasch erwiderte:Wie gewöhnlich! Irgend je­mand ist ja immer da, und diese Woche sind wir an der Reihe, da kommt alles zu uns. Tu läßt Dich sonst ja gar nicht sehen. Komm nur mit!"

Warminski war einverstanden. Was wollte er denn auch machen? co er einen Tag früher oder später nach Hause kam, hatte jetzt nichts zu bedeuten.

Am Bahnhof stand der Schlttten bereit. Die Pfer­de griffen wacker aus, und das leichte Gefährt flog nur so über die glatte Schneefläche dahin. Es war eine Lust. Nur kalt wars, und Graf Warminski war froh,

als Ostrowiue, Gaschs Vesi. uim, in Sicgi kam. Ter kurze Februartag ging zur Neige) aus allen Fenstern des Schlosses strahlte Licht, es warwas los". Da waren lauter alte Bekannte, und man fühlte sich recht un­geniert. Es wurde musiziert, deklamiert, Witze erzählt, die Herren spielten, und die älteren'Damen erzählten sich Neuigkeiten.

Graf Warminski gesellte sich zu den musizierenden Gästen. Er hatte Else Tesierska neben dem Flügel er­blickt. Eben sang sie mit ihrer prächtigen, sonoren Stimrne ein Lied. Warminski verstand nur die letzten Worte:

sie

Und wenn die Liebe kommt - f c, ^ .

Weißt Du, was dann Dir fromme t & '

Soll ich Dirs sagen? K rni ih?

Schließ sie ins Herze ein, \ . <<

Latz nichts zu chr hinein: .

Kein Leid, kein Klagen. . -'

Denn bitt're Erdennot,

Die ist der Liebe Todt

Laß es Dir sagen!"

Während sie sang:Die ist der Liebe Tod!" blickte auf und sah Warminski mit ihren wunderbaren

Augen an. Ihm wars, als gingen Feuerbrände durch sein Inneres. Jene Szene im Wäldchen Wygoda. .. Ja, da war auch Erdennot, die die Liebe tötete... eine große, tiefe Liebe. . . . Wars nicht so? . . . Oder war diese Liebe doch nicht gar so groß, gar so tief, weil sie sich töten ließ? . . .

Voll Angst über solche Gedanken sie waren iyw: seit seiner Verheiratung nie gekommen, denn er wachte über seine Treue hastete er fort, ohne Else begrüßt zu haben. Er mischte sich unter die Spieler, und trotz aller Verluste saß er da mit einem verlorenen Lächelns das zu seinem starren Gesichtsausdruck nicht paßte

(Fortsetzung May .