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Gießener Jettung

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Nr. 17

Telephon: Nr. 362.

.twoch, den 26. Februar 1913.

Telephon Nr. 862.

Uom Bal .an Rrhg.

Infolge oes schlechten Wetters und nur allem auch (folge des kriegerischen Aufschwunges der Tücken ver- igern sich die mit so großen Worten angekündigten Jpcrationen der Vulgaren. Seit dem Kampfe von Bu­ir ist es zu keinem ernsten Zusammenstoß mehr ge- mmen. Bei Tschataldscha weichen die Bulgaren lang- m zurück. Schritt für Schritt rückt die türkische Ar- ee hinter ihnen nach. Die hinterste Verteidigung ©a 40 bis 50 Kilometer - vor der Hauptstadt ist eräumt. Nur kleinere Abteilungen stehen noch in den 'ttschanzungen.

Ueber die Grenzen von Albanien werde jetzt vischen Wien und Petersburg direkt verhan-

* In der Budgetkommission des Preußischen Ab­geordnetenhauses wurde am Montag zu Beginn der Beratung des Kultusetats die Frage der Festleg­ung d e.s Osterfestes erörtert. Der Kultusmini­ster erklärte, die bisherigen Verhandlungen in Rom hät- kh keine Geneigtheit für eine Aenderung seitens der ka­tholischen Kirche ergeben. Zurzeit sei Hoffnung auf eine 'Aenderung nicht vorhanden.

Stadt durch die Spanier nicht widerstandslos hinueh- men wollen. Die spanische Besatzungstruppe sei über 3000 Mann stark und, lagere auf einer die Stadt Te- tuan beherrschenden Höhe. Die Kasbahs werden von den Spaniern in Verteidigungszustand gesetzt.

Rumänien.

* Das Befinden der K ö n i g i n von Rumänien, die operiert worden ist, ist ein andauernd sehr günsti-

-4.

Türkische Schatz scheine im Werte von einer Mion Pfund sind nach Indien gesandt worden, w für ihre Aufnahme unter den Mohammedanern eis­ig Propaganda gemacht wird. Die Bevölkerung von Ionia soll sich bereit erklärt haben, Schatzscheine im Bert von 500 000 Pfund zu kaufen.

Oesterreich.

* Wien, 24. Febr. Bei einem diplomatischen Rout, der heute abend stattfand, wurde von verschie­denen Diplomaten ihrem Korrespondenten mitgeteilt, daß sich heute eine wesentliche Entspannung voll­zogen habe, so daß mehr als in den letzten Wochen be­gründete Aussicht vorhanden ist, daß sich a ll e'F ra­tz e m, die auf der Tagesordnung steheU, g ü 11 i ch lösen Und der vollständige Friede im An­züge ist. Ebenso wurde besannt, daß nicht nur R u - mänten, sondern auch Bulgarien die Ver- 'Mittelung angenommen haben, ohne irgend­welche Bedingungen zu stellen.

ges. Sie dürste in hergestellt sein.

nach

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allerkürzester Zeit wieder vollständig

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Polinrebe Rundschau

Deutschland.

* Berlin, 24. Febr. Das dänische Königs-

---- war ist heute zu einem offiziellen Besuche des Kaiser-

'âares hier eingetroffen. Auf dem Perron war zum

I ' vkko U//M5U, rttinfnrtrr A 8 A a Q Alfern A Ar sVi äHa

he mET empfange das Kaiserpaar erschienen, das die Gäste ns bas herzlichste begrüßte. Der König von Dänemark Wli Ai Hi tilg die Uniform des Hüsarenregiments Landgraf ---- Friedrich 2. Hessen-Homburg (2. Kurhessisches) Nr. 14t I. 4359. »essep Chef der König ist. Der Kaiser trug die preu-

Grinden.

... dir ktor

-^ u. Haqrmann ierr Jjt15.Oktober. SdwUi QlsldjgefleUk

sische Große Generals>uniform.

Der Kaiser stellte den König a la sutte der Ma­ine, der Königin wurde der Luisenorden mit der Jah- egzahl 1813-14 verliehen.

e Berlin. Dem Prinzen Ernst August, Herzog u Braunschweig und Lüneburg, ist der Schwarze Ad-

Frankreich.

* Paris. Delcassee besuchte den deutschen Botschafter Frhrn. v. Schön.

* Pari s. Der Kriegsminister und der Finanz- ministe^ suchten in der Finanzkommission des Senats um die Genehmigung nach, 72 Millionen für Lustschiff- fahrlszwecke, für die Verstärkung der Artillerie mit neuen FestungsgeschützeNj die eine Reichweite von 14 Kilome­tern besitzen, usw. einzustellen. Von der Vermehrung des Effektivbestandes war nicht die Rede. Die Kom­mission zeigte sich für die angeforderten Kredite geneigt. Eine eigne Abteilung) für Luftschiffahrt und Flugwesen

soll

der für für

errichtet werden.

* Varis. Offiziös wird gemeldet, dah der Rat Direttoren des, Kriegsministeriums wahrscheinlich sich Wiedereinführung des dreijährigen Dienstes alle Rekruten ausnahmslos aNssprechen werde,

* P e k i n g.

kurzer Krankheit gestorben.

China.

Die Kaiserin-Witwe Lung-M ist

Amerika.

* New - Por l'. Sonntag wurden

Suarez, als sie aus VundesdistriktsgefäNgnis chen erschossen.

In der Nacht von Samstag Madero und Vizepräsident dem Nationalpalast nach dem gebracht wurden, von den Wa-

9,16 Milliarden Gntschädiqu gen.

Die Leistungen der reichsgesetzlichen Arbeiter-Ver­sicherung und ihre hervorragende Bedeutung für die Volkswohlsahr^ sind in der Oeffentlichkeit noch wenig bekannt. Welche Riesensummen für die Zwecke der so­zialen Versicherung aufgebracht werden, zeigt eine in der letzten Ausgabe des Reichsarbeitsblatts veröffent - lichte Zusammenstellung über die Gesamtleistungen der Arbeiterversicherung. Hiernach sind in dem Zeitraum von 1885 bis 1911 an die Versicherten 9160 Millionen Mark Entschädigungen gezahlt worden, und zwar:

in

der Kränkeriversicherung (1883 1911) 4749 Mill. Mk

Unfall Versicherung (|8151911 - 2139

Invalid.-^Altersversicherung (1891/1011) 2272

mm worden verliehen worden.

^en! * Berlin. Die Vorgänge in der Berliner Ver- ' ' rmmluug der Stadtverordneten, wo die S o z i a l d e-

iGL notra 1 ie gegen die Feier zur Erinnerung an die

md Poularden her- ssmheitskriege protestierte, haben ihren T i e f st a n d [ârk 6.75 ^sichtlich des vaterländischen Empfindens in

fei, beschämender Weise gezeigt. Wie mag dem deutschen Naohn. la. Ware. Weiter das Blut in die Wangen steigen, wenn er er- u Li Wt, daß er nichr das Recht haben soll, der Väter und ihrer Großtaten zu gedenken."

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o'me^ sehe BegüEdguno für Studenten, Lehrer und Stützen der Familie. Man würde den Studenten le­diglich gewisse Erleichterungen dadurch gewähren, daß sie gruppenweise, das dritte Jahr in Städten mit Hoch­schulen abdienen könnten.

Spanien.

* Madrid. Auf Grund von Mitteilungen von Eingeborenen in Tangen wird gemeldet, daß die Stämme dp^ Gebietes von Tetuan die Besetzung dieser

Sa. 9160 Mill. Mk.

Die Gesamtsumme der Einnahmen stellt sich aus 12 640 Millionen. Diese setzten sich zusammen aus 5687 Mill. Beiträge der Arbeiter, 5029 Mill. Beiträge der Beisicherlen,^ 1229 Mist. Zinsen und sonstige Ein­nahmen und 693 Mill. Zuschuh des Reichs. Veraus - gabt (ohne Rücklggen zur Vermögensbildung) wurden insgesamt 9936 Mill. Die Kosten der Gesamlverwalt- ung bezifferten sich auf 916 Mill.

Im Jahre 1911 ist die Gesamtsumme der zur Auszahlung gelangten Entschädigungsbeträae im Ver­gleich zum Jahre 1910 wiederum erheblich gestiegen, umb ?war von 718,04 Mill, auf 767,53 Mill. Hier-

Das Glückskind.

M®®@© r Momcm von Irene von Hellmuth.

, (Nachdruck verboten.)

Die niederschmetternde Nachricht von den Verun- X irnntnofu ihres Gatten traf Rüschen ebenso unerwar- © M i» rmvorbereitet, wie die ganze Bevölkerung der r , und diesem Ansturm war die ohnehin angegrft- Gesundheit der armen Frau nicht gewachsen. Er ' BWrf sie nieder, so vollständig, - auch Doktor Pächt- s, den man auf den Wunsch -er Kranken herbeigeru- ) M hatte, an ihrer Rettung fast verzweftette.

? Ein heftiges Nervenfieber war zum Ausbruch ge- z tarnen und der treue Freun- stand beinahe machtlos | Der jHttmmen Krankhett gegenüber.

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za Er hoffte zwar, daß die kräfttge Konstttutton tm Herein Mit -er Jugend der Patientin den Sieg davon-

K Lr^en würde, allein das ließ sich nicht mit Sicherheit 2 '? r aus bestimmen.

x Indessen war über die gesamte Habe Winters -er © -turs verhängt worden. Die ganze kostbare Einrich- H >g wurde versteigert und nur mtt Mühe gelang es X .Ul stets über die einstige Braut treulich wachenden V Doktor, die unbarmherzigen Menschen, die auch über die A rinne Frau den Stab gebrochen hatten, von dem Kran- 8 immer fern zu hatten, so daß dieses in seinem bis- x gen Zustande verblieb.

V 21IS die Kranke sich außer Lebensgefahr befand, A iwt Dr. Pächtner es für seine Pflicht, sie so schonend x ^ möglich von der stattgehabten Veränderung der Ver- V Äniffe zu unterrichten. Er fürchtete, wenn die Aermste g Hk Wahrheit dessen, daß ihr nichts, auch gar nichts ver- Ä '^ö, unvorbereitet erfuhr, ein Rückfall eintreten « He.

® Kuhrg nahm die MNge Frau die schlimme Nachricht

za nur als sie erfuhr, daß der Erlös aus allem, das

x v v Wagen. Werde mit inbegriffen, nicht einmal zur V Wrie hingen ' hatte, den Leuten das veruntreute

Gut zurückzuerstatten, geriet sie tu eine furchtbare Auf­regung und rang verzweifelt die Haube.

Daß sie nichts mehr ihr eigen nannte, kümmerte sie nicht,- sie hoffte noch immer, bald von allem Leib er­löst zu sein, aber baß sich die armen, weist aus redli- chen Arbeitern bestehenden Leute durch die schändliche Handlungsweise dessen, den sie ihren Gatten nennen mußte, betrogen sahen, das war es, was ihr den meisten Kummer bereitete und für ihre Gesundheit das Schlimmste befürchten ließ.

In dieser überaus traurigen Zeit bewies sich Dok­tor Pächtner als ein wahrer Freund in der Not und er sühnte so das Unrecht, das er einst begangen.

Er sorgte, daß es der Kranken nie an treuer Pflege und kräftiger Kost mangelte, er schaffte die teuersten Weine herbei, und Röschen fragte nicht, wer das alles bezahlte. Stundenlang saß er am Bett der schwerge­prüften Frau, die so wenig Freunde besaß.

Eines Tages kam die Nachricht, daß man dem ent­flohenen Direktor Winter, auf dessen Ergreifung eine hohe Belohnung ausgesetzt war, auf der Spur gewesen sei, und daß das Schift, mit dem er die Ueberfahrt nach der neuen Welt machen wollte, bei einem Zusammenstoß mit allem, was es enthielt, in die Tiefe gesunken war. Nur einigen von der Mannschaft gelang es, sich zu ret­ten, und durch diese wurde es unschwer und zweifellos festgestellt, daß Winter in den Wellen ein nasses Grab gefunden und so der strafenden irdischen Gerechtigkeit für immer entzogen war.

Lange saß Dr. Pächtner über dieser Zeitungsnach­richt und wußte nicht, ob er es wagen durfte, sie seiner Patientin mitzuteilen. Doch nach reiflicher Ueberlegung kam er zu der Einsicht, daß es wohl am geratensten sei, wenn sie durch ihn so schonend als möglich von dem Vorgefallenen in Kenntnis gesetzt wurde. Es schien ihm besser, als wenn unvorbereitet ein neuer Schlag die arme Dulderin treffen wurde.

Recht schwer dünkte diesmal dem besorgten Manne der Gang nach dem Winterschen Hause. Unterwegs überlegte er nochmals genau, wie er die Worte wählen wollte. Er fühlte ein tiefes, inniges Mitleid, doch nie- mals den Wunsch nach dem Besitze der ehemals Ge­liebten in seinem Herzen aufsteigen.

Als der junge Doktor vor der Tür des Zimmers stand, hörte er drinnen lebhaftes Sprechen. Wer mochte das sein? Ein Bekannter nicht, aber wer nur, wer? Er öffnete leise. Röschen hielt schluchzend die Arme uw den Hals eines graubärtigen Mannes ge­schlungen. Ihr Kopf lag auf dessen Schulter, aber kei­nes bemerkte den Eingetretenen. Die beiden waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt, und Pächtner blieb an der Türe stehen, um nicht zu stören.

Schmeichelnd und liebkosend strich der Fremde über das seidenweiche Haar und suchte die Aufgeregte zu be­ruhigen.

Gräme Dich nicht, mein Liebling, Du mußt das Geschehene standhaft zu tragen suchen. Glaube mir, es ist am besten, daß er tot ist, an ein Zusammenleben mit solch' einem Schuft war ja doch nicht mehr zu den­ken."

Dr. Pächtner erschrak. Die erschütternde Nachricht war also schon eingedrungen in das stille Krankenzim­mer. Man hatte jedenfalls ohne alle Schonung der ar­men Frau die Mitteilung davon gemacht, uno er kam nun zu spät.

Während der junge Mann noch immer unbeweglich stand, fuhr der Sprecher dort fort, in den zärtlichsten Ausdrücken auf die Weinende einzusprechen.

Ich weiche nicht mehr von hier, mein armes, liebes Roselchen, bis Du stark genug bist, mich zu begleiten. Es muß zu Hause auch ein paar Wochen ohne mich gehen. Dann bleibst Du ganz und für immer bei uns in Dei­nem geliebten Wald, und Du sollst sehen, wie schnell Deine Backen wieder vet werben. O, es ist schon bei

uns, nicht, mein Herzblatt?"

(Fortsetzung folgt.)