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vtzugsprrir 25 pfg. monatlich

vierteljährlich 75 Pfg., vorau-zahlbar, frei ins Haus. Abgeholt in unserer Expedition oder m den Zweig- ausgabestellen vierteljährlich 60 Pfg. (Erscheint Mittwochs und SamStagS. Redaktion: Selters- weg 83. Für Äufbewahrnna oder Rücksendung nitti verlangter Manuskripte w.d nickt garantiert. Verlag der ,, Wiedener Zeitung " m. ,n. b. H

Expedition: Zeliersweg 83.

Anzeigenpreis 15 Pfg.

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: kommt bei Neberichrenung des Zadlui gd iT 'H, bei gerichtlicher Beuren ung oder

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Nr. 86.

1. Blatt

Samstag, den 25. Oktober 1913.

Telephon Nr. 862.

Jahrg

Sansibar wieder dsuifcb?

London, 24. Okt. DieDaily Mail" meldet

Heute: In politischen Kreisen verlautet, England werde die Kolonie Sansibar binnen kurzem wieder an Deutschland abtreten. England weit dafür entschädigt werden.

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Sansibar soll wieder deutsch werden, das nur ein Gerücht, einEs verlautet", kanrmt dieses Gerücht von einer sonst gut englischen Zeitung. Aber nicht nur die meldet diese politische Sensation, sondern

Vorläufig ist Und zwar unterrichteten Daily Mail" ganz unab-

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Bei Miß iC Erfolge er;; tzlich geschüü^ Ker-A^äfat ystem.Haa: iL ,1. auf dem 10 Xer u. der teer.* i

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der Firma von Wu^ werden, fc die berühilw H

hängig von ihr auch dasEcho de Paris". Ja, das Pariser Blatt weiß sogar noch Ausführlicheres über diese Angelegenheit zu berichten. Ein Telegramm meldet uns hierüber:

Paris, 24. Okt. Das der Regierung nahesteh­endeEcho de Paris" bringt heute ebenfalls die Nach­richt, daß England Sansibar an Deutschland abtrUen werde, und bemerkt dazu:Die Frage der asiatischen Eisenbahnen wurde zwischen England und Frankreich, ebenso wie mit Berlin und Konstantinopel erörtert. Diese Verhandlungen haben sich natürlich auch auf folgende Punkte erstreckt: 1. Aus das persilsche Gebiet und die spezielle Lage Englands im Süden Kameruns. 3m Jahre 1911 hat bereits Deutschland die russische Interessensphäre in Persien anerkannt. 2. Ueber die afri­kanische Frage. Es ist jedoch nicht bekannt, inwieweit diese Frage zwischen der englischen und deutschen Re­gierung erörtert wurde. Bereits gelegentlich der Reise Loyd Haldanes nach Berlin wurde von der afrikanischen Frage gesprochen, und es ist leicht möglich, daß Eng­land Deutschland Sansibar und die Walfisch-Bai abtritt für die Anerkennung der englischen Interessensphäre in Persien durch Deutschland."

Sanstibar war zur großen Betrübnis vieler Kolo- nialsrcunde im Reiche am 4. November 1890 von Deutschland an England abgetreten worden. Im deutsch­britischen Vertrag vom 1. Juli desselben Jahres wurde England die Schutzherrschast außer über Sansibar auch

noch über Pemba. Witu, die Küste bis Kismaju, die Inseln Patta rmd Manda übertragen, während Deutsch­land Deutsch-Ostafrika und Masia gegen 4 Millionen Mark als Besitzungen erhielt. Bis zu jenem Jahre hatte Sansibar seit 1888 unter deutscher Schutzherrschast ge­standen.

Sansibar ist eine äußerst fruchtbare und für den Handel höchst wertvolle Insel. Die Stadt selbst ist ein wichtiger Hasen, in dem jährlich durchschnittlich 5500 Schiffe einlaufen, darunter über 1600 deutsche. Einge- führt werden hauptsächlich Baumwollenstoffe, Gewehre, Munition, Glasperlen, Draht, Kohle, Metallwaren; ausgesilhrt: Gewürznelken, Elfenbein, Kopra und Kaut­schuk.

Politische Rundschau

Deutschland.

* Kaiser Milhelm ist vorgestern nachmittag 5.40 Uhr in B e n e s ch a u eingetroffen und wurde vom Erzherzog-Thronsolger herzlich begrüßt.

* Berlin. Der Geburtstag der Kaiserin wurde am Mittwoch von den im Neuen Palais ver- sannnelten Mitgliedern der kaiserlichen Familie in ge­wohnter Weise begangen. Prinz Ernst August fuhr im Kraftwagen von Rüthenow aus nach dem Neuen Pa­lais, um der Kaiserin seine Glückwünsche sowie die der Prinzessin Viktoria zu überbringen.

* Brall nschweig, 23. Okt. Die Stadtver­ordnetenversammlung bewilligte in der heutigen Sitzung ohne Debatte einen Kredit bis zu 25 000 Mk. zur Aus­schmückung der Stadt beim demnächstigen Einzuge des Prinzen Ernst August als Herzog von Brauttschweig.

* München. Der kommende Montag mit dem Zusammentritt der Kammer, der Reichsräte wird jeden - falls die Entscheidung in der Königsfrage brin­gen.

* Leipzig, 23. Okt. In einer Versammlung der, Nationalliberalen Partei in Leipzig, die einen Auf-

Iah zur bald beginnenden Agitation für die sächsische Landtagswahl bildete, erklärte der Landtagsabgeordnete Nitzschke-Leipzig, daß die nationalliberale Landtagssrak-

hon 1 ä 1 sonn

für die Frage einer Dresdener Univer, si- vcr Durchführung einer gründlichen Volksschul-Re- nicht zu haben sei.

* B erli n. Die wiederholt angekündigte Ernen­

nung des Geheimrats G anso aus dem Landwirt - schaftsministerium zum Präsidenten der Ausiedelungs - kommission für Posen und Westpreußen ist nunmehr amtlich vollzogen.

* DerReichsanzeiger" meldet : Verliehen wurde die Rote Kreuzmedaille erster Klasse der Her- zogin Johann Albrecht zu Mecklenburg, der Herzogin Robert von Württemberg und der Fürstin zu Wied; die Krone zum roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichen­laub dem Gesandten in Athen, Grasen Quadt zu Mykradt und Jsny, der Kroncnorden 2. Klasse dem Ge­sandten in Belgrad Frhrn. v. Griesinger und dem bis'engen Kanzleivorstand bei der Botschaft in Peters­burg, Geheimen Hofrat August Kinn e.

* Das Resultat der badischen Landtags­wahlen ist folgendes: Nationalliberale 8, Fortschritt­liche Volkspartei 1, Sozialdemokratie 9, Zentrum 29, Konservative und Bündler 5, Wilde 1. Es sind 20 Stichwahlen vorzunehmcn.

* Der in türkischen Diensten stehende preußi­sche Artillerie-Oberst T u' p s ch ö w s k i ist aus einer In­spektionsreise in Adrianopel an Herzschlag g c - st o r b e n. Er hatte sich das Herzleiden aus dem Rück­züge der türkischen Armee von Kirkilisse nach Lüle-Bu'r- gas zugezogen.

* Nell-Kameru n, 24. Oktbr. Der Oberleut­nant der Schutztruppe von Raven ist auf seiner Dienstreise im Nola-Bezirk bei Nauku durch einen L u n- gens ch ll ß gefallen und bereits in Nola beerdigt worden. Nähere Angaben fehlen. Raven stand bis zum Uebertritt in die Schutztruppe im November 1910 beim Infanterieregiment Graf Tauentzien von Wittem berg, 3. brandenburgisches Nr. 20.

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A Nach dem Sturm.

p Erzählung von SmU Frank.

tt) \ (Nachdruck verboten.)

. An jungen Herren mangelte es, da galt es eifrig das Aanzbein zu schwingen, wenn die Tanzlust der Damen befriedigt werden sollte. Einer der flottesten Tänzer toar Wladimir Lusenski. Er glühte vor Eifer und von U Anstrengung, seine Augen leuchteten vor Freude K prd Stolz, und sein Gesicht schien schöner, geistvoller bedeutender zu sein. Slawa Warminski hatte ihn ..... säubert; so viel als möglich tanzte er mit ihr, und in den Pausen wich er nicht von ihrer Seite.

, Eine sehr schwüle. Atmosphäre war im Tanzsaal, trotz ausgiebiger Lüftung war es drückend Heitz.Be- Weu Sie eine Erfrischung, Komtesse Slawa?" fragte Wladimir Heriot, und Slama nickte. Schon wollte er M WM eilen, da "hielt sie ihn zurück und sagte:Ich Ahe mit, Herr" Wladimir, und dann wollen wir eine «eine Promenade durch den Park machen." Wladimir war entzückt. Heute oder nie mußte ihm das Glück blühen, er mußte das Eisen schmieden! Die reizende Slawa mußte heute noch sein werden! Wie der Gedanke ihn entzückte, berauschte! Mit vollendeter Galanterie führte er sie zum Büfett, es war hier augenblicklich ziem­lich leer, die meisten Gäste waren aus der Schwüle des Tanzsaals in den kühlen Park geflüchtet. Lusenski füllte zwei Kelche mit perlendem Sekt. Hell klangen die Spitzgläser aneinander,- dabei schaute er Slawa tief in die Augen, und sie errötete von seinem Blick.

Wladimir war im Park von Krzemien wohlbe­kannt. Er führte seine holde Partnerin in einen der menschenleeren Seitenpfade. Das Scherzen und Lachen t an ihr Ohr. Am dunklen Nachthimmel

1

Äj^0< menschenleeren

r kräng gedämpft

MM glitzerte Stern

an Stern, und die Blätter erzitterten

l<icht, obwohl man keinen Windhauch spürte. Erst gin am sie schweigend zwischen Hecken und Himbeersträu

chern. Slawa war seltsam bewegt. In ihrer Seele war ein Singen und Klingen, ein Zittern und Bangen. Uno dann begann er leise zu sprechen. Seine melodische Stimme schmeichelte sich in ihr Herz, seine Worte be­rauschten sie, und eh' sie's dachte, da lag sie an seiner Brust und empfing seine heißen Küsse. . .

Da raschelte es im Gebüsch. Slawa riß sich los und wollte fliehen. Auf einmal war ihr junges Herz zag ge­worden, es war, als schämte sie sich, daß sie von Wladi­mir sich hatte küssen lassen. Scham und Liebe kämpften miteinander, und jetzt war es ihr mit einemmal, als liebte sie Wladimir nicht so, daß sie sein Weib werden konnte. Ihr romantisches Köpfchen hatte sich die Liebe anders gedacht, und als jetzt ihr Begleiter abermals warme Liebesworte sprach, da zuckte sie fast zusammen und wehrte ab. Wladimir erschrak. Sollte er sich wirk­lich getäuscht habend Er hatte so sicher geglaubt, Sla­was Liebe zu besitzen, und jetzt wies sie ihn zurück. Wollte sie" nur mit ihm spielen? Nein, nein, das war ja nicht möglich! Slawa war noch so jung. Er wollte warten. Da sagte sie auch schon:Wladimir, sind Sie mir böse? Ich kann Ihnen jetzt noch keine Antwort ge­ben? Wollen Sie warten?"

Nun war er wieder versöhnt. Freudige, stolze Zu­versicht erfüllte sein Herz. Er führte die Geliebte zurück auf den Hauptweg des Parks.

Plötzlich erstrahlte der Park in wunderbarem Licht. Das Feuerwerk begann. Raketen flogen in die Luft und jedes Zweiglein war übergossen von einer blen­denden Sir fülle. Und auch das alte Schloß erglühte, und über : Portal erhob sich flammend das Wappen der Warmiuski. Es war ein schöner Anblick.

Das Licht war erloschen, hier und da zuckte noch ein Flämmchen auf, dann starb es. Oben aus den offenen Fenstern des Saals klang süß und lockend eine Mazur­ka, und Lusenski faßte Slawa fester und sagte:Wollen wir tanzen Slawa?" Sie erwiderte:Ja, Wladimir."

So gingen sie in den Saal und mnzlen, tanzten ^.

An einem der Pfeiler stand Baron Kappel schaute gelaffen in das Wogen und Treiben. Wie langt hatte er nicht mehr an ein-m derartigen Fest teUgenom. men. Heute lockten ihn die Klänge unter das frohe Volk. Und seine Augen suchten Jadwiga, die wie eine Königin sich inmitten der Gäste bewegte. Jetzt blickte sie hin zu ihm, und für einen Moment senkten sich bei­der Blicke ineinander. Es zog ihn hin zu ihr, einmal nur mit ihr tanzen! Noch zaudert er! Soeben hat ein Walzer begonnen. Da nähert er sich ihr. Stz steht in einem Kreis junger Damen, und wie sie ibn Kimmen sieht, flutet eine Purpurwelle über Hals und Kopf. Sie ist ärgerlich, daß sie sich nicht mehr in der Gewalt hah daß sie vor ihm errötet wie ein schüchternes Mädchem Während er langsam die letzten Schritte machte, faßt sie den Entschluß, sein Engagement abzulehneu. Und in demselben Augenblick durchflutet sie Glück und Seligkeit) Mit ihm tanzen! Einmal nur! Wortlos.

Jetzt steht er vor ihr. Mit seinen Blicken umfängt er sie. Seine Züge sind verändert, nichts Stolzes ist mehr darin, und auch sie sucht und ruft vergebens ihr stolzes Herz wach, es weiß nur noch von Glück, einem großen, unnennbaren Glück.

Hann tanzen sie zusammen. Sie schweben dahin, denn sie tanzen beide mit der Seele. Kein Wort sprechen sie zueinander. Nur am Schluß flüstert er:Jadwigas Da kommt es wie Erschrecken über sie. Noch einmal will sich etwas ausbäumen in ihr und das heiße Be­kenntnis von Glück und Liebe zurückdrängen.Noch nicht," sagt sie, mehr für sich als für ihn, und er blickt sie glücklich und zufrieden an und führt sie an ihre« Platz. Sein Herz ist voll Jubel und Hoffnung. Er hat diesesNoch nicht" verstanden, wie er dieses stolze Herz, das nrh aeaen Liebe und Glück sträubt, ganz versteht.

(Fortsetzung for^./