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Nr. 85.
Telep Hon: Nr. 862.
Mittwoch, den 22. Oktober 1913.
Telephon Nr. 862.
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Zur ZâdrduMslMer.
Zur Jahrhundertfeier zu Erinnerung an die Völ- leWacht bei Leipzig hatte die Stadt Leipzig prächtigen Zlaggenschmuck angelegt.
Am Freitag vormittag schon war die Einweihung Der russischen Kirche, die zur Erinnerung an die bei Leipzig im Jahre 1813 gefallenen russischen Helden errichtet war, in Gegenwart des Großfürsten Kyrill ein- zrweiht worden.
Ein mächtiges Leben und Treiben erfüllte am Sonnabend, dem Haupttage der Völkerschlachtsfeier, yon den frühesten Morgenstunden an die festlich geschmückte Stadt. Am Eingang zu dem Rundweg beim Völkerschlachtdenk- mal erhebt sich ein kleines Fürstenzell; hier harrten die nacheinander eintreffenden deutschen Vundesfürsten, die von den Prinzen des sächsischen Königshauses empfangen wurden, des Königs von Sachsen und des Kai- fers. Kurz nach 11 Uhr trafen auf dem festlich ge - Vinüidten Hauptbahnhof der Kaiser ein, vom König Mi Sachsen begrüßt, und in schneller Fahrt ging es durch die Straßen zum Festplatz. Nach einer Begrüßung der anwesenden Fürstlichkeiten setzte sich unter Fan- [orenhängen der Fürstenzug um den Teich in Bewegung zum Fürstenzelt am Denkmal. Stürmisch wurden Die hohen Gäste begrüßt. Endlos waren die Hochrufe, tot Tücherschwenken und der Jubelklang der vielen Zuschauer. Und dann traten die Zuschauer selbst in Ak- tion-. Mächtig drang das niederländische Dankgebet: »Mir treten zulm Beten vor Gott den Gerechten" empor 11 nb beflieg der Vorsitzende des Patriotenbundes, der eigentliche Schöpfer, des Denkmals, Geh. Hofrat Thieme, die Rednertribüne zur Weiherede :
Der Redner schilderte zunächst das Erwachen des nationalen Gedankens im Frühjahr 1813, schilderte die beginnende preußische Erhebung, der sich allmählich die anderen deutschen Stämme ayschlossen und fuhr dann fort: „Hundert Jahre sind ins Meer der Vergangenheit dahingesiossen, vieles ins Meer der Vergessenheit ge-
senkt worden, doch das Andenken an die Leipziger Völkerschlacht und an die Helden der, Befreiungskriege blieben bestehen. In den Herzen des Volkes erwuchs ihnen ein dauerndes Denkmal, ein lebendiges Ehrenmal deutscher, Dankbarkeit. Deutschland vergißt seine Helden nicht. Aber was in der Seele sorgsam geborgen liegt, verlangt nach einem gewaltigen, sichtbaren Wahrzeichen. Einmal mutz es urkräftig zum Ausdruck, zur Gestaltung gelangen und sollte es einhundert Jahre währen! Nie stirbt ein großer menschlicher Gedanke! Wohlan! Hier steht der zu Stein gewordene Wille des Volkes, das sichtbare Zeichen der Dankbarkeit gegen Gott und unsere Heldenväter für unsere Freiheit und unser nationales Se’n ! Gewaltiger Zeiten gewaltiges Zeichen! — den gefallenen Helden ein Ehrenmal — dem deutschen Volke ein Ruhmes mal — kommenden Geschlechtern ein Mahnzeichen ! — hoch und hehr wie die Taten der Mütter und Väter. die Gut und Blut einsetzten für die Rettung des Vaterlandes. Nicht nur zur bloßen Feier einer flüchtigen Stunde der Erinnerung find wir hier versammelt: Nein! Dies Denkmal soll des deutschen Volkes Jubel- feiertag fein, berufen, durch Jahrhunderte fortwitenb,
deutschem Sinn und Geist zu dienen, äußere Verl^rrlichung, wenn nicht aus an der Väter Taten immer wieder neue den Enkeln erwacht! Was einst Ernst
Was ist alle dem Andenken Begeisterung in Moritz Arndt
sagte, muh Wahrheit für alle Zukunft bleiben : Das Völkerschlachtdenkmal mutz die Jrminsul des deutschen Volkes sein, wohin es am 18. Oktober jeden Jahres seine Schritte und seine Gedanken lenkt, daß alle daran
erinnert werden, daß einer Liebe sind, und Treue nädyjt Gott als und zu lieben haben.
sie Stüber eines Stammes und daß sie hinfort deutsche Liebe und das heiligste und höchste zu achten Eingedenk dieser Mahnung weihe
ich dieses Denkmal den Mannen der großen Zeit, hab die Väter in den Söhnen leben. Und so legen wir als treue Söhne des Vaterlandes heute am Hundertiahres- tage der Völkerschlacht im Geiste der Väter aufs neue das heilige Gelöbnis ab: Treu und fest zu sein im Glauben an den allmächtigen Gott, treu und fest zu
fein in der Liebe zum angestammten Fürstenhanfe, zUm Kaiser und zum Reich. Dazu verhelfe uns der Gott, der mit unseren Vätern war! Amen !
Unmittelbar erfolgte die Antwort des K ö nigs von Sachsen: Die von hoher patriotischer Begeisterung getragenen Worte, die Sie, Herr Thieme, in Vertretung des deutschen Patriolenbundes soeben an mich gerichtet haben, haben uns Deutschen tief bewegt. Sie unterstützen den gewaltigen Eindruck des gewalti- gen Denkmals, das durch die freie Opferbereitschaft beut scher Männer hier errichtet worden ist, als ein Zeichen deutscher Kraft und Einigkeit. Wie dieses Denkmal uns erinnert an blutige Kämpfe und an den Heldentod vieler braver Soldaten, die vor bunbert Jahren auf die fcm Schlachtfelde fielen, wie es uns weiter mahnt an Gottes gnädige und wunderbare Führung, der unserem Volke nach langem Ringen unb Sehnen eine herrliche Einheit schuf, so möge es nach weiteren hundert, ja nach tausend Jahren noch späteren Geschlechtern von dem heutigen Tage Kunde geben, möge es ihnen erzählen, wie in dieser Stunde Deutsche und Russen, Oesterreicher, Ungarn und Schweden ilre Knie in Verehrung vor Gott beugen, dem allmächtigen Lenker der Weltgeschichte und zu ihm beten, daß er uns den Frieden erhalte zum Wohle des deutschen Volkes, zum Wohle auch der Staaten und Fürsten, die Mir die große Freude bereitet haben, Meiner Einladung 311 folgen und bei diesem Feste durch Mitglieder ihres Hauses und durch Abordnungen ihrer tapferen Heere vertreten sind. In diesem Sinne beglückwünsche ich den deutschen Patriotenbund zu dem wohlgelungenen Werke und nehme das Denk-
mal um alle
an, den
unter Meinen Königlichen Schutz. — Und wieher klang ein Dani'gebel durch die Lust: „Nun bautet Gott. . . ."
Inzwischen eilten schnellen Laufes die Eilboten her- die hier ihren Slafettenlaus vollendeten, und von fernsten Gegenden Deutschlands, ja aus Amerika
wart den deutschen Fürsten Heil und Gruß entboten; es wai ein erhebender Anblick, diese kr,aststrotzenden Ge- ftoItciAer deutschen Jugend zu sehen, die zugleich Zeug
bürg.
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Wie ihr.
sie d.e Straße erreichte, stand Baron Kappel vor Er grüßte sie in seiner vornehmen Art, und sie
(Nachdruck verboten.)
Färberei gebt Röver
Frankfurt a. M.
^6^ dem Sturm.
Erzählung von Emil Frank.
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ilBlnbtmir gab sich Mühe genug, das kleine Herzchen zu gewinnen. LNerkwürdig, dieser Wladimir gefiel ihr immer besser, er war ja so hübsch, so lustig, so gut. Auch Ihr war es, als paßten sie beide ganz vorzüglich zu einander, und auch bie lieben alten Leute waren so gut, so recht wie Eltern.
2^3 endlich dieScheiöestunde schlug, da ging man mit dem Ber^n'chen auseinander, gute Zèachbarschaft zu halten.
Fast Tag für Tag fahren sie jetzt aus. Jadwiga hatte bei diesen Besuchen häufig Gelegenheit, Aeußerungen über Baron Kappel zu verueouL / Man beneidete ihn, das lag ja nahe, aber man wurde Dow seiner Tüchtigkeit gerecht, und das erfüllte Jadwiga mit h^ner Freude. Sie fing an, sich mit Kappel solidarisch zu fühlen.
An einem der folgenden Tage saß Jadwiga mit Mtem Buch im Park zu Krzemien. Natürlich hatte sie ihr Lieblingsplätzchen an der Parkmauer aufgesucht, und dort vertiefte sie sich in ihre Lektüre. Die Zeit verrann, leise Schatten kamen, der Abend kündigte sich an. Da klappte Jadwiga das Buch zu und blieb ein Weilchen Itt Gedanken sitzen. Jenseits der Parkmauer hörte sie Stimmen, die näher kamen. Sie erkannte Slawa. Sie kiteg auf die Bank und blickte über die Mauer auf die mit Pappeln eingefaßte Landstraße. Nein, sie hatte sich sicht getäuscht, denn dort kam Slawa und neben ihr l'Hritt Wladiuttr. Beider Augen leuchteten, und auf beider Antlitz lag heller Schein, als seien einige Strahlen der Sonne darauf geblieben. Keiner fah sie, wie sie dort prnd und lauschte. Eigentlich hatte sie die Kommenden vrsprechen wollen, aber sie schienen so glücklich zu sein; da sprang sie von ihrer Bank und ging zum Schloß.
stand vor ihm und hatte all ihre vornehme Sicherheit verloren. Feine Purpurröte war über ihre Züge aus- gegossen, und ihr Blick ging an ihm vorbei. So sah sie nicht, daß auch auf seinem Gesicht eine große Bewegung sich ausprägte, daß seine Augen mit einem ganz anderen Ausdruck auf ihr ruhten als sonst.
Doch bald hatte sich Jadwiga wieder in der Gewalt und nun nahm der Baron Abschied. Er ging sehr langsam. Ten grünen Lodenhut trug er in der Hand und sein Auge blickte hell und froh in den strahlenden Son- nenabend. Er lächelte, und dieses Lächeln ging nicht fort. Freundliche Gedanken zogen durch seine Seele. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gingen neben ihm. Aber das schönste war die Zukunft, denn sie war von Liebe durchleuchtet. In vergangenen Tagen hatte ihm dieses wärmere Feuer nicht gestrahlt. Früh waren die Eltern geschieden, und die Heimat ging ihm verloren. Wit Feuereifer hatte er den Studien obgelegen und sich mit großen Plänen getragen. Er war ja reich, befaß Willen und Energie, da konnte er schon was anfangen. Der Liebe Wunderblume wuchs für ihn, aber sie brachte kein Glück, der ältere Bruder führte das Mädchen seiner Liebe heim. Damals hatte er die Heimat verlassen. Nach langen Reisen kam er nach Galizien und blieb daselbst. Die Arbeit, das stete Ringen mit der Ungunst der Verhältnisse ließ ihn alle Enttäuschungen vergessen. Aber an Liebe dachte er nicht mehr. Die jungen Damen, die er in seinem neuen Wirkungskreise kennen lernte, ließen ihn so kalt. Und doch war in seinem Herzen ein verborgenes Sehnen nach einem anderen Herzen, das ihm in Liebe warm entgegenschlug, es gab Stunden, wo er nach Sonnenschein verlangte, wo ihm bewußt war, daß ihm etwas fehle: Liebe, Heim! Da lernte er Jadwiga kennen. Sie war so ganz anders, bei allem Stolz ein ganzes Weib. Erst war es ein bloßes
und Färberei Hugo Luckner (Inh. Gebr.
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Interesse an ihrer Psyche, doch bald schmeichelte sich ihr Bild in sein Herz. Langsam wurde sein Interesse zur Liebe, und heute war er sich dessen bewußt geworden. Und nun stand der Entschluß fest in ihm, sich Gegenliebe zu erringen. War sie nicht schon bei den letzten Begegnungen ganz anders zu ihm gewesen, viel weicher, hingebender'? Hatte sie nicht heute vor ihm gestanden in ihrer ganzen Lieblichkeit, vom Stolz entkleidet? Sie oder keine sollte sein werden, das wußte er.
Wladimir Lusenski kam häufig auf seiner Schimmelstute nach Krzemien. Wer sehen wollte, konnte es deutlich sehen, er kam Slawas wegen. Aber noch war zwischen ihnen das Wort von Liebe nicht gesprochen worden, sie leuchtete nur aus ihren Blicken, tat sich kund in dem leisen Ton, der durch alle ihre Gespräche vibrierte. Slawa war so froh und glücklich, sie wußte nichts von Zweifel und Kampf. Die Liebe war gekommen und hatte Besitz von ihrer Seele genommen, und sie fand das schön und eilt
Da kam das Sommerfest in Krzemien. Es war nach langer Zeit das erste Fest, das in dem alten Schloß gefeiert wurde. Graf Warminski hatte die Vorbereitungen hierzu seiner ältesten Tochter übertragen und Jadwiga betrieb die Angelegenheit mit allem Eifer. Frau Sojka unterstützte sie mit ihrem Rat. Es wußte schön werden.
Wagen auf Wagen rollte durch den Park. Das Wetter war nach kurzer Regenzeit fo gut, wie man es im September nur verlangen kann. Darum brachten die Gäste von Anfang an Feststimwung mit. Jadwiga machte an der Seite ihres Vaters die Honneurs mit der Ruhe und Sicherheit der geborenen Herrin. Graf Wav- Minski war stolz auf sie. Das Essen war glänzend und die Stimmung wurde von Stunde zu Stnöe froher. Nach dem Essen wurde getanzt. Slawa «ar so froh, sie sprrw^ und leuchtete und entzückte den jungen ^uf^nski. schon ihr Tischherr gewesen, mehr und wehr- W